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Europäische Kommission

MEMO

Brüssel, den 25. September 2012

Häufig gestellte Fragen: Mehrsprachigkeit und Sprachenlernen

IP/12/1005

Was bedeutet „Mehrsprachigkeit“?

  • Die Beherrschung mehrerer Sprachen.

  • Die Vorgabe, dass eine Organisation, ein Unternehmen oder eine Institution für die interne und/oder externe Kommunikation mehrere Sprachen zu verwenden hat.

Welches sind die Amtssprachen der EU?

Die 23 Amtssprachen der EU‑Organe sind: Bulgarisch, Dänisch, Deutsch, Englisch, Estnisch, Finnisch, Französisch, Griechisch, Irisch, Italienisch, Lettisch, Litauisch, Maltesisch, Niederländisch, Polnisch, Portugiesisch, Rumänisch, Schwedisch, Slowakisch, Slowenisch, Spanisch, Tschechisch und Ungarisch.

Wer entscheidet, welche Sprachen Amtssprachen der EU sind?

Der Rat der Europäischen Union, in dem alle EU‑Mitgliedstaaten vertreten sind, entscheidet diese Frage einstimmig. Jedes Land gibt vor seinem Beitritt zur EU an, welche Sprache(n) es als Amtssprache(n) in der EU verwenden möchte. Etwaige spätere Änderungen – Aufnahme einer neuen oder Streichen einer bestehenden Amtssprache – müssen einstimmig von allen Mitgliedstaaten bewilligt werden.

Wie viele Regionalsprachen werden in den Mitgliedstaaten gesprochen?

In der Europäischen Union werden rund 60 Minderheits- und Regionalsprachen und über 175 Migrantensprachen gesprochen.

Welchen Status haben Regionalsprachen in den EU‑Organen?

Der Rat der Europäischen Union hat zugestimmt, dass bestimmte Sprachen, die in der Verfassung des entsprechenden Mitgliedstaates anerkannt sind, jedoch nicht den Status einer EU‑Amtssprache des Landes haben, in formellen EU‑Sitzungen und EU‑Dokumenten genutzt werden dürfen. Mit der spanischen Regierung haben die EU‑Organe eine Vereinbarung über die Verwendung von Baskisch, Galicisch und Katalanisch getroffen. Mit dem Vereinigten Königreich besteht eine ähnliche Vereinbarung über die Verwendung von Walisisch und Schottisch-Gälisch. In diesen Fällen stellt die Regierung des Mitgliedstaats gegebenenfalls auf eigene Kosten Übersetzungen bereit. Eine Verdolmetschung aus dem Baskischen, Katalanischen/Valencianischen/Balearischen und Galicischen (aber nicht in diese Sprachen) gibt es auf Anfrage für bestimmte Ratstagungen mit Vertretern der Regionen sowie für die Plenartagungen des Ausschusses der Regionen und des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses. Die Kosten für die Verdolmetschung trägt der jeweilige Mitgliedstaat. Mit den walisischen und schottischen Behörden besteht eine ähnliche Vereinbarung.

Schützt EU‑Recht die Verwendung von Sprachen?

Die Rechte und Pflichten der EU im Rahmen der Sprachenpolitik sind in den EU‑Rechtsvorschriften niedergelegt. Im EU-Vertrag (Artikel 3) und in der Charta der Grundrechte der Europäischen Union (Artikel 21 und 22) ist beispielsweise festgelegt, dass Diskriminierungen wegen der Sprache verboten sind und dass die Europäische Union die Vielfalt der Sprachen achtet.

Gemäß der ersten Gemeinschaftsverordnung, erlassen im Jahr 1958, sind die EU-Organe gehalten, Rechtsvorschriften in alle EU-Amtssprachen zu übersetzen und Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern in der gleichen Sprache zu beantworten (Artikel 2 der Verordnung sowie Artikel 20 und 24 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union).

Plant die EU, die Zahl ihrer Amtssprachen zu reduzieren?

