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MEMO

Brüssel, 27. November 2012

Häufig gestellte Fragen: Erasmus und Erasmus-Haushalt

Am 23. Oktober bat die Europäische Kommission den Rat und das Europäische Parlament eindringlich, ein Defizit im EU-Haushalt 2012 in Höhe von 9 Mrd. EUR auszugleichen. Ohne eine Zuführung von Kapital sind mehrere Förderprogramme der Kommission, u. a. das Aushängeschild Erasmus, bedroht (IP/12/1137). Laut dem von der Kommission vorgeschlagenen Änderungshaushalt fehlen im Haushalt des Programms für lebenslanges Lernen 180 Mio. EUR, wovon 90 Mio. EUR benötigt werden, um Verpflichtungen gegenüber den Erasmus-Studierenden nachkommen zu können. Weitere 102 Mio. EUR werden beantragt, um das Defizit im Haushalt der Marie-Curie-Maßnahmen zur Förderung von Forschern auszugleichen.

Der Rat, die Kommission und das Europäische Parlament standen wegen der Finanzierungslücken, die diese und andere Programme betreffen, in regelmäßigem Kontakt – bisher haben sie jedoch keine Einigung erzielen können.

Das Erasmus-Programm ermöglicht es Studierenden, drei bis zwölf Monate in einem anderen europäischen Land zu verbringen und dort entweder zu studieren oder ein Praktikum in einem Unternehmen oder einer Organisation zu absolvieren. Dies steht allen Studierenden offen, die an einer Hochschule in einem der 33 Teilnahmeländer (EU-Mitgliedstaaten, Kroatien, Island, Liechtenstein, Norwegen, Schweiz und Türkei) eingeschrieben sind. Erasmus ist Teil des EU-Programms für lebenslanges Lernen und nimmt mehr als 40 % der Haushaltsmittel dieses Programms in Anspruch. Zum Programm für lebenslanges Lernen gehören außerdem die Programme Leonardo da Vinci (berufliche Bildung, mindestens 25 % der Haushaltsmittel), Comenius (Schulbildung, mindestens 13 %) und Grundtvig (Erwachsenenbildung, mindestens 4 %).

Woher kommen die derzeitigen Finanzierungsprobleme von Erasmus?

Der Vorschlag der Europäischen Kommission für den Gesamthaushaltsplan 2012 betrug 132,7 Mrd. EUR. Die Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament vereinbarten dagegen schließlich einen Haushaltsplan von nur 129,1 Mrd. EUR. Aus diesem Haushaltsplan 2012 mussten zudem noch unbezahlte Rechnungen in Höhe von 5 Mrd. EUR aus dem Vorjahreshaushalt beglichen werden, der ebenfalls unterfinanziert war. Die EU‑Kommission, der Rat und das Parlament vereinbarten, im Laufe des Jahres 2012 eine erste Bilanz der Haushaltsausführung zu ziehen, um gegebenenfalls zusätzlichen Mittelbedarf festzustellen. Mit dem am 23. Oktober vorgeschlagenen Änderungshaushalt sollen die Defizite überbrückt werden.

Geht Erasmus in diesem Jahr das Geld aus?

Nein. Die Europäische Kommission hat 70 % der für das akademische Jahr 2012/2013 für Erasmus veranschlagten Haushaltsmittel an die nationalen Agenturen in den Teilnahmestaaten überwiesen, die das Geld an die Universitäten und die Studierenden weiterleiten. Im laufenden Semester sollte es bis Ende des Jahres keine Probleme bei der Auszahlung der Erasmus-Stipendien an die Studierenden geben, die einen Studienaufenthalt oder ein Praktikum im Ausland absolvieren.

Haben Studierende, die zwischen Januar und September 2012 im Ausland waren, ihre Stipendien erhalten?

