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Fragen und Antworten zum Gesundheits- und zum Verbraucherprogramm 2014-2020

European Commission - MEMO/11/764   09/11/2011

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MEMO/11/764

Brüssel, 9. November 2011

Fragen und Antworten zum Gesundheits- und zum Verbraucherprogramm 2014-2020

I. Gesundheit für Wachstum

1. Wozu brauchen wir ein neues Gesundheitsprogramm?

Die Gesundheitsförderung ist integraler Bestandteil der Ziele „intelligentes und integratives Wachstum“ der Strategie Europa 2020. Außerdem gehört es zu den im Vertrag verankerten Aufgaben der EU, die Maßnahmen der Mitgliedstaaten im Gesundheitswesen zu unterstützen.

Darüber hinaus haben die Mitgliedstaaten die Europäische Kommission beauftragt, einen Vorschlag für ein neues Gesundheitsprogramm vorzulegen, das ihre Maßnahmen im Gesundheitswesen auch nach Abschluss des laufenden Gesundheitsprogramms im Jahre 2013 ergänzt und unterstützt.

Das Programm „Gesundheit für Wachstum“ wird daher den Mitgliedstaaten dort Unterstützung leisten, wo sie einzeln nicht tätig werden können oder wo die Koordinierung auf EU-Ebene zu einem Mehrwert und zu Synergieeffekten führt.

2. Worin unterscheidet sich das Programm „Gesundheit für Wachstum“ vom laufenden Gesundheitsprogramm?

Das Programm „Gesundheit für Wachstum“ richtet sich daran aus, wie die Gesundheit zum Wachstum und zu den Zielen der Strategie Europa 2020 beitragen kann, insbesondere in Bezug auf Beschäftigung, Innovation und Nachhaltigkeit. Es konzentriert sich wesentlich gezielter auf Kernfragen, in denen Maßnahmen der EU einen echten Mehrwert erbringen können.

Das Programm „Gesundheit für Wachstum“ wird die Mitgliedstaaten stärker dabei unterstützen, innovative und nachhaltige Gesundheitssysteme zu schaffen. Dabei wird es die Übernahme von Innovationen zur Reform der Gesundheitssysteme fördern, beispielsweise durch Technologiefolgenabschätzung im Gesundheitswesen und Telematiklösungen.

Die Zusammenarbeit bei der Technologiefolgenabschätzung im Gesundheitswesen wird zum optimalen Know-how-Transfer in Bezug auf die Wirksamkeit von Gesundheitstechnologien in den Bereichen Arzneimittel, Medizinprodukte, medizinische Interventionen und Präventionsmaßnahmen führen und damit Entscheidungen im Gesundheitswesen auf nationaler Ebene erleichtern.

Das Programm zielt auch darauf ab, europäische Referenznetze einzuführen, wie in der EU-Richtlinie über die Ausübung der Patientenrechte in der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung vorgesehen. Damit sollen Patienten und im Gesundheitswesen Beschäftigte in die Lage versetzt werden, bewährte Verfahren zur Verbesserung der Versorgungsqualität und ‑sicherheit zu ermitteln, zu beurteilen und zu verbreiten.

Die Durchführung und die Verwaltung des neuen Programms werden beispielsweise durch elektronische Anwendungen und eine geringere Zahl von Projekten und Maßnahmen vereinfacht. Die Ergebnisse sollen besser bekannt gemacht werden, damit die Mitgliedstaaten und die im Gesundheitswesen Beschäftigten sie mehr nutzen können.

3. Welche vorrangigen Ziele hat das Programm?

Ziel 1:

Beitrag zur Schaffung innovativer und nachhaltiger Gesundheitssysteme. Mit den Maßnahmen sollen auf EU-Ebene Instrumente und Mechanismen entwickelt werden, die den Mangel an Arbeitskräften und finanziellen Ressourcen beheben, die Übernahme von Innovationen im Gesundheitswesen durch Technologiefolgen-abschätzung und Gesundheitstelematik erleichtern, Fachwissen über Reformen der Gesundheitsversorgung und Unterstützung für die Europäische Innovations-partnerschaft für Aktivität und Gesundheit im Alter bereitstellen. Die Maßnahmen des Programms sollen zudem zu besseren Prognosen für den Bedarf an Arbeitskräften im Gesundheitswesen beitragen und die Mitgliedstaaten dabei unterstützen, für ein ausreichendes Arbeitskräfteangebot zu sorgen.

