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Europäische Kommission

MEMO

Brüssel, den 6. Juni 2012

Vision 2020: Empfehlungen der Gruppe CARS 21 zur Unterstützung eines neuen Aufschwungs in der Automobilindustrie

Die Gruppe CARS 21 legte heute ihren Abschlussbericht vor, in dem zu raschen Fortschritten und konkreten Maßnahmen in wichtigen Bereichen – darunter Elektromobilität, Sicherheit im Straßenverkehr und intelligente Verkehrssysteme – aufgerufen wird. Auch eine Strategie für den Marktzugang sowie eine Überprüfung der Verordnungen zu den CO2-Emissionen von Personenkraftwagen und leichten Nutzfahrzeugen wird gefordert. Die im Zwischenbericht vom Dezember 2011 enthaltenen Empfehlungen der Gruppe CARS 21 (MEMO/11/862) werden heute bekräftigt. Der Abschlussbericht geht allerdings weit darüber hinaus und stellt eine umfassende Vision der Automobilindustrie im Jahr 2020 sowie zusätzliche Empfehlungen vor.

Die Vision für die Automobilindustrie des Jahres 2020

In dem Bericht werden die nachstehenden zentralen Merkmale für eine starke, wettbewerbsfähige Automobilindustrie und für Fortschritte in Richtung nachhaltige Mobilität im Jahr 2020 festgelegt. Diese zentralen Merkmale sollten folgende Punkte umfassen:

  • einen Automobilsektor, der weiterhin von strategischer Bedeutung ist, einen Eckpfeiler der Wirtschaft und Industrie in der EU bildet und hochwertige Arbeitsplätze für Millionen Beschäftigte in der Union bietet;

  • eine starke Produktionsbasis für Straßenfahrzeuge in der EU, die einen beträchtlichen Teil der am EU-Markt verkauften Fahrzeuge fertigt;

  • eine technologisch führende Automobilindustrie, deren Produkte sauber, kraftstoffsparend, leise, sicher und netztauglich sind;

  • eine Branche, die ein breiteres Spektrum von Fahrzeugen auf Drittmärkte exportiert, die tatsächlich gleiche Wettbewerbsbedingungen bieten;

  • von Verbrauchern aus der EU erworbene neue Fahrzeuge, die den Schadstoff-Vorschriften entsprechen und kraftstoffsparender, sicherer und netztauglicher sind;

  • ein Spektrum von Antriebstechnologien, die vom fortgeschrittenen Verbrennungsmotor dominiert, aber zunehmend elektrifiziert werden. Darüber hinaus nimmt der Einsatz von Fahrzeugen mit alternativen Antriebsstrangkonzepten wie Elektroautos und Fahrzeuge mit Brennstoffzellenantrieb beträchtlich zu;

  • Aufbau geeigneter Infrastrukturen zum Befüllen und Aufladen für Fahrzeuge, die mit alternativen Kraftstoffen betrieben werden, so wie dies für deren Marktentwicklung erforderlich ist;

  • Gut ausgebildete Arbeitskräfte in den Bereichen Fertigung, Forschung und Entwicklung sowie Service, die bereit sind, mit einer Vielzahl von Technologien zu arbeiten.

Empfehlungen der Gruppe CARS 21

Die Mitglieder der Gruppe CARS 21 haben sich verpflichtet, in den kommenden Jahren in ihrem jeweiligen Verantwortungsbereich einen Wandel herbeizuführen. Dieses Ziel wird durch die Umsetzung der Empfehlungen der Gruppe verwirklicht werden.

Konkret wird die Umsetzung der Empfehlungen im CARS 21-Abschlussbericht folgende Veränderungen mit sich bringen:

  • Der Verbrennungsmotor wird im Zeitraum bis 2020 zwar weiterhin vorherrschen; für die Verwirklichung der politischen Vorgaben wird jedoch ein Spektrum alternativer Kraftstoffe, darunter Strom, Wasserstoff, Biokraftstoffe, Methan und Flüssiggas, erforderlich sein. Durch die Umsetzung der Empfehlungen wird gewährleistet, dass der Aufbau einer alternativen Infrastruktur mit der technischen Entwicklung Schritt hält, so dass Fahrzeuge, die mit diesen alternativen Kraftstoffen betrieben werden, am Markt Fuß fassen können.

