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MEMO/11/375

Brüssel, 6. Juni 2011

Programm Erasmus 2009/10: Was steht hinter den Zahlen?

Die Europäische Kommission veröffentlicht heute neue Angaben zu Studierenden und Hochschulmitarbeitern, die im akademischen Jahr 2009/2010 am Programm Erasmus teilgenommen haben. So erhielten 213 266 Studierende aus Europa und 37 776 Personen, die in der Hochschulbildung tätig sind, eine Erasmus-Finanzhilfe für Studienaufenthalte, Praktika, Lehr- oder Ausbildungsaufenthalte im Ausland. Die vorliegende Mitteilung enthält Informationen zu Erasmus für diesen Zeitraum sowie eine Aufschlüsselung der Zahlen nach einzelnen Ländern.

Studierende können dank Erasmus drei bis zwölf Monate in einem anderen europäischen Land verbringen und dort entweder studieren oder ein Praktikum in einem Unternehmen oder einer Organisation absolvieren. Diese Möglichkeit steht allen Studierenden offen, die an einer Hochschule der 33 Teilnehmerstaaten (EU-Mitgliedstaaten, Kroatien, Island, Liechtenstein, Norwegen und die Türkei sowie ab diesem Sommer die Schweiz) eingeschrieben sind. Studierende, die berufliche Kurzstudiengänge verfolgen, können das Programm ebenfalls nutzen.

Erstmals mehr als 200 000 Erasmus-Studierende

Seit der Einführung des Programms wächst die Anzahl der Studierenden, die ein Erasmus-Stipendium erhalten, und im akademischen Jahr 2009/2010 wurde erstmals die Marke von 200 000 Teilnehmern überschritten.

Abb. 1: Anzahl der Erasmus-Studierenden pro Jahr 1987/88 – 2009/10

Die Zahl von 213 266 Studierenden, die 2009/2010 für einen Studienaufenthalt oder ein Praktikum ins Ausland gingen, bedeutet im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um 7,4 % (2008/09 lag ein Zuwachs um 8,7 % vor).

In allen Ländern ist die Anzahl der Erasmus-Studierenden angestiegen, mit Ausnahme Norwegens (-3,8 %) und der Tschechischen Republik und Portugals (unverändert). Der höchste Anstieg an Erasmus-Studierenden, die das Land verließen, wurde in Zypern (38 %), gefolgt von Malta und Estland (25 % bzw. 24 %), festgestellt. In 16 Ländern lag der Zuwachs über 7 %.

Die meisten Studierenden kamen aus Spanien (31 158), gefolgt von Frankreich (30 213) und Deutschland (28 854). Spanien war zugleich mit 35 389 ausländischen Studierenden das beliebteste Gastland, woran sich Frankreich (26 141) und das Vereinigte Königreich (22 650) anschlossen.

Wie im vorangegangenen Jahr entsandten die Mehrzahl der Länder mehr Studierende, als sie aufnahmen. Die skandinavischen Länder, das Vereinigte Königreich und Irland sind hingegen „Nettoimporteure“ von Erasmus-Studierenden. So nahm das Vereinigte Königreich doppelt so viele Studierende (22 700) auf, wie es ins Ausland schickte (11 723). Das größte Gleichgewicht zwischen aufgenommenen und entsandten Studierenden wurde in Österreich, gefolgt von Griechenland und Slowenien, verzeichnet.

2 852 Hochschuleinrichtungen schickten Studierende für eine Mobilitätserfahrung ins Ausland, was einen Zuwachs von 7,3 % im Vergleich zum Vorjahr darstellt.

Abb. 2: Mobilität der Erasmus-Studierenden: relative Veränderung der Anzahl der Studierenden zwischen 2008/09 und 2009/10 für die einzelnen entsendenden Länder

Das durchschnittliche EU-Stipendium pro Monat nahm im Laufe der Jahre ab: Von 272 EUR im akademischen Jahr 2008/2009 sank es auf 254 EUR 2009/10. Wie die nachstehende Abbildung zeigt, lagen in 10 Ländern die durchschnittlichen EU-Stipendien unter dem europäischen Durchschnitt.

