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Neuer Aktionsplan für die Mode- und die Hochqualitätsgüter-Branche in London gebilligt

European Commission - MEMO/13/1079   03/12/2013

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Europäische Kommission

MEMO

Brüssel, 3. Dezember 2013

Neuer Aktionsplan für die Mode- und die Hochqualitätsgüter-Branche in London gebilligt

Mit mehr als 850 000 Unternehmen und fünf Millionen Arbeitsplätzen trägt die Modebranche derzeit 3 % zum BIP der EU bei. 10 % der EU-Gesamtausfuhren entfallen zudem auf hochwertige europäische Güter, die eine Million direkte Arbeitsplätze schaffen. Die Stärkung der Mode- und der Hochqualitätsgüter-Branche ist ein wichtiger Teil der Bemühungen der Europäischen Kommission, um ihren Anteil am BIP auf 20 % zu erhöhen, wie es in der Europa-2020-Strategie festgehalten ist. Vor diesem Hintergrund ist Antonio Tajani, Vizepräsident der Europäischen Kommission, heute nach London gereist, wo er Vertreter der Mode- und der Hochqualitätsgüter-Branche traf, um einen Aktionsplan zur Ankurbelung dieser Wirtschaftszweige zu billigen. Der Aktionsplan ist ein weiterer Schritt im Vorbereitungsprozess des Februargipfels, der der Stärkung der industriellen Wettbewerbsfähigkeit Europas insgesamt gewidmet sein wird.

Abbau der größten Hürden für ein stärkeres Wachstum

Die Mode- und die Hochqualitätsgüter-Branche sind wichtige Pfeiler der europäischen Industrie. Sie stehen derzeit vor mehreren Herausforderungen: der Sicherstellung eines angemessenen Schutzes des geistigen Eigentums und der steigenden Verbreitung nachgeahmter Waren, dem Mangel an qualifizierten Arbeitskräften und dem schwierigen Zugang zu Finanzierungsmitteln für kleine und mittlere Unternehmen in der Modebranche (MEMO/13/88). Der Aktionsplan ist das Ergebnis zweier Arbeitsunterlagen der Europäischen Kommission und mehrerer hochrangiger Treffen mit Vertretern der Mode- und der Hochqualitätsgüter-Branche (MEMO/13/961). Darin wird der Versuch unternommen, diese Herausforderungen anzugehen, indem die bereits erzielten Fortschritte hervorgehoben und weitere Maßnahmen zur Stärkung des Wachstums und zur Schaffung von Arbeitsplätzen vorgeschlagen werden.

Konkret setzt der Aktionsplan auf Maßnahmen in den folgenden elf Bereichen:

1. Zusammenarbeit zwischen Industrie und Bildungswesen

Für eine künftige Verfügbarkeit erforderlicher Kompetenzen sind eine bessere Kenntnis über und die Antizipation von Kompetenzanforderungen ausschlaggebend. Der Aktionsplan sieht eine bessere Koordinierung bestehender Instrumente in diesem Bereich sowie eine stärkere Interaktion zwischen Industrie und Bildungswesen vor. Er hebt außerdem die Bedeutung des Programms Erasmus für Jungunternehmer hervor, das Jungunternehmern die Möglichkeit bietet, sich mit erfahreneren Unternehmern in anderen Mitgliedstaaten auszutauschen.

2. Aufklärung junger Menschen über Berufsmöglichkeiten

Die Mode- und die Hochqualitätsgüter-Branche bieten verschiedenste Berufsmöglichkeiten, sei es im Einzelhandel, im Designbereich, in der Herstellung oder im Marketing. Mehr junge Menschen anzusprechen ist von entscheidender Bedeutung für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit dieser Wirtschaftszweige. Der Aktionsplan stellt die Bedeutung von Maßnahmen zur Aufklärung junger Menschen über die Karriere- und Beschäftigungsmöglichkeiten in der Mode- und der Hochqualitätsgüter-Branche hervor. Zudem hebt er die Maßnahmen zur Förderung der traditionellen Fertigkeiten und des traditionellen Handwerks hervor. Die Kommission entwickelt derzeit eine Europäische Ausbildungsallianz. Dabei handelt es sich um eine von mehreren Akteuren getragene Maßnahme zur Verbesserung der Qualität von und des Angebots an Ausbildungsstellen in der gesamten EU.

