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Europäische Kommission

MEMO

Brüssel, den 10. Juli 2013

Europäische Kommission investiert 600 Millionen Euro in neue Forschungen zur Verringerung der Überlastung des europäischen Luftraums

– Häufig gestellte Fragen

Überlastung des europäischen Luftraums: Die Herausforderungen

Die Kapazitäten des Luftraums und der Flughäfen in Europa könnten bald erschöpft sein. Alljährlich werden etwa 800 Milliarden Fluggäste an den mehr als 440 europäischen Flughäfen abgefertigt. Jeden Tag kontrolliert die Flugsicherung rund 27 000 Flüge, das sind pro Jahr 9 Millionen Flüge im Luftraum über Europa. 80 % davon verkehren innerhalb der EU.

Die europäische Luftverkehrsbranche hat die aktuelle Situation gut im Griff, aber unter normalen wirtschaftlichen Bedingungen dürfte der Luftverkehr um bis zu 3 % jährlich zunehmen. Die Zahl der Flüge dürfte dann in den nächsten 10 bis 20 Jahren um 50 % steigen.

Wenn wir nichts tun, ist das Chaos vorprogrammiert. Europa würde nicht nur einen Großteil der potenziellen Nachfrage abweisen müssen, sondern wäre auch für Verspätungen und Flugausfälle in einem nie dagewesenen Ausmaß anfällig. Wenn wir weitermachen wie bisher, werden die überlastungsbedingten Kosten wohl bis 2050 um rund 50 % steigen.

Das Hauptproblem besteht darin, dass die europäischen Flugverkehrsmanagementsysteme zersplittert und ineffizient sind.

Die Aufsicht über den EU-Luftraum zerfällt immer noch in 27 verschiedene nationale Flugsicherungssysteme und wird von rund 60 Flugverkehrszentren gewährleistet, wobei der Luftraum in mehr als 650 Sektoren untergliedert ist. Der Luftraum ist derzeit an den nationalen Grenzen ausgerichtet, so dass Flüge oft keine direkte Route nehmen können. In Europa ist wegen der Zerstückelung des Luftraums jeder Flug durchschnittlich 42 km länger als eigentlich notwendig, wodurch sich die Flugzeit verlängert, mehr Kraftstoff verbraucht und mehr Kohlendioxid ausgestoßen wird.

Zudem basiert das heutige Flugverkehrsmanagement weitgehend auf Technologien aus den 1950er Jahren. Diese sind aus heutiger Sicht archaisch.

Die Ineffizienzen aufgrund der Luftraumfragmentierung über Europa verursachen jährlich zusätzliche Kosten in Höhe von rund 5 Mrd. EUR. Diese Kosten werden an Unternehmen und Fluggäste weitergereicht. Auf die Flugsicherung entfallen derzeit 6 bis 12 % der Kosten eines Flugscheins.

Das US-amerikanische Flugverkehrsmanagementsystem ist zweimal so effizient wie das der EU. Zu ähnlichen Kosten bewältigt es mit einem Drittel der Zahl an Kontrollzentren die doppelte Anzahl von Flügen.

Angesichts dieser Herausforderungen startete die EU 2004 die Initiative zum einheitlichen europäischen Luftraum (SES) mit dem Ziel, nationale Grenzen in der Luft zu beseitigen, einen einheitlichen Luftraum zu schaffen, und

a) die Sicherheit um den Faktor zehn zu verbessern,

b) die Luftraumkapazität zu verdreifachen,

c) die Kosten des Flugverkehrsmanagements um 50% zu senken und

d) die Umweltauswirkungen um 10% zu vermindern.

Wie können wir die neuen Technologien entwickeln, mit denen sich eine Kapazitätssteigerung und eine Kostensenkung im europäischen Luftraum erreichen lassen?

Die Forschung für das Flugverkehrsmanagement im einheitlichen europäischen Luftraum (SESAR) ist die technologische Komponente des SES. Der SES bietet einen Rechtsrahmen für die Erfüllung der künftigen Anforderungen im Hinblick auf Sicherheit, Kapazität und Effizienz, und zwar auf europäischer und nicht mehr nur auf nationaler Ebene. Ziel von SESAR ist die Entwicklung der technischen und betrieblichen Lösungen, mit denen die Ziele des SES erreicht werden können.

Wie funktioniert SESAR?

