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MEMO/12/144

Brüssel, 29. Februar 2012

Innovationspartnerschaft zur Überwindung der Rohstoffverknappung in Europa

Das Angebot an Rohstoffen, der Lebensader der heutigen Hochtechnologie-Industrie, gerät zunehmend unter Druck. Mit Blick auf die steigende eigene Produktion Europas hat die Europäische Kommission heute vorgeschlagen, eine Europäische Innovationspartnerschaft für Rohstoffe zu schaffen. Durch eine Zusammenziehung von Kapital und Humanressourcen bündeln die Mitgliedstaaten, Unternehmen und Forscher ihre Innovationsbemühungen, wodurch die Exploration, Gewinnung und Verarbeitung von Rohstoffen gefördert wird. So wurde geschätzt, dass der Wert der nicht ausgeschöpften mineralischen Rohstoffe Europas in einer Tiefe von 500-1000 m bei rund 100 Mrd. EUR liegt. Neue Technologien werden dazu beitragen, dass in größeren Tiefen, in entfernteren Gebieten und unter schwierigeren Bedingungen Rohstoffe abgebaut werden können. Weitere Maßnahmen sind erforderlich, um Substitute für kritische Rohstoffe zu entwickeln und die Verfahren zu verbessern, mit denen 17 kg Elektrik- und Elektronik-Altgeräte recycelt werden, die jeder EU-Bürger in einem Jahr produziert.

Antonio Tajani, Vizepräsident der Europäischen Kommission und zuständig für Industrie und Unternehmertum, unterstrich die Notwendigkeit, den Zugang zu Mineralien zu verbessern und die Entwicklung von Produkten mit niedriger CO2-Intensität zu fördern. Dazu gehören dünne Photovoltaikschichten, energieeffziente Beleuchtung und Elektroautos. Auch Wachstumsbranchen anderer Bereiche würden davon profitieren, wie hoch entwickelte Passagierflugzeuge, Infrarotoptik und Fiberglas.

Er fügte hinzu: „Wir müssen unsere Kräfte bündeln, um Europas enormes Potenzial an Rohstoffen auszuschöpfen. Wir müssen unsere Bemühungen intensivieren, damit es Europa bis 2020 gelingt, in den Bereichen Exploration, Gewinnung, Verarbeitung, Recycling und Substitution weltweit führende Expertise zu entwickeln. Darin liegt der Schlüssel für die Fähigkeit Europas, heute die Technologien von morgen zu entwickeln. Innovationen in den genannten Bereichen sind für die Wettbewerbsfähigkeit, für nachhaltiges Wachstum und neue Arbeitsplätze entscheidend.“

Innovation zur Verbesserung des Rohstoffzugangs

Innovation kann ein wirksames Instrument darstellen, mit dem Europa den Herausforderungen auf dem Gebiet der Rohstoffe begegnen kann. So kann der Bergbau in der EU durch fortgeschrittene ferngesteuerte Operationen und Automatisierung im Untertagebau und durch den innovativen Einsatz von Biolaugung wettbewerbsfähiger und nachhaltiger werden. Großes Potenzial liegt in neuen Recycling-Verfahren oder bewährten Verfahren der Abfallsammlung und -behandlung, wodurch Effizienz und Qualität des Recycling von wichtigen Rohstoffen verbessert werden können.

Die derzeitige Situation erfordert gezielte Innovations- und Forschungsbemühungen, neue bahnbrechende Technologien und multidisziplinäre Ansätze, mit denen unsere Wissenslücken gefüllt werden können.

Um diesen Prozess zu beschleunigen, schlägt die Kommission konkrete Ziele vor, die spätestens 2020 erreicht sein müssen:

  • bis zu zehn innovative Pilotmaßnahmen (z. B. Demonstrationsanlagen) in den Bereichen Exploration, Gewinnung, Verarbeitung, Sammlung und Recycling;

  • Substitute für mindestens drei Schlüsselanwendungen kritischer und knapper Rohstoffe;

  • verbesserte Effizienz bei Materialeinsatz, Prävention, Wiederverwendung und Recycling wertvoller Rohstoffe aus Abfallströmen mit besonderem Schwerpunkt auf Materialien, die möglicherweise negative Auswirkungen auf die Umwelt haben;

  • ein Netz von Forschungs-, Ausbildungs- und Weiterbildungszentren im Bereich des nachhaltigen Bergbaus und des nachhaltigen Materialmanagements (M³);

  • standardisierte statistische Instrumente auf europäischer Ebene für die Erfassung von Ressourcen und Reserven und eine dreidimensionale geologische Karte;

  • ein dynamisches Modellierungssystem zur Verknüpfung von Angebots- und Nachfragetrends und eine umfassende Lebenszyklusanalyse;

  • eine aktive Strategie der EU in multilateralen Organisationen und bilateralen Beziehungen, wie mit den USA, Japan und Australien, in den verschiedenen Bereichen der Partnerschaft.

