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MEMO/07/429

Brüssel, den 25. Oktober 2007

Entwicklungspläne für den ländlichen Raum in Deutschland: drei Bundesländer

Kennzahlen

Fläche: 357 000 km².

Einwohner: 82,31 Millionen (Bevölkerungsdichte: 231 Einwohner/km²).

Pro-Kopf-BIP: 23 702 EUR (2003; Quelle: Nationaler Strategieplan für die Entwicklung ländlicher Räume)

80 % des deutschen Staatsgebiets entfallen auf ländliche Räume, in denen rund 40 % der Einwohner leben. Die Situation in Deutschland ist gekennzeichnet durch große regionale Unterschiede, etwa bei der Bevölkerungsdichte, der Größe der landwirtschaftlichen Betriebe, den Einkommen und der Arbeitslosenquote.

Insgesamt werden 19,1 Mio. ha, das sind mehr als 53 % der Gesamtfläche Deutschlands, landwirtschaftlich genutzt, von denen 9,4 Mio. ha als benachteiligte Gebiete eingestuft sind. 11 Mio. ha (33 %) sind mit Wald bedeckt, etwa 47 % davon sind Privatwald.

In der deutschen Landwirtschaft sind in rund 400 000 Betrieben rund 1,3 Millionen Menschen beschäftigt (das entspricht rund 590 000 Vollarbeitskräften). Ein hoher Anteil der Betriebe (53 %) wird im Nebenerwerb bewirtschaftet. Die durchschnittliche Betriebsgröße liegt bei 43 ha, wobei sich große Betriebe (die hauptsächlich von juristischen Personen bewirtschaftet werden) vor allem in den neuen Bundesländern (Ostdeutschland) und in Nordwestdeutschland finden, während in Süddeutschland verhältnismäßig kleine Betriebe vorherrschend sind. Der Produktionswert der deutschen Landwirtschaft beträgt rund 43 Mrd. EUR. Nimmt man die Forstwirtschaft (über 3 Mrd. EUR) und die Fischerei/Fischzucht (rund 0,4 Mrd. EUR) hinzu, sind es rund 47 Mrd. EUR. Damit beläuft sich der Anteil der Landwirtschaft an der Bruttowertschöpfung in Deutschland auf rund 1,0 % (Anteil der Ernährungswirtschaft: 4,6 %).

Obwohl die berufliche Qualifikation der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte besser ist und ihre Produktivität über dem Durchschnitt der EU-27 liegt und obwohl Deutschland auch bei den außerlandwirtschaftlichen Tätigkeiten einen der vorderen Plätze einnimmt, besteht weiterhin ein hoher Bedarf an gezielten Investitionen innerhalb der Landwirtschaft.

Ein wichtiges Plus ist die Vielfalt der natürlichen Ressourcen und Landschaften (von der Nord- und Ostsee bis zu den Alpen). 13,5 % des Bundesgebiets wurde als Natura 2000-Schutzgebiet ausgewiesen, und die Erhaltung der Biodiversität wird von vielen Bürgern als vorrangiges Ziel gesehen.

Die Arbeitslosenquote liegt in den ländlichen Gebieten über dem Bundesdurchschnitt, und die Zahl der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft ist rückläufig. Deshalb wird neben der Sicherstellung der Grundversorgung mit Gütern und Dienstleistungen und den Maßnahmen zur Erhaltung des ländlichen Natur- und Kulturerbes verstärkt auf eine Diversifizierung der wirtschaftlichen Tätigkeit und auf die Schaffung neuer Beschäftigungsmöglichkeiten gesetzt. In diesem Zusammenhang bieten die Förderung des Fremdenverkehrs und die Nutzung erneuerbarer Energiequellen große Zukunftschancen.

Dem Profil entsprechende Strategie

Aufgrund ihrer föderalen Struktur setzt die Bundesrepublik Deutschland ihre Politik für die Entwicklung der ländlichen Räume in Form von Entwicklungsprogrammen der einzelnen Bundesländer um. Dementsprechend sind den Kommissionsdienststellen 14 Länderprogramme (Brandenburg/Berlin und Niedersachsen/Bremen haben gemeinsame Programme vorgelegt) und ein Programm für das nationale Netzwerk zur Genehmigung vorgelegt worden.