Abb. 3: Erasmus-Studierendenmobilität: durchschnittliche Höhe der EU-Stipendien pro Monat

Im Jahr 2009/10 waren 61 % der Erasmus-Studierenden Frauen. Im gleichen Jahr erhielten 257 Studierende mit besonderen Bedürfnissen (einer Behinderung) eine zusätzliche Unterstützung, um an einem Erasmus-Austausch teilnehmen zu können, was im Jahresvergleich einen Anstieg von 21 % bedeutet.

Erasmus-Studien erfreuen sich steigender Beliebtheit

Von 213 266 Erasmus-Studierenden gingen 177 705 für ein Studium ins Ausland – gegenüber 2008/09 ist das ein Anstieg um 5,7 %. Während die Anzahl der Studierenden, die für ein Studienaufenthalt ins Ausland gingen, in 9 Ländern sank, wurde in 13 Ländern ein überdurchschnittlicher Zuwachs festgestellt. Relativ gesehen lag der höchste Zuwachs in Zypern und in Estland (über 30 %) vor. In Deutschland hat das Interesse an einem Auslandsstudienaufenthalt mit Erasmus 2009/10 (+ 2,7 %) wieder zugenommen, nachdem die Zahlen 2008/09 stagnierten.

Spanien sandte die meisten Studierenden (27 448) aus, gefolgt von Frankreich (24 426) und Deutschland (24 029). Spanien bleibt mit 29 328 Erasmus-Studierenden (+ 4,1 %) ebenfalls das beliebteste Ziel für ein Auslandsstudium. Frankreich (22 033) und Deutschland (17 927) folgen an zweiter und dritter Stelle.

Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften waren die beliebtesten Fächer unter Erasmus-Studierenden (34,6 %), gefolgt von Geisteswissenschaften und Kunst (32,9 %) – mit einem Zuwachs von fast 50 % im Vergleich zu 2008/09 – und Ingenieurwissenschaften, Fertigung und Bauwesen (12,5 %).

Im Durchschnitt gingen Studierende für etwa 6,4 Monate ins Ausland; das Durchschnittsstipendium betrug 236 EUR (Rückgang um 6,7 % im Vergleich zum Vorjahr).

Praktika mit Erasmus zunehmend beliebt

Seit 2007 bietet Erasmus Studierenden die Möglichkeit, im Ausland Arbeitserfahrungen in einem Unternehmen oder einer Organisation zu sammeln. 2009/10 hat sich jeder sechste Erasmus-Studierende (35 561 von 213 266) für diese Option entschieden, was einem Anstieg um 17,3 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

Wie im Vorjahr ist Frankreich das Land, aus dem sich die meisten Studierenden (5 787) für ein Erasmus-Praktikum entschieden, gefolgt von Deutschland (4 825) und Spanien (3 710). Spanien bliebt dabei mit 6 061 Studierenden das beliebteste Zielland für Erasmus-Studierende; an zweiter Stelle liegt das Vereinigte Königreich (5 827) und an dritter Deutschland (4 582).

Die größte Gruppe von Studierenden, die ein Erasmus-Praktikum absolvierten, studierten Geisteswissenschaften und Kunst (31 %), gefolgt von Gesellschafts-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften (27 %) und Gesundheits- und Sozialwissenschaften (10 %).

Ein Erasmus-Praktikum dauerte durchschnittlich 4,2 Monate; Studierende erhielten monatlich im Schnitt ein EU-Stipendium in Höhe von 386 EUR (Rückgang im Vergleich zu 2008/09, wo noch 433 EUR ausgezahlt wurden).

In 13 Teilnehmerländern wurden darüber hinaus Praktika-Konsortien gefördert. Hochschuleinrichtungen schließen sich in deren Rahmen zusammen, um die Organisation von Praktika zu erleichtern. So wurden 15,4 % der Praktika 2009/10 von Praktika-Konsortien arrangiert.

