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MEMO/11/613

Brüssel, den 20. September 2011

Modernisierung der Hochschulbildung – Zahlen und Fakten

MEMO/11/615 and IP/11/1043

1. Wieso braucht Europa mehr Hochschulabsolventen?

In den kommenden Jahrzehnten wird für Europas Wirtschaftswachstum und Fähigkeit zur Arbeitsplatzschaffung in einer immer enger verflochtenen Weltwirtschaft der Erfolg in innovativen Sektoren mit hoher Wertschöpfung entscheidend sein. Wissensintensive Arbeitsplätze zu schaffen und zu besetzen erfordert hochqualifizierte Leute, die mit den Möglichkeiten und Anforderungen der modernen Wirtschaft umgehen können. Jüngste europäische Qualifikationsbedarfsprognosen besagen, dass bis 2020 für 35 % aller Arbeitsplätze ein Hochschulabschluss vorausgesetzt wird1. Heute besitzen jedoch lediglich 26 % der Erwerbstätigen in Europa (zwischen 25 und 64) einen Hochschulabschluss. Dem stehen fast 41 % in den USA, 44 % in Japan und 50 % in Kanada gegenüber (Zahlen von 2009).

Abbildung 1: Hochschulabsolventen als Anteil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (25 bis 64)

Quelle : Eurostat (für EU-27); OECD, Bildung auf einem Blick 2011 (für USA, Australien [AU], Korea [KO], Japan [JP], Kanada [CA])

2. Besteht in Europa nicht bereits ein Problem mit Arbeitslosigkeit von Hochschulabsolventen?

Die Wirtschaftskrise führte dazu, dass die Arbeitslosigkeit in fast allen Mitgliedsstaaten zugenommen hat. Zwar ist die Arbeitslosenquote der Hochschulabsolventen zwischen 2008 und 2010 in allen Mitgliedsstaaten außer Deutschland gestiegen, doch sie befindet sich immer noch auf einem wesentlich niedrigeren Niveau als bei jenen, die nur über einen Abschluss auf Sekundarstufe verfügen. 2010 betrug die durchschnittliche Arbeitslosigkeit bei Hochschulabsolventen in der EU 5,4 %, im Vergleich zu 8,7 % bei Absolventen der Sekundarstufe II (also jenen, welche die Schule oder das Gymnasium im Normalfall mit 18 oder 19 verlassen haben) und 15,4 % bei jenen, die weder einen Abschluss auf Sekundarstufe II noch einen anderen gleichwertigen Abschluss gemacht haben. Wie in Tabelle 1 zu sehen ist, haben Hochschulabsolventen in allen Mitgliedsstaaten höhere Beschäftigungsraten als jene mit einem niedrigeren Bildungsstand (Daten für das 4. Quartal 2010).

Tabelle 1: Beschäftigungsquoten gemäß Bildungsstand bei 20‑ bis 64‑Jährigen (Q4 2010)