Deutschland hat außerdem eine nationale Rahmenregelung vorgelegt, die von der Europäischen Kommission Anfang September genehmigt wurde. Die nationale Rahmenregelung enthält eine Reihe von Maßnahmen und Aktionen im Einklang mit der ELER-Verordnung, die unter Gewährung eines nationalen finanziellen Anreizes in die Länderprogramme aufgenommen werden können. Die Genehmigung dieses Dokuments durch die Kommission war eine Voraussetzung für die Genehmigung der Entwicklungsprogramme der Bundesländer.

Fördermittel für Deutschland

Insgesamt: 13 207 160 695 EUR, davon ELER-Beteiligung[1]: 8 112 517 055 EUR (Konvergenzregionen: 3 174 037 771 EUR).

Baden-Württemberg

Merkmale der Region

  • Baden-Württemberg liegt im Südwesten Deutschlands und ist mit einer Fläche von 35,752 km2 drittgrößtes deutsches Bundesland;
  • in den 1 110 baden-württembergischen Gemeinden, von denen 80 % als ländliche Gebiete gelten, leben 10,7 Mio. Einwohner;
  • Baden-Württemberg ist eines der wirtschaftlich stärksten deutschen Bundesländer mit einem Pro-Kopf-BIP von 126,1 (EU-25: 100, Deutschland insgesamt: 110,1);
  • die Arbeitslosenquote beträgt 6,8 % (Deutschland insgesamt: 11,2 % (Daten des nationalen Strategieplans für 2003; aktuelle Zahl: 9 %));
  • insgesamt werden beinahe 85 % der Fläche Baden-Württembergs land- oder forstwirtschaftlich genutzt; etwa 1,66 Mio. ha sind landwirtschaftliche Nutzfläche;
  • 63 % der landwirtschaftlichen Fläche ist als benachteiligtes Gebiet eingestuft (Bundesdurchschnitt: 49 %);
  • mit einer forstwirtschaftlichen Fläche von 1,39 Mio. ha (beinahe 40 % seiner Gesamtfläche) steht Baden-Württemberg bundesweit an zweiter Stelle und ist damit eines der am dichtesten bewaldeten deutschen Bundesländer;
  • Land- und Forstwirtschaft tragen mit 0,8 % zur volkswirtschaftlichen Bruttowertschöpfung des Bundeslands bei (Zahl von 2004);
  • in Baden-Württemberg arbeiten etwa 60 600 landwirtschaftliche Betriebe (Zahl von 2005);
  • zwar hat die durchschnittliche Betriebsgröße ständig zugenommen, sie liegt aber mit 23,9 ha landwirtschaftlicher Fläche noch deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 43 ha;
  • die Lebensmittelindustrie in Baden-Württemberg ist durch zumeist kleine und mittlere Betriebe gekennzeichnet, Großbetriebe finden sich nur in der Milchwirtschaft.

Die gewählte Strategie

Entsprechend den strategischen Leitlinien der EU und dem nationalen Strategieplan der Bundesrepublik Deutschland zielt dieses Programm darauf ab,

  • zur Sicherung bestehender und zur Schaffung neuer Arbeitsplätze beizutragen
  • und dabei Umwelterwägungen zu berücksichtigen,
  • indem die Wettbewerbsfähigkeit und Wertschöpfung in der Land- und Forstwirtschaft sowie im ländlichen Raum verbessert werden.

Die nachhaltige integrierte Entwicklung des ländlichen Raums wird auf lokale Zielsetzungen und Erfordernisse abgestimmt und trägt gleichzeitig dazu bei, Entwicklungsunterschiede in den verschiedenen Teilen Baden-Württembergs auszugleichen. Der Land- und Forstwirtschaft kommt dabei aufgrund ihrer vielfältigen Funktionen bei der sozioökonomischen Entwicklung und der vollständigen Erschließung des Wachstums- und Entwicklungspotenzials im ländlichen Raum eine Schlüsselstellung zu.