Das SESAR-Projekt (ATM-Forschung für den einheitlichen europäischen Luftraum) ist der Technologiepfeiler des SES. Es soll die Modernisierung des Flugverkehrsmanagements (ATM) in Europa gewährleisten, indem ein neues Konzept für ATM-Betrieb und ATM-Systeme, das für die Erreichung der Leistungsziele des SES erforderlich ist, umgesetzt wird. Das SESAR-Konzept basiert auf dem Grundsatz, dass die Luftraumnutzer und die Fluglotsen gemeinsam durch kooperative Verfahren und den Austausch von Informationen den optimalen, vorhersehbaren und zeitgerechten Flugweg von Luftfahrzeugen festlegen. Dieses Konzept basiert auf innovativen Technologien und neuen Betriebsverfahren, die durch einen Zyklus von drei miteinander verflochtenen, kontinuierlichen und sich weiter entwickelnden Prozessen entstehen: Definition des Inhalts und der Prioritäten durch einen gemeinsam vereinbarten Fahrplan, den europäischen ATM-Masterplan (ATM-Masterplan)1; Forschung, Entwicklung und Validierung im Bereich der erforderlichen technologischen Systeme, Komponenten und Betriebsverfahren, und letztendlich Realisierung der neuen Systeme und Betriebsverfahren.

Das gemeinsame Unternehmen SESAR für die Forschung zum Flugverkehrsmanagement im einheitlichen europäischen Luftraum (SJU) wurde 2007 als öffentlich-private Partnerschaft gegründet. Es ist zuständig für die Forschung, Entwicklung und Validierung im Rahmen des SESAR-Projekts nach den Vorgaben des ATM-Masterplans, für dessen Einhaltung und Ausführung das SJU ebenfalls zuständig ist.

Die SES-Politik behandelt Themen, die über nationale und brancheninterne Interessen hinausreichen. Das übergeordnete Ziel besteht darin, Hemmnisse für den Binnenmarkt auf Ebene des Luftraums zu beseitigen. Die SES-Politik ist darauf ausgerichtet, Fortschritte bei Effizienz, Kostenwirksamkeit, Verringerung der Umweltauswirkungen usw. zu beschleunigen. Die bestehende Partnerschaft von Interessenträgern, bei der Ressourcen öffentlicher und privater Partner aus ganz Europa gebündelt werden, hat kooperativ und effizient gearbeitet, und ihre Unterstützung ist heute genauso wesentlich wie zum Zeitpunkt der Gründung des gemeinsamen Unternehmens SESAR. Die ATM-Forschung in Europa braucht Stabilität und eine Langzeitperspektive, um die langen Innovationszyklen im ATM-Bereich unterstützen zu können.

Ziele des gemeinsamen Unternehmens SESAR (SJU)

  • Gewährleistung der Konzentration und der Koordinierung aller relevanten Tätigkeiten der ATM-Forschung in der EU für die Durchführung des ATM-Masterplans;

  • Beitrag zur Erreichung der Leistungsziele des einheitlichen europäischen Luftraums (SES) (vgl. Memo 13/525);

  • Bereitstellung eines effizienten Durchführungsinstruments für:

  1. Bündelung und Koordinierung der öffentlichen und privaten Forschungsinvestitionen auf kooperativer Basis und Einbeziehung der wichtigsten Akteure des ATM-Sektors aus ganz Europa, um den ATM-Masterplan durchzuführen;

  2. Intensivierung des Austauschs von Kenntnissen zwischen Akteuren und Disziplinen und

  3. Aufbau der erforderlichen Ressourcen für die Validierung der operationellen Forschungsergebnisse.

Wer ist am gemeinsamen Unternehmen SESAR beteiligt?

Dem gemeinsamen Unternehmen SESAR gehören 2 Gründungsmitglieder (EU und Eurocontrol) sowie 15 Mitglieder an, die alle ATM-Interessenträger vertreten: zivile und militärische Flugsicherungsorganisationen, der Flugzeugbauer Airbus, Ausrüstungshersteller wie Thales, Indra, Alenia Aermacchi, Frequentis, Selex SI und Honeywell sowie Flughäfen. Am gemeinsamen Unternehmen sind ferner Luftraumnutzer, Berufsverbände, wissenschaftliche Einrichtungen und eine Reihe assoziierter Partner beteiligt, die mit ihren Tätigkeiten zur Ausführung des Programms beitragen.

Welches sind die bisher wichtigsten Leistungen des gemeinsamen Unternehmens SESAR?

  1. Die 4D-Flugführung ist ein Hauptpfeiler des SESAR-Konzepts. Im Grunde wird dabei die Zeit, die vierte Dimension, in die Flugführung einbezogen. Damit kann im Vergleich zu derzeitigen Systemen ein sehr präziser und vorhersagbarer Flugweg des Luftfahrzeugs bestimmt werden, der dann den Kontrollzentren gemeldet werden kann, um einen optimalen und sicheren Flugbetrieb zu gewährleisten.

