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MEMO/11/52

Brüssel, den 31. Januar 2011

Schulabbruch in Europa – Fragen und Antworten

Was bedeutet „Schulabbruch“?

Die Europäische Union definiert Schulabbrecher als Personen zwischen 18 und 24 Jahren, die lediglich über einen Abschluss der Sekundarstufe I verfügen und keine weiterführende Schul- oder Berufsausbildung durchlaufen1.

Es handelt sich also um Personen, die nur die Vorschule, die Grundschule, die Sekundarstufe I oder eine kurze Ausbildung in der Sekundarstufe II von weniger als 2 Jahren absolviert haben2.

Die Daten zum Schulabbruch werden jährlich über die Europäische Arbeitskräfteerhebung erfasst.

Es gibt verschiedene Arten des Schulabbruchs. Dazu zählen junge Menschen, die die Schule vor Abschluss der Pflichtschulzeit verlassen, diejenigen, die zwar die Pflichtschule, nicht aber die Sekundarstufe II abschließen und diejenigen, die berufsvorbereitende Kurse oder berufsbezogene Ausbildungskurse absolvieren, die zu keinem der Sekundarstufe II entsprechenden Abschluss führen.

Wer gilt nicht als Schulabbrecher?

Die Definition schließt alle aus, die in den letzten vier Wochen vor der Erhebung in einer Schul- oder Berufsausbildung waren. Ebenfalls nicht als Schulabbrecher gelten junge Menschen, die die Schule zwar vorzeitig verlassen haben, dann aber den Sekundarabschluss II vor ihrem 25. Geburtstag nachholen.

Welches Ziel verfolgt die EU?

Die Strategie Europa 2020 umfasst fünf Kernziele. Eines dieser Kernziele lautet, die durchschnittliche Schulabbrecherquote in der EU bis 2020 auf unter 10 % zu senken.

Dieses Ziel ist eng mit intelligentem und integrativem Wachstum verknüpft. Es wirkt sich unmittelbar auf die Beschäftigungsfähigkeit junger Menschen aus und trägt dazu bei, den Kreislauf von Deprivation, sozialer Ausgrenzung und Armut zu durchbrechen.

Welche sozialen und wirtschaftlichen Kosten verursacht der Schulabbruch?

Schulabbruch ist mit hohen Kosten für die Betroffenen, die Gesellschaft und die Wirtschaft verbunden. Junge Menschen, die lediglich über einen Abschluss der Sekundarstufe I oder weniger verfügen, sind häufiger arbeitslos, öfter von Sozialleistungen abhängig und stärker von sozialer Ausgrenzung bedroht. Das wirkt sich auf ihr Lebenseinkommen, ihr Wohlbefinden und ihre Gesundheit aus. Schulabbrecher nehmen zudem tendenziell weniger an demokratischen Prozessen teil.

Darüber hinaus wirkt sich Schulabbruch langfristig negativ auf die soziale Entwicklung und das Wirtschaftswachstum aus. Innovation und Wachstum erfordern qualifizierte Arbeitskräfte: Bei einer Senkung der durchschnittlichen Schulabbrecherquote in Europa um nur einen Prozentpunkt würde die europäische Wirtschaft jedes Jahr zusätzlich rund eine halbe Million qualifizierter, potenzieller junger Arbeitnehmer gewinnen.

Warum brechen junge Menschen die Schule ab?

Es gibt zahlreiche Gründe, aus denen junge Menschen ihre allgemeine oder berufliche Bildung abbrechen. Auch wenn sich die Lage in den einzelnen Ländern unterschiedlich gestaltet, ist der Schulabbruch in Europa doch eng verknüpft mit sozialer Benachteiligung und einem Umfeld mit niedrigem Bildungsstand. Benachteiligte Gruppen sind besonders betroffen, z. B. Jugendliche, die in Betreuung waren oder solche mit sonderpädagogischem Förderbedarf.

Beeinflusst wird Schulabbruch wird durch bildungsbedingte Faktoren, individuelle Lebensumstände und sozioökonomische Bedingungen. Es handelt sich dabei um einen Prozess, der häufig bereits in der Grundschule beginnt, wo erste Erfahrungen des schulischen Versagens gemacht werden und eine Entfremdung von der Schule einsetzt.

Wann brechen junge Menschen typischerweise die Schule ab?

Während 70 % der Schulabbrecher in der EU die Sekundarstufe I abschließen, beenden etwa 17 % lediglich die Grundschule. Diese Gruppe ist in Bulgarien (38 %) und Portugal (40 %) besonders groß.

Was machen Schulabbrecher?

Im Jahr 2009 gingen nur 48% der Schulabbrecher in der EU einer Beschäftigung nach, während 52 % entweder arbeitslos oder vom Arbeitsmarkt ausgegrenzt waren. Am höchsten war der Anteil junger Menschen, die ihre Ausbildung abgebrochen hatten aber einer Beschäftigung nachgingen, in Malta (74 %) und Zypern (74 %), gefolgt von Portugal (71 %) und den Niederlanden (71 %).

Arbeitslos bzw. nicht erwerbstätig waren besonders viele Schulabbrecher in der Slowakei (80 %), in Bulgarien (73%) und in Ungarn (71 %).

Besteht ein Zusammenhang zwischen Migrationshintergrund und Schulabbruch?

Verglichen mit ihren im Lande geborenen Altersgenossen brachen im Schnitt in der EU doppelt so viele junge Menschen der ersten Einwanderergeneration die Schule ab (13 % zu 26 %).