Finanzplan nach Schwerpunkten (in EUR für den gesamten Zeitraum): Gesamtbetrag

Schwerpunkt
Öffentliche Ausgaben insgesamt
Anteil des ELER an den öffentlichen Ausgaben
Beitrag des ELER
Schwerpunkt 1
207 172 000
50,00
103 586 000
Schwerpunkt 2
829 493 616
47,00
389 862 000
Schwerpunkt 3
159 994 000
50,00
79 997 000
Schwerpunkt 4
56 700 000
55,00
31 185 000
Technische Hilfe
12 214 040
50,00
6 107 020
Insgesamt
1 265 573 657
48,26
610 737 020

Allgemeines Ziel des Programms zur Förderung der ländlichen Entwicklung in Baden-Württemberg

  • Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und Wertschöpfung in der Land- und Forstwirtschaft sowie im ländlichen Raum,
  • Beitrag zur Erhaltung bestehender und zur Schaffung neuer Arbeitsplätze,
  • Berücksichtigung von Umweltaspekten.

Schwerpunkt 1: Mittelausstattung und Hauptprioritäten

ELER: 103 586 000 EUR (17,0 % der ELER-Beteiligung)

öffentliche Zuschüsse insgesamt: 207 172 000 EUR (16,4 % der Programmmittel insgesamt)

Hauptprioritäten:

  • Vorrang für die Modernisierung landwirtschaftlicher Betriebe (mehr als 60 % der öffentlichen Ausgaben) und
  • Unterstützung von Investitionen in die Infrastruktur zur Entwicklung und Anpassung von Land- und Forstwirtschaft (etwa ein Viertel der öffentlichen Ausgaben).

Schwerpunkt 2: Mittelausstattung und Hauptprioritäten

ELER: 389 862 000 EUR (63,8 % der ELER-Beteiligung)

öffentliche Zuschüsse insgesamt: 829 493 616 EUR (65,5 % der Programmmittel insgesamt)

Die Hauptprioritäten sind Agrarumweltmaßnahmen mit einem breiten Spektrum an Teilmaßnahmen. Mehr als 72 % der Mittel sind diesen Maßnahmen vorbehalten. Für Ausgleichszahlungen an benachteiligte Gebiete sind etwa 17 % der Mittel vorgesehen, die Mittel für das Netz Natura 2000 liegen knapp unter 6 %.

Schwerpunkt 3: Mittelausstattung und Hauptprioritäten

ELER: 79 997 000 EUR (13,1 % der ELER-Mittel)

öffentliche Zuschüsse insgesamt: 159 994 000 EUR (12,6 % der Programmmittel insgesamt)

Hauptpriorität dieses Schwerpunkts ist die "Erhaltung und Aufwertung des ländlichen Erbes", für die mehr als zwei Drittel der Mittelausstattung aufgewandt werden. Von besonderer Bedeutung ist die Maßnahme zur Förderung der Diversifizierung landwirtschaftlicher Betriebe, die die geförderten Betriebe auf eine breitere wirtschaftliche Grundlage stellen soll (etwa 17 % der Mittelausstattung).

Mittelausstattung für die Gemeinschaftsinitiative Leader+:

ELER: 31 185 000 EUR (5,1 % der ELER-Mittel)

öffentliche Zuschüsse insgesamt: 56 700 000 EUR (4,5 % der Programmmittel insgesamt)

Unterstützung ausgewählter integrierter Strategien nach den Grundsätzen der Gemeinschaftsinitiative Leader+. Die Maßnahme soll dazu beitragen, die Ziele des Schwerpunkts 3 zu erreichen. Einige Maßnahmen des Schwerpunkts 3 werden ausschließlich über den Schwerpunkt 4 umgesetzt.

