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MEMO/12/310

Brüssel, 8. Mai 2012

Erasmus 2010/11: Was steckt hinter den Zahlen?

Die Europäische Kommission hat heute neue Zahlen zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmern am Programm Erasmus im akademischen Jahr 2010/11 veröffentlicht (Studierende, Lehrkräfte und sonstiges Hochschulpersonal; siehe auch IP/12/454). So erhielten insgesamt 231 410 europäische Studierende und 42 813 in der Hochschulbildung tätige Personen Erasmus-Stipendien für Studienaufenthalte, Praktika, Lehr- oder Fortbildungsaufenthalte im Ausland.

Studierende können dank Erasmus drei bis zwölf Monate in einem anderen europäischen Land verbringen und dort entweder studieren oder ein Praktikum in einem Unternehmen bzw. einer Organisation absolvieren. Diese Möglichkeit steht allen Studierenden offen, die an einer Hochschule in den 33 Teilnahmeländern (EU-Mitgliedstaaten, Kroatien, Island, Liechtenstein, Norwegen und der Türkei sowie seit 2011/12 der Schweiz) eingeschrieben sind. Studierende, die berufliche Kurzstudiengänge verfolgen, können das Programm ebenfalls nutzen.

Neuer Rekord: über 230 000 Erasmus-Studierende

Seit der Einführung des Programms ist die Anzahl der Studierenden, die ein Erasmus-Stipendium erhalten, kontinuierlich gestiegen. Im Studienjahr 2009/10 wurde erstmals die 200 000er-Marke überschritten, und die Zahl von 231 410 Studierenden, die 2010/11 für einen Studienaufenthalt oder ein Praktikum ins Ausland gingen, ist ein neuer Rekord und bedeutet im Jahresvergleich einen Anstieg um 8,5 % (2009/10 betrug die jährliche Steigerung noch 7,4 %).

Abbildung 1: Anzahl der Erasmus-Studierenden pro Jahr 1987/88 bis 2010/11

Abbildung 2: Mobilität der Erasmus-Studierenden: relative Veränderung der Anzahl der Studierenden zwischen 2009/10 und 2010/11 nach entsendenden Ländern

Abbildung 2 veranschaulicht, dass die Anzahl der Erasmus-Studierenden in fast allen Ländern angestiegen ist. Der höchste Zuwachs an Studierenden, die ins Ausland gingen, war in Kroatien zu verzeichnen (138 %), gefolgt von Liechtenstein und Zypern (52 % bzw. 22 %). In 19 Ländern lag die Steigerung über dem Durchschnitt von 8,5 %.

Nur in einem Land – Luxemburg – ging der Anteil der Erasmus-Studierenden zurück (-5,8 %). Dennoch ist Luxemburg weiterhin das Land, das gemessen an der Gesamtzahl der Studierenden auf nationaler Ebene die meisten Studierenden ins Ausland entsendet.

Die Spitzenreiter

Die meisten Erasmus-Stipendien für Studienaufenthalte und Praktika erhielten Studierende aus Spanien (36 183), gefolgt von Frankreich (31 747) und Deutschland (30 274).

Spanien war zugleich mit 37 432 ausländischen Studierenden das beliebteste Zielland, mit Frankreich (27 721) und Deutschland (24 734) auf den Plätzen zwei und drei. Das Vereinigte Königreich nahm doppelt so viele Studierende auf (24 474) wie es ins Ausland schickte (12 833). Die Mehrheit der Teilnahmeländer entsandte mehr Studierende als aufgenommen wurden. Am ausgeglichensten war das Verhältnis zwischen aufgenommenen und entsandten Studierenden in Slowenien, gefolgt von Österreich, den Niederlanden und Luxemburg.

3041 Hochschuleinrichtungen schickten Studierende für eine Mobilitätserfahrung ins Ausland, was einen Zuwachs von 6,6 % im Vergleich zum Vorjahr darstellt.

