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MEMO/06/245

Brüssel, den 22. Juni 2006

EU-Weinreform: Hintergrundinformation zum Weinsektor

Am 22. Juni 2006 hat die Europäische Kommission eine Mitteilung über die Reform der gemeinsamen Marktorganisation der EU für Wein veröffentlicht. Diese Mitteilung enthält vier Optionen, spricht sich jedoch klar für eine auf den Weinsektor zugeschnittene grundlegende Reform aus. Die Kommission plant, nach einer ausführlichen Diskussion über ihre Vorschläge im Dezember 2006 oder Januar 2007 Legislativvorschläge vorzulegen. Die Reform zielt darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit der Weinerzeuger in der EU zu verbessern, den Ruf von EU-Qualitätswein als besten Wein der Welt zu stärken, alte Märkte zurückzuerobern und neue zu erschließen, eine Weinregelung zu schaffen, die mit klaren, einfachen und wirksamen Regeln ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage erreicht und die die besten Traditionen der Weinerzeugung in der EU bewahrt, das soziale Gefüge zahlreicher ländlicher Gebiete stärkt sowie den Umweltschutz gewährleistet.

Der EU-Weinsektor

Europa ist

  • der weltweit führende Weinerzeuger mit über 45 % der Weinanbauflächen und 60 % der Erzeugung,
  • der führende Verbraucher mit beinahe 60 % des weltweiten Verbrauchs,
  • der führende Ausführer und der größte Einfuhrmarkt.

Die Erzeugung in der EU

In den letzten 5 Jahren belief sich die durchschnittliche Erzeugung in der EU-25 auf 178 Mio. Hektoliter (zwischen 166 und 196 Mio. hl) im Wert von etwa 16,1 Mrd. EUR. Mit dem Beitritt Rumäniens und Bulgariens wird die Produktion um etwa 7 Mio. hl zunehmen.

Frankreich ist der größte Erzeuger mit durchschnittlich 55 Millionen hl, was 30,6 % des EU-Gesamtvolumens und mit 7,7 Mrd. EUR wertmäßig die Hälfte der Erzeugung der EU-25 ausmacht.

Italien folgt Frankreich mit etwa 51 Mio. hl (28,5 % des EU-Gesamtvolumens) mit einem Wert von 4,2 Mrd. EUR (25,8 % des EU-Gesamtwerts).

Spanien, der drittgrößte europäische Erzeuger, weist eine jährliche Erzeugung von 43 Mio. hl (23,2 %) im Wert von 1,2 Mrd. EUR (7,6 %) auf.

Die Erzeugung Deutschlands kommt jener Spaniens wertmäßig beinahe gleich (1,1 Mrd. EUR), auch wenn sein Erzeugungsvolumen erheblich niedriger ist (etwa 10 Mio. hl).

Portugal erzeugt etwa 7,2 Mio. hl Wein im Wert von beinahe 1 Mrd. EUR.

Danach folgen Ungarn (4,5 Mio. hl im Wert von 181 Mio. EUR), Griechenland (3,6 Mio. hl im Wert von 46 Mio. EUR) und Österreich (2,5 Mio. hl im Wert von 437 Mio. EUR).

Schließlich folgen weitere kleine Erzeuger wie Slowenien (1 Mio. hl), die Tschechische Republik (520 000 hl), die Slowakei (440 000 hl), Zypern (425 000 hl), Luxemburg (140 000 hl) und Malta (67 000 hl).

Wenn die GMO für Wein nicht geändert wird und die erwarteten Trends bei Erzeugung, Verbrauch und Handel eintreten, wird für den EU-Weinsektor mittelfristig (bis 2010/2011) mit einem Anstieg der Überschussproduktion auf 27 Millionen Hektoliter (15 % der Erzeugung) oder, wenn die mit Zuschüssen für den Trinkalkoholsektor destillierten Mengen nicht als Überschuss betrachtet werden, auf 15 Millionen Hektoliter (8,4 % der Erzeugung) gerechnet.

Handel

Die Europäische Union führt Wein im Wert von mehr als 15 Mrd. EUR aus. Volumenmäßig machen die Ausfuhren (ohne innergemeinschaftlichen Handel) etwa 13 Mio. hl aus.

Die EU wird von den Ausführern der Neuen Welt allmählich eingeholt. Von 1991/1993 bis 2001/2003 sind die Ausfuhren der vier größten Erzeuger spektakulär angestiegen: Südafrika (+ 770 %), Australien (+ 500 %), Chile (+ 270 %) und Vereinigte Staaten (+ 160 %).

