Navigation path

Left navigation

Additional tools

EU-Maßnahmen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit

European Commission - MEMO/13/464   28/05/2013

Other available languages: EN FR DA ES NL IT SV PT FI EL CS ET HU LT LV MT PL SK SL BG RO

Europäische Kommission

MEMO

Brüssel, 28. Mai 2013

EU-Maßnahmen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit

Wie ist die derzeitige Lage?

Im März 2013 waren 5,7 Millionen junge Menschen in der EU-27 arbeitslos, 3,6 Millionen davon im Euroraum. Die Jugendarbeitslosenquote betrug 23,5 % in der EU-27 und 24 % im Euroraum. Während des Monats blieb sie relativ stabil, im Vergleich zu März 2012 lag sie jedoch um 0,9 Prozentpunkte bzw. 1,5 Prozentpunkte höher. Im März 2013 waren die niedrigsten Quoten in Deutschland und Österreich (jeweils 7,6 %) sowie den Niederlanden (10,5 %) zu beobachten; die höchsten Quoten dagegen verzeichneten Griechenland (59,1 % im Januar 2013), Spanien (55,9 %), Italien (38,4 %) und Portugal (38,3 %).

*Januar 2013 ** Februar 2013 *** 4. Quartal 2012

(Quelle: Eurostat)

Was unternimmt die EU zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit?

Die länderspezifischen Empfehlungen vom Juli 2012 sollten dafür sorgen, dass die Jugendbeschäftigung weiter ganz oben auf der Tagesordnung aller Mitgliedstaaten blieb, in denen die Jugendarbeitslosenquoten besonders hoch waren.

Im Dezember 2012 schlug die Europäische Kommission ein Jugendbeschäftigungspaket vor, um den Mitgliedstaaten zu helfen, die Jugendarbeitslosigkeit und soziale Ausgrenzung gezielt zu bekämpfen, indem jungen Menschen Angebote für eine Arbeitsstelle oder für Maßnahmen der allgemeinen oder beruflichen Bildung unterbreitet werden (siehe IP/12/1311 und MEMO/12/938). Bestandteile des Pakets sind:

  • ein Vorschlag für eine Empfehlung des Rates zur Einführung einer Jugendgarantie

  • ein Qualitätsrahmen für Praktika

  • eine Europäische Ausbildungsallianz

Die Jugendgarantie-Empfehlung wurde am 22. April 2013 vom EU-Ministerrat angenommen (siehe MEMO/13/152). Die Europäische Kommission fordert die Mitgliedstaaten dazu auf, nun möglichst schnell die Strukturen für die Verwirklichung der Jugendgarantie einzurichten. Sie wird demnächst weitere Initiativen ins Leben rufen, um die Bemühungen der Mitgliedstaaten zur Einführung ihrer Jugendgarantie-Systeme zu unterstützen.

Was ist die Jugendgarantie?

Die Jugendgarantie beruht auf praktischen Erfahrungen in Österreich und Finnland. Es soll gewährleistet sein, dass alle jungen Menschen unter 25 Jahren binnen vier Monaten nach Verlassen der Schule oder Verlust des Arbeitsplatzes ein gutes Angebot für einen Arbeitsplatz, eine Weiterbildung, einen Ausbildungs- oder Praktikumsplatz erhalten. Die Jugendgarantie ist eine der wichtigsten und dringendsten Reformen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit und soll jungen Menschen den Übergang von der Schule zum Berufsleben erleichtern.

Wie wird die Jugendgarantie finanziert?

Eine Jugendgarantie ist für die Mitgliedstaaten zwar mit Ausgaben verbunden, die aus Steuern finanziert werden müssen, diese Kosten sind aber sehr viel geringer als die durch Nichterwerbstätigkeit verursachten Kosten.