Abbildung 3: Erasmus-Studierendenmobilität – durchschnittliche Höhe der EU-Stipendien pro Monat

Die Durchschnittshöhe eines EU-Stipendiums pro Monat verringerte sich von 254 EUR im Studienjahr 2009/10 auf 250 EUR im Jahr 2010/11, wodurch mehr Studierende unterstützt werden konnten als im Vorjahr. Der obigen Abbildung ist die durchschnittliche monatliche Höhe der Stipendien zu entnehmen, die den Studierenden in den verschiedenen entsendenden Ländern gewährt wurden. Die Kommission legt für jedes Land einen monatlichen Stipendienhöchstbetrag fest; auf dieser Grundlage entscheiden die nationalen Agenturen und die betreffenden Hochschulen über die endgültige Höhe des jeweiligen Stipendiums.

Im Studienjahr 2010/11 erhielten 254 Studierende mit besonderen Bedürfnissen (einer Behinderung) eine zusätzliche Unterstützung, um an einem Erasmus-Austausch teilnehmen zu können, gegenüber 257 Studierenden im Jahr 2009/10.

7,2 % mehr Erasmus-Studienaufenthalte

Erasmus bietet Studierenden die Möglichkeit, einen Teil ihres Studiums (3 bis 12 Monate) an einer Hochschule im Ausland zu absolvieren.

Von den insgesamt 231 410 Erasmus-Studierenden gingen 190 498 für ein Studium ins Ausland – gegenüber 2009/10 ist das ein Anstieg um 7,2 %. Während die Anzahl der Studierenden, die einen Studienaufenthalt im Ausland absolvierten, in 3 Ländern sank (Luxemburg, Ungarn und Polen), stieg sie in 16 Ländern überdurchschnittlich stark an. Den relativ höchsten Anstieg gegenüber 2009/10 verzeichnete Kroatien (96,6 %), gefolgt von Liechtenstein (84,2 %) und Zypern (25,1 %).

Die meisten Studierenden entsandte Spanien (31 427), gefolgt von Frankreich (25 789) und Deutschland (25 178). Darüber hinaus blieb Spanien auch das beliebteste Zielland mit 30 580 Erasmus-Studierenden (+4,3%), mit Frankreich (23 173; +5,2 %) und Deutschland (19 120, +6,6 %) an zweiter und dritter Stelle.

Im Durchschnitt gingen die Studierenden für etwa 6,4 Monate ins Ausland. Die Höhe des Stipendiums betrug im Mittel 226 EUR (gegenüber 230 EUR im Vorjahr).

Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften waren die beliebtesten Fächer unter Erasmus-Studierenden (34,7 %), gefolgt von Geisteswissenschaften und Kunst (31,5 %) sowie Maschinenbau, Produktion und Bauwesen (12,6 %).

Erasmus-Praktika: 15 % Zuwachs

Seit 2007 bietet Erasmus Studierenden auch die Möglichkeit, im Ausland Arbeitserfahrungen in Unternehmen oder anderen Organisationen zu sammeln. 2010/11 hat sich jeder sechste Erasmus-Studierende (40 912 von 231 410) für diese Option entschieden, was einem Anstieg um 15,1 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Ein solches Praktikum dauerte durchschnittlich 4,3 Monate. Die Studierenden erhielten monatlich im Schnitt ein EU-Stipendium in Höhe von 366 EUR (etwas weniger als 2009/10; damals wurden 386 EUR ausgezahlt).

Wie in den Vorjahren ist Frankreich das Land, das die meisten Erasmus-Praktikanten entsandte (5958, was einem Anteil von 14,6 % entspricht), gefolgt von Deutschland (5096, 12,5 %) und Spanien (4756, 11,6 %). Das beliebteste Ziel für Erasmus-Praktika war das Vereinigte Königreich, das 6970 Studierende (17 %) aufnahm; an zweiter und dritter Stelle folgen Spanien (6852; 16,7 %) und Deutschland (5614; 13,7 %).