Ziel 2:

Mehr Zugang zu besserer und sichererer Gesundheitsversorgung für alle Bürgerinnen und Bürger in der EU. Die Maßnahmen zielen auf die Verbesserung des Zugangs zu medizinischem Fachwissen und Informationen über spezielle Krankheiten, auf die Entwicklung von Lösungen und Leitlinien zur Verbesserung der Versorgungsqualität und der Patientensicherheit durch Maßnahmen zur Sicherstellung der Patientenrechte in der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung, auf die Bekämpfung seltener Krankheiten, den umsichtigen Antibiotikaeinsatz und hohe Qualitäts- und Sicherheitsstandards für Organe und Substanzen menschlichen Ursprungs, die in der Medizin verwendet werden.

Ziel 3:

Gesundheitsförderung und Prävention durch Berücksichtigung der Hauptrisikofaktoren für die meisten Krankheiten, nämlich Rauchen, Alkoholmissbrauch und Adipositas. Dazu gehört die Förderung des Know-how-Transfers in Bezug auf wirtschaftliche Präventionsmaßnahmen ebenso wie spezifische Maßnahmen zur Prävention chronischer Erkrankungen, einschließlich Krebs.

Ziel 4:

Schutz der Bürgerinnen und Bürger vor grenzübergreifenden Gesundheitsbedrohungen. Die Maßnahmen werden zur Entwicklung gemeinsamer Konzepte für eine bessere Koordinierung der Bereitschaftsplanung mit Blick auf gesundheitliche Krisenfälle beitragen, zum Beispiel, indem die Kapazitäten für die Risikobewertung verbessert werden und gemeinsam für medizinische Gegenmaßnahmen gesorgt wird.

4. Wie viele Mittel entfallen auf die einzelnen Ziele?

Der größte Teil der Mittel – 48 % – wird dazu verwendet, den Mitgliedstaaten zu helfen, innovative und nachhaltige Gesundheitssysteme zu schaffen (Ziel 1). Dies ist wichtig, um die Reformen zu unterstützen, welche zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit und zur langfristigen Nachhaltigkeit der Gesundheitssysteme notwendig sind. Solche Reformen sind der Schlüssel, damit die Gesundheitssysteme dem durch die demografische Entwicklung steigenden Bedarf an gesundheitlicher Versorgung gerecht werden und die Bürgerinnen und Bürger auch in Zukunft angemessen versorgen können.

Ebenso viele Mittel werden für mehr Zugang zu besserer und sichererer Gesundheitsversorgung (Ziel 2) sowie für Gesundheitsförderung und Prävention (Ziel 3) aufgewendet – und zwar 22 % bzw. 21 %. Für den Schutz der Bürgerinnen und Bürger vor grenzübergreifenden Gesundheitsgefahren (Ziel 4) werden 9 % der Mittel gebunden.

5. Über welche Mittelausstattung verfügt das neue Gesundheitsprogramm und wie erfolgt die Finanzierung?

Das neue Gesundheitsprogramm ist für 2014-2020 mit 446 Mio. EUR (zu jeweiligen Preisen) ausgestattet.

Wie auch im laufenden Gesundheitsprogramm erfolgt die Finanzierung über

  • Finanzhilfen für Maßnahmen, die von den für das Gesundheitswesen zuständigen Behörden in den Mitgliedstaaten und internationalen Gesundheitsorganisationen kofinanziert werden (so genannte „gemeinsame Maßnahmen“).

  • Finanzhilfen zur Unterstützung von NRO, die im Bereich der öffentlichen Gesundheit tätig sind, auf EU-Ebene eine wirksame Rolle im Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern spielen und zu mindestens einem der Einzelziele des Programms beitragen.

  • Öffentliche Aufträge.

In den meisten Fällen betragen die Finanzhilfen 60 % der Kosten der Maßnahme bzw. des Projekts. In Ausnahmefällen können es bis zu 80 % sein, beispielsweise, wenn Mitgliedstaaten mit einem geringen Bruttonationaleinkommen an gemeinsamen Maßnahmen teilnehmen.