Erasmus-Intensivsprachkurse weiterhin gefragt

Erasmus bietet spezielle Kurse in weniger verbreiteten und seltener gelehrten Sprachen der EU an, um Studierende bei der Vorbereitung auf ihren Studien- oder Praktikumsaufenthalt im Ausland zu unterstützen. Die Kurse werden in den Ländern durchgeführt, in denen diese Sprachen Amtssprachen sind. Nicht angeboten werden diese Kurse für die am häufigsten gelehrten Sprachen wie Englisch, Deutsch, Französisch und Spanisch.

2009/10 wurden 361 Kurse (zum Vergleich: 326 im Vorjahr) in 22 Ländern für insgesamt 5 386 Erasmus-Studierende (Anstieg um 3,4 %) durchgeführt. Die beliebtesten Ziele für einen Sprachkurs waren dabei Italien, Belgien (flämischer Teil) und Portugal. Der Anteil von Studierenden, die im Gastland einen Sprachkurs absolvierten, war in Slowenien mit 20,4 % aller Erasmus-Studierenden am höchsten, gefolgt von Estland (14,6 %) und Island (12,8 %).

Erasmus-Mobilität des Hochschulpersonals (Lehraufenthalte und Personalfortbildung)

Im akademischen Jahr 2009/10 unterstützte Erasmus 37 776 Austauschmaßnahmen für Hochschulpersonal, damit diese Personengruppe im Ausland lehren oder eine Fortbildung absolvieren konnte. Der Zuwachs im Jahresvergleich fiel 3,8 % somit erheblich geringer aus als im Vorjahr (13,6 %).

Zu den Ländern, die am meisten Personal aussandten, gehörte Polen (4 443 Austauschmaßnahmen), gefolgt von Spanien (3 797) und Deutschland (3 385). Bevorzugtes Ziel im Rahmen dieser Mobilitätsform war 2009/10 Deutschland (3 775). Daran schlossen sich Spanien (3 613) und Italien (3 368) an. Der Austausch von Personal war in beiden Richtungen allgemein viel ausgeglichener als der Austausch von Studierenden.

53 % des Personals, die 2009/10 an einem Erasmus-Austausch teilnahmen, waren männlich. Fünf Personen mit besonderen Bedürfnissen erhielten eine zusätzliche Förderung, um an Erasmus teilnehmen zu können. Die Dauer solcher Mobilitätsperioden betrug im Schnitt 5,8 Tage, und die durchschnittliche Förderung lag bei 672 EUR (Rückgang seit 2008/09: 684 EUR).

Insgesamt nahmen 2 154 Hochschuleinrichtungen an den Mobilitätsmaßnahmen für Personal teil – ein Plus von 9 % im Vergleich zum Vorjahr.

Lehraufträge nehmen leicht zu

Erasmus bietet Mitarbeitern von Hochschuleinrichtungen und Unternehmen die Möglichkeit, einen Lehrauftrag – der einen Tag (bzw. mindestens fünf Stunden) bis sechs Wochen dauern kann – an einer Hochschuleinrichtung in einem anderen Land zu absolvieren.

Die Anzahl der Lehrkräfte, die über Erasmus diese Mobilitätsform in Anspruch nehmen, steigt kontinuierlich. Seit ihrer Einführung 1997/98 wurden 250 000 solcher Austauschmaßnahmen gefördert. Von den 37 776 Austauschmaßnahmen, die 2009/10 gefördert wurden, waren 29 031 Lehraufträge (+ 1,5 % zum Vorjahr). 28 862 Lehrkräfte aus Hochschuleinrichtungen nahmen daran teil, gegenüber 259 Personen aus Unternehmen, die eingeladen wurden, an einer Partnereinrichtung zu unterrichten.

