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MEMO/11/615

Brüssel, den 20. September 2011

Eine EU-Strategie zur Modernisierung der Hochschulbildung – Fragen und Antworten

MEMO/11/613 und IP/11/1043

Warum initiiert die Kommission eine Strategie zur Modernisierung der Hochschulbildung?

Eine Reformstrategie zur Modernisierung der Hochschulbildung ist dringend erforderlich: Mit der richtigen Unterstützung kann Bildung der Motor für Wettbewerbsfähigkeit, Innovation und sozialen Zusammenhalt sowie treibende Kraft für Wachstum und Beschäftigung in Europa sein.

In der Europäischen Union ist Bildung in der Hauptsache Aufgabe der Mitgliedstaaten. Die Herausforderungen haben jedoch eine deutliche europäische Dimension, was auch im Rahmen der Strategie Europa 2010 hervorgehoben wird. Die Modernisierung der Hochschulbildung erfordert einen Beitrag auf EU-Ebene, in Partnerschaft mit den Mitgliedstaaten.

In der globalen Wirtschaft kann Europa nur mit einem Fundament aus Wissen, Qualifikationen und Innovationsfähigkeit mithalten. Die Nachfrage nach Menschen mit hoher Qualifikation wird zudem weiter steigen. So wird bis zum Jahr 2020 für 35 % aller Arbeitsplätze in der EU ein tertiärer Abschluss erforderlich sein. Derzeit verfügen aber nur 26 % der Arbeitskräfte über einen solchen Abschluss. Darüber hinaus muss das Qualifikationsniveau in Europa angehoben werden. Bildungsprogramme sind ständig zu aktualisieren, damit Absolventen über das Wissen und die Fertigkeiten verfügen, die sie brauchen, um erfolgreich und flexibel genug für die Anpassung an einen Arbeitsmarkt im Wandel zu sein. Die Hochschulbildung muss somit enger an den Bedarf auf dem Arbeitsmarkt angepasst werden. Weiterhin sollten Hochschulen der Zusammenarbeit mit Unternehmen offener gegenüberstehen, auch bei der Gestaltung der Lehrpläne, sowie Verfahren verbessern und zusätzliche Mittel einsetzen.

Die Hochschulwelt sollte auch dazu beitragen, die wissensbasierte Wirtschaft in Europa zu verbessern: einerseits durch eine wirksame Verbindungen zwischen Bildungseinrichtungen, Forschung und Wirtschaft im Hinblick auf die Schaffung von Innovation, und andererseits durch eine Maximierung des Beitrags der Hochschulbildung zur regionalen Wiederbelebung, auch mittels finanzieller Unterstützung durch die EU.

Europa 2020 enthält eine klare Botschaft hinsichtlich der Notwendigkeit, in wachstumsfreundliche Bereiche wie Bildung und Forschung zu investieren. Besonders in einer Zeit finanzieller Zwänge muss die Mittelverwendung effizient sein, um den Hochschulen mehr Freiraum zu schaffen und Investitionen in eine hochwertige Bildung zu ermöglichen, die den Anforderungen des Arbeitsmarktes gerecht wird.

Viele Mitgliedstaaten räumen der Modernisierung ihrer Hochschulbildung Priorität ein: Das Potenzial der Hochschuleinrichtungen, in Europa zu Wohlstand, Wachstum und Arbeitsplatzschaffung beizutragen und ihrer umfassenderen Rolle in der Gesellschaft gerecht zu werden, wird jedoch nicht in vollem Umfang genutzt. Die Strategie Europa 2020 für Beschäftigung und Wachstum soll helfen, dieses Potenzial zu nutzen: Bildung wird in den Mittelpunkt gestellt und das Ziel gesetzt, dass bis 2020 40 % der jungen Menschen über einen Hochschulabschluss verfügen.

Was kann die EU tun, um die Hochschulbildung in Europa zu verbessern?

In erster Linie sind die Mitgliedstaaten für ihre Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung verantwortlich. In vielen Ländern sind die Hochschuleinrichtungen zudem autonome Organisationen. Die EU hat hier eine unterstützende Funktion; sie arbeitet mit den Behörden der Mitgliedstaaten zusammen bei der Identifizierung von Problemfeldern und liefert Informationen darüber, was funktioniert und was nicht, legt gemeinsame Ziele fest und bietet die Möglichkeit gegenseitigen Lernens.