Rheinland-Pfalz

Regionalprofil

  • Rheinland-Pfalz liegt im Südwesten der Bundesrepublik Deutschland, grenzt an Frankreich, Luxemburg und Belgien und hat eine Fläche von 19 853 km².
  • Mehr als drei Viertel seiner Gesamtfläche sind ländlich geprägt und rund die Hälfte der Gesamtbevölkerung lebt im ländlichen Raum. Fast 84% der Fläche von Rheinland-Pfalz wird für die Land- und Forstwirtschaft genutzt. Rheinland-Pfalz ist das deutsche Bundesland mit der größten Walddichte.
  • Die Bevölkerungszahl von Rheinland-Pfalz belief sich Ende 2005 auf 4 060 394 Einwohner.
  • Im Jahr 2005 zählte Rheinland-Pfalz 1,802 Millionen erwerbstätige Personen (Erwerbsquote von 44%). Der Prozentsatz der Erwerbslosen (zwischen 15 und 74 Jahren) lag 2004 mit 8,6% sowohl unter dem nationalen als auch dem EU-Durchschnitt (von 10,3% bzw. 9.2%).
  • Das Pro-Kopf-BIP erreichte 2005 etwa 24 000 EUR und lag damit geringfügig über dem Durchschnitt für die EU-25 (24 500 EUR), jedoch unter dem deutschen Durchschnitts-BIP (25 800 EUR).
  • Der Tourismus spielt besonders in ländlichen Gebieten eine wichtige Rolle und kann in Verbindung mit der landwirtschaftlichen Tätigkeit und der Landschaftspflege erhebliche Synergien freisetzen. Im Vergleich zu 1995 ist die Zahl der Fremdenverkehrsgäste um 20% gewachsen.
  • Im Jahr 2005 bewirtschafteten 27 347 Agrarbetriebe, darunter 10 100 Haupterwerbsbetriebe, in Rheinland-Pfalz 718 883 ha landwirtschaftlich genutzte Fläche.
  • Landwirtschaft und Weinbau in Rheinland-Pfalz kommen auf einen jährlichen Erzeugungsumfang im Wert von 2 Milliarden EUR. Als wichtigster landwirtschaftlicher Einzelsektor trug der Weinbau 2004 mit rund 33% zum Gesamtwert der landwirtschaftlichen Erzeugung bei.
  • Die Nahrungsmittelindustrie hat in Rheinland-Pfalz große Bedeutung für die Verarbeitung und Vermarktung von Agrarerzeugnissen. Gemessen am Gesamtumsatz nimmt die Nahrungsmittelindustrie in Rheinland-Pfalz den vierten Platz nach der Chemieindustrie, dem Automobilbau und der Metallindustrie ein.
  • Im Förderzeitraum 2000-2006 wurden in Rheinland-Pfalz im Rahmen der Gemeinschaftsinitiative LEADER+ insgesamt sieben integrierte ländliche Entwicklungskonzepte erstellt und umgesetzt. Die LEADER+-Gebiete lagen vorwiegend in Mittelgebirgslandschaften mit einem hohem Waldanteil und bisweilen einem außergewöhnlich interessanten erdgeschichtlichen Hintergrund (z.B. Landschaftsentstehung durch Vulkanismus) sowie in den Flusslandschaften des Rhein- und Moseltals.

Gewählte Strategie

Die im Einklang mit den Strategischen Leitlinien der Gemeinschaft und dem Nationalen Strategieplan gewählte allgemeine strategische Ausrichtung des Entwicklungsprogramms für den ländlichen Raum lässt sich wie folgt beschreiben:

  • Der Einsatz der ELER-Fördermittel wird gezielt auf Wirtschaftswachstum, Beschäftigung und Nachhaltigkeit ausgerichtet.
  • Die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit des Agrar-, Forst- und Ernährungssektors genießt im Rahmen der notwendigen Umstrukturierung ausgesprochenen Vorrang.
  • Gleichzeitig wird die Diversifizierung und Innovation in den ländlichen Gebieten unterstützt. Die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Förderung des Unternehmergeistes erfolgt insbesondere durch lokale Entwicklungsstrategien (z.B. Leader).