Nein. Das gegenwärtige System trägt der Demokratie, der Transparenz und der Verantwortlichkeit Rechnung. Kein Mitgliedstaat ist bereit, auf seine eigene Sprache zu verzichten, und die Kandidatenländer möchten, dass ihre Sprachen in die Liste der Amtssprachen aufgenommen werden. Manchmal wird gefordert, die EU solle sich doch auf eine einzige Sprache einigen. Dies wäre allerdings undemokratisch, da die meisten Menschen in der EU so nicht verstehen würde, was in ihrem Namen beschlossen wurde, und es würde die Verantwortlichkeit senken.

Warum fördert die Europäische Kommission die Mehrsprachigkeit?

Aus mehreren Gründen – 1. um den interkulturellen Dialog und eine inklusivere Gesellschaft zu fördern, 2. um den Bürgerinnen und Bürgern der 27 Mitgliedstaaten ein Gefühl für die Unionsbürgerschaft zu vermitteln, 3. um den Menschen die Möglichkeit zu eröffnen, im Ausland zu studieren oder zu arbeiten, und 4. um den global operierenden EU‑Unternehmen neue Märkte zu erschließen.

Kurz gesagt, welches Ziel hat die Sprachenpolitik der EU?

Mit ihrer Sprachenpolitik schützt die EU die Sprachenvielfalt und fördert das Sprachenlernen. Hiermit will sie die kulturelle Identität und die gesellschaftliche Integration stärken. Ein weiterer Beweggrund ist, dass mehrsprachige Bürgerinnen und Bürger stärker von den Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten auf dem Binnenmarkt profitieren können.

Angestrebt wird ein Europa, in dem alle neben ihrer Muttersprache von klein auf mindestens zwei Fremdsprachen lernen. Die Vorgabe „Muttersprache + 2“ wurde von den EU-Staats- und Regierungschefs im März 2002 auf der Ratstagung in Barcelona vereinbart.

Welche Rolle spielen Übersetzungen und Verdolmetschungen?

Die Aufgabe der Übersetzungs- und Dolmetschdienste der Europäischen Union besteht darin, die Mehrsprachigkeit in der Europäischen Union zu unterstützen und zu stärken und die Bürgerinnen und Bürger besser mit den Strategien der EU-Politik vertraut zu machen. Für Legitimität, Transparenz, Verantwortlichkeit und Effizienz der EU ist es von zentraler Bedeutung, dass die Bürgerinnen und Bürger in allen Amtssprachen informiert werden – insbesondere über ihre im EU-Recht festgeschriebenen Rechte und Pflichten – und dass in allen Amtssprachen mit ihnen kommuniziert wird.

Wird jedes EU‑Dokument in alle Amtssprachen übersetzt?

Nein. Die Dokumente werden nach Prioritäten übersetzt, die sich nach Zielgruppe und Zweck richten. Rechtsvorschriften sowie andere Texte, die von großer Bedeutung oder großem Interesse für die Öffentlichkeit sind, werden in alle 23 Amtssprachen übersetzt. Andere Unterlagen (z. B. Schreiben an nationale Behörden oder Beschlüsse, die an bestimmte Personen oder Organisationen gerichtet sind) werden nur in die jeweils erforderlichen Sprachen übersetzt.

Die Europäische Kommission wickelt ihr internes Geschäft in drei sogenannten „Verfahrenssprachen“ ab – Englisch, Französisch und Deutsch. Die Mitglieder des Europäischen Parlaments erhalten die Arbeitsdokumente in ihrer eigenen Sprache.

Und die Websites?

Dem Internet kommt eine wachsende Bedeutung zu, wenn es darum geht, die Öffentlichkeit darüber zu informieren, was die EU macht und wie die Bürgerinnen und Bürger davon profitieren. Die Europäische Kommission ist zwar nicht von Rechts wegen dazu verpflichtet, jede einzelne Seite ihres Internetauftritts in alle Amtssprachen zu übersetzen, bietet dort jedoch möglichst viele Informationen in möglichst vielen Sprachen an.

Was kosten die Übersetzungen und Verdolmetschungen in den EU‑Organen?

