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Das Umweltmanagement- und Umweltbetriebsprüfungssystem (EMAS) in der Kommission: Fragen und Antworten

European Commission - MEMO/09/410   23/09/2009

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MEMO/09/410

Brüssel, im 23 September 2009

Das Umweltmanagement- und Umweltbetriebsprüfungssystem (EMAS) in der Kommission: Fragen und Antworten

Was ist EMAS?

Bei EMAS (Umweltmanagement- und Umweltbetriebsprüfungssystem) handelt es sich um ein System für das Umweltmanagement am Arbeitsplatz. Es umfasst Instrumente zur Bewertung, Berichterstattung und Verbesserung der Umweltleistung. Die durch Verordnung Nr. 761/2001 umgesetzte Regelung beinhaltet die internationale ISO-Norm 14001 „Umweltmanagement“. Darüber hinaus ist durch externe Begutachtung regelmäßiger Umwelterklärungen folgendes nachzuweisen: Einhaltung der Rechtsvorschriften (Umweltschutzvorschriften und ‑regelungen auf lokaler, nationaler und EU-Ebene), ständige Verbesserungen (d.h. Maßnahmen zur Verwaltung und Verringerung der Umweltbelastung), Einbeziehung aller Mitarbeiter sowie öffentliche Berichterstattung durch Veröffentlichung der „Umwelterklärung“. Aufgrund der Verpflichtung zur Einhaltung der Rechtsvorschriften ist EMAS standortsspezifisch. Die Zertifizierungsstellen befinden sich in den Mitgliedstaaten. EMAS ist das strengste internationale Umwelt-Zertifizierungsverfahren: die Veröffentlichung regelmäßiger Erklärungen, die von unabhängigen Prüfern begutachtet werden, sorgt für Transparenz. Ferner erfordert das System eine aktive Kommunikation sowohl mit den Mitarbeitern als auch extern. Die Mitarbeiter erhalten eine EMAS-Schulung. Ihr Engagement ist entscheidend für den Erfolg des Systems.

Seit wann wird EMAS in der Kommission angewendet?

Nach der Ausweitung des EMAS-Systems auf öffentliche und private Organisationen im Jahr 2001 hat die Europäische Kommission beschlossen, EMAS schrittweise auf das gesamte Organ anzuwenden. Hierbei handelte es sich um eine natürliche Weiterentwicklung des Konzepts der „grünen Verwaltung“, das 1997 von Mitarbeitern eingeführt wurde. EMAS wurde 2002 im Rahmen eines Pilotprojekts in vier Brüsseler Abteilungen (Generalsekretariat, GD Personal und Verwaltung, GD Umwelt sowie Amt für Infrastruktur und Logistik in Brüssel) erstmals angewendet. Das erste EMAS-Zertifikat wurde diesen Abteilungen im Dezember 2005 verliehen und galt ursprünglich für acht Gebäude. Mittlerweile wurde das Pilotprojekt in fünf Abteilungen (die GD Informatik kam hinzu) mit insgesamt 23 Gebäude (bzw. 45 % der Bürofläche der Kommission in Brüssel) erfolgreich abgeschlossen. Aufgrund dieses Pilotprojekts stehen durch die Erweiterung des EMAS-Anwendungsbereichs nunmehr Erfahrungen und bewährte Verfahren für andere Abteilungen zur Verfügung.

Was bedeutet die Ausweitung von EMAS auf die gesamte Kommission in Brüssel und Luxemburg?

Die im September 2001 getroffene Entscheidung, EMAS innerhalb des gesamten Organs anzuwenden, bedeutete, dass die Umsetzung mit einer Pilotphase starten und nach einer Bewertung auf alle Dienststellen der Kommission ausgeweitet würde.

Im Oktober 2008 bestätigte der EMAS-Lenkungsausschuss (dem die Leiter der teilnehmenden Dienststellen angehören) den erfolgreichen Abschluss dieser Pilotphase und empfahl, EMAS auf alle Direktionen und Gebäude der Kommission, nicht nur in Brüssel, sondern auch in Luxemburg, auszuweiten.

Alle Direktionen und Gebäude der Kommission in Brüssel und Luxemburg sind hiervon betroffen. Es geht um 35 000 Mitarbeiter, über 70 Gebäude und eine Gesamtfläche von 1,2 Mio. m 2 . Die Aktivitäten der Exekutivagenturen und der GFS (Gemeinsame Forschungsstelle) fallen momentan nicht in den EMAS-Anwendungsbereich.

Die offizielle Registrierung durch die zuständigen Behörden der Mitgliedstaaten soll 2012 für alle Kommissionstätigkeiten und 2014 für alle Gebäude in Brüssel erfolgen. Ferner wird ein globaler Registrierungsplan zur schrittweisen Einbeziehung der Kommissionsgebäude in Luxemburg vorgelegt.

Wie funktioniert EMAS in der Praxis?