Gesamtbeschäftigung

Absolventen der Sekundarstufe I

Absolventen der Sekundarstufe II

Hochschulabsolventen

Schweden

79,1

63,3

79,5

88

Niederlande

77,1

62,2

79,6

87,1

Deutschland

75,3

56,7

75,4

86,7

Litauen

65,9

31,2

59,9

86

Slowenien

69,9

50,8

69

85,9

Dänemark

75,6

61,5

77,6

85,8

Österreich

75,3

57,6

77,4

85,1

Finnland

72,8

53,8

71

84,6

Vereinigtes Königreich

73,7

55,4

75,3

84,2

Malta

60,4

51

77,3

83,9

Zypern

75,8

67,7

74,1

83,2

Polen

64,8

39,7

62,8

82,9

Bulgarien

64,7

38,7

66,6

82,8

Belgien

68,3

47,1

70,8

82,6

Lettland

65,8

45,5

63,3

82,4

EU-27

68,6

53,3

69,9

82,3

Rumänien

62,3

51,5

62,4

81,5

Portugal

70,2

67,3

70,6

81,5

Tschechische Republik

70,8

42,3

71,4

81,5

Luxemburg

70,7

62

67,6

81,3

Frankreich

69

54,6

70,6

80,4

Irland

64,2

45

62,4

79,8

Estland

69,5

45,5

67,9

79,6

Ungarn

60,7

37

62,4

77,7

Griechenland

62,7

56,7

59,4

77,5

Spanien

62,5

52,5

63,2

77,1

Slowakei

65,1

28,7

66,4

77,0

Italien

61,2

49,8

67,3

76,6

Quelle : Eurostat, EU-Arbeitskräfteerhebung

3. Wo stehen wir bei der EU-Zielsetzung bezüglich der Hochschulabschlüsse?

Die Staats- und Regierungschefs der EU haben sich im Juni 2010 im Rahmen der Wachstumsstrategie Europa 2020 auf das Ziel geeinigt, den Anteil der 30‑ bis 34‑Jährigen, die einen Hochschulabschluss haben oder über einen gleichwertigen Abschluss verfügen, auf 40 % zu erhöhen. Es wurde diese Altersgruppe und nicht etwa die gesamte erwerbstätige Bevölkerung gewählt, weil es auf diese Weise einfacher ist, die Fortschritte zu überwachen. Unterdessen haben die Regierungen der EU-Staaten unter Berücksichtigung ihrer nationalen Gegebenheiten ihre eigenen nationalen Ziele für 2020 gesetzt. 2010 verfügten insgesamt 33,6 % der 30‑ bis 34‑Jährigen in der EU über einen Hochschulabschluss. Abbildung 2 stellt für jeden Mitgliedsstaat den Anteil der 30‑ bis 34‑Jährigen mit Hochschulabschluss im Jahr 2010 dar, im Vergleich zu den vereinbarten Zielen im Rahmen von Europa 20202. Wenn die derzeitige Wachstumstendenz im Hochschulwesen anhalten, ist die EU auf gutem Weg, das Ziel von 40 % bis zum Ende des Jahrzehnts zu erreichen.

Abbildung 2: Hochschulabschlüsse bei 30‑ bis 34‑Jährigen und die nationalen Ziele

(*) Die deutschen und österreichischen nationalen Ziele schließen Berufsabschlüsse auf post-sekundärem, nicht-tertiären Qualifikationsniveau3 ein.

Quelle : Eurostat, EU-Arbeitskräfteerhebung

4. Wie viel geben die EU‑Mitgliedsstaaten für Hochschulbildung aus?

Nachhaltige und wirksame Investitionen sind wichtige Voraussetzungen für hochwertige Hochschulbildung. Wie Tabelle 2 zu entnehmen ist, bestehen erhebliche Unterschiede beim Anteil des nationalen Einkommens, den die Mitgliedsstaaten für Hochschulbildung ausgeben sowie beim relativen Gleichgewicht zwischen öffentlichen und privaten Ausgaben. 20084 beliefen sich die direkten Ausgaben für Hochschulbildung, d. h. öffentliche und private Ausgaben zusammen, in der EU im Durchschnitt auf 1,3 % des BIP, wobei das Spektrum von 1,1 % in der Slowakei bis zu fast 2,3 % in Dänemark reicht. Der größte Teil der Ausgaben für Hochschulbildung stammt aus öffentlicher Hand, obwohl private Ausgaben keineswegs unbedeutend sind und in Dänemark, Bulgarien, Zypern und dem Vereinigten Königreich 0,7 % des BIP oder mehr ausmachen. Die Ausgaben für Hochschulbildung sind in der EU wesentlich niedriger als in den USA. Dort beliefen sich die gesamten (privaten und öffentlichen) Investitionen 2008 auf 2,7 % des BIP.

Tabelle 2: Direkte öffentliche und private Ausgaben für Hochschulbildung in % des BIP (2008)

% des BIP

Direkte öffentliche Ausgaben

Private Ausgaben

Direkte öffentliche + private Ausgaben

Dänemark

1,57

0,7

2,27

Zypern

0,91

0,89

1,8

Finnland

1,62

0,08

1,7

Lettland

0,92

0,72

1,64

Rumänien

1,08 (2007)

0,53 (2007)

1,6 (2007)

Niederlande

1,07

0,47

1,54

Bulgarien

0,83

0,69

1,53

Polen

1,03

0,5

1,53

Schweden

1,36

0,17

1,52

Belgien

1,19

0,3

1,5

Frankreich

1,15

0,32

1,47

Irland

1,14

0,24

1,38

Litauen

0,89

0,44

1,33

Österreich

1,12

0,2

1,32

EU-27

0,92

0,39

1,3

Portugal

0,81

0,49

1,3

Deutschland

0,98

0,25

1,23

Spanien

0,96

0,26

1,22

Vereinigtes Königreich

0,39

0,83

1,22

Estland

0,96

0,26

1,21

Tschechische Republik

0,92

0,27

1,2

Slowenien

0,93

0,18

1,11

Ungarn

0,87

0,3 (2006)

1,1 (2006)

Italien

0,67

0,41

1,08

Slowakei

0,62

0,44

1,06

Quelle : Eurostat (UOE-Datenerhebung); für Griechenland, Luxemburg und Malta liegen keine Daten vor.

Direkte öffentliche Ausgaben umfassen die Ausgaben für Hochschuleinrichtungen einschließlich Forschung und Entwicklung, nicht aber die für Studienförderung.

5. Wie ist die Situation in der EU bezüglich Studiengebühren?

Der Druck auf die öffentlichen Finanzen ist einer der Faktoren für die zunehmende Tendenz, in der EU Studiengebühren einzuführen oder zu erhöhen. In Europa gibt es eine enorme Vielfalt an Studiengebühr- und Studienfördersystemen. In manchen Mitgliedsstaaten wird die Hochschulbildung zu einem beachtlichen Teil mittels Studiengebühren privat finanziert, während in anderen Ländern weder für einheimische noch für EU‑Studenten Gebühren erhoben werden.