Finanzierungsplan, aufgeschlüsselt nach Schwerpunkten
(in EUR für den gesamten Zeitraum):

Schwerpunkte
Öffentliche Ausgaben insgesamt
ELER-Anteil an den öffentlichen Ausgaben
ELER-Beteiligung
Schwerpunkt 1
181 212 872
50,00 %
90 606 436
Schwerpunkt 2
203 338 000
47,00 %
101 669 000
Schwerpunkt 3
51 848 160
50,00 %
25 924 080
Schwerpunkt 4
39 172 380
55,00 %
21 544 809
Technische Hilfe
11 015 796
50,00 %
5 507 898
Insgesamt
486 587 208
48,26 %
245 252 223

Oberziele des ländlichen Entwicklungsprogramms in Rheinland Pfalz:

Das Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum in Rheinland-Pfalz zielt mit seinen Prioritäten darauf ab, einerseits einen Beitrag zur Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen zu leisten und andererseits auch den verschiedenen Umweltbelangen eingehend Rechnung zu tragen.

Schwerpunkt 1 - Mittelzuweisung und Hauptprioritäten

ELER: 90 606 436 EUR (37,2% der Programmbeteiligung)

Öffentliche Mittel insgesamt: 181 212 872 EUR

Als Hauptprioritäten beim Schwerpunkt 1 „Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit von Land- und Forstwirtschaft“ konzentriert das Entwicklungsprogramm seine Fördermittel auf Kernmaßnahmen zur Umstrukturierung und Weiterentwicklung des Agrarsektors und zur Innovationsförderung.

Schwerpunkt 2 - Mittelzuweisung und Hauptprioritäten

ELER: 101 669 000 EUR (41,6% der Programmbeteiligung)

Öffentliche Mittel insgesamt: 203 338 000 EUR

Beim Schwerpunkt 2 „Verbesserung von Umwelt und Landschaft“ konzentrieren sich die Programmmittel auf Kernmaßnahmen zur Förderung von landwirtschaftlichen Umweltleistungen und zur Erhaltung der Kulturlandschaften und der Wälder. Eine räumlich ausgewogene Mittelverteilung wird dadurch erreicht, dass die unterschiedlichen Agrarstandorttypen Berücksichtigung finden.

Schwerpunkt 3 - Mittelzuweisung und Hauptprioritäten

ELER: 25 924 080 EUR (10,7% der Programmbeteiligung; zudem wird Schwerpunkt 4 hauptsächlich durch die Maßnahmen von Schwerpunkt 3 umgesetzt.)

Öffentliche Mittel insgesamt: 51 848 160 EUR

Beim Schwerpunkt 3 „Lebensqualität im ländlichen Raum und Diversifizierung der ländlichen Wirtschaft“ konzentrieren sich die Fördermittel auf Kernmaßnahmen zur Neubelebung der Dörfer, zur Tourismusförderung und zur Diversifizierung der ländlichen Wirtschaftsstruktur. Hierdurch wird ein wichtiger Beitrag zur Hebung der Lebensqualität in Landgegenden und zur Ankurbelung der ländlichen Wirtschaftsaktivitäten geleistet. Die ausgewählten acht Maßnahmen können gerade auch in Verbindung mit dem Schwerpunkt 4 Einkommensalternativen insbesondere für junge Menschen und für Frauen bieten und ihnen den Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtern. Im Einzelnen zielt die Förderung vor allem auf folgende Aspekte ab:

Die beiden Maßnahmen mit der größten Mittelausstattung im Rahmen dieses Schwerpunkts sind die Dorferneuerung und -entwicklung (rund 41%) sowie die Erhaltung und Verbesserung des ländlichen Erbes (43%). Daneben hat auch die Maßnahme zur Diversifizierung hin zu nichtlandwirtschaftlichen Tätigkeiten finanziell ein gewisses Gewicht (etwa 12%).

Schwerpunkt 4 - Mittelzuweisung für Leader

ELER: 21 544 809 EUR (8,1% der Programmbeteiligung)

Öffentliche Mittel insgesamt: 39 172 380 EUR

Beim Schwerpunkt 4 „Aufbau lokaler Kapazitäten für Beschäftigung und Diversifizierung“ konzentrieren sich die Fördermittel auf Kernmaßnahmen zum Aufbau von lokalen Partnerschaftskapazitäten und zur Förderung von Zusammenarbeit und Innovation.