Die Kosten für Übersetzen und Dolmetschen aller EU-Organe und ‑Einrichtungen (darunter die Europäische Kommission, das Europäische Parlament, der Rat, der Gerichtshof der Europäischen Union, der Europäische Rechnungshof, der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss und der Ausschuss der Regionen) belaufen sich jährlich insgesamt auf etwa 1 Mrd. EUR.

Dies entspricht weniger als 1 % des EU-Haushalts bzw. etwas mehr als 2 EUR je EU-Bürger.

Die Europäische Kommission beschäftigt rund 3000 Übersetzer und Dolmetscher.

Welche Sprache ist die wichtigste?

Alle Sprachen sind gleich wichtig. Die EU-Sprache mit der größten Zahl an Muttersprachlern in der EU ist Deutsch. Außerhalb Deutschlands und Österreichs wird Deutsch jedoch nur wenig verwendet. Die weltweit am meisten gesprochenen EU‑Sprachen sind Englisch und Spanisch – doch die meisten Sprecher leben nicht in Europa. Englisch ist die am weitesten verbreitete Zweitsprache in der EU. Allerdings zeigen aktuelle Untersuchungen, dass selbst heute weniger als die Hälfte der EU‑Bevölkerung Englisch gut genug kann, um in dieser Sprache zu kommunizieren. Französisch ist in drei Mitgliedstaaten die einzige oder eine Amtssprache (Belgien, Frankreich, Luxemburg). Es wird in vielen Teilen der Welt gesprochen und an vielen Schulen in der EU unterrichtet. Allerdings ist es als Fremdsprache in Süd- und Westeuropa wesentlich weiter verbreitet als in Nord- und Osteuropa.

Wäre eine einzige Sprache für alle eine Lösung?

Die Idee, dass eine einzige Sprache die Lösung für alle sprachlichen Probleme wäre, ist zu simpel. Hin und wieder werden Latein oder Esperanto als einzige, europaweite Sprache für die EU vorgeschlagen. Da allerdings beinahe jeder diese Sprachen von Grund auf neu lernen müsste, wäre diese Lösung sowohl unpraktisch als auch für die Beziehungen zum Rest der Welt nicht sonderlich hilfreich. Die Lehrerausbildung und der Sprachunterricht für 500 Millionen Europäerinnen und Europäer würden außerdem sehr viel Zeit und Geld kosten. Mit ihrem Bekenntnis zur Mehrsprachigkeit macht sich die Europäische Kommission daher für Vielfalt statt für Einförmigkeit stark.

Was bringt es mir, wenn ich Fremdsprachen lerne?

In Zeiten steigender Arbeitslosenzahlen und schwieriger Wirtschaftsperspektiven ist die Fähigkeit, Fremdsprachen anzuwenden und zu verstehen, ein Mehrwert und eine Schlüsselkompetenz für Beschäftigungsfähigkeit, Wachstum und Beschäftigung. Deshalb forderten die EU‑Staats- und Regierungschefs im Jahr 2002 dazu auf, schon ab einem sehr frühen Alter mindestens zwei Fremdsprachen zu lernen.

Wie unterstützt die EU die Menschen dabei, im Ausland Sprachen zu lernen?

Das Sprachenlernen im Ausland kann eine Rolle beim Konjunkturaufschwung und bei der Entwicklung eines größeren Zusammenhalts in der Gesellschaft auf unserem Kontinent spielen. Alle Bürgerinnen und Bürger der EU sollten die Möglichkeit haben, ihre Sprachkenntnisse zu verbessern, sich anderen Kulturen zu öffnen und die Vorteile zu entdecken, die ihnen die Europäische Union und der Weltmarkt bieten. Das EU‑Programm für lebenslanges Lernen sieht etwa 50 Mio. EUR pro Jahr dafür vor, für die Bedeutung von Sprachkenntnissen zu sensibilisieren, den Zugang zu Ressourcen für das Sprachenlernen zu verbessern und Sprachlern- und ‑lehrmaterialien zu entwickeln. Sprachenlernen und sprachliche Vielfalt zählen zu den Schwerpunkten des Programms „Erasmus für alle“ für den Zeitraum 2014‑2020. Es wird davon ausgegangen, dass in diesem neuen Programm, das derzeit im Rat und im Europäischen Parlament diskutiert wird, die Finanzmittel für den Erwerb und die Entwicklung von Sprachkenntnissen beträchtlich angehoben werden.