Ja, wenn sie den Aufenthalt beendet und der Universität einen Nachweis über den Abschluss ihres Studienaufenthalts oder ihres Praktikums vorgelegt haben. In diesem Fall haben sie ihre Stipendien in voller Höhe erhalten. Diese Stipendien sind von der derzeitigen schwierigen Haushaltslage nicht betroffen, da die nationalen Agenturen – und somit auch die Universitäten und andere Bildungseinrichtungen – bereits die für das akademische Jahr 2011/2012 notwendigen Mittel erhalten haben.

Bekommen Erasmus-Studierende, die zwischen Oktober 2012 und Februar 2013 ins Ausland gehen, niedrigere Stipendien als erwartet?

Studierende, die im ersten Semester des akademischen Jahres 2012/2013 ins Ausland gehen, dürften keine Probleme bekommen. Wenn die Lücke im EU-Haushaltsplan 2012 jedoch bestehen bleibt, müssen Mittel aus dem Haushalt 2013 verwendet werden, um das Defizit auszugleichen. Wenn es voraussichtlich auf längere Zeit weniger Mittel gibt, werden die Hochschuleinrichtungen im zweiten Halbjahr 2012/2013 entweder weniger Plätze anbieten oder die Stipendien senken. Das würde wahrscheinlich dazu führen, dass Studierende aus benachteiligten Verhältnissen nicht an dem Programm teilnehmen können.

Werden ausreichende Mittel bereitgestellt, so sollen 2012/2013 sollen laut Kommission ungefähr 270 000 Studierende am Erasmus-Programm teilnehmen.

Wie viel hat die Kommission den nationalen Agenturen bisher gezahlt? Wie hoch ist das Defizit?

Die Kommission hat bereits etwa 99 % der Haushaltsmittel für 2012 an das Programm für lebenslanges Lernen überwiesen, das die Programme Erasmus, Leonardo da Vinci, Comenius und Grundtvig abdeckt. Den nationalen Agenturen in den Teilnahmeländern und der Exekutivagentur Bildung, Audiovisuelles und Kultur (EACEA), die einen Teil des Programms für lebenslanges Lernen verwaltet, wurden insgesamt 925 Mio. EUR überwiesen. Ungefähr 45 % dieses Betrags sind für Erasmus-Stipendien vorgemerkt.

Aufgrund des Defizits im Haushaltsplan 2012 war die Kommission nicht in der Lage, Zahlungsforderungen der nationalen Agenturen für Finanzhilfen im Rahmen des Programms für lebenslanges Lernen in Höhe von insgesamt rund 220 Mio. EUR zu begleichen.

Die Forderungen wurden von folgenden nationalen Agenturen eingereicht: Österreich (6,3 Mio. EUR), Französische Gemeinschaft Belgiens (3,2 Mio. EUR), Flämische Gemeinschaft Belgiens (4,7 Mio. EUR), Bulgarien (6 Mio. EUR), Tschechische Republik (8,3 Mio. EUR), Dänemark (4,7 Mio. EUR), Estland (2,8 Mio. EUR), Finnland (6,5 Mio. EUR), Frankreich (25,3 Mio. EUR), Deutschland (Leonardo da Vinci und Grundtvig: 15,2 Mio.EUR; Erasmus: 12,1 Mio. EUR; Comenius: 5,9 Mio. EUR), Griechenland (9,4 Mio. EUR), Irland (Erasmus: 1,3 Mio. EUR; Leonardo da Vinci, Comenius und Grundtvig: 0,9 Mio. EUR), Italien (23,7 Mio. EUR), Lettland (3,7 Mio. EUR), Litauen (4,3 Mio. EUR), Polen (29,5 Mio. EUR), Rumänien (12,9 Mio. EUR), Slowakische Republik (5 Mio. EUR), Slowenien (3,2 Mio. EUR), Schweden (7 Mio. EUR) und Vereinigtes Königreich (Erasmus und Comenius: 19,2 Mio. EUR).