  • Elektrofahrzeuge werden für europäische Verbraucher eine echte Alternative darstellen. Die Gruppe erkannte an, dass das Aufladen von Elektroautos voraussichtlich meist zu Hause/am Arbeitsplatz durchgeführt wird; darüber hinaus wird aber auch Bedarf an öffentlich zugänglichen Aufladestationen bestehen. Zur Gewährleistung der EU-weiten Interoperabilität sind Normen auf europäischer Ebene erforderlich. Daher wird die Kommission eine Folgenabschätzung bezüglich der Rechtsetzungsoptionen und technischen Modalitäten einleiten, damit für die Infrastruktur-Aspekte in dieser Frage praktische und zufriedenstellende Lösungen in der gesamten EU umgesetzt werden.

  • Die sauberen und energieeffizienten Fahrzeuge werden künftig in Europa nicht nur eingesetzt, sondern auch produziert; Europa unterstützt Forschung, Entwicklung und Innovation in einem breiten Spektrum, das kraftfahrzeugtechnische Probleme und wichtige Zukunftstechnologien umfasst. Darüber hinaus wird eine spezielle, groß angelegte Initiative zu bahnbrechenden Technologien (darunter die Elektrifizierung von Verbrennungsmotoren, Hybrid- und Elektrofahrzeuge, Brennstoffzellen sowie elektrische und elektronische Systeme) ins Auge gefasst; damit einher geht die kontinuierliche Förderung der Automobilindustrie sowie der Infrastruktur und der Dienstleistungen durch die EIB.

  • Die Regulierungsmaßnahmen zur Verringerung der CO2-Emissionen bleiben nach wie vor eine Priorität, ohne jedoch die Wettbewerbsfähigkeit der Autoindustrie zu beeinträchtigen. Damit in den einschlägigen Politikbereichen ehrgeizige Ziele erreicht werden, wünscht die Gruppe CARS 21 die vollständige Umsetzung eines wirklich integrierten Konzepts. Die zu ergreifenden Maßnahmen müssen verhältnismäßig und mit den Grundsätzen der Kosteneffizienz und einer besseren/intelligenten Regulierung vereinbar sein sowie die Erschwinglichkeit neuer Fahrzeuge berücksichtigen.

  • Die in den Verordnungen zu den CO2-Emissionen von Personenkraftwagen und leichten Nutzfahrzeugen für 2020 festgelegten Ziele sind technisch umsetzbar und es wird weiter darauf hingearbeitet. Die Herstellungskosten werden insbesondere für Autos steigen, aber niedriger als in früheren Schätzungen ausfallen. Auch die Nutzer und die Gesellschaft würden von einem geringeren Kraftstoffverbrauch profitieren. Damit die Ziele kosteneffizient umgesetzt werden, ist eine gewisse Flexibilität in Betracht zu ziehen; dadurch sollten die Ziele aber letztlich nicht verwässert werden.

  • Es werden ein neuer Prüfzyklus zum Fahrverhalten und ein neues Prüfverfahren zur Messung des Kraftstoffverbrauchs und der Emissionen entwickelt, die dem tatsächlichen Einsatz von Fahrzeugen im Straßenverkehr eher entsprechen und die Aspekte Klimaschutz und Luftqualität berücksichtigen. Dieses Vorhaben wird ergänzt durch Maßnahmen zur Kontrolle der Emissionen von Fahrzeugen beim Betrieb, die auf einer eingehenden Analyse beruhen; Ziel ist dabei eine baldige Verringerung der tatsächlichen Schadstoffemissionen und somit ein Beitrag zu besserer Luft.

  • Die Straßenverkehrssicherheit wird aufgrund sich ergänzender Maßnahmen hinsichtlich Fahrzeugen, Infrastruktur und Fahrerverhalten weiter verbessert. Es gilt, regulatorische und andere Maßnahmen richtig miteinander zu kombinieren. Zu den Prioritäten gehören die Krafträder, die Sicherheit neuer Fahrzeugtechnologien (Elektrofahrzeuge) sowie Technologien zur Unterstützung des Fahrerverhaltens und zur Durchsetzung der Straßenverkehrsvorschriften (Systeme zur Geschwindigkeitsbegrenzung, intelligente Verkehrssysteme, sparsames Fahren).

  • Die EU-Handelspolitik ist darauf ausgerichtet, dem Ziel der Sicherung einer starken, wettbewerbsfähigen Produktionsbasis der Automobilindustrie in seiner ganzen Bedeutung gerecht zu werden; dabei werden sowohl multilaterale als auch bilaterale Instrumente eingesetzt. Auf beide Arten sollten zentrale Fragen des Abbaus tarifärer und nichttarifärer Handelshemmnisse behandelt werden. Mit Freihandelsabkommen sollen ein vollständiger Zollabbau und die Beseitigung der nichttarifären Hemmnisse erreicht werden. Bei jeder Handelsverhandlung sollten die gesamten Auswirkungen abgeschätzt werden.