Wie andere Management-Systeme basiert auch EMAS auf einem Regelkreis „Zielsetzung (‚plan‘) – Umsetzung von Maßnahmen (‚do‘) – Überprüfung (‚check‘) – Bewertung (‚act‘)“.

  • Eine erste Umweltprüfung definiert erhebliche Auswirkungen und bildet für das Management die Grundlage zur Festlegung einer Umweltpolitik für die Organisation. Diese Politik führt zu einzelnen Aktionsplänen.

  • Die Umsetzung der Aktionspläne geht einher mit Schulungs- und Sensibilisierungsmaßnahmen für alle Bediensteten.

  • Kontinuierliche Fortschritte und Verbesserungen werden durch interne Evaluierungen ausgewertet. Die entsprechende Berichterstattung erfolgt bei regelmäßigen Bewertungen durch die oberste Leitung.

  • Eine Umwelterklärung wird erstellt und durch unabhängige Prüfer begutachtet. Bei Genehmigung wird die Organisation erstmalig von den zuständigen Behörden des Mitgliedstaats registriert, anschließend bei jeder Jahreserklärung.

Die EMAS-Aktivitäten werden in die Standard-Aktionspläne der Kommission aufgenommen. Die Mitarbeiter erledigen ihre normale Arbeit, werden aber so geschult, dass sie EMAS insbesondere bei der Planung und Berichterstattung berücksichtigen.

Welche Fortschritte gab es seit der Einführung von EMAS bei der Kommission?

Da die Europäische Kommission bereits seit 1997 über ein Umweltmanagementsystem verfügte, fielen die EMAS-Bemühungen auf fruchtbaren Boden. Dank des Systems gab es eine Reihe von Erfolgen bei der Verringerung der Umweltbelastung durch die täglichen Aktivitäten der Kommission: a) Verringerung der CO 2 -Emissionen, b) effiziente Nutzung der natürlichen Ressourcen, c) Abfallvermeidung, Abfallverwertung und Wiederverwendung sowie d) Nachhaltigkeit in Produktion und Verbrauch.

Im Folgenden einige konkrete Beispiele für Brüssel:

Gebäude

Zu Vergleichszwecken werden ausschließlich die 23  Gebäude berücksichtigt, die gegenwärtig von EMAS in Brüssel erfasst werden.

Einsparungen pro Person seit 2002 in 19 Bürogebäuden:

  • 7  % weniger CO 2 -Emissionen je m² (= -5 kg/m²)

  • 14 % weniger Stromverbrauch je m² (= -23 kWh/m²)

  • 23 % weniger Wasserverbrauch je m² (= -132 l/m²)

Einsparungen im Berlaymont-Gebäude allein seit 2005

  • 26 % weniger CO 2 -Emissionen je m² (Einsparung: 3 710 Tonnen)

  • 21 % weniger Strom- und Gasverbrauch (Einsparung: 12 477 MWh)

Ab August 2009 bezieht die Kommission für Starkstrom zu 100 % Ökostrom, was 95 % ihres gesamten Strombedarfs für die Brüsseler Büros entspricht.

Verkehr

In enger Zusammenarbeit mit der Region Brüssel hat die Kommission in den letzten Jahren Initiativen zur Nutzung öffentlicher und anderer umweltfreundlicher Verkehrsmittel, insbesondere Fahrräder, unterstützt. Ein Mobilitätsplan für das Kommmissionspersonal in Brüssel existiert seit 2006, auch wenn verschiedene Maßnahmen dieser Art bereits seit 1999 ergriffen wurden.

Eine Studie von 2008 über die tägliche Fahrt der Kommissionsbediensteten zum Arbeitsplatz in Brüssel bestätigte die positive Wirkung der Kommissionsmaßnahmen zur Förderung nachhaltiger Verkehrsmittel.

Die wichtigsten Ergebnisse (Zeitraum 1998-2008):

  • Nutzung des Privatfahrzeugs von 50 % auf 29 % zurückgegangen

  • Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel von 32 % auf 50 % gestiegen

  • Zufußgehen und Fahrradfahren von 17 % auf 18 % gestiegen

Mehr als ein Drittel der Befragten erklärte, dass die von der Kommission zur Verfügung gestellten Mittel eine Veränderung ihrer Gewohnheiten bewirkt hätten.

Die Kommission verfügt über rund 300 Dienstfahrräder, die 2008 für mehr als 26 000 Fahrten genutzt wurden - ein Anstieg von 12 % gegenüber dem Vorjahr. Einrichtungen für Radfahrer wie Fahrradständer oder Umkleideräume und Duschen werden zunehmend ausgebaut. Aufgrund ihrer Bemühungen erhielt die Europäische Kommission 2008 von der Stadt Brüssel den „Prix du parking d’or“.

Zur Förderung des öffentlichen Nahverkehrs subventioniert die Kommission seit 1997 zwei Buslinien in Brüssel, bietet ihren Mitarbeitern in Luxemburg seit 2008 kostenlose Busfahrkarten und erstattet in Brüssel Dienstreisen mit Metro und Straßenbahn.