Zu den Ländern, die am meisten Personal für einen Lehrauftrag aussandten, gehörte Polen (2 967 Austauschmaßnahmen), gefolgt von Spanien (2 914) und Deutschland (2 850). Wie in den vergangenen Jahren war das beliebteste Ziel für einen Lehrauftrag Deutschland (2 947). An zweiter Stelle folgte Italien (2 698) und an dritter Spanien (2 686).

Die Lehrkräfte folgender Fachgebiete waren besonders mobil: Geisteswissenschaften und Kunst (32 %), Gesellschafts-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften (22 %) und Ingenieurwissenschaften, Fertigung und Bauwesen (14 %). Im Durchschnitt verbrachten Lehrkräfte für einen Lehrauftrag 5,6 Tage im Ausland, die Zahl der gelehrten Stunden lag dabei im Schnitt bei 8,5 pro Austausch.

Personalweiterbildung gewinnt weiter an Popularität

Mit Erasmus können Mitarbeiter von Hochschuleinrichtungen eine Fortbildung in einem Unternehmen oder an einer Hochschule in einem anderen Land absolvieren. Die Fortbildung kann zwischen einer und sechs Wochen dauern.

Die Unterstützung der Mobilität zu Fortbildungszwecken wurde 2007 eingeführt und hat seitdem erheblich an Popularität gewonnen. Von den 37 776 Austauschmaßnahmen, die 2009/10 gefördert wurden, waren 8 745 Fortbildungsaufenthalte, was einem Plus von 12,5% im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Diese Maßnahmen sind gleichermaßen für akademische und nicht akademische Mitarbeiter vorgesehen, d. h. auch für Mitarbeiter aus der Hauptverwaltung und den unterstützenden Diensten.

Polen schickte die meisten Personen auf eine Fortbildung (1 476), gefolgt von Spanien (883) und Finnland (656). Dabei war das Vereinigte Königreich das beliebteste Ziel für eine Fortbildungsmaßnahme (969) vor Spanien (927) und Deutschland (828). Die Fortbildung der Mitarbeiter dauerte im Schnitt 6,3 Tage. An der Fortbildung nahmen mehr Frauen (68 %) als Männer teil, während ihr Anteil bei den Lehraufträgen nur 41 % betrug.

Anzahl der Erasmus-Intensivprogramme steigt weiter

Neben der Mobilität von Einzelpersonen bietet Erasmus Lehrkräften und Studierenden aus verschiedenen Ländern die Möglichkeit, für kurze thematische Studienprogramme zusammenzukommen, die zwischen zehn Tagen und sechs Wochen dauern können. Die EU finanziert die Organisation solcher Intensivprogramme sowie die Reise- und Aufenthaltskosten für die Teilnehmer.

Im akademischen Jahr 2009/10 wurden 384 Erasmus-Intensivprogramme organisiert (im Vergleich zu 319 im Vorjahr). 12 606 Studierende (internationale und nationale Studierende) und 4 378 Lehrkräfte nahmen daran teil (+ 25,3 %).

Die meisten Intensivprogramme wurden mit 47 Kursen in Italien organisiert, woran sich Deutschland und Frankreich mit 37 bzw. 31 Kursen anschlossen. Die beliebtesten Fachbereiche waren dabei Gesellschafts-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften (26%) und Natur- und Ingenieurwissenschaften, Fertigung und Bauwesen (18%). Kurse in den Bereichen Mathematik und Informatik sowie Geisteswissenschaften und Kunst machten jeweils 15 % aus. Die Programme dauerten im Schnitt etwas über 12 Tage.

Wie kann eine Hochschule am Programm Erasmus teilnehmen?

Bevor eine Universität bzw. eine Hochschule in einem der Teilnehmerländer an der Mobilität im Rahmen von Erasmus oder an Kooperationsprojekten teilnehmen kann, muss sie einer Reihe von Grundsätzen und anderen Verpflichtungen zustimmen, die in der Erasmus-Hochschulcharta festgehalten sind. So darf z. B. die Gasteinrichtung keine Studiengebühren von den aufgenommenen Erasmus-Studierenden verlangen, und bei der Rückkehr in ihre Hochschule müssen Studierende erfolgreich absolvierte Kurse oder Praktika vollständig anerkannt bekommen. Ein besonderer Schwerpunkt wird darüber hinaus auf die hohe Qualität aller Mobilitätsmaßnahmen gelegt.