Die Kommission rechnet ferner bis Ende des Jahres mit weiteren Zahlungsaufforderungen. Diese werden voraussichtlich von den nationalen Agenturen aus Belgien (deutschsprachige Gemeinschaft), Malta, den Niederlanden, Norwegen, Spanien, Ungarn und Zypern eingereicht. Auch diesen Zahlungsforderungen wird die Kommission erst nachkommen können, wenn der EU-Haushaltsplan 2012 nachträglich aufgestockt wird oder wenn die neuen Haushaltsmittel für 2013 zur Verfügung stehen.

Nicht-EU-Staaten, die an Erasmus und seinen verwandten Programmen teilnehmen, zahlen für ihre Teilnahme.

Wie will die Kommission dieses Problem lösen?

Das Defizit zieht sich praktisch durch sämtliche Rubriken des EU-Haushaltsplans. Die EU‑Kommission bemüht sich nach Kräften, die Situation zu kontrollieren, u. a. durch den Vorschlag der Verschiebung von Haushaltsmitteln, die an anderer Stelle nicht genutzt werden. Diese jetzt von der Kommission vorgeschlagene so genannte „globale Mittelübertragung“ wird derzeit im Parlament und im Rat erörtert. In diesem Jahr können in allen Rubriken jedoch insgesamt weniger als 500 Mio. EUR verschoben werden. Das reicht nicht aus. Aus diesem Grund hat die Kommission die Haushaltsbehörde (das Europäische Parlament und die EU-Mitgliedstaaten) gebeten, ihre Beiträge zum Haushalt 2012 schnellstmöglich zu erhöhen.

Was passiert, wenn die Mitgliedstaaten das Defizit nicht ausgleichen?

Wenn die Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament keinen zusätzlichen Zahlungen in den Haushalt zustimmen, ist die Umsetzung des Programms für lebenslanges Lernen gefährdet. Voraussichtlich werden zunächst Kooperationsprojekte von Schulen, Erwachsenen- und Berufsbildungseinrichtungen betroffen sein; außerdem werden die Stipendien für Erasmus-Studierende und Auszubildende im Rahmen des Programms Leonardo da Vinci nicht in der erwarteten Höhe ausbezahlt werden können. Bestehen die Finanzierungsprobleme weiter, könnten in einigen Fällen auch die Gehälter der Beschäftigten in den nationalen Agenturen betroffen sein.

Die Situation wird sich 2013 zunächst bessern, wenn Haushaltsmittel für das neue Haushaltsjahr zur Verfügung stehen. Der Kommissionsvorschlag für das nächste Jahr sieht 1,09 Mrd. EUR für das Programm für lebenslanges Lernen vor – davon würden ungefähr 490 Mio. EUR auf Erasmus-Stipendien für Studierende und Hochschulpersonal entfallen. Wenn die Mitgliedstaaten jedoch die Haushaltslücke für 2012 (mindestens 180 Mio. EUR) nicht schließen, wird der Haushalt 2013 teilweise genutzt werden müssen, um den negativen Saldo auszugleichen. Dann werden die Haushaltsmittel für 2013 wahrscheinlich bereits Mitte 2013 vollständig aufgebraucht sein, so dass später mit noch größeren Problemen zu rechnen ist.

Wie hoch ist der Anteil des Programms für lebenslanges Lernen am EU-Haushalt?

Der Gesamthaushaltsplan der EU für den Zeitraum 2007–2013 beträgt 975 Mrd. EUR (jeweilige Preise). Das Programm für lebenslanges Lernen hat eine Mittelausstattung von insgesamt 7 Mrd. EUR, d. h. 0,71 % des Gesamthaushalts. Das derzeitige Defizit des Programms für lebenslanges Lernen beträgt ungefähr 180 Mio. EUR.