6. Wie wird das Programm zur Strategie Europa 2020 beitragen? Wie kann es die Bekämpfung der Folgen der Finanzkrise für das Gesundheitswesen in der EU unterstützen?

Gesundheit ist nicht nur ein Wert an sich – sie bildet auch einen starker Motor für das Wachstum. Nur eine gesunde Bevölkerung kann ihr volles wirtschaftliches Potenzial entfalten. Das Gesundheitswesen wird durch Innovation und hoch qualifizierte Arbeitskräfte in Gang gehalten. Der Bereich der gesundheitlichen Versorgung gehört dabei zu den größten Wirtschaftszweigen in der EU und macht etwa 10 % des Bruttoinlandsprodukts der EU aus. Er beschäftigt ein Zehntel der Arbeitskräfte, von denen überdurchschnittlich viele über einen Hochschulabschluss verfügen.

Die Gesundheit spielt deshalb eine wichtige Rolle in der Agenda Europa 2020. Das neue Gesundheitsprogramm ist ein wichtiger Teil dieser Strategie. Darin wird hervorgehoben, über welches Potenzial das Gesundheitswesen als Motor für Wirtschaftswachstum und bei der Schaffung von Arbeitsplätzen verfügt. Mehr denn je wird es Innovation im Gesundheitswesen fördern, um für eine gesündere Bevölkerung, leistungsfähigere und nachhaltigere Gesundheitssysteme sowie nachhaltigeres und integratives Wachstum zu sorgen.

7. Welche Empfänger kommen für Finanzhilfen in Betracht?

Die Finanzhilfen können hauptsächlich einzelstaatlichen Gesundheitsbehörden sowie öffentlichen und privaten Stellen, internationalen Organisationen und NRO mit allgemeinem Interesse an der Gesundheit auf EU-Ebene gewährt werden, welche die Einzelziele des Programms unterstützen.

Das Programm steht allen EU-Mitgliedstaaten, EFTA/EWR-Ländern, Beitrittsländern, Bewerberländern und möglichen Bewerbern sowie Ländern offen, die an der Europäischen Nachbarschaftspolitik beteiligt sind, sofern die Teilnahme am Programm mit den Bedingungen der jeweiligen bilateralen oder multilateralen Vereinbarungen im Einklang steht.

Verbraucherprogramm

1. Welches sind die Hauptziele des Verbraucherprogramms?

Das Verbraucherprogramm soll die Verbraucherpolitik der EU in den kommenden Jahren unterstützen und dazu beitragen, dass die Verbraucher in den Mittelpunkt des Binnenmarkts gestellt werden. Kerngedanke ist die Stärkung der Entscheidungs- und Handlungskompetenz der Verbraucher, damit sie aktiv am Markt teilnehmen können und damit der Markt so funktioniert, dass ihre Sicherheit und ihre wirtschaftlichen Rechte und Interessen geschützt sind. Die wichtigsten Maßnahmen in diesem Zusammenhang:

  • Konsolidierung und Steigerung der Produktsicherheit durch wirksame Marktüberwachung;

  • Verbesserung der Verbraucherinformation, der Verbraucherbildung und des Wissens der Verbraucher über ihre Rechte (in enger Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten);

  • Konsolidierung der Verbraucherrechte und Verbesserung des Zugangs zu Rechtsschutzinstrumenten, darunter auch alternativen Streitbeilegungsverfahren;

  • Stärkung der grenzübergreifenden Durchsetzung durch Verbesserung der Zusammenarbeit der nationalen Durchsetzungsbehörden und durch Beratung der Verbraucher.

Daten und Untersuchungen bestätigen, dass diese Prioritäten der richtige verbraucherpolitische Weg in die Zukunft sind und dass sie mit der EU-2020-Agenda im Einklang stehen.

