MEMO/08/696
Brüssel, den 13. November 2008
Aktualisierung des Nuklearprogramms der
Kommission
Die Europäische Kommission hat ein umfassendes
Energiepaket verabschiedet, das der Energiesicherheit in Europa neuen Auftrieb
gibt. Eine der vorgeschlagenen Schlüsselaktionen ist die Ankurbelung von
Investitionen in eine effizientere Energieinfrastruktur, die einen geringen
CO2-Ausstoß hat. Als Teil des
Energiepakets hat die Kommission ihr Nuklearprogramm
(PINC)[1] aktualisiert: Sie
schlägt vor, dass künftig beim Bau neuer Reaktoren die modernste
Technologie zum Einsatz kommt, die höchsten Standards der nuklearen
Sicherheit eingehalten werden sowie die gegenwärtig unterschiedlichen
Genehmigungsauflagen und -verfahren in den Mitgliedstaaten angeglichen werden.
Die Kernenergie spielt eine wichtige Rolle beim Übergang zu einer
Wirtschaft, die nur geringe CO2-Emissionen verursacht. Außerdem
reduziert sie die Abhängigkeit der EU von auswärtiger Versorgung. Die
Entscheidung, ob Kernenergie Teil des Energiemix sein soll, liegt bei den
Mitgliedstaaten. Allerdings ist zu bedenken, dass nahezu zwei Drittel der
Elektrizitätserzeugung der EU ab 2020 mit geringen
CO2-Emissionen erfolgen könnte, falls rasch strategische
Investitionsentscheidungen über die Stromerzeugungskapazitäten im
Bereich der Kernenergie wie auch der erneuerbaren Energieträger
gefällt werden.
Jedem Mitgliedstaat ist die Entscheidung überlassen, ob er Kernenergie
zur Stromerzeugung nutzt. Mit 148 Reaktoren, die auf 15 EU-Mitgliedstaaten
verteilt sind, deckt die Kernkraft rund ein Drittel der
Elektrizitätsnachfrage in Europa. Bulgarien, Finnland, Frankreich und die
Slowakei haben inzwischen den Bau neuer bzw. den Ersatz bereits vorhandener
Kernkraftwerke beschlossen. Verbindliche Pläne gibt es in Rumänien,
dem Vereinigten Königreich und anderen EU-Ländern, darunter die
Tschechische Republik, Italien und die Niederlande. Auch Litauen, Estland,
Lettland und Polen erwägen den Bau neuer Kernkraftwerke.
Allerdings wird der Anteil des nuklear erzeugten Stroms spürbar
zurückgehen, sollte die in einigen Mitgliedstaaten geplante Abschaltung von
Kernreaktoren Realität werden.
Das aktualisierte Nuklearprogramm geht auf zentrale Fragen ein, die der
Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss, das Europäische
Parlament und das Europäische Kernenergieforum in jüngster Zeit
aufgeworfen haben.
Hierzu gehören folgende Aspekte:
- Verbindung zwischen Kernenergie und Versorgungssicherheit mit besonderem
Schwerpunkt auf dem Investitionsbedarf (Erneuerung/Betriebszeitverlängerung
alternder Kraftwerke) und Sicherheit der Versorgung mit Kernbrennstoffen;
- Rolle der Behörden, innerhalb der EU mit Schwerpunkt auf nuklearer
Sicherheit und Abfallentsorgung (außerhalb der EU auf
Sicherung/Nichtverbreitung);
- Bedeutung der Akzeptanz der Kernenergie in der Öffentlichkeit und
Faktoren, die sie beeinflussen.
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[1] Mitteilung der
Kommission an den Rat und das Europäische Parlament: „Hinweisendes
Nuklearprogramm“ - KOM(2007) 565 vom 4.10.2007