  • Die EU fördert die Reform des UN/ECE-Übereinkommens von 1958, damit es für Drittmärkte attraktiver wird. Im Rahmen dieser Reform sollte die Einführung eines internationalen Typgenehmigungssystems für vollständige Fahrzeuge von allen maßgeblichen Interessenträgern gefördert werden.

  • Die multilaterale Zusammenarbeit bei der Regulierung im Rahmen der UN/ECE-Übereinkommen wird ergänzt durch eine entsprechende bilaterale Zusammenarbeit, insbesondere mit Schwellenländern, aber auch z. B. mit den Vereinigten Staaten – im Rahmen des Transatlantischen Wirtschaftsrats – und mit Japan.

Aktionsplan als Reaktion auf die derzeitige Wirtschaftslage

Um den Umbau der Branche entsprechend der Vision für 2020 in Gang zu setzen und diesen Wirtschaftszweig sicher auf den Weg zu Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltigem Wachstum zu bringen, muss die EU auch auf die derzeitige wirtschaftliche Situation reagieren.

Maßnahmen werden für folgende drei Bereiche ins Auge gefasst:

  • Förderung des Wirtschaftswachstums durch Bereitstellung von EU-Geldern für Forschung und Investitionen, die zur Entwicklung der Antriebstechniken von morgen, der Sicherheitssysteme und Komfortausstattungen sowie der Produktionsmittel benötigt werden, um künftigen Märkten, Vorschriften und Verbrauchern gerecht zu werden.

  • Die Steuerung des Kostenaufwands und der Strukturen für die Geschäftstätigkeit auf Basis von Prinzipien einer intelligenten Regulierung wird strikt umgesetzt; dabei sollten die Auswirkungen auf die Industrie, die Gesellschaft und andere Interessenträger, insbesondere die Kosten und der Nutzen, die damit verbunden sind, eingehend bewertet werden. Ferner müssen die kumulierten Auswirkungen und die tatsächliche Umsetzung untersucht werden; dabei sind vor allem auch die besonderen Probleme kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) zu berücksichtigen.

  • Förderung der Internationalisierung der EU-Industrie durch Ermöglichung des Exports einer größeren Bandbreite in der EU montierter Fahrzeuge, indem man Maßnahmen in zwei einander ergänzenden Bereichen ergreift:

  • Erleichterung des Marktzugangs durch Handelsverhandlungen und

  • Zusammenarbeit mit internationalen Partnern mit dem Ziel einer Konvergenz in Regulierungs- und Verfahrensfragen.

Um den Aktionsplan zu erstellen und umzusetzen, ist ein konstruktiver sektoraler Dialog über die Automobilindustrie erforderlich, der von den betreffenden Interessenträgern geführt werden muss und auf die Grundsätze des Binnenmarkts und das allgemeine Interesse Europas ausgerichtet ist.

Während diese Maßnahmen noch zu entwickeln sind, spielt hier eine weitere zentrale Empfehlung aus dem CARS 21-Abschlussbericht eine wichtige Rolle: dass man dem Wandel einen Schritt voraus sein muss. Die Gruppe war sich einig, dass man sich auf den Wandel ganzheitlich einstellen sollte und dabei sämtliche die Wettbewerbsfähigkeit beeinflussenden Faktoren sowie die langfristige Perspektive der Unternehmen zu beachten wären. Dieser Ansatz sollte sich effektiv in den langfristigen Strategien der Unternehmen niederschlagen, mit gebührender Berücksichtigung der Qualifikationen und der Verfügbarkeit von Humanressourcen. Erforderlichen Umstrukturierungen sollte kein Widerstand entgegengesetzt werden, vielmehr sollten weithin anerkannte bewährte Verfahren befolgt werden, um die sozialen Auswirkungen solcher Maßnahmen abzufedern.

Nächste Schritte

Die Europäische Kommission hat die Absicht bekundet, eine Mitteilung zu den Ergebnissen des CARS 21-Prozesses zu verabschieden. Aus der Mitteilung wird auch hervorgehen, wie die Kommission die Empfehlungen der Gruppe in ihrer Politik umsetzen möchte. Des Weiteren wird eine Gruppe CARS 2020 eingerichtet, die einmal jährlich zur Überwachung der bei der Umsetzung erzielten Fortschritte zusammentritt.