Wie viel gibt die EU im Rahmen von Erasmus aus?

In der laufenden Haushaltsperiode (2007-2013) gibt die EU etwa 3,1 Milliarden EUR für das Programm Erasmus aus. 2009/10 betrug der Gesamthaushalt 460 Mio. EUR, von denen 415 Mio. EUR für Mobilitätsmaßnahmen aufgewendet wurden.

Ein Großteil der Erasmus-Mittel wird von den Agenturen in den Teilnehmerländern verwaltet (Nationale Agenturen des Programms für lebenslanges Lernen). Über 90 % der Mittel werden in die Mobilität von Studierenden und Hochschulpersonal investiert und von den Nationalen Agenturen verwaltet. Darüber hinaus werden über Erasmus multilaterale Projekte und Netze unterstützt, wofür etwa 4 % der Mittel aufgewendet werden. Diese werden zentral von der Exekutivagentur Bildung, Audiovisuelles und Kultur (EACEA) mit Sitz in Brüssel verwaltet.

Der Haushalt für die zukünftige Generation von Programmen ab 2014 ist noch nicht bekannt.

In der nachstehenden Tabelle sind die Gesamtmittel für Erasmus aufgeführt, die pro Jahr für die Mobilität von Studierenden und Hochschulpersonal bzw. sonstigem Personal aufgewendet wurden bzw. werden.

Tabelle 1: Erasmus-Mittel, die dezentral von Nationalen Agenturen verwaltet werden

Jahr

Jährlicher Erasmus-Haushalt für Mobilität von Studierenden und Personal in Mio. EUR

Jährliche Entwicklung

1988

13,00

 

1989

26,84

106,46 %

1990

32,88

22,50 %

1991

43,86

33,39 %

1992

62,88

43,37 %

1993

67,88

7,95 %

1994

72,78

7,22 %

1995

73,46

0,93 %

1996

74,3

1,14 %

1997

70,00

-5,79 %

1998

100,27

43,24 %

1999

100,27

0,00 %

2000

111,79

11,49 %

2001

116,19

3,94 %

2002

121,9

4,91 %

2003

142,53

16,92 %

2004

168,00

17,87 %

2005

200,96

19,62 %

2006

245,75

22,29 %

2007

372,25

51,48 %

2008

416,36

11,85 %

2009

415,25

-0,27 %

2010

435,03

4,76 %

2011

469,64

7,96 %

2012

480,22

2,25 %

2013(*)

489,82

2,00 %

(*) Schätzung

Wie werden die Erasmus-Mittel auf nationaler Ebene zugewiesen?

Folgende Faktoren spielen bei der Vergabe der Gesamtmittel von Erasmus eine Rolle, die für die Mobilität von Studierenden und Hochschulpersonal in den einzelnen Ländern vorgesehen sind:

  • Bevölkerung: Anzahl der Studierenden, Absolventen und Lehrkräfte in der Hochschulbildung (Niveau 5-6 der Internationalen Standardklassifikation für das Bildungswesens, ISCED); Daten nach Eurostat

  • Lebenshaltungskosten und Entfernung zwischen Hauptstädten: Nutzung als Berichtigungsfaktoren, die auf den Faktor Bevölkerung angewendet werden

  • Indikator für bisherige Ergebnisse: Berechnung auf der Grundlage der Anzahl der Studierenden und des Hochschulpersonals, die in der Vergangenheit ausgesandt wurden (Nutzung der neuesten verfügbaren Daten)

Wie können Studierende, Lehrkräfte und andere Hochschulmitarbeiter ein Erasmus-Stipendium beantragen?