2. Warum benötigen wir ein neues Verbraucherprogramm auf EU-Ebene?

„Zuversichtliche Verbraucher geben der Konjunktur neue Impulse.“1

Mehr denn je haben Verbraucherinnen und Verbraucher heute angesichts der wirtschaftlichen Lage das Bedürfnis nach Schutz vor körperlichen und wirtschaftlichen Schäden – und darauf haben sie auch ein Recht. Mehr denn je können gut informierte und sachkundige Verbraucher Innovation und Wachstum insofern fördern, als sie für ihr Geld entsprechende Qualität und Leistung verlangen. Mehr denn je werden diejenigen Unternehmen am meisten profitieren, die diese Herausforderung annehmen. Als Folge der Wirtschaftskrise haben sich neue Erfordernisse herausgebildet. Die Formen des Einkaufens haben sich verändert (E-Commerce und digitale Dienste). Auch die Verbraucherbildung muss mit den Entwicklungen der Märkte Schritt halten, beispielsweise mit der Liberalisierung der Energie- und Telekommunikationsmärkte.

Das aktuelle Programm läuft Ende 2013 aus. Ein neues Programm ist erforderlich, damit die Arbeit in vier Schlüsselbereichen fortgesetzt werden kann:

Sicherheit

Im Bereich der Sicherheit führen EU-weite Maßnahmen und die Zusammenarbeit des mit der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit geschaffenen Netzes zu besseren Ergebnissen, als dies Einzelaktionen von Mitgliedstaaten könnten, da sich auf diese Weise Informationslücken schließen und unterschiedliche Entwicklungen im Binnenmarkt vermeiden lassen. Dank einer engeren Koordinierung können die Durchsetzungsnetze auch effizienter den Risiken begegnen, die sich aus der globalen Produktionskette ergeben.

Information und Bildung

Das Monitoring der Endverbrauchermärkte trägt dazu bei, Schwachstellen auf den nationalen Märkten und Hindernisse im Binnenmarkt aufzudecken, deren Beseitigung Innovation und Wettbewerb fördern würde. Die erhobenen Daten können nicht nur auf EU-Ebene, sondern auch auf nationaler Ebene verwendet werden, wodurch Effizienzsteigerungen und ein Benchmarking der Mitgliedstaaten möglich wären.

Die Unterstützung einer starken und kohärenten Vertretung der Verbraucherbewegung auf EU-Ebene gestattet es den Verbrauchern, einen konsolidierten Beitrag zur Gestaltung der EU-Politik zu leisten. Maßnahmen zur Steigerung der Leistungsfähigkeit nationaler Verbraucherorganisationen sind besonders für Organisationen in den neuen Mitgliedstaaten von Nutzen.

EU-Initiativen zur Verbraucherinformation und ‑bildung vertiefen das Wissen und das Vertrauen der Verbraucher, was grenzüberschreitende Rechtsgeschäfte betrifft, und fördern so die Vollendung des Binnenmarktes. Sie erleichtern den Austausch bewährter Verfahren zwischen den Mitgliedstaaten und tragen zur Schaffung einer einheitlichen, kohärenten und verlässlichen Informationsquelle für die Verbraucherbildung auf EU-Ebene bei.

Rechte und Rechtsschutz

Die alternative Streitbeilegung wird den Verbrauchern einen kostengünstigen, raschen und einfachen Weg zum Rechtsschutz in der gesamten EU eröffnen. Die Finanzierung der geplanten europäischen Plattform für die Online-Streitbeilegung wird zu einer koordinierten Vorgehensweise mit Größenvorteilen und Synergieeffekten führen.

Durchsetzung

Das Netz der Europäischen Verbraucherzentren trägt zur Vollendung des Binnenmarktes bei, indem es den Verbrauchern Beratung und Unterstützung in grenzübergreifenden Angelegenheiten bietet, wozu die nationalen Behörden und Verbraucherorganisationen meist nicht in der Lage sind. Koordinierte Durchsetzungsmaßnahmen mit dem Netz der nationalen Durchsetzungsbehörden für die Zusammenarbeit im Verbraucherschutz (CPC-Netz), etwa die sogenannten „Sweeps“, sind ein sehr wirksames Mittel für die Behandlung von Fällen,, die in der EU grenzübergreifend von Bedeutung sind.