Der vollständige Bericht wird in Kürze auf der Website von CARS 21 veröffentlicht.

Hintergrundinformationen

Die Automobilindustrie ist aus den folgenden Gründen eine Branche von strategischer Bedeutung für die EU-Wirtschaft:

  • Sie ist einer der größten Industriezweige in der EU mit einem Umsatz von mehr als 700 Mrd. EUR.

  • Sie beschäftigt direkt oder indirekt mehr als 12 Mio. Arbeitnehmer, die überwiegend hochqualifiziert sind.

  • Sie ist eine Quelle des Wachstums und des Wohlstands für die EU-Bevölkerung.

  • Sie trug 2011 fast 92 Mrd. EUR zur Außenhandelsbilanz bei.

  • Sie ist eine treibende Kraft für Wissensentwicklung und Innovation.

  • Sie tätigt die größten privaten Investitionen in FuE (etwa 30 Mrd. EUR im Jahr 2010) und hat eine Spitzenposition in der Entwicklung weltweit führender Technologien inne.

  • Sie legt mit ihrer FuE den Grundstein für technische Entwicklungen in vielen verwandten Industriezweigen.

1. Produktion leichter Fahrzeuge (Personenkraftwagen und Nutzfahrzeuge)

Quelle: LMCA GCAT (Q1 2012)

2. Verkaufte Personenkraftwagen

Quelle: LMCA GCAT (Q1 2012)

Während der EU-Markt bei den Verkaufszahlen hinter dem chinesischen Markt zurück liegt, ergibt sich beim Umsatz ein völlig anderes Bild, da dieser in den Märkten aller Schwellenländer nach wie vor deutlich geringer ausfällt. Die Hersteller in der EU sind zudem offenbar gut aufgestellt, um die Chancen auf den Märkten der Schwellenländer zu nutzen.

3. Elektrofahrzeuge und alternative Antriebe

225 000 Personenkraftwagen mit Elektroantrieb sollen laut Prognosen 2012 in der EU verkauft werden (Quelle: LMCA).

700 000 Personenkraftwagen mit Elektroantrieb sollen laut Prognosen 2015 in der EU verkauft werden (Quelle: LMCA).

4. Beschäftigung (Quelle: ACEA, basierend auf Daten von Eurostat)

Etwa 12 Mio. Arbeitsplätze (überwiegend für hochqualifizierte Arbeitnehmer) hängen direkt oder indirekt von der EU-Automobilindustrie ab.

5. Außenhandelsbilanz (Quelle: Eurostat)

Die Automobilbranche leistete 2011 einen positiven Beitrag von fast 92 Mrd. EUR zur Außenhandelsbilanz.

Neufahrzeuge

Einfuhren in die EU-27; Ausfuhren aus der EU-27, 2007-2011

Warengruppe: Gruppe 87 (Kraftfahrzeuge, Teile davon und Zubehör)

Quelle: Eurostat-Datenbank Comext

Teile und Zubehör

Einfuhren in die EU-27; Ausfuhren aus der EU-27, 2007-2011

Warengruppe: Gruppe 87 (nur ausgewählte Positionen): Teile und Zubehör von Kraftfahrzeugen

Wert in Euro

Quelle: Eurostat-Datenbank Comext

6. Forschung und Entwicklung (FuE)

Im Jahr 2010 investierte die Automobilindustrie der EU mit 30 Mrd. EUR am meisten in FuE und rangierte damit noch vor Japan und den USA. Diese Branche ist außerdem weiterhin der größte private Investor in der EU.

7. Automobileinfuhren in die EU-27 (Stückzahlen)

Herkunftsländer: Brasilien, China, Südkorea, Indien, Russland, USA, Türkei, Marokko, Tunesien, Mexiko, Südafrika und Japan.

2007-2011

Warengruppe: Gruppe 87 (nur ausgewählte Positionen): Neue Personenkraftwagen

Quelle: Eurostat-Datenbank Comext

8. Automobileinfuhren in die EU-27 (Wert in Euro)

Herkunftsländer: Brasilien, China, Südkorea, Indien, Russland, USA, Türkei, Marokko, Tunesien, Mexiko, Südafrika und Japan.

2007-2011

Warengruppe: Gruppe 87 (nur ausgewählte Positionen): Neue Personenkraftwagen

Quelle: Eurostat-Datenbank Comext


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