Aufgrund des internationalen Charakters der Arbeit der Kommission ist eine gewisse Anzahl von Dienstreisen unvermeidlich. Gleichwohl wird an allen Standorten der Kommission zunehmend von Video- und Telekonferenzen Gebrauch gemacht, was eine kostengünstige und energieeffiziente Alternative zur Dienstreise darstellt.

Abfallreduzierung

Die Abfallwirtschaft in der Europäischen Kommission umfasst 15 verschiedene Abfallströme, von Papier bis hin zu Speiseöl aus den Küchen. 2008 lag das Abfallaufkommen bei 294 kg/Person gegenüber 331 kg im Jahr 2002. Trotz einer Personalaufstockung um 34 % in diesem Zeitraum ist die Gesamtabfallmenge nur um 20 % (= 7 328 Tonnen im Jahr 2008 für die gesamte Kommission) gestiegen.

54 % aller gesammelten Abfälle werden recycelt. Papier wird zu 95 %, Tonerkartuschen zu 64 % recycelt. Über 60 % ausgemusterter Computer-Ausrüstungen werden an gemeinnützige Einrichtungen zur Weiterverwendung oder Wiederaufbereitung gespendet.

Papier

Der Verbrauch an Büropapier - Ökolabel-Recyclingpapier - ist seit 2003 von 88 Blatt/Tag/Person um 41 % auf 51 Blatt zurückgegangen (= Einsparung von 435 Tonnen/Jahr), insbesondere dank eines zunehmend beidseitigen Druckens und Kopierens sowie aufgrund von Sensibilisierungsk ampagnen bei den Bediensteten.

Große Anstrengungen wurden auch zur Verringerung der Menge des in der Druckerei verwendeten Offset-Papiers unternommen - insbesondere durch eine strengere Kontrolle der Farbkopierer und die Verwendung von dünnerem Papier. Der Verbrauch sank zwischen 2008 und 2002 um 48 % (eine Einsparung von 343 Tonnen Papier pro Jahr).

Nachhaltiger Verbrauch

Informations- und Kommunikationstechnologie ist ein weiterer Bereich, in dem die Umsetzung des EMAS-Systems zu bedeutenden und wiederkehrenden Einsparungen geführt hat. Möglich wird dies durch ein umweltfreundliches Beschaffungswesen, das bei der technischen und finanziellen Auswahl von Hardware ökologische Kriterien berücksichtigt. Ein anschauliches Beispiel hierfür ist der Kauf von Desktop-PCs: als die Kommission im Jahr 2007 Umweltkriterien zu Grunde legte, war das ausgewählte PC-Modell sowohl billiger als auch leistungsfähiger als die drei vorherigen Lose und verbrauchte obendrein weniger Energie als die im Jahr 2003 erworbenen PCs.

Stetige Fortschritte sind auch im Bereich der Bürokommunikation zu verzeichnen. Hier wurden umweltfreundlichere Geräte ausgewählt und den IT-Nutzern für ihre tägliche Arbeit zur Verfügung gestellt. Beispielsweise werden Geräte auf Papierbasis schrittweise durch vernetzte Multifunktionskopierer/-drucker/-scanner ersetzt, die automatisch doppelseitig ausdrucken. Ein weiteres Beispiel sind die Tätigkeitsüberwachung und der Einsatz von Desktop-PCs und Druckern, um ihren Energieverbrauch zu optimieren.

Alle Hardware-Verträge der GD Informatik beinhalten Umwelt-Kriterien.

Gibt es Probleme bei der Anwendung von EMAS in der Kommission?

B ei der Verwaltung von über 70 Gebäuden unterschiedlichen Alters, von denen mehr als 25 % angemietet sind, gibt es angesichts der Vielzahl der technischen Anlagen keine einheitliche Lösung für den Wartungsdienst. Ein Gebäude mit Mischnutzung wie das Berlaymont ist ein Sonderfall, der nicht mit anderen Gebäuden vergleichbar ist. Die Kommission kann sich nicht damit befassen, wie die Mitarbeiter zur Arbeit bzw. nach Hause kommen oder ihre Kinder zur Schule bringen. Im Zentrum einer europäischen Großstadt kommt es zwangsläufig zu Verkehrsproblemen.

Wird EMAS auch in anderen Europäischen Organen oder Gremien angewendet?

Der es sich bei EMAS um ein europaweites System handelt, sind viele verschiedene Organisationen beteiligt. Die EMAS-Registrierung erfolgte beispielsweise 2004 für die Europäische Umweltagentur in Kopenhagen und 2007 für die drei Standorte des Europäischen Parlaments in Brüssel, Luxemburg und Straßburg. Der Ausschuss der Regionen sowie der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss wenden EMAS ebenfalls an und werden voraussichtlich im Jahr 2010 registriert.

Die Umwelterklärungen aller Organisationen finden sich auf der EMAS-Webseite:

http://ec.europa.eu/environment/emas/index_en.htm (unter Tools | environmental statement library | section 99)


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