Erstens hängen die Kosten von den nationalen Gegebenheiten ab: In Mitgliedstaaten mit gut entwickelten Unterstützungsmaßnahmen (z. B. gut ausgebildetem Personal in den öffentlichen Arbeitsverwaltungen, das auf die Bedürfnisse der jungen Menschen eingehen kann) werden sie niedriger sein. Zweitens werden die Kosten durch die Art und Weise beeinflusst, wie das System eingerichtet und umgesetzt wird. Drittens werden sie in Ländern mit einer hohen Quote von Jugendlichen, die weder einen Arbeitsplatz haben noch eine schulische oder berufliche Ausbildung absolvieren („not in education, employment or training“, sogenannte „NEETs“), oder mit einer hohen Jugendarbeitslosenquote höher sein.

Im Juli 2012 schätzte die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) die Gesamtkosten für die Einführung von Jugendgarantie-Systemen im Euroraum auf 0,45 % des BIP des Euroraums (d. h. 21 Mrd. EUR). Dieser Betrag ist jedoch den durch Jugendarbeitslosigkeit, Nichterwerbstätigkeit und Produktionsverluste verursachten Kosten gegenüberzustellen. Die Europäische Stiftung für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (Eurofound) schätzt die Kosten von Leistungen zugunsten junger Arbeitsloser sowie von Verdienst- und Steuerausfällen auf 1,21 % des BIP; das bedeutet einen jährlichen Verlust für die EU von 153 Mrd. EUR. Auch für die jungen Menschen selbst kann die Tatsache, in jungem Alter arbeitslos zu sein, langfristige negative Auswirkungen haben. Sie laufen nicht nur eher Gefahr, künftig arbeitslos zu werden, sondern sind auch einem höheren Risiko der Ausgrenzung, der Armut oder gesundheitlicher Probleme ausgesetzt.

Die Mitgliedstaaten können finanzielle Unterstützung aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) erhalten. Mit Blick auf die Jugendgarantie sieht der Vorschlag für die ESF-Verordnung für den nächsten Programmplanungszeitraum 2014-2020 u. a. eine ESF-Investitionspriorität zur dauerhaften Eingliederung der NEETs ins Erwerbsleben vor. Es wird daher erwartet, dass Mitgliedstaaten mit hohen Jugendarbeitslosenquoten junge Arbeitslose sowie die NEETs als besondere Zielgruppe für eine Unterstützung aus dem ESF definieren.

Beispiele für Aktivitäten/Interventionen im Rahmen der Jugendgarantie, die mit ESF-Mitteln gefördert werden können:

Maßnahme

Konkrete Beispiele für Aktivitäten/Interventionen, die mit ESF-Mitteln gefördert werden können:

Strategien der Öffentlichkeitsarbeit und Anlaufstellen

[JG-Empfehlung 8 und 9]

  • Besuche der Mitarbeiter der öffentlichen Arbeitsverwaltungen in Schulen

  • Schulung von Lehrkräften durch öffentliche Arbeitsverwaltungen

  • Entwicklung spezieller Jugendangebote durch die öffentlichen Arbeitsverwaltungen oder beauftragte private Anbieter

  • Verteilung von Infomaterial in Jugendzentren oder bei Jugendveranstaltungen

  • Verwendung von Internet und sozialen Netzwerken

  • Systeme zur Datensammlung

  • Wanderausstellungen

Individuelle Aktionspläne

[JG-Empfehlung 10]

  • Fortbildung des Personals der öffentlichen Arbeitsverwaltungen

  • Verträge mit spezialisierten Partnern

Wege für Schulabbrecher und junge Geringqualifizierte zurück in die allgemeine und berufliche Bildung oder Bildungsprogramme „der zweiten Chance“, Beseitigung des Missverhältnisses zwischen Qualifikationsangebot und ‑nachfrage, Verbesserung digitaler Kompetenzen

[JG-Empfehlung 11 bis 13]

  • Ausbildungsprogramme und Programme „der zweiten Chance“

  • Fremdsprachenlernangebote

  • Beratung und zusätzliche pädagogische Betreuung, um Jugendliche in die allgemeine und berufliche Bildung zurückzuholen

  • Unterstützung gefährdeter Jugendlicher beim Erwerb relevanter Qualifikationen und beim Abschluss der Sekundarstufe II