Der Vorschlag für den EU-Gesamthaushalt 2014–2020 beträgt 1,156 Billionen EUR. Für das künftige Programm „Erasmus für alle“ wurden 19 Mrd. EUR veranschlagt, d. h. 1,64 % des Gesamthaushalts.

Wie viel gibt die EU für Erasmus aus, und wie wird das Geld verteilt?

In der laufenden Haushaltsperiode (2007–2013) hat die EU insgesamt 3,1 Mrd. EUR für das Programm Erasmus vorgesehen. Im Jahr 2012 wurden dem Programm 480 Mio. EUR zugewiesen, und die Schätzung für 2013 beträgt 490 Mio. EUR (s. Tabelle unten). Dies entspricht ungefähr 0,35 % des EU-Gesamthaushalts. Im akademischen Jahr 2012/2013 wird die Zahl der Studierenden, die seit dem Start des Erasmus-Programms vor 25 Jahren gefördert wurden, die 3‑Millionen-Marke erreichen.

Die EU zahlt jährliche Finanzhilfen an die nationalen Agenturen in den 33 teilnehmenden Staaten. Die nationalen Agenturen organisieren Aufforderungen zur Einreichung von Vorschlägen und unterzeichnen Finanzhilfevereinbarungen mit Universitäten, Schulen und anderen Bildungseinrichtungen in ihrem Land. Die Studierenden beantragen ihr Erasmus-Stipendium bei ihrer Heimatuniversität, die für die Auszahlung des Stipendiums verantwortlich ist.

Die Erasmus-Mittel für die Mobilität von Studierenden und Hochschulpersonal werden anhand folgender Faktoren auf die einzelnen Länder verteilt:

  • Bevölkerung: Zahl der Studierenden, Absolventen und Lehrkräfte in der Hochschulbildung (Stufen 5-6 der Internationalen Standardklassifikation für das Bildungswesen, ISCED); Datenquelle: Eurostat.

  • Lebenshaltungskosten und Entfernung zwischen den Hauptstädten: als Berichtigungsfaktoren, die auf den Faktor Bevölkerung angewendet werden.

  • Indikator für bisherige Ergebnisse: Berechnung auf Grundlage der Zahl der Studierenden und des Hochschulpersonals, die in der Vergangenheit entsandt wurden (Nutzung der neuesten verfügbaren Daten).

Fast 90 % der Erasmus-Mittel fließen in die Mobilitätsförderung für Studierende und Personal. Darüber hinaus werden im Rahmen von Erasmus Kooperationsprojekte und ‑netze unterstützt, wofür etwa 4 % der Mittel aufgewendet werden. Diese werden zentral von der Exekutivagentur Bildung, Audiovisuelles und Kultur (EACEA) mit Sitz in Brüssel verwaltet. Die restlichen 6 % der Erasmus-Mittel werden für die Betriebskosten der Agenturen (durchschnittlich 4,4 %) und weitere Maßnahmen benötigt, u. a. Studien, Konferenzen, die Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen, das Bologna-Sekretariat sowie die Vorbereitung des neuen mehrdimensionalen Hochschulrankings.

In der nachstehenden Tabelle sind die Gesamtmittel aufgeführt, die seit 1988 pro Jahr aufgewendet wurden bzw. werden.

Dezentral von nationalen Agenturen verwaltete Erasmus-Mittel

Jahr

Jährlicher Erasmus-Haushalt für Mobilität von Studierenden und Personal in Mio. EUR

Jährliche Entwicklung

1988

13,00

1989

26,84

106,46 %

1990

32,88

22,50 %

1991

43,86

33,39 %

1992

62,88

43,37 %

1993

67,88

7,95 %

1994

72,78

7,22 %

1995

73,46

0,93 %

1996

74,30

1,14 %

1997

70,00

-5,79 %

1998

100,27

43,24 %

1999

100,27

0,00 %

2000

111,79

11,49 %

2001

116,19

3,94 %

2002

121,90

4,91 %

2003

142,53

16,92 %

2004

168,00

17,87 %

2005

200,96

19,62 %

2006

245,75

22,29 %

2007

372,25

51,48 %

2008

416,36

11,85 %

2009

415,25

-0,27 %

2010

435,03

4,76 %

2011

469,64

7,96 %

2012

480,22

2,25 %

2013(*)

489,82

2,00 %

(*) Schätzung

Wie wird der monatliche Satz des EU-Stipendiums festgelegt?