3. Welche Haushaltsmittel stehen zur Verfügung?

Die finanzielle Ausstattung beträgt 197 Millionen EUR für sieben Jahre, d. h. rund 25 Millionen EUR pro Jahr plus Inflationsausgleich. Dieser relativ kleine Betrag soll zur Unterstützung und Ergänzung der nationalen Politiken der Mitgliedstaaten eingesetzt werden. Bei der Unterstützung der folgenden Maßnahmen kommt diesen Geldern jedoch eine entscheidende Rolle zu:

  • Maßnahmen, die sich aus rechtlichen Verpflichtungen (Vertrag und bestehendes EU-Verbraucherrecht) ergeben, darunter die Pflege und der Betrieb des EU-Schnellwarnsystems für gefährliche Produkte2 (RAPEX) und das Netz der nationalen Durchsetzungsbehörden für die Zusammenarbeit im Verbraucherschutz (CPC-Netz).

  • Maßnahmen, die wegen ihrer EU-weiten Dimension nicht auf nationaler Ebene durchgeführt werden oder bei denen eine EU-Maßnahme effizienter ist als nationale Maßnahmen (z. B. in grenzübergreifenden Fällen, beim Betrieb des Netzes der Europäischen Verbraucherzentren (EVZ-Netz) sowie beim Aufbau und dem Betrieb einer Plattform für die Online-Streitbeilegung.

  • Maßnahmen, die die Wirksamkeit von Maßnahmen auf nationaler Ebene ergänzen und verbessern (z. B. die Koordinierung und Kofinanzierung gemeinsamer Maßnahmen in den Bereichen Produktsicherheit und Durchsetzung von Verbraucherrechten, Unterstützung von Sensibilisierungskampagnen zu Verbraucherfragen und Schulungen der Mitarbeiter nationaler Verbraucherorganisationen.

4. Welches sind die größten Herausforderungen, die mit dem Programm angegangen werden sollen?

Die großen Herausforderungen lassen sich unter den folgenden vier Überschriften zusammenfassen:

  • Sicherheit. Es ist erforderlich, die nationalen Durchsetzungsbehörden enger zu koordinieren und sich den mit der Globalisierung der Produktionskette zusammenhängenden Risiken zu widmen. Es gibt ein wachsendes Bedürfnis nach Sicherheit von Dienstleistungen (auch vor dem Hintergrund der Alterung der Bevölkerung); außerdem muss der erhöhten Sensibilität für Fragen der Lebensmittelsicherheit Rechnung getragen werden.

  • Verbraucherinformation und Verbraucherbildung. Es besteht ein Bedarf an vergleichbaren, zuverlässigen und benutzerfreundlichen Informationen für Verbraucher, besonders zu grenzübergreifenden Angelegenheiten; an Maßnahmen zum Ausgleich des mangelhaften Wissens von Verbrauchern ebenso wie Einzelhändlern über zentrale Rechte der Verbraucher; an belastbaren Daten darüber, inwieweit der Markt den Erwartungen der Verbraucher entspricht; an einer höheren Leistungsfähigkeit der Verbraucherorganisationen, insbesondere in einigen Mitgliedstaaten; an einer Verbesserung der Bildungs- und Informationsinstrumente, die wir einsetzen.

  • Verbraucherrechte und wirksamer Rechtsschutz. Damit die Verbraucher darauf vertrauen können, dass ihre Rechte in einem anderen Mitgliedstaat so gut geschützt sind wie im eigenen Land, ist es notwendig, insbesondere im Zusammenhang mit grenzübergreifenden Geschäften die Verbraucherrechte weiter zu stärken und die Probleme aufzugreifen, die Verbraucher haben, wenn sie – besonders im Ausland – versuchen, zu ihrem Recht zu kommen.

  • Stärkung der grenzübergreifenden Durchsetzung von Verbraucherrechten. Der Bekanntheitsgrad des Netzes der Europäischen Verbraucherzentren (EVZ-Netz) bei Verbrauchern und die Wirksamkeit dieses Netzes müssen ebenso gestärkt werden wie die Wirksamkeit des Netzes der nationalen Durchsetzungsbehörden für die Zusammenarbeit im Verbraucherschutz (CPC-Netz).

Darüber hinaus gilt es, sich den neuen gesellschaftlichen Herausforderungen zu stellen; zu nennen sind hier die größere Komplexität der Verbraucherentscheidungsprozesse, die Notwendigkeit eines nachhaltigeren Verbraucherverhaltens, die Chancen und Gefahren der Digitalisierung, die zunehmende soziale Ausgrenzung, die wachsende Zahl besonders schutzbedürftiger Verbraucher und die Alterung der Bevölkerung.