Die Interessenträger werden gebeten, in den nächsten Wochen ihr Interesse an der Partnerschaft zu bekunden.

Bei der Europäischen Innovationspartnerschaft handelt es sich nicht um ein Finanzierungsinstrument. Sie tritt auch nicht an die Stelle herkömmlicher Entscheidungsverfahren. Durch die Definition gemeinsamer Ziele im Bereich relevanter Rohstoffe wird sie dennoch die Kohärenz zwischen den unterschiedlichen verfügbaren Finanzierungsmöglichkeiten fördern.

Nutzung des Rohstoffpotenzials in Europa

Innovation kann auf vielfältige Weise zu einer Erhöhung des Rohstoffangebots beitragen: Das Spektrum reicht von neuen Abbaumethoden über verbessertes Produktdesign beim Recycling bis hin zur Gewinnung seltener Metalle aus Abfall. Auch die Substitution von Materialien und neue Möglichkeiten zur besseren Nutzung dessen, was uns bereits zur Verfügung steht, spielen hier eine bedeutende Rolle.

Durch folgende Beispiele wird Europas Potenzial verdeutlicht:

  • Es wurde geschätzt, dass der Wert vor Ort der nicht ausgeschöpften Mineralien in einer Tiefe von 500-1000 m bei rund 100 Mrd. EUR liegt.1 Neue innovative Technologien werden dazu beitragen, dass in größeren Tiefen, in entfernteren Gebieten und unter schwierigeren Bedingungen Rohstoffe abgebaut werden können.

  • Heutzutage produziert jeder EU-Bürger rund 17 kg Elektro- und Elektronik-Altgeräte pro Jahr, wobei davon ausgegangen wird, dass diese Zahl bis 2020 auf 24 kg steigt.2 Neue kosteneffiziente und umweltverträgliche Recyclingtechniken sowie bewährte Verfahren der Abfallsammlung und –behandlung bieten die Möglichkeit, das Recycling von Schlüsselrohstoffen wie Kupfer, Silber Gold, Palladium oder Kobalt zu verbessern.

Innovation auf diesen Gebieten ist notwendig, damit Europa beim nachhaltigen Angebot von Rohstoffen wieder eine Rolle spielt und an neuer Präsenz gewinnt sowie seine Wettbewerbsfähigkeit weltweit beibehält und ausbaut.

Was soll mit der Partnerschaft erreicht werden?

Die Europäische Innovationspartnerschaft bringt Mitgliedstaaten und andere Interessenträger (Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen, Forscher usw.) zusammen, um gemeinsame Strategien zu entwickeln, Kapital und Humanressourcen zu bündeln und die Umsetzung und Verbreitung innovativer Lösungen innerhalb Europas zu gewährleisten.

Dadurch soll Europa mit ausreichender Flexibilität und entsprechenden Alternativen für die Versorgung mit wichtigen Rohstoffen ausgestattet werden, wobei gleichzeitig die Abmilderung negativer Auswirkungen einiger Materialien auf die Umwelt über den gesamten Lebenszyklus berücksichtigt werden soll.

Ziel der Partnerschaft ist es, Europa in die Lage zu versetzen, bis 2020 in den Bereichen Exploration, Gewinnung, Verarbeitung, Recycling und Substitution weltweit führende Expertise zu entwickeln.

Die wichtigsten Bereiche der Europäischen Innovationspartnerschaft (EIP) für Rohstoffe

Die EIP für Rohstoffe befasst sich mit der gesamten Wertschöpfungskette von Rohstoffen unabhängig davon, ob sie primären (neue Materialien) oder sekundären (recycelte Materialien) Ursprungs sind oder ob sie auf dem Festland oder im Meeresboden vorkommen.