Thüringen

Merkmale der Region

  • Thüringen liegt in Mitteldeutschland und ist mit einer Fläche von etwa 16 000 km2 eines der kleineren deutschen Bundesländer;
  • Einwohnerzahl: 2,355 Mio.;
  • Thüringen liegt in der ehemaligen DDR und ist mit einem BIP von 42,272 Mio. EUR (2004) eines der wirtschaftlich schwächeren deutschen Bundesländer;
  • Arbeitslosenrate (2004): 18,5 % (Deutschland insgesamt: 11,2 %; (NSP-Daten für 2003); aktuelle Zahl: 9 %);
  • 256 000 ha der Fläche werden landwirtschaftlich genutzt, 547108 ha (34 %) der Gesamtfläche Thüringens sind Waldgebiet. 50 % der landwirtschaftlichen Fläche ist als benachteiligtes Gebiet eingestuft (Deutschland insgesamt: 49 %);
  • ein Drittel der Fläche Thüringens ist Waldgebiet. Thüringen ist eines der waldreichsten deutschen Bundesländer;
  • die Land- und Forstwirtschaft trägt zu 0,2 % zur makroökonomischen Bruttowertschöpfung Thüringens bei (Daten von 2004);
  • die Landwirtschaft setzt sich zusammen aus großen Haupterwerbsbetrieben einerseits und einer großen Zahl (1 085) von Nebenerwerbsbetrieben andererseits, die nur 3,5 % der landwirtschaftlichen Fläche bewirtschaften. 86 % der landwirtschaftlichen Fläche entfällt auf Betriebe mit einer Größe von über 200 ha, 56 % auf Betriebe mit einer Größe von über 1000 ha. Wie im gesamten Gebiet der ehemaligen DDR ist ein Großteil der Fläche Pachtland;
  • der Lebensmittelsektor ist einer der wichtigsten Zweige der thüringischen Verarbeitungsindustrie. Seit 1995 steigt die Zahl der Betriebe und der dort Beschäftigten. 2004 waren - bei einem Umsatz von insgesamt 2,9 Mrd. EUR - etwa 17 700 Personen in diesem Sektor beschäftigt;
  • die thüringische Lebensmittelverarbeitungsindustrie besteht hauptsächlich aus kleinen und mittleren Unternehmen. Dort sind mehr 85 % der Arbeitnehmer dieses Sektors beschäftigt. Hergestellt werden vor allem Backwaren, Fleisch und Getränke.

Die gewählte Strategie

Entsprechend den strategischen Leitlinien der EU und des nationalen Strategieplans der Bundesrepublik Deutschland zielt dieses Programm darauf ab,

  • zur Erhaltung bestehender und zur Schaffung neuer Arbeitsplätze beizutragen und
  • dabei Umweltaspekte zu berücksichtigen,
  • indem Wettbewerbsfähigkeit und Wertschöpfung in Land- und Forstwirtschaft sowie im ländlichen Raum verbessert werden.

Angestrebt wird eine nachhaltige integrierte Entwicklung des ländlichen Raums entsprechend den jeweiligen örtlichen Zielen und Erfordernissen bei gleichzeitigem Abbau bestehender Entwicklungsunterschiede zwischen den einzelnen Gebieten in Thüringen. Hierbei kommt der Land- und Forstwirtschaft aufgrund ihrer unterschiedlichen Funktionen bei der sozioökonomischen Entwicklung und der vollständigen Erschließung des Wachstums- und Entwicklungspotenzials der ländlichen Gebiete eine Schlüsselrolle zu.

