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Europäische Kommission

MEMO

Brüssel, 28. November 2012

Jahreswachstumsbericht 2013: Häufig gestellte Fragen

Was ist der Jahreswachstumsbericht?

Der Jahreswachstumsbericht erläutert die haushalts-, wirtschafts- und sozialpolitischen Prioritäten der Kommission für das kommende Jahr. Er liefert den Mitgliedstaaten Orientierungshilfen, wie Wachstum und Beschäftigung im Einklang mit der langfristigen EU-Wachstumsstrategie Europa 2020 gefördert werden können. Mit ihm wird das Europäische Semester eingeläutet, d. h. der Zyklus der wirtschaftspolitischen Koordinierung, in dessen Verlauf die entsprechenden Maßnahmen der Mitgliedstaaten kollektiv überprüft und auf EU-Ebene Orientierungen gegeben werden, die sicherstellen sollen, dass die Mitgliedstaaten alle an einem Strang ziehen. Der Jahreswachstumsbericht gilt für die gesamte EU; seine Kernbotschaften bilden die Grundlage für die länderspezifischen Empfehlungen, die im nächsten Frühjahr abgegeben werden.

Wie lauten die Kernbotschaften des Jahreswachstumsberichts 2013?

Laut Herbstprognose der Kommission bleibt der kurzfristige Ausblick für die EU-Wirtschaft unsicher (siehe MEMO/12/1178). Während 2012 mit einer Schrumpfung des BIP gerechnet wird, soll 2013 eine allmähliche Rückkehr auf den Wachstumspfad erfolgen. Die Arbeitslosigkeit nimmt immer noch zu und wird im nächsten Jahr in der EU auf einen Höchststand von knapp unter 11 % klettern. Da sich an der Notwendigkeit, die Konjunkturerholung zu unterstützen und das Vertrauen wiederherzustellen, nichts geändert hat, kommt die Kommission zu dem Schluss, dass die fünf diesjährigen Prioritäten (siehe MEMO/11/821) auch 2013 weiterhin Bestand haben. Die Prioritäten lauten wie folgt:

  • Inangriffnahme einer differenzierten, wachstumsfreundlichen Haushaltskonsolidierung: Da sich die Finanz- und Wirtschaftslage von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat anders darstellt, plädiert die Kommission dafür, das Tempo der Haushaltskonsolidierung den Gegebenheiten eines jeden Landes anzupassen. Genauso wichtig ist die Zusammensetzung der Ausgaben und Einnahmen eines Staates: Auf der Ausgabenseite sollten Investitionen in Bildung, Forschung, Innovationen und Energie beibehalten und, wo möglich, ausgebaut sowie effizient eingesetzt werden. Des Weiteren sollte dem Erhalt beziehungsweise dem Ausbau breit aufgestellter, effizienter Arbeitsvermittlungen sowie aktiver Arbeitsmarktmaßnahmen wie Ausbildungsmaßnahmen für Arbeitslose oder Beschäftigungsgarantien für Jugendliche besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Auf der Einnahmenseite können Steuerreformen zu zusätzlichem Steueraufkommen beitragen, ohne dass das Wachstum beeinträchtigt wird, zum Beispiel durch Verlagerung der Abgabenlast vom Faktor Arbeit auf die Besteuerung von Verbrauch und Eigentum, durch die Verbreiterung der Steuerbasis anstelle von Steueranhebungen, durch verbesserte Steuererhebung und größere Steuerehrlichkeit und durch Maßnahmen, die der Verschuldung von Haushalten und Unternehmen entgegenwirken.

  1. Wiederherstellung einer normalen Kreditvergabe an die Wirtschaft: Die Krise hat die Solvabilität von Banken, das Vertrauen in die Märkte und damit auch die Kreditvergabe stark beeinflusst. Auf EU-Ebene müssen Fortschritte in Bezug auf die verschiedenen Komponenten einer Bankenunion gemacht werden. Dies gilt vor allem für die Vorschläge zur Schaffung eines einheitlichen Aufsichtsmechanismus, eines Rechtsrahmens zur Bankenrettung und eines einheitlichen Regelwerks in Bezug auf die Eigenkapitalanforderungen. Die Mitgliedstaaten sollten ihrerseits neue Finanzierungsquellen erschließen wie etwa Unternehmensanleihen oder Risikokapital, dafür sorgen, dass die Rechnungen für öffentliche Aufträge schneller beglichen werden, die Rolle öffentlich-rechtlicher Banken bei der Besicherung von Krediten für KMU ausbauen und die Mittel der EU und der Europäischen Investitionsbank besser nutzen - beispielsweise könnte die Erhöhung des Kapitals der EIB um 10 Mrd. EUR zur Mobilisierung privater Investitionen beitragen oder es könnte eine Umlenkung von EU-Strukturfondsmittel erfolgen.