Das Erasmus-Stipendium soll die zusätzlichen Lebenshaltungskosten im Ausland sowie die Reisekosten decken. Erasmus-Studierende müssen keine Studiengebühren an die gastgebende Einrichtung entrichten.

In allen Ländern werden die bereitgestellten Mittel von den nationalen Agenturen an die Hochschuleinrichtungen vergeben. Die nationale Agentur kann darüber entscheiden, ob höhere Stipendien an weniger Studierende (wie dies z. B. in Bulgarien, Zypern und der Türkei der Fall ist) oder geringere Stipendien an mehr Studierende ausgezahlt werden (z. B. in Frankreich und Italien). Dabei muss sie jedoch die von der Europäischen Kommission für jedes Zielland festgelegten Höchstsätze für Stipendien einhalten (siehe Leitfaden des Programms für lebenslanges Lernen).

Bei der Aufteilung der Mittel auf die antragstellenden Einrichtungen berücksichtigt die nationale Agentur verschiedene Faktoren, z. B. die Höhe der beantragten Mittel und die bisherigen Leistungen der Einrichtungen. Die Einrichtung kann dann über den genauen monatlichen Stipendienbetrag entscheiden, den sie an die Studierenden auszahlt, sie muss jedoch die von der nationalen Agentur festgelegte Bandbreite einhalten, die von Land zu Land variiert. Gleiches gilt für den Wochen- oder Tagessatz für Hochschulpersonal.

Der monatliche Satz hängt vom Zielland und der Mobilitätsart ab. So besteht z. B. die Tendenz, für Praktika im Ausland höhere Stipendien zu vergeben als für Studienaufenthalte. Außerdem haben die nationalen Agenturen die Möglichkeit, sozioökonomisch benachteiligten Studierenden einen erhöhten Monatssatz zu gewähren.

Das von der Europäischen Union vergebene Erasmus-Stipendium kann durch verschiedene weitere Finanzierungsquellen auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene ergänzt werden.

2010/11 reichte die durchschnittliche Höhe des monatlichen EU-Stipendiums für Studierende von 133 EUR (Spanien) bis 653 EUR (Zypern). Der Durchschnitt für alle Teilnahmeländer betrug 250 EUR pro Monat.

Wie können Studierende und Hochschulkräfte ein Erasmus-Stipendium beantragen?

Erasmus steht allen Studierenden offen, die an einer Hochschuleinrichtung studieren, die die Erasmus-Hochschulcharta unterzeichnet hat und sich in einem der 33 Teilnahmeländer (27 EU-Mitgliedstaaten, Island, Liechtenstein, Norwegen, Türkei, Kroatien und Schweiz) befindet. Die meisten europäischen Hochschuleinrichtungen – über 4000 – haben die Erasmus-Hochschulcharta bereits unterzeichnet.

Der erste Schritt für eine Bewerbung um einen Erasmus-Studienaufenthalt oder ein Erasmus-Praktikum besteht darin, sich an das Akademische Auslandsamt bzw. das Büro für internationale Beziehungen der Heimathochschule zu wenden und vor Beginn des Aufenthalts eine Lernvereinbarung für ein Erasmus-Studium bzw. eine Ausbildungsvereinbarung für ein Erasmus-Praktikum auszufüllen. Diese Vereinbarungen, in denen das während des Studien- bzw. Praktikumsaufenthalts im Ausland zu absolvierende Programm festgelegt ist, müssen von der entsendenden und der aufnehmenden Einrichtung bzw. dem aufnehmenden Unternehmen sowie von dem/der Studierenden unterzeichnet werden. Dies vereinfacht und gewährleistet die vollständige Anerkennung der während des Erasmus-Aufenthalts erfolgreich erbrachten Leistungen durch die Heimathochschule.