Hochschulen haben die Möglichkeit, Zusammenschlüsse zur Unterstützung von Auslandspraktika einzurichten, denen Hochschul­einrichtungen und andere Organisationen, z. B. Unternehmen und Verbände, angehören können.
Im Studienjahr 2010/11 wurden 74 solcher Zusammenschlüsse in 13 Ländern finanziert, und über 14 % der Praktika wurden im Rahmen solcher Zusammenschlüsse vermittelt.

Die größte Gruppe von Studierenden, die ein Erasmus-Praktikum absolvierten, studierte Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften (26,6 %), gefolgt von Geisteswissenschaften und Kunst (17,1 %; diese Fächer belegten im Jahr zuvor noch Platz 1), und Agrarwissenschaften und Veterinärmedizin (15,4 %; achtmal mehr Praktikantinnen und Praktikanten als im Vorjahr).

Wie viele Studierende (Bachelor und Master) gibt es in den Erasmus-Teilnahmeländern? Wie viele davon haben 2010/11 einen Teil ihres Studiums oder das gesamte Studium im Ausland absolviert?

In den 32 Ländern, die 2010/11 an Erasmus teilnahmen, gab es über 22,5 Mio. Studierende, von denen rund 1 % Erasmus-Mobilitätsstipendien erhielten1.

Geht man von einer durchschnittlichen Studienzeit von 4-5 Jahren (Bachelor und Master) aus, erhalten schätzungsweise rund 4,5 % aller europäischen Studierenden im Laufe ihrer Studienzeit ein Erasmus-Stipendium. 67 % der Stipendien werden auf Bachelor-Ebene vergeben, 28 % auf Master-Ebene, 1 % im Rahmen des Doktoratsstudiums und 4 % in Kurzstudiengängen. Etwa 10 % aller Studierenden verbringen bzw. verbrachten einen Teil ihres Studiums oder das gesamte Studium im Ausland – mit Unterstützung durch Erasmus bzw. andere öffentliche Förderprogramme oder auf eigene Kosten.

Auf ihrer Tagung im rumänischen Bukarest am 26. und 27. April 2012 (IP/12/394) verabschiedeten die für die Hochschulbildung zuständigen europäischen Ministerinnen und Minister die Bologna-Mobilitätsstrategie, die – im Einklang mit der im November 2011 angenommenen EU-Benchmark für die Mobilität von Studierenden – vorsieht, dass bis 2020 20 % der europäischen Hochschulabsolventen einen Teil ihres Studiums im Ausland absolviert haben sollen.

Erasmus-Intensivsprachkurse (EILC)

Erasmus bietet spezielle Kurse in weniger verbreiteten und seltener gelehrten Sprachen der EU an, um Studierende bei der Vorbereitung auf ihren Studien- oder Praktikumsaufenthalt im Ausland zu unterstützen. Diese Kurse werden in den Ländern durchgeführt, in denen die betreffenden Sprachen Amtssprachen sind. Nicht angeboten werden die Kurse für die am häufigsten gelehrten Sprachen wie Englisch, Deutsch, Französisch und Spanisch.

Seit ihrer Einführung ist die Zahl der geförderten Intensivsprachkurse erheblich angestiegen. 2010/11 wurden 392 Kurse (Vorjahr: 361; + 8,6 %) in 24 Ländern durchgeführt, an denen insgesamt 5872 Erasmus-Studierende (+9 %) teilnahmen.

Die beliebtesten Ziele für Sprachkurse waren dabei Italien, Belgien (flämischsprachige Gemeinschaft) und Portugal. Der Anteil von Studierenden, die im Gastgeberland einen Sprachkurs absolvierten, war in Slowenien mit 18,9 % aller aufgenommenen Erasmus-Studierenden am höchsten, gefolgt von Island (13,9 %) und Estland (12,7 %).