  • Praxisorientiertes Lernen und praktische Ausbildung

  • Angebote zum Erwerb digitaler Kompetenzen

  • Schulungsgutscheine

Unterstützung von Schulen und Arbeitsämtern bei der Förderung von Unternehmensgründungen und selbständiger Tätigkeit junger Menschen und bei der kontinuierlichen Beratung

[JG-Empfehlung 14]

  • Fortbildungsmaßnahmen für Personal von Arbeitsämtern und Lehrkräfte

  • Entwicklung und Durchführung von Unternehmensgründungskursen in der Sekundarstufe

  • Fortbildungsmaßnahmen für junge Arbeitslose

Nutzung gezielter und durchdachter Lohn-/Gehaltszuschüsse und Einstellungsanreize, um Arbeitgeber zur Schaffung neuer Möglichkeiten (Lehr- oder Arbeitsstellen) anzuregen, insbesondere für diejenigen, die am schwersten auf dem Arbeitsmarkt zu vermitteln sind

[JG-Empfehlung 17]

  • Einstellungskredite für die Schaffung von Arbeits-/Ausbildungsplätzen für junge Menschen (die ESF-Unterstützung für geförderte Kredite sollte durch Aktivierungsmaßnahmen, z. B. praktische Fortbildung usw., ergänzt werden)

Förderung der Arbeitskräftemobilität, indem junge Menschen über Arbeitsangebote, Praktika und Ausbildungsmöglichkeiten sowie eine mögliche Unterstützung in anderen Regionen und Ländern informiert werden; angemessene Unterstützung für diejenigen, die umgezogen sind

[JG-Empfehlung 18]

  • Betrieb von EURES-Kontaktstellen (die ESF-Unterstützung für EURES konzentriert sich auf Informationen zur Einstellung und damit zusammenhängende Informationen, Beratung und Betreuung auf nationaler und grenzüberschreitender Ebene)

  • Sensibilisierungskampagnen

  • Förderung von Freiwilligenorganisationen, die Mentoringprogramme anbieten

  • Förderung von Jugendorganisationen, die sich um junge Wanderarbeitnehmer bemühen

Gewährleistung der Bereitstellung von mehr Gründungshilfen

[JG-Empfehlung 19]

  • Zusammenarbeit zwischen Arbeitsverwaltungen, Unternehmensfördereinrichtungen und Finanzanbietern (z. B. regionale Jobmessen und Networkingveranstaltungen)

  • Start-up-Förderung von KMU

  • Förderung selbständiger Tätigkeit

  • Vermittlung von unternehmerischen Fähigkeiten z. B. für Arbeitslose, ergänzt durch Unternehmensgründungsstipendien

Stärkung der Mechanismen zur Unterstützung junger Menschen, die Aktivierungsprogramme abbrechen und nicht länger Anspruch auf Leistungen haben

[JG-Empfehlung 20]

  • Förderung von Jugendorganisationen und Jugendwerken

  • Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, die mit jungen Leuten in Kontakt kommen

  • Einrichtung von Nachverfolgungssystemen

  • Förderung von Arbeitsvermittlungsangeboten und Berufsberatungsangeboten in Schulen

Überwachung und Bewertung aller Maßnahmen und Programme im Zusammenhang mit der Jugendgarantie, damit mehr faktengestützte Strategien und Maßnahmen auf der Grundlage dessen entwickelt werden können, was sich wo, wie und warum bewährt hat

[JG-Empfehlung 23]

  • Ermittlung kosteneffizienter Initiativen

  • Nutzung kontrollierter Versuche

  • Einrichtung von Analysezentren

  • Entwicklung von politischen Modellen, Pilotprojekte, Tests und Mainstreaming politischer Strategien (soziale Innovationen und Experimente)

Förderung von Maßnahmen des wechselseitigen Lernens auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene zwischen allen an der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit beteiligten Parteien, um die Gestaltung und die Bilanz der künftigen Jugendgarantie-Systeme zu verbessern

[JG-Empfehlung 24]

  • Nutzung des europäischen Netzwerks für Jugendbeschäftigung (der EFS fördert die transnationale Zusammenarbeit zum Austausch bewährter Verfahren zwischen Organisationen auf EU-Ebene im Rahmen der technischen ESF-Hilfe auf Kommissionsebene)