3. Unterstützung innovativer IKT-Lösungen

Die Mode- und die Hochqualitätsgüter-Branche sind Vorreiter auf den Gebieten der Entwicklung, der Nutzung und des Vertriebs von Inhalten sowie der Einbeziehung ihrer Nutzer. Der Aktionsplan zeigt wie wichtig Maßnahmen sind, die ihnen dabei helfen, die Möglichkeiten der innovativen informations- und kommunikationstechnologischen Lösungen auszuschöpfen. Hunderte Unternehmen haben bereits vom eBIZ-Projekt profitiert, das von der Kommission unterstützt wird. Es hilft Textil-, Bekleidungs- und Schuhunternehmen dabei, Informations- und Kommunikationstechnologien anzuwenden und diese besser in Wertschöpfungsketten zu integrieren. Für die stärkere Sensibilisierung der Unternehmer und der politischen Entscheidungsträger für die Verfügbarkeit des Projekts und seine Vorteile sind weitere Maßnahmen erforderlich.

4. Förderung von Kreativität

Die Einführung neuer Funktionen, Designs oder anderer kreativer Inhalte ermöglicht Unternehmen, innovativere und hochwertigere Produkte sowie neue Geschäftsmodelle, die ihre langfristige Wettbewerbsfähigkeit sichern, zu entwickeln. Deswegen sind Maßnahmen zur Stimulierung der Kreativleistung von Unternehmen ein wichtiger Teil des Aktionsplans. So soll beispielsweise im Rahmen des WORTH-Pilotprojekts der Anteil an Designinhalten und anderen kreativen Inhalten in der Modebranche erhöht werden. Unter Berücksichtigung der Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Pilotmaßnahme wird das WORTH-Projekt ab 2016 im Rahmen des neuen COSME-Programms fortgesetzt werden (IP/13/1135).

5. Unterstützung der Clusterbildung

Die Modebranche ist traditionell verstärkt in geographischen Clustern konzentriert. Dies schafft fruchtbare Rahmenbedingungen für Unternehmen, insbesondere für KMU, wodurch sie mit Forschungs- und Bildungseinrichtungen, Zulieferern, Kunden und Mitbewerbern zusammenarbeiten können. Die Kommission unterstützt Exzellenzcluster durch die europäische Cluster-Allianz, eine länderübergreifende Zusammenarbeit zwischen Clusterorganisationen. Weitere Maßnahmen zur Entwicklung von Exzellenzclustern sind Programme wie das COSME und die Strukturfonds.

6. Kampf gegen Nachahmung

Der Weltmarkt für nachgeahmte Waren erzielt mehr als 200 Mrd. EUR. Einigen Schätzungen zufolge ist es möglich, dass sich dieser Wert bis 2015 sogar verdoppelt. Der Großteil der nachgeahmten Waren entfällt auf die Modeerzeugnisse und Hochqualitätsgüter. So machten sie 2012 über 50 % der durch den europäischen Zoll beschlagnahmten Waren aus. Im Jahr 2013 lancierte die Europäische Kommission eine Kampagne zur Steigerung des Verbraucherbewusstseins, um über die Gefahren von nachgeahmten Produkten aufzuklären und um eine engere Zusammenarbeit zwischen der Kommission, den nationalen Behörden, der Industrie und den Verbrauchern zu fördern. Der Aktionsplan schlägt weitere Maßnahmen vor, wie eine verstärkte Kommunikation mit Verbrauchern und nationalen Behörden durch Veranstaltungen in den Mitgliedstaaten. Die Kampagne Stop Fakes ist ein Beispiel hierfür.

7. Stärkung der KMU-Förderung und Internationalisierung

Mit der Erschließung neuer Exportmärkte für Modeartikel und Hochqualitätsgüter werden neue Möglichkeiten für kleine und mittlere Unternehmen geschaffen. Gleichzeitig ist ein geeigneter stabiler Rahmen für den Schutz geistigen Eigentums beim Handel mit Drittländern von großer Bedeutung. Der Aktionsplan umfasst mehrere Maßnahmen; darunter die KMU-Helpdesks für IPR-Fragen, die Unternehmen eine weiterführende Unterstützung für und ein praktisches Wissen über die Systeme zum Schutz geistigen Eigentums in wichtigen Exportmärkten bieten.

8. Leichterer Zugang zu Finanzierungsmitteln

Für kleine und mittlere Unternehmen der Modebranche ist es oft schwierig, ein Darlehen zu erhalten. Erschwert wird diese Situation durch die gegenwärtige Wirtschaftskrise. Die neuen Programme COSME und Horizont 2020 werden finanzielle Mittel für innovative und kreative Ideen zur Verfügung stellen – einschließlich der Mode- und der Hochqualitätsgüter-Branche. Diese Programme werden 4 Mrd. EUR im Rahmen von Kreditbürgschaften und einer Eigenkapitalfazilität für einen leichteren Zugang zu Finanzierungsmitteln bereitstellen.

