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EUROPÄISCHE KOMMISSION

MEMO

Brüssel, 19. August 2012

Erklärung von EU-Kommissarin Kristalina Georgieva zum Welttag der humanitären Hilfe 2012

Die EU-Kommissarin für internationale Zusammenarbeit, humanitäre Hilfe und Krisenreaktion, Kristalina Georgieva, hat die folgende Erklärung abgegeben:

„Heute ist Welttag der humanitären Hilfe. Vor neun Jahren wurden am 19. August der Sondergesandte des UN-Generalsekretärs für Irak, Sergio Vieira de Mello, und 21 seiner Kollegen bei einem Bombenanschlag auf das UN-Hauptquartier im Canal Hotel in Bagdad getötet. An diesem Gedenktag zollen wir den Mitarbeitern humanitärer Hilfsorganisationen unsere Anerkennung, die sich für die humanitäre Sache eingesetzt und ihr Leben bei dieser Aufgabe verloren haben.

Die Bombenanschläge im Canal Hotel veränderten die Sicherheitsbedingungen, unter denen die Mitarbeiter humanitärer Hilfsorganisationen arbeiten, unumkehrbar. Die Arbeit als humanitärer Helfer ist einer der gefährlichsten Berufe der Welt. Entführungen, Erschießungen und Morddrohungen sind in von Konflikten geprägten Ländern wie Sudan, Syrien und Somalia an der Tagesordnung. Humanitäre Helfer sind zunehmend Gefahren ausgesetzt während sie lebensnotwendige Hilfe für Kriegs- und Katastrophenopfer in der ganzen Welt leisten. Es kann nicht hingenommen werden, dass im Dienste der Menschheit tätige Helfer Belästigungen, Entführungen oder sogar Mord zum Opfer fallen.

In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Angriffe auf humanitäre Einrichtungen verdreifacht. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden seit 2011 insgesamt 109 humanitäre Helfer getötet, 143 weitere verletzt und 132 entführt. Bei der großen Mehrheit dieser Opfer handelt es sich nicht um internationale humanitäre Helfer, sondern um Helfer im Dienste ihrer eigenen Länder, die am engsten mit der Bevölkerung vor Ort zusammenarbeiten. Verbrechen gegen die unbewaffnete Zivilbevölkerung sind niemals zu rechtfertigen. Richten sich diese Verbrechen gegen Menschen, die ihr Leben dafür einsetzen, andere Menschenleben zu retten, wird die Ungerechtigkeit noch deutlicher.

Die Sicherheit der Mitarbeiter von Hilfsorganisationen steht in direktem Zusammenhang mit dem sicheren Zugang zu gefährdeten Bevölkerungsgruppen und der nachhaltigen Erbringung der Hilfe. Wird diese aufgrund der unsicheren Lage ausgesetzt oder eingestellt, müssen Tausende bedürftige Menschen ohne die notwendige Unterstützung auskommen.

Humanitäre Helfer bringen die Welt näher zusammen, indem sie uns daran erinnern, dass wir eine Familie sind und denselben Traum einer friedlichen Welt haben, in der alle Menschen in Sicherheit und Würde leben können.

Am heutigen Tag sollten wir auch unser eigenes Leben betrachten und darüber nachdenken, wie wir noch mehr helfen können, um Menschen, die Konflikte, Katastrophen und Not erleiden, zu erreichen. Lassen wir uns von jenen, die wir heute ehren, dazu inspirieren, zu einer besseren Welt und zu einer engeren Gemeinschaft der Menschen beizutragen.“

Hintergrund

Am 11. Dezember 2008 verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten Nationen die von Schweden eingebrachte Resolution der Generalversammlung A/63/L.49 über die „Verstärkte Koordinierung der humanitären Nothilfe der Vereinten Nationen“, in der sie den 19. August zum Welttag der humanitären Hilfe erklärte.

In der Resolution wurde erstmals dem gesamten humanitären Personal der Vereinten Nationen und dem beigeordnetem Personal, das sich für die humanitäre Sache eingesetzt hat, sowie denjenigen, die bei der Ausübung ihrer Dienstpflichten ihr Leben gelassen haben, besondere Anerkennung ausgesprochen. Alle Mitgliedstaaten und die Institutionen des Systems der Vereinten Nationen sowie die anderen internationalen Organisationen und nichtstaatlichen Organisationen werden darin gebeten, den Tag jährlich in angemessener Weise zu begehen.

Weltweit sind heute mehr als eine halbe Million Mitarbeiter in der humanitären Hilfe tätig – darunter sowohl humanitäre Helfer als auch Entwicklungshelfer. Die letzte ausführliche Bewertung des Sektors aus dem Jahr 2008 bezifferte die Zahl des humanitären Personals auf 595 000 Mitarbeiter (einschließlich internationaler und nationaler Beschäftigter von UN-Organisationen im humanitären Bereich, internationaler NRO und der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung).

Die Zahl der Angriffe auf Mitarbeiter von Hilfsorganisationen hat in den letzten Jahren stark zugenommen, wobei diese zunehmend politisch motiviert und direkt auf Mitarbeiter von Hilfsorganisationen ausgerichtet sind. Mehr als 800 Mitarbeiter wurden in den letzten zehn Jahren getötet, als sie Menschen in Not Hilfe leisten wollten, weitere 1300 wurden entführt oder verletzt. In demselben Zeitraum hat sich die Zahl der Sicherheitszwischenfälle, die auf humanitäre Helfer abzielten, verdreifacht.