Erasmus-Studienaufenthalt: Wer einen Teil seines Studiums im Ausland absolvieren möchte, muss sich mindestens im zweiten Studienjahr befinden.

Erasmus-Praktika: Studierende können ab ihrem ersten Studienjahr ein Erasmus-Praktikum absolvieren.

Auslandsaufenthalte zu Studienzwecken oder für ein Praktikum können jeweils 3 bis 12 Monate oder zusammen insgesamt 24 Monate dauern. Für Studierende, die berufliche Kurzstudiengänge durchlaufen, beträgt die Mindestdauer für ein Praktikum zwei Monate.

Erasmus für Personal: Lehrkräfte müssen ein Lehrprogramm bei ihrer Heimathochschule bzw. bei ihrem Unternehmen einreichen, das auch von der aufnehmenden Einrichtung zu genehmigen ist. Ebenso muss Hochschulpersonal, das einen Antrag auf ein Erasmus-Stipendium für eine Fortbildung stellen möchte, mit der Heimat- und der gastgebenden Einrichtung bzw. dem Unternehmen ein Fortbildungsprogramm vereinbaren.

Die Spitzenreiter

Die meisten Erasmus-Stipendien für Studienaufenthalte und Praktika erhielten 2010/2011 Studierende aus Spanien (36 183), gefolgt von Frankreich (31 747) und Deutschland (30 274).

Spanien war zugleich mit 37 432 ausländischen Studierenden das beliebteste Zielland, mit Frankreich (27 722) und Deutschland (24 733) auf den Plätzen zwei und drei. Das Vereinigte Königreich nahm doppelt so viele Studierende auf (24 474), wie es ins Ausland schickte (12 833). Die Mehrheit der Teilnahmeländer entsandte mehr Studierende als aufgenommen wurden. Am ausgeglichensten war das Verhältnis zwischen aufgenommenen und entsandten Studierenden in Slowenien, gefolgt von Spanien und den Niederlanden.

3 040 Hochschuleinrichtungen schickten Studierende für eine Mobilitätserfahrung ins Ausland, was einen Zuwachs von 6,6 % im Vergleich zum Vorjahr darstellt.

7,2 % mehr Erasmus-Studienaufenthalte

Im akademischen Jahr 2010/2011 gingen von den insgesamt 231 408 Erasmus-Studierenden 190 495 für ein Studium ins Ausland – gegenüber 2009/10 ist das ein Anstieg um 7,2 %. Während die Anzahl der Studierenden, die einen Studienaufenthalt im Ausland absolvierten, in 3 Ländern sank (Luxemburg, Ungarn und Polen), stieg sie in 16 Ländern überdurchschnittlich stark an. Den relativ höchsten Anstieg gegenüber 2009/10 verzeichnete Kroatien (96,6 %), gefolgt von Liechtenstein (84,2 %) und Zypern (25,1 %).

Im Durchschnitt gingen die Studierenden für etwa 6,4 Monate ins Ausland. Die Höhe des Stipendiums betrug im Mittel 232 EUR (gegenüber 236 EUR im Vorjahr).

Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften waren die beliebtesten Fächer unter Erasmus-Studierenden (34,7 %), gefolgt von Geisteswissenschaften und Kunst (31,5 %) sowie Maschinenbau, Produktion und Bauwesen (12,6 %).