9. Stärkung des Dialogs mit wichtigen Handelspartnern

Viele europäische Unternehmen in der Mode- und der Hochqualitätsgüter-Branche hängen stark von Ausfuhren ab; insbesondere Ausfuhren in Märkte wie China, Brasilien, Indien, Japan, Russland und die USA. Die Hochqualitätsgüter-Branche allein exportiert mehr als 60 % ihrer Erzeugnisse außerhalb Europas. Für sie ist es von großer Bedeutung, einen leichteren Zugang zu wichtigen Märkten zu erhalten, insbesondere durch die Verhandlung von Freihandelsabkommen. Die Mission Wachstum wird fortgesetzt werden, damit die Zusammenarbeit mit Drittländern in wichtigen Politikbereichen gestärkt wird und damit Unternehmen die Internationalisierung erleichtert wird. Mehr als 600 Vertreter der Industrie, die Mode- und die Hochqualitätsgüter-Branche miteingeschlossen, haben daran bereits teilgenommen. Als Beispiel für neue Maßnahmen im Jahr 2014 wird im Rahmen von COSME zur Vorlage von Maßnahmen aufgerufen, mit denen die Hürden in den Bereichen Handel und Investition abgebaut, der Zugang europäischer Unternehmen zu wichtigen Märkten erleichtert und das Geschäftsumfeld mit Handelspartnern verbessert werden.

10. Bewertung der Durchführbarkeit der Lederwarenkennzeichnung

Die europäische Lederbranche steht vor Problemen, was Waren betrifft, die in betrügerischer Absicht als Leder gekennzeichnet werden oder die nachgeahmt sind. Einige Waren werden auch fälschlicherweise als Leder gekennzeichnet. Irreführende und betrügerische Kennzeichnungen schaden nicht nur den Unternehmen, sondern auch den Verbrauchern, die nicht korrekt informiert sind. Die Europäische Kommission stellt sich dieser besonderen Herausforderung, indem sie verschiedene politische Optionen in Erwägung zieht: beispielsweise die Einführung eines Lederkennzeichnungssystems auf EU-Ebene, mit dem die Echtheit bescheinigt wird.

11. Stärkung des Tourismus in Europa

Die Tourismus-, die Mode- und die Hochqualitätsgüter-Branche sind stark miteinander vernetzt. Die Zahlen bestätigen diese Entwicklung. Im Vereinigten Königreich zum Beispiel haben im Jahr 2011 ausländische Touristen mehr als 4 Mrd. GBP für Waren ausgegeben; mehr als die Hälfte davon entfiel auf die Modeerzeugnisse und die Hochqualitätsgüter. Geplante Maßnahmen werden darauf abzielen, das Bewusstsein der Touristen für Europas einzigartiges Erbe, Nischenmärkte, lokale Erzeugnisse und Handwerk zu schärfen. Im Jahr 2014 beispielsweise wird eine Ausschreibung über die Einführung einer neuen europäischen Touristenroute veröffentlicht, die die Mode- und Hochqualitätsgüter-Branche miteinschließt. Beispiele hierfür sind eine Parfumroute oder eine Kunst- und Handwerksroute. Die Europäische Kommission arbeitet zudem an Visaerleichterungsmaßnahmen, um den Tourismus in Europa zu fördern.

Folgemaßnahmen

Damit die Bedürfnisse der Mode- und der Hochqualitätsgüter-Branche besser ermittelt werden können und damit ein ehrgeiziger und umfassender politischer Rahmen geschaffen werden kann, der es beiden Branchen ermöglicht, weiterhin einen beträchtlichen Beitrag zu Wachstum und Beschäftigung in Europa zu leisten, wird ein ständiges Multistakeholder-Forum eingerichtet werden. Es soll den Informationsaustausch fortführen und die Weiterverfolgung des Aktionsplans sicherstellen.

Hintergrundinformationen: Der Fahrplan nach London

Mehrere hochrangige Treffen dieses Jahr – in Madrid, Mailand und Paris – waren die Vorbereitung für die heutige Konferenz in London. Der gebilligte Aktionsplan baut auf den beiden Arbeitsunterlagen auf, die die Kommission im September 2012 veröffentlicht hat. Eine Arbeitsunterlage befasst sich mit der Modebranche, eine mit der Hochqualitätsgüter-Branche. Der Aktionsplan berichtet über die Fortschritte, die seit ihrer Veröffentlichung erzielt wurden. Außerdem umfasst er neue Maßnahmen für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Mode- und der Hochqualitätsgüter-Branche. Der Aktionsplan entspricht darüber hinaus den Zielen der Industriepolitik, die auf die Stärkung der europäischen Industrie und die Förderung von Wirtschaftszweigen mit starkem Wachstums- und Beschäftigungspotential setzt.

Weitere Informationen zu textilpolitischen Maßnahmen der EU


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