Tabelle 3: Die häufigsten Studiengebühren auf erster (Bachelor) und zweiter (Master) Stufe, 2009/10 (EUR, KKS5)

1. Stufe

2. Stufe

Belgien (französischsprachige Gemeinschaft)

559

559

Belgien (deutschsprachige Gemeinschaft)

326

keine Angaben

Belgien (flämischsprachige Gemeinschaft)

587

587

Bulgarien

668

668

Tschechische Republik

28

28

Dänemark

keine Gebühren

keine Gebühren

Deutschland

187

187

Estland

2 037

2 037

Irland

1 252

5 007

Griechenland

keine Gebühren

3 844

Spanien

763

1 271

Frankreich

147

198

Italien

1 039

keine Angaben

Zypern

keine Gebühren

6 560

Lettland

1 785

3 885

Litauen

2 646

3 307

Luxemburg

keine Angaben

keine Angaben

Ungarn

1 968

2 457

Malta

470

1 680

Niederlande

1 484

1 484

Österreich

keine Gebühren

keine Gebühren

Polen

69

69

Portugal

keine Angaben

keine Angaben

Rumänien

993

993

Slowenien

1 916

2161

Slowakei

15

15

Finnland

keine Gebühren

keine Gebühren

Schweden

keine Gebühren

keine Gebühren

Vereinigtes Königreich (England , Wales, Nordirland)

3 785

7 393

Vereinigtes Königreich (Schottland)

0 / 2 1366

3 990

Quelle : Eurydice-Studie (2011) über die Modernisierung der Hochschulbildung in Europa: Finanzierung und die soziale Dimension

6. Wie sieht es mit Studienförderung aus?

Unabhängig davon, ob Studiengebühren zur Finanzierung der Hochschulbildung eingesetzt werden oder nicht, herrscht Einigkeit darüber, dass angemessene Studienfördersysteme notwendig sind, damit jene aus einkommensschwachen Verhältnissen gleichermaßen Zugang zu Hochschulbildung erhalten. Die Hauptformen der Studienförderung sind Zuschüsse und Darlehen, doch in manchen Ländern spielt auch die indirekte Förderung, wie Steuervorteile für die Eltern des Studierenden, eine wichtige Rolle. Wie Abbildung 4 zu entnehmen ist, werden Zuschüsse und Stipendien aufgrund der wirtschaftlichen Situation (z. B. des Familieneinkommens) und/oder der akademischen Leistungen vergeben. Die nordischen Länder und Wales (Vereinigtes Königreich) vergeben Stipendien an alle.

Abbildung 3: Kriterien für die Gewährung von Zuschüssen/Stipendien auf erster und zweiter Stufe 2009/10

Course or field of study

Merit-need combination

Need-based criteria

Merit-based criteria

No criteria (grants for all)

Not applicable (no grants/scholarships)

Data not available

Quelle : Eurydice-Studie (2011) über die Modernisierung der Hochschulbildung in Europa: Finanzierung und die soziale Dimension

1 :

Siehe CEDEFOP (2010) “Skills supply and demand in Europe: Medium-term forecast up to 2020”, http://www.cedefop.europa.eu/en/Files/3052_en.pdf

2 :

Die Niederlande und das Vereinigte Königreich haben sich keine offiziellen nationalen Ziele für die Hochschulabschlüsse gesetzt. Deutschland und Österreich haben Berufsbildungsabschlüsse von hohem Qualifikationsniveau (klassifiziert als „post-sekundärer, nicht-tertiärer“ Bildungsgang/ISCED 4) in ihre Definition der nationalen Ziele aufgenommen.

3 :

2010 betrug die Rate an “post-sekundären, nicht-tertiären“ (ISCED 4) Abschlüssen bei den 30‑ bis 34‑Jährigen in Österreich 13,5 %, d. h. die Rate der Abschlüsse auf tertiären und ISCED 4-Niveau betrug insgesamt 37 %. In Deutschland betrugen die Abschlüsse auf ISCED 4-Niveau in derselben Altersgruppe 2010 11,6 % und die Rate an tertiären und „gleichwertigen“ Abschlüssen zusammen betrug 41,4 % (Daten von Eurostat, EU-Arbeitskräfteerhebung)

4 :

Vergleichbare länderübergreifende Daten über Investitionen in Hochschulbildung sind schwierig zu berechnen und daher erst bis zu zwei Jahre nach dem Referenzjahr erhältlich.

5 :

Der Kaufkraftstandard (KKS) ist eine künstlichen Referenzwährung, die von der Europäischen Union eingesetzt wird, damit ein Vergleich der Wert der Waren und Dienstleistungen zwischen den Ländern möglich ist. Man erhält ihn anhand einer Umrechnungsrate (Kaufkraftparität KKP), welche die Kaufkraft der verschiedenen nationalen Währungen ausgleicht.

6 :

Gebühren werden erhoben für Staatsangehörige des Vereinigten Königreichs mit Wohnsitz außerhalb Schottlands


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