Im Rahmen der Strategie Europa 2020 haben sich die Mitgliedstaaten darauf geeinigt, jedes Jahr über ihre Fortschritte auf dem Weg zu den gemeinsamen europäischen Zielen zu berichten. Die Kommission wird die Fortschritte bei der Erreichung der nationalen Ziele für die Hochschulbildung beobachten, die die Mitgliedstaaten als Beitrag zum umfassenden EU-Ziel festgelegt haben.

Zusätzlich werden wir auf EU-Ebene Mittel bereitstellen, um die Institutionen in der EU wie auch weltweit zur Zusammenarbeit und dazu zu ermutigen, neue Möglichkeiten für Studierende und Personal zu schaffen, im Ausland zu studieren, eine Berufsausbildung zu absolvieren oder zu lehren. Auch stellen wir über die Strukturfonds Mittel für allgemeine und berufliche Bildung bereit. Die EU unternimmt zudem spezifische Initiativen auf Gebieten, auf denen sie mehr erreichen kann als die Mitgliedstaaten allein, etwa beim grenzüberschreitenden Europäischen Systems zur Übertragung und Akkumulierung von Studienleistungen (ECTS), das die Anerkennung von Studien- oder Ausbildungszeiten im Ausland regelt.

Mit dieser Palette von Maßnahmen kann die EU wirksam zu einem Wandel auf System- und Institutionenebene beitragen und einen Zusatznutzen für diejenigen bieten, die eine Finanzhilfe für ein Studium oder eine Ausbildung im Ausland in Anspruch nehmen. Diese erneuerte Reformagenda wird dem Prozess einen zusätzlichen Impuls verleihen. Die Kommission wird gemäß der Strategie:

  • ein neues multidimensionales Informations- und Rankinginstrument zur Profilbestimmung für Hochschuleinrichtungen entwickeln, um die Transparenz des Hochschulsektors zu verbessern;

  • mit ihrem Vorschlag für ein neues einheitliches Finanzierungsprogramm für allgemeine und berufliche Bildung und Jugend ab 2014 (siehe IP/11/857) die Chancen für alle Studierenden verbessern, in einem anderen Land zu studieren oder ein Praktikum zu absolvieren;

  • als Teil des neuen Programms eine Bürgschaftsfazilität für Studiendarlehen im Rahmen des Erasmus-Mobilitätsprogramms für Masterabschlüsse starten, um mehr Studierenden eine tragbare Finanzierung für einen Masters-Abschluss in einem anderen Mitgliedstaat zu bieten;

  • ein EU-Kompetenzpanorama erstellen, um das Wissen um den aktuellen und künftigen Qualifikationsbedarf zu verbessern;

  • die Datenlage zur Beschäftigung von Hochschulabsolventen und zur Lernmobilität verbessern, als Basis für bessere Maßnahmen;

  • mit Mitgliedstaaten und Interessengruppen zusammenarbeiten, um die Auswirkungen unterschiedlicher Finanzierungskonzepte auf die Hochschulbildung zu analysieren;

  • einen Qualitätsrahmen für Praktika vorschlagen, der Studierenden und Graduierten helfen soll, einschlägige Erfahrung zu sammeln und hochwertigere Praktikumsplätze zu bekommen;

  • die Anerkennung von Studienzeiten im Ausland verbessern, durch Stärkung des Europäischen Systems zur Übertragung und Akkumulierung von Studienleistungen (ECTS) zur Verbesserung der Anerkennung der Ergebnisse der Lernmobilität.

Wie wird die Modernisierungsstrategie dazu beitragen, das EU-Ziel von 40 % Hochschulabschlüssen zu erreichen?

Um die Zahl der Absolventen zu steigern, müssen die Hochschuleinrichtungen für bislang unterrepräsentierte Gruppen – etwa aus einkommensschwachen Schichten und Migrantengruppen – attraktiver werden. Weiterhin sind die Studiengänge soweit wie möglich an den Bedarf auf dem Arbeitsmarkt anzupassen, und es müssen neue, flexiblere Studienformen wie Teilzeitstudium, Fernstudium und modulares Lernen geschaffen werden.

Die Hochschulbildung wird auch attraktiver, wenn man es für Studierende leichter macht, zwischen Hochschulsystemen in verschiedenen Ländern zu wechseln und Studienzeiten im Ausland zu absolvieren (durch „Mobilitätsfenster“ in den Curricula).