Erasmus steht allen Studierenden offen, die an einer Hochschuleinrichtung studieren, die die Erasmus-Hochschulcharta unterzeichnet hat und sich in einem der 33 Teilnehmerländer (27 EU-Mitgliedstaaten, Island, Liechtenstein, Norwegen, Türkei, Kroatien und ab diesem Sommer die Schweiz) befindet.

Der erste Schritt für eine Bewerbung um ein Erasmus-Studium oder -Praktikum und ein Stipendium besteht darin, sich an das Akademische Auslandsamt der Heimathochschule zu wenden und eine Lernvereinbarung für ein Erasmus-Studium bzw. eine Ausbildungsvereinbarung für ein Erasmus-Praktikum auszufüllen. Diese Vereinbarungen müssen sowohl von der Heimathochschule als auch von der Gasthochschule bzw. dem Unternehmen im Ausland unterzeichnet werden.

Die Unterlagen enthalten das Programm, das die Studierenden während ihres Studien- bzw. Praktikumsaufenthalt im Ausland verfolgen werden, und bedürfen der Zustimmung der entsendenden und der aufnehmenden Einrichtung bzw. des aufnehmenden Unternehmens sowie der Studierenden. Auf diese Weise wird die vollständige Anerkennung der Leistungen durch die Heimathochschule garantiert, die während des Erasmus-Aufenthalts erfolgreich erbracht wurden.

Erasmus-Studium: Wer einen Teil seines Studiums im Ausland absolvieren möchte, muss mindestens im zweiten Jahr an einer Hochschuleinrichtung studieren. Die Mehrzahl der europäischen Hochschuleinrichtungen – mehr als 4 000 – beteiligen sich bereits an dem Programm.

Erasmus-Praktika: Studierende können von ihrem ersten Studienjahr bis zu ihrem Abschluss ein Erasmus-Praktikum absolvieren.

Auslandsaufenthalte zu Studienzwecken oder für ein Praktikum können jeweils drei bis zwölf Monate oder zusammen insgesamt 24 Monate dauern. Für Studierende, die berufliche Kurzstudiengänge durchlaufen, beträgt die Mindestdauer für ein Praktikum zwei Monate (seit 2010).

Das Erasmus-Stipendium ist dafür vorgesehen, die zusätzlichen Lebenshaltungskosten im Ausland sowie Reisekosten zu decken. Studiengebühren für die Gasteinrichtung sind von Erasmus-Studieren nicht zu entrichten.

Erasmus für Hochschulpersonal: Mit Erasmus können Lehrkräfte aus Hochschuleinrichtungen und Angestellte aus Privatunternehmen ins Ausland gehen und dort zwischen einem Tag und sechs Wochen unterrichten. Ebenso können akademische und nicht akademische Hochschulmitarbeiter eine Fortbildung im Ausland von fünf Tagen bis zu sechs Wochen absolvieren. Das Antragsverfahren für Lehraufträge und Fortbildungen gleicht dem für Studierende, wobei Lehrkräfte jedoch ein Lehrprogramm bei ihrer Heimathochschule bzw. bei ihrem Unternehmen einreichen müssen, das auch von der aufnehmenden Einrichtung zu genehmigen ist. Ebenso muss Hochschulpersonal, das ein Erasmus-Stipendium für eine Fortbildung erhalten möchte, für das Fortbildungsprogramm die Zustimmung der Heimat- und der Gasteinrichtung bzw. des Unternehmens einholen.

Weitere Informationen zu der Frage, wer sich für ein Erasmus-Stipendium bewerben kann und zum Antragsverfahren finden sich unter http://ec.europa.eu/education/lifelong-learning-programme/doc80_de.htm.

Wie wird der monatliche Betrag des EU-Stipendiums bestimmt?