Stärkung der Kapazitäten aller Interessenträger (u. a. der zuständigen Arbeitsverwaltungen), die an der Gestaltung, Umsetzung und Bewertung von Jugendgarantie-Systemen beteiligt sind, um alle internen und externen Hindernisse in der Politik und der Art und Weise, die Systeme zu entwickeln, zu beseitigen

[JG-Empfehlung 25]

  • Durchführung von Fortbildungsmaßnahmen und Workshops

  • Einführung von Austauschprogrammen und Abordnungen zwischen Organisationen im Rahmen von Aktivitäten der transnationalen Zusammenarbeit

Darüber hinaus schlug der Europäische Rat im Februar 2013 eine Beschäftigungsinitiative für junge Menschen mit einer Mittelausstattung von 6 Mrd. EUR vor, mit der „insbesondere die Jugendgarantie nach deren Annahme“ unterstützt werden soll. Für die Beschäftigungsinitiative für junge Menschen sollen mindestens 3 Mrd. EUR aus dem ESF bereitgestellt werden (die Mitgliedstaaten sind aufgerufen, mindestens genauso viel beizutragen); weitere 3 Mrd. EUR sollen aus einer neuen Haushaltslinie zur Finanzierung von Maßnahmen bereitgestellt werden, die der Förderung junger Menschen dienen, einschließlich der Jugendgarantie. Die Finanzmittel der Beschäftigungsinitiative sollen allen Regionen mit einer Jugendarbeitslosenquote von über 25 % zur Verfügung gestellt werden. Im März 2013 schlug die Kommission Regeln zur praktischen Umsetzung der Initiative vor (siehe IP/13/217), damit die Mitgliedstaaten die Finanzmittel der Beschäftigungsinitiative für junge Menschen sofort abrufen können, sobald der neue Haushaltsrahmen für den Zeitraum 2014-2020 in Kraft tritt.

Was ist der Qualitätsrahmen für Praktika?

Das Jugendbeschäftigungspaket soll jungen Menschen nicht nur helfen, einen Arbeitsplatz zu finden. Im Rahmen des Pakets wurden die europäischen Sozialpartner auch zu einem Qualitätsrahmen für Praktika konsultiert, der es jungen Menschen ermöglichen soll, gute praktische Arbeitserfahrungen zu sammeln, und der verhindern soll, dass Praktikanten von Unternehmen als billige Arbeitskräfte ausgenutzt werden.

Die kürzlich veröffentlichte „Study on a comprehensive overview of traineeship arrangements in Member States“ (siehe IP/12/731) bestätigte, dass junge Menschen in den meisten EU-Mitgliedstaaten während ihres Praktikums mit unterschiedlichen Problemen konfrontiert sind. Dabei handelt es sich in den meisten Fällen um fehlende Lerninhalte, keine oder geringe Bezahlung, andere schlechte Arbeitsbedingungen (z. B. fehlende soziale Absicherung, lange Arbeitszeiten, ungleiche Behandlung usw.) und –aufgrund dieser Probleme und der unterschiedlichen nationalen Rechtsvorschriften für Praktika – eine geringe Mobilität der Praktikanten innerhalb der EU.

Nach der Entscheidung der Sozialpartner, keine Verhandlungen zu diesem Thema aufzunehmen, plant die Kommission die Vorlage ihres eigenen Vorschlags für einen Qualitätsrahmen für Praktika bis Ende 2013.

Was ist die Europäische Ausbildungsallianz?

Effektive Systeme der beruflichen Aus- und Weiterbildung, vor allem solche, die eine starke berufspraktische Komponente umfassen, erleichtern jungen Menschen den Übergang von der Schule ins Berufsleben. Daher wurde mit dem Jugendbeschäftigungspaket auch eine Europäische Ausbildungsallianz angekündigt, mit der die Qualität und das Angebot der beruflichen Ausbildung in der EU verbessert werden sollen. In dieser Allianz sollen sich Interessenträger aus Behörden und Unternehmen, Sozialpartner, Forscher im Bereich Berufsbildung, Praktiker und Jugendvertreter zusammentun. Die Allianz soll bestehende Maßnahmen unter einem gemeinsamen Dach koordinieren, über den Nutzen und die Funktionsweise erfolgreicher Ausbildungsprogramme informieren und Verfahren zum Aufbau solcher Programme fördern. Sie soll im Juli dieses Jahres ins Leben gerufen werden.