  2. Förderung von Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit für heute und morgen: Auf nationaler Ebene sollten die Verbesserung der Bildungssysteme und des allgemeinen Qualifikationsniveaus sowie die Vereinfachung der Vorschriften für Unternehmensgründungen vorrangige Ziele sein. Außerdem sollten die Mitgliedstaaten das ungenutzte Beschäftigungspotenzial der Öko-Wirtschaft nutzen, die Umsetzung der Dienstleistungsrichtlinie verbessern und die Energie-, Breitband- und Verkehrsnetze modernisieren.

  3. Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und Bewältigung der sozialen Folgen der Krise: Die schwachen Wachstumsaussichten und die Zeitspanne, die vergeht, bevor sich eine konjunkturelle Erholung auf den Arbeitsmärkten niederschlägt, lassen nicht auf eine sofortige oder automatische Verbesserung der Arbeitsmarktlage hoffen. Die Entwicklung flexibler Beschäftigungsregelungen, die Abstimmung der Löhne auf die Produktivität und der Ausbau von „aktiven Arbeitsmarktmaßnahmen“ wie Unterstützung von Arbeitssuchenden und Unternehmensgründern oder hochwertige Praktikumsangebote sollten jedoch Besserung bringen. Außerdem muss mehr getan werden, um die Effizienz der Sozialschutzsysteme zu gewährleisten, das Problem der Armut (auch der Kinderarmut) anzugehen und erschwingliche, leistungsfähige Dienstleistungen unter anderem im Sozialbereich, bei der Kinderbetreuung und bei der Versorgung mit Wohnraum und Energie einem möglichst breiten Personenkreis zugänglich zu machen.

  4. Modernisierung der Verwaltungen: Die Mitgliedstaaten sollten die Reorganisation ihrer lokalen und zentralstaatlichen Verwaltungen, eine Reform der Gehaltsstrukturen im öffentlichen Dienst und in der Verwaltung staatlicher Unternehmen sowie die Modernisierung des öffentlichen Beschaffungswesens und den Ausbau von elektronischen Behördendiensten ins Auge fassen. Wichtig wären außerdem Reformen im Bereich der Steuererhebung und der Gesundheitssysteme, schnellere Bezahlung von Lieferanten, raschere Auszahlung von EU-Strukturfondsmitteln und Steigerung der Qualität, Unabhängigkeit und Effizienz der Justiz.

Welche Fortschritte wurden seit dem Jahreswachstumsbericht 2012 gemacht?

Der letzte Jahreswachstumsbericht wurde am 23. November 2011 veröffentlicht (siehe MEMO/11/821). Seither wurden in Bezug auf die fünf Prioritäten einige Fortschritte erzielt, insbesondere bei der Haushaltskonsolidierung, der Entschärfung der angespannten Lage auf den Finanzmärkten und der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit in bestimmten Teilen Europas. Die Wirtschaftslage bleibt jedoch insgesamt instabil, weshalb die Kommission die Mitgliedstaaten dazu aufruft, das Reformtempo in allen Bereichen beizubehalten, um wieder Vertrauen zu schaffen und zu Wirtschaftswachstum zurückzufinden.

  1. Die letzte Wirtschaftsprognose der Kommission (siehe MEMO/12/1178) deutet auf Fortschritte bei der Haushaltskonsolidierung hin. Die Staatsverschuldung dürfte 2012 in der gesamten EU auf 3,6% des BIP und im Euro-Währungsgebiet auf 3,3% des BIP zurückgehen. Für 2013 weisen die Zahlen für das Euro-Gebiet ein Defizit auf, das unterhalb der vom Stabilitäts- und Wachstumspakt vorgegebenen 3 %-Marke liegt. Der (dieses Jahr parallel zum Jahreswachstumsbericht veröffentlichte) Warnmechanismus-Bericht zeigt eine Absenkung bei hohen Lohnstückkosten und eine leichte Verbesserung der Exportleistung und damit auch der Wettbewerbsfähigkeit.