Erasmus-Mobilität für Hochschulpersonal (Lehraufenthalte und Personalfortbildung)

Mit Erasmus können auch Lehrkräfte aus Hochschuleinrichtungen und Angestellte aus Privatunternehmen ins Ausland gehen und dort zwischen einem Tag und sechs Wochen unterrichten. Ebenso können akademische und nicht akademische Hochschulbedienstete eine Fortbildung im Ausland von fünf Tagen bis zu sechs Wochen absolvieren.

Im akademischen Jahr 2010/11 unterstützte Erasmus 42 813 Auslandsaufenthalte von Hochschulpersonal für Lehr- oder Fortbildungszwecke. Der Zuwachs im Jahresvergleich fiel mit 13,3 % erheblich größer aus als im Vorjahr (3,8 %).

Die Länder, die am meisten Personal entsandten, waren Polen (5210 Personen), Spanien (4506) und Deutschland (3674). Bevorzugtes Ziel im Rahmen dieser Mobilitätsform war Spanien (4304). An zweiter und dritter Stelle lagen Deutschland (4195) und Italien (3703). Allgemein war der Austausch von Personal in beide Richtungen ausgeglichener als der Austausch von Studierenden.

51,2 % des Personals, das 2010/11 an einem Erasmus-Austausch teilnahm, waren Männer. 13 Personen mit besonderen Bedürfnissen erhielten eine zusätzliche Unterstützung, um an einem Erasmus-Austausch teilnehmen zu können (im Vorjahr waren es 5). Die Dauer solcher Auslandsaufenthalte betrug im Schnitt 5,7 Tage, und die durchschnittliche Förderung (zusätzlich zum regulären Gehalt) lag bei 662 EUR, d. h. etwas unter dem Betrag aus dem Jahr 2009/10 von 672 EUR.

Insgesamt nahmen 2254 Hochschuleinrichtungen an den Mobilitätsmaßnahmen für Personal teil – ein Plus von 4,6 % im Vergleich zum Vorjahr.

Lehraufträge nehmen erheblich zu

Die Anzahl der Lehrkräfte, die eine Erasmus-Förderung für einen Lehrauftrag im Ausland in Anspruch nehmen, steigt kontinuierlich. Seit der Einführung 1997/98 wurden über 300 000 solcher Austauschmaßnahmen gefördert. Von den insgesamt 42 813 Stipendien für Personal, die 2010/11 vergeben wurden, waren 31 617 für Lehraufträge bestimmt (+8,9 % gegenüber dem Vorjahr).

Zudem erhielten 355 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Unternehmen ein Stipendium, um an Hochschulen in anderen europäischen Ländern zu unterrichten (37 % mehr als im Jahr zuvor).

Die Länder, die am meisten Personal für einen Lehrauftrag entsandten, waren Polen (3376 Personen), Spanien (3272) und Deutschland (3006). Wie in den vergangenen Jahren war das beliebteste Ziel für einen Lehrauftrag Deutschland (3059). Dahinter folgten Spanien (3017) und Italien (2859).

Die Lehrkräfte folgender Fachgebiete waren besonders mobil: Geisteswissenschaften und Kunst (30,5 %), Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften (22,6 %) und Maschinenbau, Produktion und Bauwesen (13,7 %). Im Durchschnitt dauerte ein Lehrauftrag im Ausland 5,6 Tage; hier ist seit 2000/01 (wo der Durchschnitt 6,9 Tage betrug) ein geringer, aber konstanter Rückgang zu beobachten. Die durchschnittliche Förderung pro Lehrauftrag betrug (zusätzlich zum regulären Gehalt) 645 EUR, d. h. etwas weniger als im Vorjahr (654 EUR).