2012 richtete der Rat an sieben Mitgliedstaaten länderspezifische Empfehlungen zum Thema Ausbildung und an drei Staaten Empfehlungen zum Thema berufliche Bildung. Doch auch in den anderen Mitgliedstaaten könnte noch viel für die Verbesserung des Ausbildungssystems und den besseren Einsatz der hierfür bereitgestellten ESF-Mittel getan werden.

Was nützt die Mobilität den jungen Menschen?

Der Abstand zwischen den Ländern mit den höchsten und den niedrigsten Jugendarbeitslosenquoten in der EU ist sehr hoch. Im März 2013 waren die niedrigsten Quoten in Deutschland und Österreich (jeweils 7,6 %) sowie den Niederlanden (10,5 %) zu beobachten; die höchsten Quoten dagegen verzeichneten Griechenland (59,1 % im Januar 2013), Spanien (55,9 %), Italien (38,4 %) und Portugal (38,3 %).

Gleichzeitig zeigt der jüngste Europäische Monitor für offene Stellen, dass es in Europa immer noch rund 2 Millionen unbesetzte Stellen gibt; das liegt teilweise daran, dass die Arbeitsuchenden nicht über die Qualifikationen verfügen, die die Arbeitgeber brauchen. Angesichts der derzeit hohen Arbeitslosenquoten und der großen Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten kann die Arbeitskräftemobilität ein wichtiger Faktor sein, um die Arbeitslosigkeit in Ländern mit einer Rezession zu senken und gleichzeitig in anderen Mitgliedstaaten Qualifikationslücken zu schließen und offene Stellen zu besetzen.

Dabei bleibt es natürlich jedem Einzelnen selbst überlassen, ob er in einem anderen Mitgliedstaat nach Arbeit suchen möchte.

Was schlägt die Kommission zur Förderung der Mobilität junger Menschen vor?

Im November 2012 beschloss die Europäische Kommission, das Europäische Mobilitätsportal für Arbeitsuchende EURES zu verbessern und zu modernisieren (siehe IP/12/1262, MEMO/12/896, MEMO/12/897). Ziel ist es, Arbeitsuchenden die Kontaktaufnahme zu Arbeitgebern, die Arbeitskräfte mit bestimmten Qualifikationen suchen, zu erleichtern, den Schwerpunkt auf die Branchen und Berufe mit dem größten Arbeitskräftemangel zu legen und spezielle Mobilitätsprogramme für junge Menschen zu unterstützen.

Im Zeitraum 2014-2020 sollen vier Millionen vor allem junge Menschen im Rahmen des neuen Programms Erasmus für alle ein Stipendium für ein Studium, eine Ausbildung oder eine freiwillige Tätigkeit im Ausland erhalten (gegenüber 2,5 Millionen Empfängern im Rahmen der bestehenden EU-Mobilitätsprogramme). Eine solche internationale Erfahrung vermittelt neue Fähigkeiten und verbessert die Beschäftigungsfähigkeit. Erasmus für alle soll eine Mittelausstattung von etwa 14,5 Mrd. EUR erhalten – das sind 40 % mehr als die entsprechenden aktuellen Programme.

Mit dem bestehenden Programm für lebenslanges Lernen soll die Lernmobilität im Rahmen von Erasmus (Hochschulbildung), Leonardo da Vinci (berufliche Bildung), Comenius (Schulen) und Grundtvig (Erwachsenenbildung) gefördert werden. Zusammen bieten Erasmus und Leonardo da Vinci jährlich etwa 140 000 Praktikumsplätze bei Unternehmen und anderen Organisationen (siehe IP/12/379).

Besteht nicht die Gefahr eines „Braindrain“?