  2. Derzeit sind Maßnahmen im Gange, um die Finanzmärkte zu stabilisieren, die sich seit Juli nach verschiedenen Verlautbarungen der Europäischen Zentralbank und wichtigen Entscheidungen der EU – zum Beispiel dem Vorschlag über einen einheitlichen Aufsichtsmechanismus – erholt haben. Es bleiben jedoch noch Unsicherheiten in Bezug auf die Eigenkapitalausstattung von Banken bestehen, und auch das Kreditgeschäft muss wieder angekurbelt werden.

  3. Wachstumsfördernde Maßnahmen brauchen Zeit, um zu greifen, und doch sind Fortschritte dringend erforderlich. Die Reformen im Dienstleistungssektor, bei den netzgebundenen Industrien und in der digitalen Wirtschaft müssen durchgeführt werden, da diese Sektoren das größte Beschäftigungspotenzial bergen.

  4. Die Beschäftigungssituation hat sich verschlechtert, wobei die Arbeitslosigkeit in mehreren Mitgliedstaaten bis auf weiteres auf sehr hohem Niveau bleiben dürfte. Einige Fortschritte gab es bei der Erleichterung flexibler Arbeitsregelungen in Unternehmen, der Reduzierung von Abfindungen bei Beendigung normaler Arbeitsverhältnisse und der Vereinfachung von Entlassungen. Bei der Verringerung der Abgabenlast auf den Faktor Arbeit, der Vereinfachung der Arbeitsgesetzgebung und der Gewährleistung einer beschäftigungswirksamen Lohnentwicklung gibt es hingegen noch Nachholbedarf. Besondere Beachtung erfordert die Situation der Jugendlichen und zur Prävention von Armut sollte die Grundsicherung verbessert werden.

  5. Die Reformen im öffentlichen Sektor wurden in einigen Ländern ernsthaft angegangen, was die Reorganisation der lokalen und zentralen Verwaltungen, Einsparungen bei den Gehältern im öffentlichen Dienst und Änderungen im Steuer- und Gesundheitswesen betrifft, wohingegen beim Ausbau elektronischer Behördendienste, bei der Verbesserung der Qualität und Unabhängigkeit der Justiz und der rascheren Auszahlung von EU-Strukturfondsmitteln noch mehr getan werden müsste.

Was hat die EU zur Krisenbewältigung beigetragen?

Auf EU-Ebene wurden weitreichende Reformen angeschoben, um den Finanzsektor zu stabilisieren, die Ausbreitung der Krise zu verhindern und die Konjunkturbelebungsmaßnahmen zu koordinieren. Einige dieser Maßnahmen wären bis vor kurzem noch undenkbar gewesen. Es wurde ein Europäischer Stabilitätsmechanismus eingerichtet, der Euroländer mit Schwierigkeiten beim Zugang zu den Kapitalmärkten unterstützen soll. Der Europäische Rat nahm im Juni einen Wachstums- und Beschäftigungspakt mit einem Investitionsvolumen von 120 Mrd. EUR an. Neue Vorschriften für eine effektivere wirtschaftspolitische Steuerung, vor allem im Euro-Währungsgebiet, sind bereits eingeführt worden („Six-Pack-Gesetzgebung“) oder beschlossen (Vertrag über Stabilität, Koordinierung und Steuerung in der Wirtschafts- und Währungsunion) oder stehen kurz vor der Annahme („Two-Pack-Gesetzgebung“). Die Europäische Zentralbank hat wichtige Maßnahmen ergriffen, um die Finanzstabilität im Euro-Währungsgebiet zu wahren, und es wird über ehrgeizige Maßnahmen zur Stärkung der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) nachgedacht, die in dem Konzept für eine vertiefte und echte WWU näher erläutert werden.

Warum haben sich die Prioritäten des Jahreswachstumsbericht trotz Verschlechterung der Wirtschaftslage nicht geändert?