Personalweiterbildung gewinnt weiter an Popularität

Die Erasmus-Förderung der Personalweiterbildung wurde 2007 eingeführt und hat seitdem erheblich an Popularität gewonnen. Von den insgesamt 42 813 Stipendien für Personal, die 2010/11 vergeben wurden, waren 11 196 für Weiterbildungszwecke bestimmt (+28 % gegenüber dem Vorjahr). Diese Maßnahmen gelten gleichermaßen für akademische wie nichtakademische Mitarbeiter, d. h. auch für Bedienste in der Verwaltung und den unterstützenden Diensten.

Im Jahr 2010/11 bildeten sich 2728 Bedienstete von Hochschulen in Unternehmen im Ausland fort (+48,6 % gegenüber dem Vorjahr).

Polen schickte die meisten Personen auf eine Fortbildung (1834), gefolgt von Spanien (1234) und Finnland (782). Das beliebteste Zielland war Spanien (1287 Personen), gefolgt von Deutschland (1136) und dem Vereinigten Königreich (1121).

Die Fortbildungen dauerten im Schnitt 6,2 Tage und wurden häufiger von Frauen (68 %) als von Männern in Anspruch genommen. Bei den Lehraufträgen hingegen betrug der Frauenanteil nur 42,1 %.

Zahl der Erasmus-Intensivprogramme steigt weiter

Erasmus bietet Lehrkräften und Studierenden die Möglichkeit, für kurze thematische Studienprogramme zusammenzukommen, die zwischen zehn Tagen und sechs Wochen dauern können. Die EU finanziert die Organisation dieser so genannten Intensivprogramme, einschließlich der Reise- und Aufenthaltskosten für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Mit 51 Kursen organisierte Italien die meisten Intensivprogramme (12,6 % der Gesamtzahl), gefolgt von Deutschland und Frankreich mit 38 bzw. 32 Kursen. Die beliebtesten Fachgebiete waren dabei Sozial, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften (26 %) sowie Naturwissenschaften, Maschinenbau, Produktion und Bauwesen (18 %). Kurse in den Bereichen Mathematik und Informatik sowie Geisteswissenschaften und Kunst machten jeweils 15 % aus. Die Programme dauerten im Schnitt etwas über 12 Tage.

Insgesamt wurden 2010/11 404 Intensivprogramme organisiert (im Jahr davor waren es 384). Teilgenommen haben insgesamt 13 963 Studierende (jeweils +10,7 % für internationale und nationale Studierende) und 5010 Lehrkräfte (+14,4 %).

Erasmus-Hochschulkooperationsprojekte

Im Rahmen von Erasmus werden auch gemeinsame Projekte zur Modernisierung der europäischen Hochschulbildung unterstützt. Diese bis zu 3 Jahre laufenden länderübergreifenden Kooperationsmaßnahmen zwischen Hochschulen und anderen Stakeholdern sollen politische Reformen fördern. Anträge können einmal pro Kalenderjahr gestellt werden, und insgesamt stehen jährlich rund 20 Mio. EUR für solche Projekte zur Verfügung.

Viele der im Rahmen dieser Aktion geförderten Maßnahmen haben bedeutende politische Entwicklungen angestoßen. So ist beispielsweise das Europäische System zur Anrechnung von Studienleistungen (ECTS) – ein europaweit eingesetztes, bedeutendes Instrument zur Mobilitätsförderung – aus einem Erasmus-Projekt hervorgegangen. (Beim ECTS werden für jede Lehrveranstaltung eines Studiengangs Leistungspunkte (Credits) festgelegt, deren Höhe sich nach dem von den Studierenden benötigten Arbeitsaufwand zur Erreichung der angestrebten Lernziele richtet. Dies erleichtert es den Studierenden, in verschiedenen Studiengängen erworbene Leistungspunkte zu sammeln und im Ausland absolvierte Studienzeiten anerkennen zu lassen.)