In allen Ländern vergeben die Nationalen Agenturen die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel an Hochschuleinrichtungen. Die Agentur kann darüber entscheiden, ob sie höhere Stipendien an weniger Studierende (wie dies z. B. in Bulgarien, Zypern und der Türkei der Fall ist) oder geringere Stipendien an mehr Studierende vergibt (z. B. in Frankreich und Italien). Dabei muss sie jedoch die von der Europäischen Kommission für jedes Gastland festgelegten Höchstsätze für Stipendien beachten (siehe Tabelle 1b „Erasmus – Aufenthaltskosten für Studierendenmobilität – Höchstsätze per Gastland“: http://ec.europa.eu/education/llp/doc/call11/part1_de.pdf).

Die Nationale Agentur vergibt Mittel an die antragstellenden Einrichtungen auf der Grundlage bestimmter Faktoren, wie die beantragten Mittel und die Erfolge in der Vergangenheit. Die Einrichtung kann dann über den genauen monatlichen Betrag des Stipendiums entscheiden, das an die Studierenden ausgezahlt wird (bzw. über den Wochen- oder Tagessatz für Hochschulpersonal), muss dabei aber den von der Nationalen Agentur festgelegten Rahmen beachten. Dieser variiert von Land zu Land.

Der monatliche Betrag hängt vom Gastland und der Mobilitätsart ab. So besteht z. B. die Tendenz, höhere Stipendien für Praktika im Ausland als für Studienaufenthalte zu vergeben.

Darüber hinaus gibt es verschiedene Kofinanzierungsarten, die nicht auf die EU, sondern auf nationale, regionale und nationale Quellen zurückgehen. Diese können das Erasmus-Stipendium der Europäischen Union ergänzen.

2009/10 reichte das monatliche EU-Stipendium von 145 EUR für Studierende aus Kroatien bis 861 EUR für Studierende aus Liechtenstein, wobei das Stipendium für alle Länder im Schnitt 254 EUR betrug.

Was ist Erasmus Mundus?

Bei Erasmus Mundus handelt es sich um ein verwandtes Programm, das jedoch vom ursprünglichen Programm Erasmus unabhängig ist. Seitdem es 2004 auf den Weg gebracht wurde, haben mehr als 23 000 Studierende aus anderen Teilen der Welt einen Studienaufenthalt an einer europäischen Hochschuleinrichtung absolviert. Mit einem Haushalt von jährlich über 214 Mio. EUR (Haushalt 2010) besteht das Hauptziel von Erasmus Mundus darin, akademische Spitzenleistung sowie die Zusammenarbeit mit Ländern außerhalb der EU zu fördern und die Attraktivität der europäischen Hochschulbildung zu erhöhen. Wie auch das Programm Erasmus bietet Erasmus Mundus finanzielle Unterstützung für Einrichtungen und Stipendien für Einzelpersonen im Rahmen von:

  • gemeinsamen europäischen Master- und Doktoratsstudiengängen (einschließlich Stipendien)

  • Partnerschaften mit Hochschuleinrichtungen außerhalb Europas und Stipendien für Studierende und Akademiker

  • Projekten zur Förderung der europäischen Hochschulbildung weltweit

Weitere Informationen: http://eacea.ec.europa.eu/erasmus_mundus

Warum trägt das Programm den Namen Erasmus?

Das Programm verdankt seinen Namen dem Philosophen, Theologen und Humanisten Desiderius Erasmus von Rotterdam (1466-1536). Der zu Zeiten der Reformation lebende Erasmus war ein unermüdlicher Kämpfer gegen Dogmatismus.

Getrieben von der Suche nach neuen Erkenntnissen, Erfahrungen und Einblicken, die nur durch den unmittelbaren Kontakt zu anderen Ländern gewonnnen werden können, lebte und arbeitete Erasmus in verschiedenen Teilen Europas. Er vermachte sein Vermögen der Universität von Basel und wurde damit zu einem frühen Förderer von Mobilitätserfahrungen. ERASMUS kann auch aus Akronym für „European Community Action Scheme for the Mobility of University Students“ verstanden werden.

Weitere Informationen: Siehe auch IP/11/675.


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