Zwar bedeutet es für das Heimatland kurzfristig einen Verlust, wenn Arbeitnehmer ins Ausland abwandern. Dies ist aber immerhin besser, als blieben sie arbeitslos in ihrem Heimatland. Solange die Arbeitnehmer einen Arbeitsplatz im Ausland haben, tragen sie durch das Geld, das sie in ihr Heimatland überweisen, zu dessen Wirtschaft bei. Die Erfahrung zeigt, dass die allermeisten Arbeitnehmer in ihr Heimatland zurückkehren, sobald sich die wirtschaftliche Lage dort bessert, und ihre neu erworbenen Qualifikationen vor Ort zum Einsatz bringen. Dies wird an der Zahl der polnischen Arbeitskräfte deutlich, die nach 2004 im Vereinigten Königreich arbeiteten, seither aber wieder in ihre Heimat zurückgekehrt sind.

Welche zusätzliche Unterstützung können die EU-Strukturfonds bieten?

Auf Initiative der Kommission wurden im Februar 2012 in den acht Mitgliedstaaten mit der höchsten Jugendarbeitslosigkeit (Griechenland, Irland, Italien, Lettland, Litauen, Portugal, Slowakei und Spanien) Aktionsteams mit nationalen Beamten und Bediensteten der Kommission eingesetzt, die die noch für den Zeitraum 2007-2013 in den EU-Strukturfonds (einschließlich Europäischer Sozialfonds) verfügbaren Finanzmittel mobilisieren sollten, um Beschäftigungsmöglichkeiten für junge Menschen zu fördern und KMU den Zugang zu Finanzmitteln zu erleichtern.

Bis Anfang 2013 hatten die Aktionsteams rund 16 Mrd. EUR für eine beschleunigte Neuzuweisung ausgemacht. Damit können rund 780 000 junge Menschen und 55 000 KMU unterstützt und andere wachstumsfördernde Maßnahmen finanziert werden. Einige Beispiele für die Umverteilung von Finanzmitteln durch die Aktionsteams:

Irland

25 Mio. EUR wurden für das integrierte Programm „Youthreach“ neu zugewiesen, in dessen Rahmen jungen Schulabbrechern ohne Qualifikation oder Berufsausbildung die Teilnahme an Maßnahmen der allgemeinen oder beruflichen Bildung oder an Betriebspraktika ermöglicht wird. Dadurch werden bis Ende 2013 3700 Ausbildungsplätze erhalten.

Im Dezember 2012 wurde unter dem Titel „Momentum“ ein Arbeitsmarktfonds für die allgemeine und berufliche Bildung eingerichtet, der Teil des irischen Aktionsplans für Beschäftigung ist und 6500 Langzeitarbeitslosen eine Qualifizierung bietet. Dieser Fonds ist mit 20 Mio. EUR ausgestattet und wird durch den ESF kofinanziert. Einer der vier Stränge dieses Fonds richtet sich ausdrücklich an junge Menschen unter 25 Jahren. Mehr als 1000 Jugendliche an 87 Orten im ganzen Land werden sich in 62 unterschiedlichen Kursen fortbilden können.

Slowakei

Nach der Neuzuweisung der ESF-Mittel wurden im November 2012 zwei landesweite Projekte (70 Mio. EUR) aufgelegt, mit denen in den Regionen mit der höchsten Arbeitslosigkeit die Schaffung von Arbeitsplätzen für junge Menschen unter 29 Jahren in der Privatwirtschaft und in der Selbstverwaltung gefördert werden soll (Ziel: 13 000 neue Arbeitsplätze). Bisher wurden die Projekte erfolgreich umgesetzt: Kleinstunternehmen und KMU zeigen besonders reges Interesse an der Schaffung von Beschäftigungsmöglichkeiten für junge Leute. Bis Ende März 2013 wurden mehr als 4200 Arbeitsplätze geschaffen (22,8 Mio. EUR abgerufen).