Die Zahl der Anträge für Hochschulkooperationsprojekte steigt stetig. 2011 gingen insgesamt 197 Anträge ein (2010: 194). Davon wurden 69 zur Finanzierung ausgewählt, d. h. die Erfolgsquote beträgt rund 35 %. Die höchste Zahl von Anträgen stammte aus dem Vereinigten Königreich (29), gefolgt von Finnland und Belgien (jeweils 21), Italien (18) und Spanien (16). Auch bei den genehmigten Anträgen lag das Vereinigte Königreich mit 17 ausgewählten Projekten vorn.

Wie viel gibt die EU für Erasmus aus?

In der laufenden Haushaltsperiode (2007-2013) hat die EU insgesamt 3,1 Mrd. EUR für das Programm Erasmus vorgesehen. Das Gesamtbudget für das akademische Jahr 2010/11 lag bei rund 460 Mio. EUR, wovon 435 Mio. EUR für Mobilitätsmaßnahmen verwendet wurden.

Der überwiegende Teil des Erasmus-Budgets wird von den nationalen Agenturen in den Teilnahmeländern verwaltet. Fast 90 % der Mittel fließen in die Mobilitätsförderung für Studierende und Personal. Außerdem unterstützt Erasmus multilaterale Projekte und Netze, wofür etwa 4 % der Mittel aufgewendet werden. Diese Maßnahmen werden zentral von der Exekutivagentur Bildung, Audiovisuelles und Kultur (EACEA) mit Sitz in Brüssel verwaltet.

In der nachstehenden Tabelle sind die Gesamtmittel aufgeführt, die pro Jahr im Rahmen von Erasmus für die Mobilität aufgewendet wurden bzw. werden.

Tabelle 1: Erasmus-Mittel, die dezentral von nationalen Agenturen verwaltet werden

Year

Annual Erasmus budget dedicated

to student and staff mobility in million

Change, year-on-year

1988

13,00

1989

26,84

106,46%

1990

32,88

22,50%

1991

43,86

33,39%

1992

62,88

43,37%

1993

67,88

7,95%

1994

72,78

7,22%

1995

73,46

0,93%

1996

74,3

1,14%

1997

70,00

-5,79%

1998

100,27

43,24%

1999

100,27

0,00%

2000

111,79

11,49%

2001

116,19

3,94%

2002

121,9

4,91%

2003

142,53

16,92%

2004

168,00

17,87%

2005

200,96

19,62%

2006

245,75

22,29%

2007

372,25

51,48%

2008

416,36

11,85%

2009

415,25

-0,27%

2010

435,03

4,76%

2011

469,64

7,96%

2012

480,22

2,25%

2013(*)

489,82

2,00%

(*) Schätzung

Wie werden die Erasmus-Mittel auf nationaler Ebene zugewiesen?

Die Erasmus-Mittel für die Mobilität von Studierenden und Hochschulpersonal werden anhand folgender Faktoren auf die einzelnen Länder verteilt:

  • Bevölkerung: Anzahl der Studierenden, Absolventen und Lehrkräfte in der Hochschulbildung (Stufen 5-6 der internationalen Standardklassifikation für das Bildungswesen, ISCED); Datenquelle: Eurostat

  • Lebenshaltungskosten und Entfernung zwischen den Hauptstädten: als Berichtigungsfaktoren, die auf den Faktor Bevölkerung angewendet werden

  • Indikator für bisherige Ergebnisse: Berechnung auf der Grundlage der Anzahl der Studierenden und des Hochschulpersonals, die in der Vergangenheit entsandt wurden (Nutzung der neuesten verfügbaren Daten)

Wie wird der monatliche Betrag des EU-Stipendiums festgelegt?

Das Erasmus-Stipendium soll die zusätzlichen Lebenshaltungskosten im Ausland sowie die Reisekosten decken. Erasmus-Studierende müssen keine Studiengebühren an die gastgebende Einrichtung entrichten.