Finanzierungsplan nach Schwerpunkten (für den gesamten Zeitraum, in EUR) insgesamt

Schwerpunkt
öffentliche Ausgaben insgesamt
Anteil des ELER an den öffentlichen Ausgaben
Beitrag des ELER
Schwerpunkt 1
242 739 312
75
182 054 484
Schwerpunkt 2
388 636 403
80
310 909 122
Schwerpunkt 3
206 381 453
75
154 786 090
Schwerpunkt 4
43 750 000
80
35 000 000
Technische Hilfe
13 333 333
75
10 000 000
Insgesamt
894 840 501
77
692 749 696

Allgemeines Ziel des Regionalentwicklungsprogramms in Thüringen

  • Bessere Wettbewerbsfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe zur Erhaltung der Arbeitsplätze
  • größere Tiefe der Wertschöpfung
  • Diversifizierung durch Einsatz von Bioenergien und neuen Dienstleistungen im ländlichen Raum.

Schwerpunkt 1: Mittelausstattung und Hauptprioritäten

ELER: 182 054 484 EUR (27,0 % der ELER-Beteiligung)

öffentliche Zuschüsse insgesamt: 242 739 312 EUR

Zur Umstrukturierung und Modernisierung der Land- und Forstwirtschaft möchte Thüringen durch Förderung von Nischenprodukten, neuen Produkten bzw. Verfahren und Bioenergie die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft verbessern. Künftig besteht geringerer Bedarf an Investitionen in die Infrastruktur für die Land- und Forstwirtschaft. Notwendig sind dagegen Maßnahmen zur Aus- und Fortbildung und zur Entwicklung der Humanressourcen. Außerdem soll durch Sensibilisierung und Information der Öffentlichkeit das Vermarktungspotenzial für Qualitätsprodukte verbessert werden. Weitere Bestandteile der Strategie des Schwerpunkts 1 sind Flurbereinigungsmaßnahmen zur Lösung von Konflikten bei der Landnutzung sowie Maßnahmen zum Hochwasserschutz.

Schwerpunkt 2: Mittelausstattung und Hauptprioritäten

ELER: 310 909 122 EUR (42 % der ELER-Beteiligung)

öffentliche Zuschüsse insgesamt: 829 493 616 EUR (65,5 % der Programmmittel insgesamt)

Zur Erhaltung der Artenvielfalt und der Grünlandflächen will Thüringen die Nutzung dieser Flächen fördern. Außerdem soll die Stabilität der Wälder durch Umstrukturierung und umweltgerechte Bewirtschaftung verbessert werden. Benachteiligte Gebiete sollen Zuschüsse erhalten, damit die Landwirtschaft in diesen Gebieten erhalten bleibt. Im Rahmen des Kulturlandschaftsprogramms (KULAP) sollen viele kleinere Maßnahmen zum Naturschutz beitragen.

Schwerpunkt 3: Mittelausstattung und Hauptprioritäten

ELER: 154 786 090 EUR (23 % der ELER-Beteiligung)

öffentliche Zuschüsse insgesamt: 206 381 453 EUR

Dorf- und Stadterneuerung bzw. -umstrukturierung haben bei der Strategie für den Schwerpunkt 3 einen hohen Stellenwert. Dabei sollen insbesondere die Auswirkungen der Abwanderung ausgeglichen werden. Thüringen möchte die Wertschöpfungsketten in der Land- und Forstwirtschaft stärken. Nichtlandwirtschaftliche Tätigkeiten wie die Förderung von Betriebsgründungen und die Unterstützung von Fremdenverkehrseinrichtungen sollen zur Diversifizierung der ländlichen Wirtschaft beitragen. Ergänzt werden soll dies durch Schulungs- und Informationsmaßnahmen. Außerdem soll die Natur-, Landschafts- und Flussentwicklung gefördert werden. Die Maßnahmen des Schwerpunkts sollen durch einen integrierten Ansatz durchgeführt werden.

Mittelzuweisung der Gemeinschaftsinitiative Leader+:

ELER: 10 000 000 EUR (5 % der ELER-Beteiligung)

öffentliche Zuschüsse insgesamt: 13 333 333 EUR
Unterstützung ausgewählter integrierter Strategien nach den Grundsätzen von Leader +.

http://ec.europa.eu/agriculture/rurdev/index_de.htm


[1] ELER: Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums


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