Erasmus-Praktika: 15 % Zuwachs

Seit 2007 bietet Erasmus Studierenden auch die Möglichkeit, im Ausland Arbeitserfahrungen in Unternehmen oder anderen Organisationen zu sammeln. 2010/11 entschied sich jeder sechste Erasmus-Studierende (40 913 von 231 408) für diese Option, was einem Anstieg um 15 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Ein solches Praktikum dauerte durchschnittlich 4,3 Monate. Die Studierenden erhielten monatlich im Schnitt ein EU-Stipendium in Höhe von 366 EUR (etwas weniger als 2009/10; damals wurden 386 EUR ausgezahlt).

Wie in den Vorjahren ist Frankreich das Land, das die meisten Erasmus-Praktikanten entsandte (5958, was einem Anteil von 14,6 % entspricht), gefolgt von Deutschland (5096, 12,4%) und Spanien (4756, 11,6 %). Das beliebteste Ziel für Erasmus-Praktika war das Vereinigte Königreich, das 6970 Studierende (17 %) aufnahm; an zweiter und dritter Stelle folgten Spanien (6852; 16,7 %) und Deutschland (5614; 13,7 %).

Hochschulen haben die Möglichkeit, Zusammenschlüsse zur Unterstützung von Auslandspraktika einzurichten, denen Hochschuleinrichtungen und andere Organisationen, z. B. Unternehmen und Verbände, angehören können. Im Studienjahr 2010/11 wurden 74 solcher Zusammenschlüsse in 13 Ländern finanziert, und über 14 % der Praktika wurden im Rahmen solcher Zusammenschlüsse vermittelt.

Die größte Gruppe von Studierenden, die ein Erasmus-Praktikum absolvierten, studierte Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften (26,6 %), gefolgt von Geisteswissenschaften und Kunst (17,1 %; diese Fächer belegten im Jahr zuvor noch Platz 1) und Agrarwissenschaften und Veterinärmedizin (15,4 %; achtmal mehr Praktikantinnen und Praktikanten als im Vorjahr).

Wie viele Studierende (Bachelor und Master) gibt es in den Erasmus-Teilnahmeländern? Wie viele davon haben 2010/11 einen Teil ihres Studiums oder das gesamte Studium im Ausland absolviert?

In den 32 Ländern, die 2010/11 an Erasmus teilnahmen, gab es über 22,5 Mio. Studierende1, von denen rund 1 % Erasmus-Mobilitätsstipendien erhielten.

Geht man von einer durchschnittlichen Studienzeit von 4–5 Jahren (Bachelor und Master) aus, erhalten schätzungsweise rund 4,5 % aller europäischen Studierenden im Laufe ihrer Studienzeit ein Erasmus-Stipendium. 67 % der Stipendien werden auf Bachelor-Ebene vergeben, 28 % auf Master-Ebene, 1 % im Rahmen des Doktoratsstudiums und 4 % in Kurzstudiengängen. Etwa 10 % aller Studierenden verbringen bzw. verbrachten einen Teil ihres Studiums oder das gesamte Studium im Ausland – mit Unterstützung durch Erasmus bzw. andere öffentliche Förderprogramme oder auf eigene Kosten.

Auf ihrer Tagung in Bukarest am 26. und 27. April 2012 (IP/12/394) verabschiedeten die für die Hochschulbildung zuständigen europäischen Ministerinnen und Minister die Bologna-Mobilitätsstrategie, die – im Einklang mit der im November 2011 angenommenen EU-Benchmark für die Mobilität von Studierenden – vorsieht, dass bis 2020 20 % der europäischen Hochschulabsolventen einen Teil ihres Studiums im Ausland absolviert haben sollen.

Weitere Informationen

Neuer Rekord für Erasmus: 8,5 % mehr Austauschstudierende (IP/12/454)

Nähere Informationen zum Erasmus-Programm und zum Programm für lebenslanges Lernen

Erasmus: Zahlen und Fakten [Broschüre]

Statistiken zu Erasmus

1 :

In den 27 EU-Mitgliedstaaten betrug die Gesamtzahl der Studierenden 2010 rund 18,5 Millionen.


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