Litauen

Alle geplanten ESF-Maßnahmen werden umgesetzt: Es wurde eine neue Maßnahme über 3 Mio. EUR genehmigt, die die Attraktivität von Kreditmodellen für Start-ups und Selbständige erhöhen soll. Ein weiteres Projekt, in dessen Rahmen 6000 jungen Menschen Kompetenzen für eine erste Beschäftigung vermittelt wurden, soll bald abgeschlossen sein. Die Arbeitslosenquote ging von 35,1 % im Jahr 2010 auf 26,4 % im Jahr 2012 zurück.

Ein Projekt, das Berufsbildungsprogramme für etwa 6000 junge Menschen bietet, wurde neu ausgerichtet. Es ist mit rund 6 Mio. EUR ausgestattet. Das Projekt begann im August 2012 und läuft bis August 2013. Die Umsetzungsrate dieser Maßnahme (berufliche Bildung) liegt bei 48,58 %. Es nahmen 4851 Personen teil; die Quote der Beschäftigungsfähigkeit beträgt 59,4 %.

Ein Projekt, das jungen Menschen Kompetenzen für eine erste Beschäftigung vermitteln soll, erhielt zusätzlich 6 Mio. EUR, womit etwa 6000 Personen unterstützt werden können. Insgesamt beträgt die Mittelausstattung nun rund 36 Mio. EUR. Das Projekt begann im Juli 2011 und läuft bis November 2013. Die Umsetzungsrate liegt bei 64,72 %. Die Teilnehmerzahl beträgt 4382.

Es wurde eine neue Maßnahme über 3 Mio. EUR genehmigt, die die Attraktivität von Kreditmodellen für Start-ups und Selbständige erhöhen soll.

Kürzlich wurde eine weitere ESF-Maßnahme mit einer Ausstattung von 9,3 Mio. EUR zur „Unterstützung für die erste Beschäftigung“ verabschiedet, in deren Rahmen die derzeit geltende Reduzierung der Sozialversicherungsbeiträge bei der Aufnahme einer ersten Beschäftigung durch Lohnzuschüsse ersetzt wird. Sie ist mit etwa 9 Mio. EUR ausgestattet. Das Projekt begann im August 2012 und läuft bis September 2015. Es sollen 20 000 Personen teilnehmen. Bis zum 18. April 2013 sind 4858 Anträge eingegangen. Die Ausgleichszahlungen beginnen am 1. Juni 2013; voraussichtlich wird der gesamte veranschlagte Betrag ausgezahlt.

Außerdem wurden zusätzliche Maßnahmen zur „Förderung der Jugendbeschäftigung und ‑motivation“ gebilligt. Es laufen zwei Projekte mit einer Ausstattung von rund 850 000 EUR an, die sich mit Freiwilligentätigkeit beschäftigen.

Griechenland

Nach einer umfassenden Neuprogrammierung Ende 2012 wurde im Januar 2013 ein nationaler Jugendaktionsplan mit einer EU-Finanzausstattung von 517 Mio. EUR angenommen. Im Rahmen des Plans sollen Maßnahmen zu Jugendbeschäftigung, beruflicher Bildung und Unternehmertum zugunsten von annähernd 350 000 jungen Menschen gefördert werden. Den Angaben der griechischen Behörden zufolge wurden bereits neue Initiativen gestartet (EU-Finanzbeitrag von rund 47 Mio. EUR). Dazu gehören die befristete Beschäftigung junger Menschen (bis 35 Jahren) in gemeinnützigen Kulturprogrammen und die Unterstützung sozialer Strukturen zur Bekämpfung der Armut und der sozialen Ausgrenzung mit dem Ziel, junge Arbeitslose einzustellen. Die Vorbereitungen für die wirksame Umsetzung der folgenden Elemente des Aktionsplans (EU-Finanzbeitrag von rund 146 Mio. EUR) befinden sich in der Schlussphase:

  • „Gutschein für den Eintritt in den Arbeitsmarkt“ – Kombination aus Weiterbildung und einem fünfmonatigen Unternehmenspraktikum – für 45 000 junge Arbeitslose bis 29 Jahre.

  • Kombinierte theoretische und berufspraktische Ausbildung für 1000 arbeitslose junge Seeleute bis 29 Jahre. Mit der Umsetzung dieser Programme wird voraussichtlich im Juni 2013 begonnen.