Mit der EIP werden alle Aspekte berücksichtigt, darunter auch Exploration, Gewinnung, Veredelung und Verarbeitung, Sortierung, Sammlung und Recycling sowie Substitution.

Die Partnerschaft wird dazu beitragen, technologiebasierte Lösungen zu entwickeln, aber auch nicht-technologische Optionen, was den Einsatz nachfrageseitiger Instrumente umfasst (z. B. öffentliches Beschaffungswesen, Normen).

Wie definiert die EIP ihre Prioritäten?

Zur Vorbereitung des Vorschlags für die Schaffung dieser Partnerschaft führte die Kommission mehrere Workshops und eine öffentliche Konsultation durch. Dies führte zu wertvollen Beiträgen für den Erarbeitungsprozess.

Sobald die Partnerschaft operativ ist, wird ein strategischer Durchführungsplan entwickelt. Dieser Plan sollte Anfang 2013 verabschiedet werden.

In ihrem Bestreben, weiterhin ein breites Publikum über die Maßnahmen der Partnerschaft zu informieren, wird die Kommission öffentliche Veranstaltungen organisieren und eine entsprechende Website einrichten.

Wird die Europäische Innovationspartnerschaft Maßnahmen finanzieren?

Bei der Europäischen Innovationspartnerschaft handelt es sich nicht um ein Finanzierungsinstrument. Sie tritt auch nicht an die Stelle herkömmlicher Entscheidungsverfahren. Durch die Definition gemeinsamer Ziele im Bereich relevanter Rohstoffe wird sie dennoch die Kohärenz zwischen den unterschiedlichen verfügbaren Finanzierungsmöglichkeiten fördern.

Insbesondere sollte mithilfe der von der Partnerschaft in ihrem strategischen Durchführungsplan festgelegten Prioritäten definiert werden, wie die verschiedenen Mittel für Forschung, Innovation und Verbreitung (z. B. Horizont 2020, was auch das Europäische Innovations- und Technologieinstitut (ETI) umfasst, Kohäsionspolitik) zugeteilt werden.

Wer wird wie profitieren?

Mit der Europäischen Innovationspartnerschaft für Rohstoffe wird die Umsetzung und Verbreitung innovativer Lösungen innerhalb Europas gewährleistet, wobei sich daraus folgende spezifische Vorteile ergeben:

  • Unternehmen, insbesondere KMU, die auf der Grundlage hoher Umwelt- und Sozialstandards arbeiten, profitieren von einer schnelleren Innovationsverbreitung und günstigeren Investitionsbedingungen. Konkret wird die Normung in diesem Bereich beschleunigt und auf die Entwicklung neuer Technologien zugeschnitten. Regelungen können so angepasst werden, dass sie die Einführung von Innovationen unterstützen, statt sie zu blockieren.

  • Die europäischen Verbraucher profitieren indirekt durch niedrigere Herstellungskosten, weil beispielsweise teure, schwierig zu beschaffende Rohstoffe durch alternative Materialien ersetzt werden.

  • Die Umwelt profitiert von geringeren Abfallströmen und davon, dass die Menschen recycelte Produkte besser nutzen.

  • Forscher und Organisationen können ihr Wissen besser bündeln und von dem neuen Netz profitieren.

  • Die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Hochschulen und Behörden dürfte sich verstärken.

  • Kommunale, regionale und nationale staatliche Stellen werden sehr früh in den Forschungs- und Entwicklungsprozess eingebunden, wodurch neue Recycling- und Bergbautechnologien entwickelt werden, die dem Bedarf der Bürger Rechnung tragen; dies gilt vor allem für das Recycling und den Umgang mit Siedlungsabfällen.

  • Die geopolitische Rolle der EU wird gestärkt, weil sie zunehmend weniger abhängig ist von Rohstoffimporten und gleichzeitig schneller neue Technologien exportieren kann.

Nähere Informationen:

http://ec.europa.eu/enterprise/policies/raw-materials/index_de.htm

Beiträge zur öffentlichen Konsultation zur eventuellen Innovationspartnerschaft für Rohstoffe:

http://ec.europa.eu/enterprise/policies/raw-materials/public-consultation-ip/contributions/index_en.htm

1 :

EU/F7-kofinanziertes Projekt „ProMine“: http://promine.gtk.fi/index.html.

2 :

Quelle: IPA (International Platinum Group Metals Association): www.ipa-news.com.


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