In Zeiten gedämpften Wirtschaftswachstums zunehmender Arbeitslosigkeit, steigender Verschuldung, schwindenden Vertrauens der Verbraucher, Unternehmen und Anleger und anhaltender wirtschaftlicher Ungleichgewichte ist es wichtiger denn je, an der Reformagenda festzuhalten. Die angestoßenen Reformen können erst nach einiger Zeit greifen, so dass die fünf im letzten Jahr ermittelten Prioritäten nach Ansicht der Kommission immer noch Gültigkeit besitzen.

Außerdem hat die Kommission ein Konzept für eine vertiefte, echte Wirtschafts- und Währungsunion veröffentlicht (siehe IP/12/1272). Darin wird das Bild einer künftigen WWU entworfen, die auf einer belastbaren, soliden Architektur im Finanz-, Haushalts- und Wirtschaftssektor sowie im politischen Bereich basiert, mit dem Ziel, Stabilität und Wohlstand für die Zukunft sichern. Für eine vertiefte, echte Wirtschafts- und Währungsunion bedarf es zusätzlicher Maßnahmen. Es werden Schritt für Schritt nach Politikbereichen geordnete Orientierungshilfen gegeben, wie eine solche Union verwirklicht werden kann.

Wie ist es um das Wachstum bestellt?

Die Krise hat den wirtschaftlichen Wandel beschleunigt, der einige traditionellere Branchen besonders hart trifft. Die Umstrukturierung der Wirtschaft schafft Probleme, bietet aber auch Gelegenheit zur Erschließung neuer Quellen für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit.

Die Konsolidierung der Haushalte ist dafür eine wichtige Vorbedingung. Trotz möglicher kurzfristiger negativer Folgen für das Wachstum käme die Alternative, die darin bestünde, die Haushaltsanpassungen hinauszuzögern, letztlich teurer. Die negativen Auswirkungen auf das Wachstum lassen sich weitgehend abfedern, wenn das Konzept der Haushaltsanpassung stimmt. Der Stabilitäts- und Wachstumspakt liefert den richtigen Rahmen für eine flexible und effiziente Haushaltsanpassung.

Wie die länderspezifischen Empfehlungen anschaulich zeigen, gibt es keine Patentlösung zur Förderung von Wachstum und Beschäftigung, aber es gibt gemeinsame Ziele und eine Palette möglicher Reformen. Die gezielte Förderung von Forschung im öffentlichen und privaten Sektor, bessere allgemeine und berufliche Bildungssysteme, die das allgemeine Qualifikationsniveau anheben, und einfachere Rechtsvorschriften für Unternehmensgründungen – alle diese Maßnahmen können dazu beitragen, die Wettbewerbsfähigkeit und damit auch das Wachstum zu steigern. Der europäische Binnenmarkt und der Ausbau der netzgebundenen Industrien (Verkehrs-, Energie- und Internetinfrastruktur) bieten Unternehmen ebenfalls viele Gelegenheiten, sich zu entfalten, und Verbrauchern die Chance auf bessere Dienstleistungen und Produkte.

Die Annahme eines Wachstums- und Beschäftigungspakts durch die Staats- und Regierungschefs im Juni 2012 sollte die EU und die Mitgliedstaaten in ihrem Bemühen unterstützen, die ihnen zur Verfügung stehenden Wachstumshebel anzusetzen – von der Umsetzung der Binnenmarktakten bis hin zum gezielteren Einsatz der EU-Strukturfonds. Vor kurzem hat die Kommission auch eine Strategie für ein besseres Funktionieren der Energiemärkte sowie Maßnahmen für eine effizientere Industriepolitik vorgeschlagen.

Wichtig für die Wiederherstellung von Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit in ganz Europa und die Verwirklichung der Europa 2020-Ziele ist auch eine Einigung über den mehrjährigen Finanzrahmen der EU für 2014-2020.

Geht der Jahreswachstumsbericht auch auf die Arbeitslosigkeit und die sozialen Folgen der Krise ein?

Ja. Der Jahreswachstumsbericht verweist auch auf die Arbeitsmarktsituation, auf die dringend reagiert werden muss. In den letzten 12 Monaten ist die Zahl der Arbeitslosen um weitere 2 Millionen auf inzwischen 25 Millionen gestiegen. Die Langzeitarbeitslosigkeit hat besorgniserregende Größenordnungen angenommen, und die Situation junger Menschen hat sich in vielen Ländern dramatisch verschlechtert.