Sind Sprachen wichtig fürs Geschäft?

Ja, denn es ist hilfreich, die Sprache der Kunden zu sprechen. Im Jahr 2006 wurde im Auftrag der Europäischen Kommission eine Studie durchgeführt, um die Kosten fehlender Fremdsprachenkenntnisse bei den Unternehmen in der EU zu beziffern. Darin wurde aufgezeigt, dass die Exportzahlen von KMU, die in die Sprachkenntnisse ihrer Angestellten investieren oder eine Sprachstrategie verfolgen, 44,5 % höher sind als die Exportzahlen von KMU, die dafür kein Geld ausgeben.

Was halten die Europäerinnen und Europäer von Sprachen?

Laut einer im Juni 2012 veröffentlichten Eurobarometer-Umfrage über die Einstellung zu Mehrsprachigkeit und Fremdsprachenerwerb halten fast 9 von 10 EU-Bürgerinnen und ‑Bürgern die Fähigkeit, Fremdsprachen zu sprechen, für sehr nützlich, und 98 % meinen, das Beherrschen von Fremdsprachen sei gut für die Zukunft ihrer Kinder. Die Europäerinnen und Europäer sind sich der Vorteile von Mehrsprachigkeit definitiv bewusst: 72 % sind mit dieser Zielsetzung einverstanden, und 77 % sind der Meinung, sie sollte Priorität erhalten. 53 % verwenden Fremdsprachen am Arbeitsplatz, und 45 % meinen, sie hätten dank ihrer Fremdsprachenkenntnisse in ihrem Heimatland eine bessere Arbeitsstelle.

Wie gut sind die Sprachkenntnisse der Europäerinnen und Europäer?

Gemäß der Eurobarometer-Umfrage aus dem Jahr 2012 ist die Zahl der Europäerinnen und Europäer, die angeben, sie könnten in einer Fremdsprache kommunizieren, seit der letzten Erhebung zur Mehrsprachigkeit im Jahr 2005 von 56 auf 54 % leicht zurückgegangen. Für eine eigene Studie der Kommission, die erste europäische Erhebung zur Sprachenkompetenz, wurden in 14 europäischen Ländern Schülerinnen und Schüler im Teenageralter getestet. Dabei wurde festgestellt, dass nur 42 % in ihrer ersten Fremdsprache und nur 25 % in ihrer zweiten Fremdsprache kompetent sind. Ein signifikanter Anteil, nämlich 14 % bei der ersten Fremdsprache und 20 % bei der zweiten, erreicht nicht einmal das Niveau „Grundkenntnisse“. Der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die in ihrer ersten Fremdsprache wirklich sattelfest sind, liegt zwischen 82 % in Malta und Schweden (erste Fremdsprache: Englisch) und bei nur 14 % in Frankreich (Englisch) und 9 % im Vereinigten Königreich (Französisch). Dank des Internets trainieren die Menschen ihr passives Lese- und Hörverständnis in Fremdsprachen. Die Anzahl der Europäerinnen und Europäer, die regelmäßig im Internet Fremdsprachen verwenden, beispielsweise in sozialen Medien, ist um 10 Prozentpunkte von 26 % auf 36 % gestiegen. Das polyglotteste EU-Land ist Luxemburg – hier beherrschen 99 % der Bürgerinnen und Bürger mindestens eine Fremdsprache.

Wer ist die polyglotteste Person in der Europäischen Kommission?

Ioannis Ikonomou, einer der Übersetzer der Europäischen Kommission, spricht 32 Sprachen. Geboren wurde Ikonomou in Heraklion auf Kreta. Er studierte an der Universität Thessaloniki Linguistik und machte anschließend an der Columbia University in den USA einen MA in Sprachen und Kulturen des Mittleren Ostens. Ioannis Ikonomou arbeitet seit 2002 für die Europäische Kommission. Er wird auf der Konferenz zur Mehrsprachigkeit in Europa in Zypern diese Woche einen Vortrag halten.


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