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Faktenblatt: EU-Vorschriften für geschlechtsneutrale Preisgestaltung in der Versicherungsbranche

European Commission - MEMO/12/1012   20/12/2012

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Europäische Kommission

MEMO

Brüssel, 19 Dezember 2012

Faktenblatt: EU-Vorschriften für geschlechtsneutrale Preisgestaltung in der Versicherungsbranche

Was ändert sich am 21. Dezember?

Ab dem 21. Dezember 2012 müssen Versicherungsunternehmen in der Europäischen Union ohne Ansehen des Geschlechts für Männer und Frauen den gleichen Preis bei identischen Versicherungsprodukten erheben. Die Änderung gilt für alle neuen Verträge für Versicherungsprodukte, einschließlich Kfz-Versicherungen, Lebensversicherungen und Renten.

Bei der geschlechtsneutralen Preisgestaltung zahlen Männer und Frauen mit den gleichen Merkmalen (je nach Produkt z. B. Alter, Gesundheitszustand) den gleichen Preis für dasselbe Produkt. Die Preisgestaltung muss sich nach anderen Risikofaktoren als dem Geschlecht richten, beispielsweise nach dem Fahrverhalten im Falle einer Kfz-Versicherung. Dies bedeutet, dass nicht länger allein aufgrund des Geschlechts mehr oder weniger gezahlt werden muss.

Die Änderung gilt für Verträge, die ab dem 21. Dezember geschlossen werden. Einige Versicherer bieten ihren Kunden jedoch die Möglichkeit, Verträge für nach diesem Zeitpunkt wirksam werdende Versicherungspolicen – in manchen Fällen bis zu 90 Tage – früher zu schließen.

Warum kommt es nun zu dieser Änderung?

Die Gleichstellung von Frauen und Männern ist ein Grundrecht in der EU. Der Europäische Gerichtshof befand in seinem Urteil vom 1. März 2011, dass Unterschiede bei der Preisgestaltung im Versicherungsbereich, die sich allein auf das Geschlecht einer Person stützen, diskriminierend sind (MEMO/11/123). Nach Auffassung des Europäischen Gerichtshofs stellen unterschiedliche Versicherungsprämien für Frauen und Männer eine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts dar und sind daher nicht mit der Charta der Grundrechte der Europäischen Union vereinbar. Die Mitgliedstaaten dürfen in ihren nationalen Rechtsvorschriften nicht von diesem wichtigen Grundsatz abweichen.

Der Gerichtshof räumte der Versicherungsbranche eine Übergangsfrist von 21 Monaten ein, um ihre Preisstrukturen an die neuen Vorschriften anzupassen. Diese Frist läuft am 21. Dezember 2012 ab. Vor einem Jahr, am 21. Dezember 2011, hat die Europäische Kommission Leitlinien herausgegeben, um der Branche zu helfen, sich an die neuen Vorschriften anzupassen (IP/11/1581).

Wie wirkt sich dies preislich auf die Kunden aus?

Die Änderung wirkt sich auf individuelle Prämien für bestimmte Versicherungsprodukte aus. In der Vergangenheit haben Männer und Frauen aufgrund ihres Geschlechts unterschiedliche Beiträge für verschiedene Arten von Versicherungen gezahlt. Kunden, die zuvor weniger gezahlt haben (wie junge Frauen für Kfz-Versicherungen), müssen mit einem Anstieg ihrer Versicherungsprämien rechnen. Umgekehrt jedoch dürften Kunden, die mehr gezahlt haben (wie Männer für Lebensversicherungen), künftig weniger zahlen.

Insgesamt sollten sich die Änderungen mit der Zeit die Waage halten, doch sind die tatsächlichen Auswirkungen der Änderungen schwer vorherzusagen. Dies liegt daran, dass Versicherer bei der Kalkulation ihrer Preise verschiedene andere Faktoren berücksichtigen, beispielsweise den Anteil von Männern und Frauen in ihren Portfolios, die Übergangskosten und die Risikomarge zur Anpassung an ein neues System sowie den Grad an Wettbewerb in einem bestimmten Markt. Zum Beispiel gibt es in einigen Märkten und Sektoren (beispielsweise bei Kfz-Versicherungen im Vereinigten Königreich) Anzeichen dafür, dass die Preise insgesamt im Vorfeld der Änderungen gefallen sind, was teilweise auf den verschärften Wettbewerb zurückzuführen ist.