Die Steigerung des Anteils junger Menschen in der Hochschulbildung erfordert ebenfalls Veränderungen in der Schulbildung: das Problem des Schulabbruchs muss angegangen werden (MEMO/11/316), und die Schüler müssen angemessene Information und Beratung zu Studienmöglichkeiten erhalten.

Die Steigerung der Studierendenzahlen allein ist jedoch nicht genug, wenn diejenigen, die eine Hochschule besuchen, nicht in die Lage versetzt werden, ihr Studium auch abzuschließen. Maßnahmen zur Reduzierung der Abbrecherquote sollten eine maßgeschneiderte Beratung zu Studienmöglichkeiten, mehr Flexibilität für den Wechsel zwischen Studiengängen und angemessene finanzielle Unterstützung, insbesondere für Studierende aus einkommensschwachen Schichten, umfassen.

Wie viel wendet die Kommission pro Jahr für allgemeine und berufliche Bildung auf?

Die Mittelausstattung für die EU-Finanzierungsprogramme für allgemeine und berufliche Bildung, unter anderem für das Erasmus-Mobilitätsprogramm, liegt derzeit bei rund 7 Mrd. EUR über den siebenjährigen Haushaltszeitraum (2007-2013). Über die „Marie-Curie-Maßnahmen“ stellt die EU zusätzlich 4,7 Mrd. EUR für Berufsbildung, Mobilität und Laufbahnentwicklung für Forscher bereit.

Hinzu kommen Investitionen aus dem Europäischen Sozialfonds und dem Europäischen Fonds für Regionalentwicklung in Höhe von 72 Mrd. EUR für allgemeine und berufliche Bildung sowie 60 Mrd. EUR für Forschung und Innovation im Zeitraum 2007-2013.

Die Vorschläge der Kommission für den nächsten Haushaltszeitraum (2014-2020) betonen die Priorität für „intelligentes Wachstum“ durch Schaffung von Wissen und Höherqualifizierung und enthalten deutliche Mehrinvestitionen, die auf Qualifikations- und Wissenssteigerung abzielen. Gemäß dem Kommissionsvorschlag würde ein integriertes Finanzierungsprogramm für allgemeine und berufliche Bildung und Jugend für den Zeitraum 2014-2020 mit 15,2 Mrd. EUR ausgestattet, eine Steigerung um 73 % gegenüber den derzeitigen Investitionen (8,8 Mrd. EUR für den Zeitraum 2007-2013). Die Kommission hat eine Steigerung der Forschungsfinanzierung um 46 % auf 80 Mrd. EUR im Rahmen des geplanten Finanzierungsprogramms „Horizont 2020“ vorgeschlagen.

Wie ist die Beziehung zwischen der EU-Strategie für die Modernisierung der Hochschulbildung und dem europäischen Raum der Hochschulbildung (Bologna-Prozess)?

Der Europäische Raum der Hochschulbildung (Bologna-Prozess) ist ein Kooperationsprozess auf Regierungsebene zwischen 47 Ländern, darunter alle Mitgliedstaaten der EU. Die Europäische Kommission ist ein gleichwertiger Partner und bietet politische Beiträge wie auch finanzielle Unterstützung für viele Bologna-Maßnahmen; so stellt sie Mittel für Expertenberatung von Einrichtungen zur Umsetzung der Bologna-Reformen bereit. Die aktuellen Bologna-Prioritäten sind im Kommuniqué von Leuven/Louvain la Neuve von 2009 dargelegt.

Die EU-Agenda zur Modernisierung der Hochschulbildung entspricht der Strategie Europa 2020 und gehört zu den Schlüsselprioritäten der Kommissionsinitiative „Jugend in Bewegung“ (siehe IP/10/1124). Die 27 Mitgliedstaaten sowie Kandidatenländer und assoziierte Länder arbeiten zusammen, tauschen praktische Erfahrungen aus, lernen voneinander und arbeiten auf vereinbarte Ziele hin. Die Kommission überwacht die Fortschritte und unterstützt die Reformbemühungen der Mitgliedstaaten, unter anderem durch länderspezifische Empfehlungen und EU-Finanzierungsprogramme.

Viele Schlüsselfragen sind beiden Prozessen gemeinsam, etwa die Ausweitung der Beteiligung unterrepräsentierter Gruppen und die Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit von Absolventen.


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