  2. Das gemeinsame Unternehmen SESAR hat erste Flüge mit 4D-Flugführung in einer operationellen Umgebung mit Unterstützung durch Satellitentechnologie erfolgreich durchgeführt.

  3. Durch SWIM (System Wide Information Management infrastructure) wird das Informationsmanagement im europäischen ATM-System grundlegend verändert. SWIM dürfte das Intranet des künftigen ATM-Systems werden; ein Prototyp hat bereits demonstriert, dass Flughäfen, Wetterdienste, Luftfahrtunternehmen und Flugsicherungsdienste Informationen innerhalb von Momenten austauschen könnten.

  4. Der erste entfernte Fughafen-Tower ist betriebsbereit. Hierbei handelt es sich um ein neues Konzept, bei dem die Flugsicherung für einen Flughafen dezentral und nicht durch den örtlichen Tower erfolgt. Das Konzept wird zu Kosteneinsparungen durch eine effizientere Nutzung von Personalressourcen und durch die Vermeidung des Baus und der Instandhaltung von Towern und ihren Einrichtungen an manchen kleinen Flughäfen führen.

  5. 10 000 Flüge, darunter 500 militärische, wurden bereits auf der Grundlage innovativer SESAR-Lösungen durchgeführt.

  6. 80 % der SESAR-Projekte wurden in einem echten Praxisumfeld erprobt.

Warum eine Mittelaufstockung und eine Mandatsverlängerung für das gemeinsame Unternehmen SESAR?

In der Verordnung (EG) 219/2007 (SESAR-Verordnung) ist festgelegt, dass das gemeinsame Unternehmen am 31. Dezember 2016 enden wird, da die Finanzierung des gemeinsamen Unternehmens durch die Union auf die Geltungsdauer des Finanzrahmens 2007 − 2013 begrenzt werden musste.

Der heutige Vorschlag hat zum Ziel, die bestehende Struktur im nächsten Finanzrahmen, insbesondere im Kontext von „Horizont 2020”, fortzuschreiben, um die koordinierten Tätigkeiten im Bereich der ATM-bezogenen Forschung, Entwicklung und Validierung fortsetzen zu können. Schließlich besteht die Aufgabe des gemeinsamen Unternehmens SESAR im Wesentlichen in der Koordinierung aller ATM-bezogenen Forschungsanstrengungen in der Union. Kontinuität bei der Koordinierung dieser Forschungsbemühungen ist erforderlich, um die Leistungsziele des SES zu erreichen.

Der ATM-Masterplan bildet die Grundlage für das Arbeitsprogramm des gemeinsamen Unternehmens SESAR. Darin wird die Realisierung des SESAR-Konzepts in eine Abfolge von drei Stufen untergliedert: Stufe 1 – Bereitstellung der erforderlichen Technologien zur Synchronisierung des europäischen ATM-Systems durch einen effizienten Informationsaustausch zwischen allen Akteuren; Stufe 2 – Gewährleistung einer effizienteren Planung der Flugwege; und Stufe 3 – Erreichung der höchsten Leistungsebene durch ein integriertes und nahtloses Luft-/Bodensystem. Der Schwerpunkt des derzeitigen Arbeitsprogramms des gemeinsamen Unternehmens SESAR ist die Realisierung von Stufe 1 und der meisten Teile von Stufe 2. Die innerhalb des mehrjährigen Finanzrahmens 2014-2020 durchzuführenden Tätigkeiten erstrecken sich auf die am weitesten ausgereifte Ebene von Stufe 2, für die Technologie und Betrieb voraussichtlich bis 2016 verfügbar sein werden, und auf den gesamten Umfang von Stufe 3.

Was lässt sich mit den neuen Mitteln erreichen?

Die neuen Mittel sollen vor allem verwendet werden für

  1. die Schaffung der Voraussetzungen für die Luftfahrtunternehmen, die von ihnen bevorzugten (und direkteren) Strecken zu fliegen, wobei neue Technologien für den Datenaustausch zwischen Flugzeug und Boden genutzt werden;

  2. die Integration neuer Luftfahrzeugtypen, z. B. Drohnen, in das Flugverkehrs­managementsystem;

  3. die Optimierung des Verkehrsmanagements, insbesondere am Boden; dabei ist ein Ziel z. B. mehr Effizienz und Sicherheit für den Zugang zu den Start- und Landebahnen und ihr Verlassen bei allen Witterungsbedingungen.