Aber auch hierbei bestehen erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten: In Griechenland, Spanien und Italien brechen mehr als 40 % der jungen Migranten die Schule ab. In einigen Ländern wie Portugal, dem Vereinigten Königreich und Norwegen liegt die Schulabbrecherquote der Migranten unter der der einheimischen Jugendlichen.

In mehreren Mitgliedstaaten ist die Schulabbrecherquote bei benachteiligten Minderheiten, z. B. bei den Roma, besonders hoch.

Woher stammen die Daten?

Die Daten stammen aus der europäischen Arbeitskräfteerhebung (AKS), die in den 27 Mitgliedstaaten, Kroatien, der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien, Island, Norwegen, der Schweiz und der Türkei durchgeführt wird.

Dabei handelt es sich um eine große Stichprobenerhebung bei Haushalten, die jährliche und vierteljährliche Ergebnisse über die Erwerbstätigkeit von Personen ab 15 Jahren sowie über Personen, die keiner Erwerbstätigkeit nachgehen, liefert.

Die nationalen statistischen Ämter sind zuständig für die Auswahl der Stichproben, die Ausarbeitung der Fragebögen, die Durchführung der direkten Haushaltsbefragungen und die Übermittlung der Ergebnisse an das Statistische Amt der Europäischen Union (Eurostat). 2010 nahmen rund 1,5 Mio. Menschen in der EU an der Erhebung teil.

Weitere Informationen:

IP/11/109, 31. Januar 2011

Europäische Kommission: Mitteilung der Kommission [KOM(2011)18]: „Bekämpfung des Schulabbruchs – ein wichtiger Beitrag zur Agenda Europa 2020“, 31. Januar 2011

Vorschlag für eine Empfehlung des Rates für politische Strategien zur Senkung der Schulabbrecherquote, [KOM(2011)19], 31. Januar 2011

Arbeitsunterlage der Kommissionsdienststellen zur Senkung der Schulabbrecherquote [SEK(2011)96], 26. Januar 2011

Europäische Kommission: Vorzeitiger Schulabgang

Tabelle 1: Prozentualer Anteil der 18-24-Jährigen, die höchstens über einen Abschluss der Sekundarstufe I verfügen und keine weiterführende Schul- oder Berufsbildung durchlaufen (2009), und Entwicklung im Zeitraum 2000-2009 (relative Veränderung in %)3

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Tabelle 2: Schulabbrecher nach höchstem abgeschlossenen Bildungsniveau 2009 (in %)4

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Tabelle 3: Schulabbrecher nach Erwerbsstatus 2009 (in %)5

Figures and graphics available in PDF and WORD PROCESSED

Abbildung 4: Einwandererstatus von Schulabbrechern 2009 (Anteil)6

Figures and graphics available in PDF and WORD PROCESSED

1 :

Diese Definition wurde von den EU-Bildungsministern auf der Tagung des Rates 2003 (Schlussfolgerungen des Rates vom 6. Mai 2003 über europäische Durchschnittsbezugswerte für allgemeine und berufliche Bildung (Benchmarks)) festgelegt.

2 :

ISCED-Level 0, 1, 2 oder 3c (kurz) gemäß der Internationalen Standardklassifikation für das Bildungswesen (ISCED) der Vereinten Nationen.

3 :

Eurostat (Arbeitskräfteerhebung); MK = ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien.

Studierende, die länger als ein Jahr im Ausland leben, oder Wehrpflichtige, die ihren Wehrdienst ableisten, werden von der Eurostat-Arbeitskräfteerhebung nicht erfasst, wodurch sich höhere Quoten ergeben können als die, die national verfügbar sind. Dies gilt insbesondere für Zypern.

Die Daten für Slowenien und Kroatien sind aufgrund des geringen Stichprobenumfangs nur eingeschränkt zuverlässig.

Bulgarien, Polen und Slowenien: Die Entwicklung bezieht sich auf den Zeitraum 2001-2009.

Tschechische Republik, Lettland, Irland, Slowakei und Kroatien: Die Entwicklung bezieht sich auf den Zeitraum 2002-2009.

In Finnland wird das Bildungsniveau zu Beginn des Jahres gemessen (Registerdaten). Dies bedeutet, dass der Indikator für das Land zu hoch eingeschätzt wird.

4 :

Datenquelle: Eurostat (Arbeitskräfteerhebung), 2009; MK = ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien.

NB: Die Daten für die folgenden Länder sind aufgrund des geringen Stichprobenumfangs nur eingeschränkt zuverlässig: ISCED-Level 1: Tschechische Republik, Slowenien, Slowakei, Lettland und die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien; ISCED-Level 2: Kroatien, Slowenien und Luxemburg; ISCED-Level 3C: Irland, Zypern und Luxemburg.

5 :

Datenquelle: Eurostat (Arbeitskräfteerhebung), 2009. MK = ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien.

NB: Die Daten für Slowenien, Kroatien, Estland und Luxemburg sind für beide Kategorien nicht zuverlässig und für Litauen und die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien nur für die Kategorie „employed“ (beschäftigt).

6 :

Datenquelle: Eurostat, AKE. MK = ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien.

Die Daten für Dänemark, Estland, Luxemburg, Ungarn, Malta, Rumänien, Slowakei, Slowenien, die Tschechische Republik, Kroatien, Island und die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien sind aufgrund des geringen Stichprobenumfangs nur eingeschränkt zuverlässig. Migranten umfassen Nicht-Staatsbürger und Menschen, die im Ausland geboren wurden.


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