Der Jahreswachstumsbericht sieht die Prioritäten in der Herbeiführung einer beschäftigungswirksamen Erholung, der Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit und der Förderung der sozialen Inklusion. Angesichts der zunehmenden Zahl von Arbeitssuchenden sollten die Mitgliedstaaten die staatlichen Arbeitsvermittlungsdienste ausbauen und sich stärker auf aktive Arbeitsmarktmaßnahmen wie individuelle Betreuung von Arbeitsplatzsuchenden, Förderung von Unternehmertum und hochwertige Praktikums- und Lehrstellenangebote verlegen.

Einkommensteuern und Sozialversicherungsbeiträge sollten gesenkt werden, besonders für Niedriglohnempfänger, und die Vereinfachung der Arbeitsgesetzgebung sowie die Entwicklung flexibler Beschäftigungsregelungen sollte beschleunigt werden, ebenso wie sichergestellt werden sollte, dass die Lohnentwicklung zu einer positiven Beschäftigungsentwicklung beiträgt. Daneben sind weitere Anstrengungen erforderlich, um die Wirksamkeit der Sozialschutzsysteme sicherzustellen und aktive Inklusionsstrategien zu entwickeln, mit denen die Folgen der Krise abgefedert werden können.

Die Situation der Jugendlichen ist besonders besorgniserregend. In vielen Ländern liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei 50 %. Die Kommission hat Aktionsteams eingerichtet, die diese Länder bei der Umlenkung von EU-Fördermitteln in Ausbildungs- und Beschäftigungsförderungsmaßnahmen für Jugendliche unterstützen sollen (siehe MEMO/12/100). Die Mitgliedstaaten werden auch aufgefordert, „Ausbildungsgarantien“ zu entwickeln, bei denen jeder Jugendliche unter 25 Jahren binnen vier Monaten nach Schulabschluss oder Verlust des Arbeitsplatzes ein Angebot über einen Arbeitsplatz, eine Weiterbildung oder eine Ausbildungsstelle erhält. Die Kommission wird am 5. Dezember in ihrem Maßnahmenpaket zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit hierzu einen umfassenden Vorschlag vorlegen.

Warum ist der Binnenmarkt so wichtig?

Ein gut funktionierender Binnenmarkt kann das Wachstumspotenzial der EU erhöhen und zur Verringerung von Ungleichgewichten beitragen. Im Jahreswachstumsbericht werden die Mitgliedstaaten aufgefordert, die Binnenmarktgesetzgebung im Dienstleistungs-, Energie- und Verkehrssektor und in der digitalen Wirtschaft, die als die Märkte mit dem größten Wachstumspotenzial gelten, vollständig umzusetzen.

Der Bericht über die Integration des Binnenmarktes, der zusammen mit dem Jahreswachstumsbericht veröffentlicht wird, zeigt, dass die uneingeschränkte Umsetzung der Dienstleistungsrichtlinie – beispielsweise durch die Aufhebung von praktischen Beschränkungen aufgrund der Staatsangehörigkeit des Dienstleisters oder durch die Beseitigung fester Entgelte bei den reglementierten Berufen – zu einer Steigerung des BIP um 2,6 % führen könnte. Der Bericht zeigt auch, das eine stärkere Konzentration auf die Internetwirtschaft das Wachstum in die Höhe treiben kann: Bei einer 10%igen Steigerung der schnellen Internetverbindungen wird eine Zunahme des BIP um bis zu 1,5 % prognostiziert. Unternehmen könnten durch den länderübergreifenden Internethandel jährlich zusätzliche Einnahmen in Höhe von 26 Mrd. EUR verbuchen, und die öffentlichen Verwaltungen könnten durch einfaches Umschwenken auf elektronische Behördendienste bis zu 100 Mrd. EUR jährlich sparen.

Wie steht es mit dem Abbau wirtschaftlicher Ungleichgewichte?