Um Hilfe bereitstellen zu können, benötigen humanitäre Helfer Zugang zu den Hilfebedürftigen. Dies kann nach Naturkatastrophen oder während eines bewaffneten Konflikts schwierig sein. Sicherheit ist eines der größten Probleme, mit denen die humanitäre Gemeinschaft aufgrund neuer und immer komplexerer Beschränkungen des humanitären Raums zu kämpfen hat.

Humanitäre Grundsätze und internationale Rechtsrahmen sollen formalen Schutz gewährleisten, werden aber oft nicht geachtet. Die Bedingungen, unter denen humanitäre Helfer arbeiten, werden von Jahr zu Jahr gefährlicher. Die Embleme und Flaggen humanitärer Organisationen, die traditionell als Schutzschilder für humanitäre Helfer dienten, machen sie jetzt zu Zielscheiben.

Jüngste Beispiele von Angriffen auf humanitäre Helfer

Afghanistan ist weiterhin das gefährlichste Land für Mitarbeiter von Hilfsorganisationen. Seit 2011 gab es 51 Vorfälle, bei denen 36 Menschen getötet und mehr als 50 entführt wurden – die große Mehrheit waren afghanische Staatsangehörige. Vor Kurzem wurden vier Mitarbeiter von Partnerorganisationen von ECHO auf der Fahrt durch die Berge von Badachschan entführt.

Somalia und Kenia gehören zu den Ländern mit der höchsten Zahl an Vorfällen. Im Juni 2012 konnte die Generalsekretärin des norwegischen Flüchtlingsrats, Elisabeth Rasmussen, einem bewaffneten Angriff auf den Konvoi, in dem sie reiste, glücklicherweise unverletzt entkommen. Bei dem Angriff wurde ein Fahrer getötet und vier andere humanitäre Helfer wurden entführt.

Syrien ist im Laufe des letzten Jahres für humanitäre Helfer gefährlich geworden. Obwohl der Zugang stark eingeschränkt ist und nur sehr wenige humanitäre Helfer vor Ort sind, wurden seit Anfang des Jahres sechs Helfer bei dem Versuch, Hilfe zu leisten, getötet. In zwei Fällen wird davon ausgegangen, dass die Opfer – Mitarbeiter des Syrisch-Arabischen Roten Halbmonds – gezielt angegriffen wurden. Diese Vorfälle sowie jeder versuchte Angriff auf Mitarbeiter humanitärer Organisationen sind direkte Verstöße gegen humanitäres Völkerrecht.

Darfur gehört zu den gefährlichsten Orten für humanitäre Helfer. Im Juni wurde Patrick Noonan, ein britischer humanitärer Helfer, der für das Welternährungsprogramm tätig ist, nach 86 Tagen Geiselhaft freigelassen, nachdem er in der westsudanesischen Region Darfur von Bewaffneten entführt worden war. Noonan hatte seit etwa zwei Jahren als Logistiker im Sudan gearbeitet. In Darfur wurden seit 2009 40 humanitäre Helfer entführt, darunter Noonan und sechs Besatzungsmitglieder des humanitären Flugdienstes der Vereinten Nationen, der der Leitung des Welternährungsprogramms unterstellt ist.

Untersuchungen der Vereinten Nationen haben ergeben, dass über 50 % der Angriffe im letzten Jahr im Straßenverkehr und bei Geländefahrten erfolgten. Trotz der erhöhten Gefährdung lehnen humanitäre Helfer selbst bei Geländefahrten in unsicheren Gegenden Eskorten durch bewaffnete Begleitkräfte häufig ab. Sie befürchten, dass die örtliche Bevölkerung dies als Unterstützung oder Schutzleistung einer der Konfliktparteien deuten könnte. In diesem Fall können bewaffnete Begleitkräfte zwar kurzfristig für mehr Sicherheit sorgen, langfristig können sie jedoch den Zugang der humanitären Helfer zu Menschen in Not einschränken. Diese Voraussicht von Seiten der humanitären Helfer ist wichtig, da viele Konflikte Jahre oder gar Jahrzehnte andauern können – lange nachdem das Medieninteresse abgeflaut ist.

Die EU ist weltweit größter Geber humanitärer Hilfe. Der Dienst der Kommission für humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz (ECHO) verfügt über 300 Mitarbeiter in der Brüsseler Zentrale und weltweit über 44 Büros mit 400 Mitarbeitern an den Orten, wo humanitäre Hilfe gebraucht wird.

Die Kommission arbeitet mit über 200 Hilfsorganisationen zusammen. Zu ihren humanitären Partnern gehören 14 Organisationen der Vereinten Nationen, 191 Nichtregierungsorganisationen und drei internationale Organisationen (das Internationale Komitee vom Roten Kreuz/Roten Halbmond, der Internationale Verband des Roten Kreuzes/Roten Halbmonds und die Internationale Organisation für Migration).

Weitere Informationen

Humanitäre Hilfe der Europäischen Kommission:

http://ec.europa.eu/echo/index_en.htm

Website der Kommissarin für internationale Zusammenarbeit, humanitäre Hilfe und Krisenreaktion Kristalina Georgieva:

http://ec.europa.eu/commission_2010-2014/georgieva/index_en.htm

Links zum Welttag der humanitären Hilfe:

http://ec.europa.eu/echo/news/2012/whd2012_en.htm 

http://www.unocha.org/about-us/publications/world-humanitarian-day

http://www.sergiovdmfoundation.org/wcms/index.php?lang=en

http://www.unocha.org/top-stories/all-stories/world-humanitarian-day-2012


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