Die Weineinfuhren der EU betrugen im Jahr 2005 fast 12 Mio. hl, während sich ihre Ausfuhren auf 13 Mio. hl beliefen.

Der weltweite Rückgang ist auf zwei unterschiedliche und widersprüchliche Phänomene zurückzuführen: den allmählichen Rückgang in der Europäischen Union und die erstaunliche Entwicklung der Erzeugungskapazitäten ihrer größten Konkurrenten: USA: + 26 %, Chile: + 48 %, Australien: + 169 %, Neuseeland: + 240 %.

Rebflächenstatistik

In den EU-25 mit ihren 1,6 Millionen Weinbergen werden auf etwa 3,4 Mio. Hektar Reben angebaut. Die durchschnittliche Größe der Weinberge beträgt etwa zwei Hektar, der Großteil der Weinbauern bewirtschaftet jedoch weniger als einen Hektar.

Im Jahr 2004 machte die Weinerzeugung 5,4 % der landwirtschaftlichen Erzeugung der EU aus - in Frankreich, Italien, Österreich, Portugal, Luxemburg und Slowenien mehr als 10 % und in Spanien etwas weniger.

Insgesamt sind in den Weinbaubetrieben mehr als 1 500 000 Vollzeitbeschäftigte tätig. Wenn man die anderen Beteiligten in der Erzeugungskette hinzurechnet, ist die Gesamtzahl jener, die durch den Weinbau Beschäftigung gefunden haben, beträchtlich höher.

Die Zahl von 1 500 000 Personen entspricht etwa 15 % der gesamten Jahresarbeitseinheiten in der Landwirtschaft.

Italien weist die höchste Zahl der im Weinbau Beschäftigten auf, nämlich 500 000 was 32 % der Gesamtzahl in der EU entspricht, gefolgt von Portugal (227 000 Beschäftigte – 18 %). In diesen beiden Mitgliedstaaten zusammen ist die Hälfte der in Weinbergen beschäftigten Arbeitskräfte Europas tätig. In Frankreich und Spanien sind es 13 % bzw. 10 %.

In der EU hatten auf den Weinbau spezialisierte Betriebe seit 1990 höhere Einnahmen als der Durchschnitt der landwirtschaftlichen Betriebe. Im Durchschnitt sind die Einnahmen von 1990 bis 1999 stetig angestiegen. Dieser positive Trend hat sich jedoch abrupt umgekehrt, und die durchschnittlichen Einnahmen pro landwirtschaftlichen Betrieb sind von 1999 bis 2003 um 12 % zurückgegangen.

„Qualitätsweine“ und „Tafelweine“

Die Weine der Europäischen Union können in zwei Hauptkategorien unterteilt werden. Auf etwa 40 % der Flächen werden Tafelweine und auf 60 % „Qualitätsweine bestimmter Anbaugebiete“ angebaut. Diese Verteilung variiert erheblich zwischen den Mitgliedstaaten und hängt insbesondere vom jeweiligen einzelstaatlichen Weinklassifizierungssystem ab. Einige Mitgliedstaaten stufen fast alle ihrer Erzeugnisse als Qualitätsweine ein.

Die starren Verfahren für die Annahme und Anpassung der Weinbereitungsverfahren beeinträchtigen die Wettbewerbsfähigkeit. Die EU-Verordnungen sind zu komplex, insbesondere bei Definitionen, Weinbereitungsverfahren und der Klassifikation, d. h. Qualitätsweine bestimmter Anbaugebiete (b. A.), Tafelwein mit g. A. und Tafelwein.

Bei Qualitätsweinen bestimmter Anbaugebiete (b. A.) gibt es kein „Qualitätskonzept“ auf internationaler Ebene, und im Gemeinschaftsrecht wird nicht auf das Konzept der „geografischen Angabe“ gemäß der Definition im Übereinkommen über handelsbezogene Aspekte der Rechte an geistigem Eigentum („TRIPS-Übereinkommen“) verwiesen.

In den letzten Jahrzehnten hat die Zahl der Qualitätsweine bestimmter Anbaugebiete (b. A.) und der Tafelweine mit g. A. zugenommen. Dies verunsichert die Verbraucher, schwächt die Gemeinschaftspolitik in Bezug auf geografische Angaben und trägt zur Verschlechterung der Marktlage bei.

Die Verbraucher sind verunsichert durch Weinetiketten, für die ein komplexes System von Rechtsvorschriften gilt. Starre Etikettierungsvorschriften behindern die Vermarktung europäischer Weine. Ein wichtiger Nachteil ist das Verbot der Angabe von Jahrgang und Rebsorte auf Tafelwein ohne geografische Angabe.