In allen Ländern werden die bereitgestellten Mittel von den nationalen Agenturen an die Hochschuleinrichtungen vergeben. Die nationale Agentur kann darüber entscheiden, ob höhere Stipendien an weniger Studierende (wie dies z. B. in Bulgarien, Zypern und der Türkei der Fall ist) oder geringere Stipendien an mehr Studierende ausgezahlt werden (z. B. in Frankreich und Italien). Dabei muss sie jedoch die von der Europäischen Kommission für jedes Zielland festgelegten Höchstsätze für Stipendien einhalten (siehe Leitfaden des Programms für lebenslanges Lernen).

Bei der Aufteilung der Mittel auf die antragstellenden Einrichtungen berücksichtigt die nationale Agentur verschiedene Faktoren, z. B. die Höhe der beantragten Mittel und die bisherigen Leistungen der Einrichtungen. Die Einrichtung kann dann über den genauen monatlichen Stipendienbetrag entscheiden, den sie an die Studierenden auszahlt, sie muss jedoch die von der nationalen Agentur festgelegte Bandbreite einhalten, die von Land zu Land variiert. Gleiches gilt für den Wochen- oder Tagessatz für Hochschulpersonal.

Der monatliche Satz hängt vom Zielland und der Mobilitätsart ab. So besteht z. B. die Tendenz, für Praktika im Ausland höhere Stipendien zu vergeben als für Studienaufenthalte.

Das von der Europäischen Union vergebene Erasmus-Stipendium kann durch verschiedene weitere Finanzierungsquellen auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene ergänzt werden.

Außerdem haben die nationalen Agenturen die Möglichkeit, sozioökonomisch benachteiligten Studierenden einen erhöhten Monatssatz zu gewähren.

2010/11 reichte die durchschnittliche Höhe des monatlichen EU-Stipendiums für Studierende von 133 EUR (Spanien) bis 653 EUR (Zypern). Der Durchschnitt für alle Teilnahmeländer betrug 250 EUR pro Monat.

Wie können Studierende und Personal ein Erasmus-Stipendium beantragen?

Erasmus steht allen Personen offen, die an einer Hochschuleinrichtung studieren, die die Erasmus-Hochschulcharta unterzeichnet hat und ihren Sitz in einem der 33 Teilnahmeländer (27 EU-Mitgliedstaaten, Island, Liechtenstein, Norwegen, Türkei, Kroatien und seit 2011/12 der Schweiz) hat. Die meisten europäischen Hochschuleinrichtungen – über 4000 – haben die Erasmus-Hochschulcharta bereits unterzeichnet.

Der erste Schritt für eine Bewerbung um einen Erasmus-Studienaufenthalt oder ein Erasmus-Praktikum besteht darin, sich an das Akademische Auslandsamt bzw. das Büro für internationale Beziehungen der Heimathochschule zu wenden und vor Beginn des Aufenthalts eine Lernvereinbarung für ein Erasmus-Studium bzw. eine Ausbildungsvereinbarung für ein Erasmus-Praktikum auszufüllen. Diese Vereinbarung, in der das während des Studien- bzw. Praktikumsaufenthalts im Ausland zu absolvierende Programm festgelegt ist, muss von der entsendenden und der aufnehmenden Einrichtung bzw. dem aufnehmenden Unternehmen sowie von dem/der Studierenden unterzeichnet werden. Dies vereinfacht und gewährleistet die vollständige Anerkennung der während des Erasmus-Aufenthalts erfolgreich erbrachten Leistungen durch die Heimathochschule.

Erasmus-Studienaufenthalt: Wer einen Teil seines Studiums im Ausland absolvieren möchte, muss sich mindestens im zweiten Studienjahr befinden.

Erasmus-Praktika: Studierende können ab ihrem ersten Studienjahr ein Erasmus-Praktikum absolvieren.

Auslandsaufenthalte zu Studienzwecken oder für ein Praktikum können jeweils 3 bis 12 Monate oder zusammen insgesamt 24 Monate dauern. Für Studierende, die berufliche Kurzstudiengänge durchlaufen, beträgt die Mindestdauer für ein Praktikum zwei Monate.