Der Warnmechanismus-Bericht, der dieses Jahr zusammen mit dem Jahreswachstumsbericht veröffentlicht wird (siehe IP/12/1275), nimmt eine erste Bewertung der Wirtschaftspolitik der Mitgliedstaaten vor, die sich auf ein Scoreboard von elf Indikatoren zur Entwicklung in den Bereichen Wettbewerbsfähigkeit, Verschuldung, Preise für Vermögenswerte, Anpassungen sowie Verflechtungen mit dem Finanzsektor stützt. Dieser Bericht ist eine wichtige Etappe im Europäischen Semester. Ausgenommen sind allerdings die Mitgliedstaaten, die im Rahmen der EU-/IWF-Programme unter Beobachtung stehen (Rumänien, Griechenland, Irland und Portugal).

Der Bericht liefert Belege dafür, dass bei der Anpassung der makroökonomischen Ungleichgewichte Fortschritte gemacht werden. In den Ländern mit den größten außenwirtschaftlichen Ungleichgewichten verringern sich die Leistungsbilanzdefizite, nicht zuletzt aufgrund der schrittweisen Verbesserung der Exportleistung und der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit. Auch auf dem Wohnungsmarkt sind Korrekturen im Gange. Der Bericht fordert eine genauere Überprüfung der Entwicklungen im Zusammenhang mit der Zu- beziehungsweise Abnahme makroökonomischer Ungleichgewichte in 14 Mitgliedstaaten: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Spanien, Frankreich, Italien, Zypern, Ungarn, Malta, Niederlande, Slowenien, Finnland, Schweden und Vereinigtes Königreich. Erst nach Abschluss dieser Prüfungen im nächsten Frühjahr wird die Kommission feststellen, ob Ungleichgewichte oder gar übermäßige Ungleichgewichte bestehen, und entsprechende Empfehlungen für Maßnahmen abgeben. Die hieraus gewonnenen Erkenntnisse werden in die länderspezifischen Empfehlungen einfließen, die im Rahmen des Europäischen Semesters abgegeben werden.

Wie sieht der weitere Ablauf des Europäischen Semesters aus?

In den kommenden Wochen und Monaten werden die zuständigen Ratsformationen den Jahreswachstumsbericht erörtern und dem Europäischen Rat auf seiner Märztagung Bericht erstatten, damit dieser die entsprechenden politischen Orientierungshilfen für die Mitgliedstaaten beschließen kann. Diese sollten von den Mitgliedstaaten in ihre nationalen Reformprogramme (zur Wirtschafts- und Sozialpolitik gemäß der Strategie Europa 2020) und in ihre Stabilitäts- und Konvergenzprogramme (zur Haushaltspolitik gemäß dem Stabilitäts- und Wachstumspakt) übernommen werden, die der Kommission im April zugeleitet werden. Nach Prüfung dieser Programme wird die Kommission im Mai länderspezifische Empfehlungen formulieren, die dann im Juni dem Europäischen Rat zur Bestätigung vorgelegt werden. Den Mitgliedstaaten obliegt es anschließend, ihre Haushaltspolitik und ihre Gesetzgebung danach auszurichten. Die Fortschritte bei der Umsetzung der länderspezifischen Empfehlungen werden das ganze Jahr hindurch verfolgt. Es beginnt mit ersten bilateralen Kontakten im Oktober, die sicherstellen sollen, dass nationale und EU-Maßnahmen hinreichend aufeinander abgestimmt sind.

Was heißt Europa 2020?

Europa 2020 ist die Wachstumsstrategie der Europäischen Union für das kommende Jahrzehnt. Es geht um mehr als nur um die Bewältigung der aktuellen Krise, die viele unserer Volkswirtschaften weiterhin im Griff hat – es geht auch um den Aufbau einer intelligenten, ökologischen und integrativen Wirtschaft durch Lösungsansätze bei Problemen, die unserem Wirtschaftsmodell bereits lange vor Ausbruch der jetzigen Krise anhafteten. Die Strategie beschreibt einen neuen Wachstumspfad mit fünf Zielen – Bildung, Beschäftigung, Investitionen in FuE, Umwelt und Armutsbekämpfung -, die für die europäische Ebene gelten, aber auch von den Mitgliedstaaten in nationale Ziele übersetzt werden müssen. Um die Fortschritte bei der Erfüllung der Ziele zu messen, wurde das Europäische Semester eingeführt.

Weitere Informationen:

Website zur Strategie Europa 2020: http://ec.europa.eu/europe2020/index_de.htm

IP/12/1274:Jahreswachstumsbericht 2013 zeigt Wege zu einer nachhaltigen Erholung auf


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