Die derzeitige GMO für Wein

Die Maßnahmen zielen auf die Steuerung des Produktionspotenzials ab, indem Pflanzungsrechte begrenzt und strukturelle Verbesserungen durch a) die endgültige Aufgabe des Weinbaus und b) Umstrukturierungs-/Umstellungsprogramme gefördert werden, wobei die Anpassung von Qualität und Quantität an die Verbrauchernachfrage im Vordergrund steht. Die Beschränkungen der Pflanzungsrechte, einschließlich eines Neuanpflanzungsverbots, gelten bis 31. Juli 2010.

Zu den Binnenmarktmaßnahmen gehören traditionelle Maßnahmen wie die Dringlichkeitsdestillation von Weinüberschüssen und die Destillation von Wein, der aus Trauben erzeugt wurde, die nicht ausschließlich als Keltertraubensorten eingestuft sind. Das Ziel ist die Begrenzung des Preisverfalls. Mit der obligatorischen Destillation von Weintrub und Trester, Nebenerzeugnissen der Weinbereitung, soll das übermäßige Auspressen der Trauben verhindert und die Weinqualität verbessert werden. Schließlich gibt es die Destillation von Tafelwein zu Trinkalkohol zur Verwendung in der Spirituosenindustrie.

Beihilfen werden auch für die private Lagerhaltung von Wein und Traubenmost gewährt. Darüber hinaus gibt es Beihilfen, mit denen die alternative Verwendung von Traubenmost gefördert werden soll, insbesondere zur Anreichung und zur Herstellung von Traubensaft.

Seit 1975/76 wurde versucht, die Überproduktion in Europa durch eine Politik zur Begrenzung des Produktionspotenzials und zur Förderung der endgültigen Aufgabe des Weinbaus in den Griff zu bekommen. Mit diesen Maßnahmen konnten die Anbauflächen von 4,5 Millionen Hektar 1975 auf 3,2 Millionen Hektar im Jahr 2005 reduziert werden.

Marktlage – eine Reform ist dringend notwendig

Der Weinverbrauch in der EU geht jährlich um 750 000 Hektoliter oder 0,65 % zurück.

Mit dem Lebensstil ändern sich die Verbrauchsgewohnheiten im Allgemeinen und insbesondere die von Wein.

Etwa 15 % der Weinerzeugung müssen jedes Jahr durch Intervention (Destillation) aus dem Markt genommen werden.

Die über die Erzeugung eines Jahres hinausgehenden Weinbestände nehmen zu. Da für sie nur geringe Absatzchancen bestehen, steigt der Druck auf die Preise und die Erzeugereinkommen.

Die Einfuhren steigen stärker als die Ausfuhren, der Abstand schrumpft, und die Einfuhren könnten die Ausfuhren bald übersteigen.

Die deutliche Zunahme bei Erzeugung und Absatz von Weinen aus der „Neuen Welt“ zeigt, wie wichtig es ist, dass die Weinerzeuger in der EU ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern.

Die Dringlichkeitsdestillation, die für konjunkturbedingte Überschüsse vorgesehen war, wird als Strukturmaßnahme benutzt und nun auch für „Qualitätsweine“ in Anspruch genommen.

Die Beihilfe für die private Lagerhaltung ist zu einer Strukturmaßnahme geworden. Weinlagerkosten sollten vom Sektor getragen werden.

Die Haushaltsmittel für Wein

Im Jahr 2005 betrugen die Ausgaben 1 269 Mio. EUR und verteilten sich wie folgt:

  • 35 % waren Ausgaben für das seit 2000 laufende Umstrukturierungsprogramm (446 Mio. EUR im Jahr 2005).
  • 63 % wurden für Marktinterventionsmaßnahmen verwendet: 40 % waren direkte und indirekte Kosten der verschiedenen Arten der Destillation und der öffentlichen Lagerhaltung (506 Mio. EUR), auf Beihilfen für Most zur Anreicherung von Wein entfielen 16 % (198 Mio. EUR), auf Beihilfen für die private Lagerhaltung von Wein und Most 5 % (70 Mio. EUR) und auf Ausfuhrerstattungen 1 % (oder 17 Mio. EUR).
  • Auf die endgültige Aufgabe des Weinbaus entfielen nur 31 Mio. EUR (1993 waren dies über 400 Mio. EUR), weniger als 2 % der gesamten Haushaltsmittel der EU für den Weinsektor.

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