Beispiel 1

Jan und Maria sind beide 18 Jahre alt ist und fahren den gleichen Wagentyp. Jan zahlt gegenwärtig 1 200 EUR pro Jahr für die Kfz-Versicherung, Maria dagegen nur 900 EUR. Nach den neuen Vorschriften werden Jan und Maria dieselbe Prämie zahlen, d.h. Marias Beitrag steigt, Jans Beitrag hingegen sinkt.

Beispiel 2

Mark und Karin sind beide 40 Jahre alt, Nichtraucher und haben keine gesundheitlichen Probleme. Mark zahlt derzeit zur Ergänzung seiner künftigen Altersversorgung (Rente) jährlich 10 000 EUR Privatversicherungsbeiträge, Karin 12 000 EUR. Wenn sie im Jahr 2013 einen neuen Vertrag unterschreiben würden, hätte Karin wohl für dieselben Leistungen weniger zu zahlen, während Mark mit einer Beitragserhöhung rechnen müsste.

Beispiel 3

Sarah und Ben sind beide 30 Jahre alt, Nichtraucher und haben keine gesundheitlichen Probleme. Derzeit zahlen sie 105 bzw. 150 Euro pro Jahr für ihre Lebensversicherung. Würden sie im Jahr 2013 einen neuen Vertrag unterschreiben, müssten sie eine geschlechtsneutrale Prämie zahlen, die für Sarah höher und für Ben geringer als die jeweilige derzeitige Prämie ausfallen dürfte.

Wie können Kunden einen gravierenden Anstieg ihrer Versicherungsprämien vermeiden?

Nach den neuen Vorschriften werden Versicherungsgesellschaften individuelle Prämien auf der Grundlage einschlägiger geschlechtsunabhängiger Faktoren (z. B. Fahrverhalten für die Kfz-Versicherung) bestimmen. Dies bedeutet, dass sich die neuen Vorschriften wohl nicht auf Prämien auswirken, wenn diese hauptsächlich auf anderen Risikobewertungsfaktoren als dem Geschlecht basieren. Ein sicherer Fahrer gleich welchen Geschlechts wird allgemein weniger bezahlen als ein unsicherer.

Beispiel 4

Sandra zahlt gegenwärtig 500 EUR pro Jahr für ihre Kfz-Versicherung. Sie fährt seit 20 Jahren sicher und unfallfrei. Würde sie im Jahr 2013 einen neuen Vertrag unterschreiben, wäre es sehr wahrscheinlich, dass ihre Prämie von den neuen Vorschriften unberührt bliebe.

Auch aus diesem Grund kann es passieren, dass Männer und Frauen letztendlich aufgrund unterschiedlicher individueller Merkmale, die nicht auf das Geschlecht bezogen sind, nicht immer den gleichen Preis für dasselbe Versicherungsprodukt zahlen.

Beispiel 5

Nach den neuen Vorschriften zahlen Philip und Jana als Führerscheinneulinge beide 1 000 EUR jährlich für ihre Kfz-Versicherung. Sollte sich im Laufe der Zeit erweisen, dass Jana sicherer fährt als Philip, wird ihre Versicherungsprämie aufgrund ihres individuellen Fahrverhaltens schneller sinken als Philips.

Allerdings können Verbraucher Schritte ergreifen, um die Auswirkungen möglicher Preiserhöhungen zu begrenzen. Einige Versicherungsunternehmen bieten die Möglichkeit, für Versicherungspolicen, die erst später wirksam werden, Verträge zu den vor dem 21. Dezember 2012 geltenden Konditionen zu schließen. Andere bieten Kfz-Versicherungspolicen an, in deren Rahmen das Fahrverhalten über eine sog. „Blackbox“ kontrolliert und sicheres Fahrverhalten mit Rabatten für Prämien belohnt wird.

Schließlich gibt es in vielen Ländern Preisvergleich-Websites, die Verbrauchern die Möglichkeit bieten, die Konditionen verschiedener Unternehmen direkt miteinander zu vergleichen und so für sich den besten Anbieter zu finden.


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