5. Wer wird am meisten von dem Programm profitieren?

Durch die Unterstützung, die das Programm den Verbraucherorganisationen auf EU- und auf nationaler Ebene sowie den nationalen, für Produktsicherheit und Durchsetzung zuständigen Behörden in den Mitgliedstaaten gewährt, wird das Programm letztlich den europäischen Verbrauchern zugute kommen. Übergeordnetes Ziel ist die Besserstellung der Verbraucher in der gesamten EU.

Das Programm wird faktisch auch den seriösen Unternehmen zugute kommen, da eine wirksame Verbraucherpolitik gewährleistet, dass der Binnenmarkt einwandfrei funktioniert, die wettbewerbsfähigsten Unternehmen belohnt und betrügerische Wirtschaftsteilnehmer verdrängt werden.

Mündige Verbraucher sind Katalysatoren für Innovation, so dass die Verbraucherpolitik zur Förderung innovativer Unternehmen beitragen wird.

Nicht zuletzt werden die Wirtschaftsteilnehmer von einheitlichen Wettbewerbsbedingungen auf der Grundlage klarer Regeln und einer besser koordinierten Durchsetzung profitieren. In diesem Zusammenhang wird das Programm auch zur Stimulierung des Wirtschaftswachstums beitragen.

6. Inwiefern wird das neue Verbraucherprogramm die EU-2020-Wachstumsstrategie unterstützen?

Jeder der 500 Millionen EU-Bürger ist zugleich Verbraucher. Die Verbraucher sind der Motor der europäischen Wirtschaft und des Binnenmarkts. Ihre Ausgaben machen 56 % des Bruttoinlandsprodukts der EU aus und stellen somit ein riesiges Potenzial für Wachstum und Innovation dar. Je besser die Verbraucher in der Lage sind, bewusste und fundierte Entscheidungen zu treffen, desto positiver kann ihr Einfluss auf den Binnenmarkt und das Wachstum sein.

Gut informierte und sachkundige Verbraucher können Innovation und Wachstum voranbringen, indem sie für ihr Geld Qualität und Leistung verlangen. Am meisten profitieren werden die Unternehmen, die sich diesen Erwartungen stellen. Dies wird dazu beitragen, die wirtschaftliche Gesamtleistung zu verbessern und die globalen Herausforderungen zu bewältigen.

Das Verbraucherprogramm steht voll und ganz im Einklang mit den EU-2020-Zielen: digitale Agenda – Besserstellung des Verbrauchers; nachhaltiges Wachstum – hin zu einem nachhaltigen Konsumverhalten; soziale Integration – Berücksichtigung der besonders schutzbedürftigen Verbraucher und der alternden Bevölkerung; intelligente Rechtsetzung – Marktüberwachung als Beitrag zur Gestaltung intelligenter und gezielter Vorschriften.

7. Wie unterscheidet sich das neue vom vorigen Programm?

Die Verbraucherpolitik ist auf EU-Ebene ein noch relativ junger Politikbereich. Für den Erfolg ist Kontinuität mit dem laufenden Programm (2007-2013) daher wichtig. Dennoch müssen auch die besonderen oben erwähnten Fragen und Herausforderungen angegangen werden. Zugleich ist es erforderlich, die in allen Mitgliedstaaten bestehenden Belastungen zu berücksichtigen, die Effizienz zu steigern (beispielsweise durch eine bessere Koordinierung auf EU-Ebene im Bereich der Marktüberwachung) und die Vollendung des Binnenmarkts dadurch zu unterstützen, dass den Verbrauchern – insbesondere für Einkäufe und Bestellungen im Ausland – mehr Entscheidungs- und Handlungskompetenz vermittelt wird.

Siehe auch IP/11/1317

1 :

José Manuel Barroso, Präsident der Europäischen Kommission, in seinem Schreiben an Jerzy Buzek, Präsident des Europäischen Parlaments, anlässlich seiner Rede zur Lage der Union im Oktober 2011.

2 :

Dieses Schnellwarnsystem der EU betrifft gefährliche Produkte – mit Ausnahme von Lebens- und Futtermitteln sowie Arzneimitteln und Medizinprodukten, für die es andere Systeme gibt.


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