Erasmus für Personal: Lehrkräfte müssen ein Lehrprogramm bei ihrer Heimathochschule bzw. bei ihrem Unternehmen einreichen, das auch von der aufnehmenden Einrichtung zu genehmigen ist. Ebenso muss Hochschulpersonal, das einen Antrag auf ein Erasmus-Stipendium für eine Fortbildung stellen möchte, mit der Heimat- und der gastgebenden Einrichtung bzw. dem Unternehmen ein Fortbildungsprogramm vereinbaren.

Wie kann eine Hochschule am Programm Erasmus teilnehmen?

Bevor eine Universität bzw. eine Hochschuleinrichtung an Erasmus-Mobilitätsmaßnahmen oder ‑Kooperationsprojekten teilnehmen kann, muss sie einer Reihe von Grundsätzen und anderen Verpflichtungen zustimmen, die in der Erasmus-Hochschulcharta festgehalten sind. Im Vordergrund steht dabei die Gewährleistung hoher Qualität. Ferner darf die gastgebende Einrichtung keine Studiengebühren von den aufgenommenen Erasmus-Studierenden verlangen, und bei der Rückkehr an ihre Heimathochschule sollten die von den Studierenden erfolgreich absolvierten Kurse oder Praktika automatisch vollständig anerkannt werden.

Was ist Erasmus Mundus?

Bei Erasmus Mundus handelt es sich um das internationale „Schwesterprogramm“ von Erasmus, das jedoch unabhängig vom „klassischen“ Programm Erasmus durchgeführt wird. Seit seinem Start im Jahr 2004 haben mehr als 25 000 Studierende aus aller Welt Erasmus-Mundus-Stipendien für Studienaufenthalte an europäischen Hochschulen erhalten. Mithilfe eines Jahreshaushalt von über 220 Mio. EUR (2011) soll Erasmus Mundus akademische Spitzenleistungen fördern, die Zusammenarbeit mit Ländern außerhalb der EU unterstützen und die Attraktivität der europäischen Hochschulbildung erhöhen. Erasmus Mundus bietet finanzielle Unterstützung für Einrichtungen sowie Stipendien für Einzelpersonen im Rahmen von

  • gemeinsamen europäischen Master- und Doktoratsstudiengängen (einschließlich Stipendien),

  • Partnerschaften mit Hochschuleinrichtungen außerhalb Europas und Stipendien für Studierende und Akademiker/innen,

  • Projekten zur Förderung der europäischen Hochschulbildung weltweit.

Künftig sollen die internationalen Bildungsprogramme der Europäischen Union in das Programm „Erasmus für alle“ integriert werden (IP/11/1398).

Warum trägt das Programm den Namen Erasmus?

Das Programm verdankt seinen Namen dem Philosophen, Theologen und Humanisten Desiderius Erasmus von Rotterdam (1466-1536). Der zu Zeiten der Reformation lebende Erasmus ist als unermüdlicher Kämpfer gegen Dogmatismus bekannt.

Auf der Suche nach neuen Erkenntnissen, Erfahrungen und Einblicken, die nur durch den unmittelbaren Kontakt zu anderen Ländern möglich waren, lebte und arbeitete Erasmus in verschiedenen Teilen Europas.

ERASMUS kann auch als Akronym für „European Community Action Scheme for the Mobility of University Students“ gelesen werden.

Weitere Informationen:

Siehe auch: Neuer Rekord für Erasmus: 8,5 % mehr Austauschstudierende (IP/12/454)

Mehr über das Programm Erasmus

Erasmus: Zahlen und Fakten [Broschüre]

Statistiken zu Erasmus

1 :

In den 27 EU-Mitgliedstaaten betrug die Gesamtzahl der Studierenden 2010 rund 18,5 Millionen.


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