Für die Verteilung der Mittel des neuen Budgets wurden folgende Richtwerte angesetzt: ATM-Sondierungsforschung (6 %), angewandte Forschung (47 %), vorindustrielle Entwicklungen (28 %) und großmaßstäbliche Demonstrationsprojekte (9 %).

Welcher besondere Nutzen ergibt sich aus der Arbeitsweise des gemeinsamen Unternehmens SESAR?

  • Beim gemeinsamen Unternehmen SESAR sind alle relevanten Interessenträger in die Beschlussfassung eingebunden und tragen gemeinsam Verantwortung. Die Verlängerung des Mandats des gemeinsamen Unternehmens SESAR wird es den Interessenträgern ermöglichen, Beziehungen zu Exzellenzzentren zu stärken und strategische Partnerschaften zu vertiefen. Das gemeinsame Unternehmen SESAR wird ferner die Beziehung zum Markt intensivieren können, da auch Zulieferer an dem gemeinsamen Unternehmen beteiligt sind; im Kontext der zeitgerechten Errichtung von SESAR wird dies bei der Organisation der erforderlichen Demonstrationstätigkeiten ein entscheidender Vorteil sein.

  • Die Koordinierung, Programmierung und Durchführung der mit SESAR zusammenhängenden Forschung und Innovation sowie Validierungstätigkeiten fallen ebenfalls in die Zuständigkeit des gemeinsamen Unternehmens. Auf diese Weise kann Kontinuität gewährleistet und eine Fragmentierung von Forschung und Innovation vermieden werden. Wechselseitige Abhängigkeiten und Koordinierungsmechanismen zwischen Teilnehmern und Projekten werden in ein übergeordnetes europäisches Konzept integriert, und die Systemarchitektur wird durch multilaterale vertragliche Vereinbarungen gewährleistet.

  • Durch die Entscheidung für den Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft auf EU-Ebene kann sichergestellt werden, dass die SES-Ziele mit hoher gesellschaftlicher Relevanz, z. B. Sicherheit und Verringerung der CO2-Emissionen, in das Programm integriert werden. Dieser Ansatz ermöglichte die Bündelung von Mitteln und Know-how, die Verringerung der Fragmentierung infolge der parallelen Durchführung ähnlicher nationaler und regionaler Projekte sowie die Einbindung der Fähigkeiten und Innovationskapazitäten des Privatsektors im Rahmen geeigneter Risikoteilungsvereinbarungen.

  • Die Realisierung von SESAR könnte zu erheblichen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Nutzeffekten mit einem geschätzten Umfang von 428 Milliarden EUR führen2. Durch die Bündelung von Ressourcen, die Einbindung aller Interessenträger des ATM-Bereichs und eine angemessene Behandlung von Interessenkonflikten gewährleistet das gemeinsame Unternehmen SESAR die Durchführung des SESAR-Programms, was für die Erreichung der Ziele des SES von entscheidender Bedeutung ist.

  • Das gemeinsame Unternehmen SESAR, inzwischen eine anerkannte Instanz im Bereich der ATM-Modernisierung, wird es der EU auch weiterhin ermöglichen, eine führende Rolle zu spielen – sowohl im Allgemeinen auf internationaler Ebene als auch im Speziellen bei Kontakten zu den Normenorganisationen.

Und die Kosten?

Derzeit verwaltet das gemeinsame Unternehmen SESAR Mittel in Höhe von 2,1 Mrd. EUR für den Zeitraum des aktuellen mehrjährigen Finanzrahmens (2007-2013). Die beiden Gründungsmitglieder (Union und Eurocontrol) leisten einen Beitrag von je 700 Millionen EUR, weitere 700 Millionen EUR kommen von der Branche. Die Kommission schlägt vor, innerhalb des Programms „Horizont 2020” einen Betrag von bis zu 600 Millionen EUR vorzusehen3.

Weitere Informationen

http://www.sesarju.eu/(auf Englisch)

http://ec.europa.eu/transport/modes/air/sesar/(auf Englisch)

1 :

SESAR, Fahrplan für ein nachhaltiges Flugverkehrsmanagement – Europäischer ATM-Masterplan (2. Auflage), Oktober 2012.

2 :

Assessing the macroeconomic impact of SESAR, Bericht des gemeinsamen Unternehmens SESAR (2011).

3 :

Richtbetrag zu jeweiligen Preisen. Der tatsächliche Betrag ist abhängig von dem letztendlich für die Generaldirektion Mobilität und Verkehr angenommenen Betrag für das Thema „Intelligente, umweltverträgliche und integrierte Verkehrssysteme”, der von der Haushaltsbehörde in der endgültigen Fassung des Finanzbogens genehmigt wird.


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