  • Überprüfung der Programme im Jahr 2012, um zusätzliche Mittel in Höhe von 1,2 Mrd. EUR zur Deckung des Liquiditätsbedarfs von KMU bereitzustellen.

Lettland

Es wurden 11 Mio. EUR für die Unterstützung junger Menschen ohne Berufsausbildung zugeteilt, die sich weiterbilden möchten, um die für den Eintritt in den Arbeitsmarkt notwendigen Qualifikationen zu erwerben. Insgesamt dürfte der Anteil arbeitsloser Jugendlicher, die eine EU-Unterstützung erhalten, von 24 % auf 40 % ansteigen; die Zahl der in einer Berufsausbildung befindlichen Jugendlichen dürfte sich verdoppeln. Die Programme befinden sich in der Umsetzungsphase.

Portugal

Die nationale Initiative „Impulso Jovem“ unternahm eine umfassende Umprogrammierung der Strukturfonds. EU-Finanzmittel in Höhe von 143 Mio. EUR wurden umgewidmet, um Maßnahmen zu finanzieren, mit denen bis Ende 2015 Möglichkeiten für 90 000 junge Menschen geschaffen werden sollen; weitere EU-Finanzmittel in Höhe 200 Mio. EUR wurden für die Unterstützung von 4500 KMU neu zugewiesen. Dazu gehören Beschäftigungsausweise für Praktika in Schlüsselbereichen der Wirtschaft sowie die Unterstützung zur Einstellung junger Menschen zwischen 18 und 30 Jahren, indem dem Arbeitgeber die Sozialversicherungsbeiträge zurückerstattet werden. Aus dem operationellen EFRE-Programm für Madeira wurden 10 Mio. EUR auf das entsprechende operationelle ESF-Programm übertragen, um Praktika für junge Menschen zu fördern. Im Februar 2013 wurde das Programm sowohl im Hinblick auf die Förderkriterien als auch auf die geografische Abdeckung ausgeweitet. Bis Ende April 2013 hatten 7500 junge Menschen von dem Programm profitiert.

Spanien

2012 wurden mehr als 286 Mio. EUR aus dem ESF Maßnahmen zur Förderung junger Menschen zugewiesen. 135 Mio. EUR davon gingen an die öffentliche Arbeitsverwaltung, um jungen Menschen bei der Arbeitsuche zu helfen. Außerdem wurden mehrere EFRE-Maßnahmen über insgesamt 1,027 Mrd. EUR durchgeführt oder sollen in Kürze verabschiedet werden. Dazu gehören die Einrichtung von fünf Umlauffonds, mit denen innovativen KMU der Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten – einschließlich zu Betriebskapital – erleichtert werden soll (EFRE-Beitrag von 372 Mio. EUR), ein neues Hilfsprogramm gezielter Darlehen (EFRE-Mittel in Höhe von 446 Mio. EUR) für die Reindustrialisierung und strategische Industriezweige, eine stärkere Förderung von KMU in der Agrar- und Lebensmittelindustrie in den Regionen mit der höchsten Jugendarbeitslosigkeit sowie die Zuweisung von EFRE-Mitteln in Höhe von 208 Mio. EUR für den Bau und die Renovierung von Infrastrukturen der allgemeinen und beruflichen Bildung.

Italien

Im Dezember 2011 wurden die Prioritäten neu festgesetzt. Mit Unterstützung des Aktionsteams beginnt nunmehr bereits der dritte Turnus. Dazu gehören die Finanzierung eines Beschäftigungsplans in Sizilien, der sich an rund 50 000 junge Menschen richtet, neue Bildungsmaßnahmen für 65 300 Studierende aus dem Süden des Landes, 13 000 zusätzliche Mobilitätschancen (Erasmus/Leonardo), ein Steuervergünstigungssystem im Umfang von 600 Mio. EUR zur Förderung der Beschäftigung benachteiligter Menschen (u. a. auch junger Menschen) sowie Aktivitäten zur Förderung junger Unternehmer, Wissenschaftler, Auszubildender oder von NEETs.


Side Bar

My account

Manage your searches and email notifications


Help us improve our website