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MEMO/04/34

Brüssel, den 17. Februar 2004

EU-Kommission baut Übersetzungskapazitäten im Hinblick auf Erweiterung aus

In knapp zweieinhalb Monaten, am 1. Mai 2004, werden zehn weitere Länder der Europäischen Union beitreten. Diese Erweiterung wird neben neuen Aufgaben wirtschaftlicher, politischer und verwaltungstechnischer Art auch sprachliche Herausforderungen mit sich bringen. Die Wahrung der sprachlichen Vielfalt ist ein Ziel, das alle Organe und Einrichtungen der EU vor große Herausforderungen stellt. Sprachliche Vielfalt ist ein Wert an sich; ihre Wahrung ein Zeichen des Respekts für die kulturellen Identitäten der EU-Bürger. Sprachliche Vielfalt ist aber auch ein demokratisches Recht. Die Rechtsakte der EU sind für die Bürger aller Mitgliedstaaten verbindlich und müssen daher in allen Sprachen erlassen werden, denn niemand kann erwarten, dass die Bürger Rechtsvorschriften befolgen, die sie nicht verstehen. Da außerdem die europäischen Bürgerinnen und Bürger ein Recht darauf haben, zu erfahren, was in ihrem Namen getan wird, und mit eigenen Ideen die Union mitzugestalten, muss die Kommunikation zwischen den EU-Einrichtungen und den Bürgern in deren Sprache erfolgen. Die Europäische Union ist diesbezüglich einzigartig in ihrer Art. Doch geht es hier nicht nur um Kommunikation mit den EU-Bürgern, sondern um eine effiziente Arbeitsweise. Damit die Erweiterung ein Erfolg wird, bereiten sich alle Einrichtungen mit großem Engagement auf die neuen Aufgaben vor.

Für die Kommission bedeutet dies:

    Die Zahl der Amtssprachen wird von derzeit elf auf zwanzig d.h. um 82 % - ansteigen.

    Die Zahl der zu übersetzenden Seiten wird voraussichtlich um etwa 40 % - von 1.480.000 Seiten im Jahr 2003 auf 2.065.000 Seiten 2004 und 2.370.000 Seiten im Jahr 2005 - zunehmen.

    Für jede neue Sprache werden 60 Übersetzer eingestellt werden müssen. Fügt man die freiberuflich tätigen Übersetzer und die Sekretariatskräfte hinzu, ergeben sich 110 Personen pro Sprache. Zum Vergleich: Derzeit sind 1.300 Übersetzerinnen und Übersetzer für die Kommission tätig.

    In der Kommission werden die Übersetzungskosten schätzungsweise von etwa 230 Mio. € auf knapp 320 Mio. € ansteigen (zum Vergleich: Die Übersetzungskosten für alle EU-Einrichtungen dürften sich nach der Erweiterung von etwa 550 auf 808 Mio. € erhöhen).

Maßnahmen der Kommission zur Effizienzsteigerung und Kostensenkung

    Vorlagen für die Kommissionssitzungen werden lediglich in den Verfahrenssprachen Englisch, Französisch und Deutsch (und in der Sprache der Adressaten einzelner Entscheidungen, z.B. im Bereich Wettbewerb) verfasst. Die endgültigen Fassungen werden unmittelbar nach der Beschlussfassung in die restlichen Amtssprachen übersetzt und an die anderen Organe zur Erörterung und Genehmigung weitergeleitet. In der Kommission wird bei internen Sitzungen wird in der Regel Englisch und Französisch gesprochen. Verwaltungsmitteilungen an das Personal ergehen in den meisten Fällen auf Englisch, Französisch und Deutsch.

Erweiterungsvorbereitungen der Kommission

Die Kommission bereitet sich schon seit einigen Jahren aktiv auf die neuen Sprachen vor:

    Koordinierungsbüros und Außenstellen

    Das von der Generaldirektion Erweiterung 1996 eingerichtete Büro TAIEX (Technical Assistance Information Exchange Office) hatte den Auftrag, den Beitrittsländern beim Aufbau zentralisierter Übersetzungs- und Dolmetschkapazitäten zu helfen. Dank dieser Unterstützung richteten die Beitrittsländer zwischen 19951999 in ihren Ministerien Koordinierungsbüros für die Übersetzung ein. Dabei handelt es sich allesamt um öffentliche Einrichtungen.

    Seit dem 16. Juni 2003 sind in neun der zehn künftigen Mitgliedstaaten den Delegationen der Kommission Außenstellen angegliedert. Die Mitarbeiter der Außenstellen fertigen vor Ort Übersetzungen an, beraten die Beitrittsländer in Fragen der Übersetzerausbildung, sind ihnen bei terminologischen und sprachlichen Problemen behilflich und pflegen Kontakte zu Hochschulen, Übersetzungsinstituten und Übersetzerverbänden.

    Neueinstellungen

    Seit Anfang 2003 wurden in den Außenstellen insgesamt 27 Übersetzerinnen und Übersetzer eingestellt (drei Übersetzer je Außenstelle).

    Anfang 2003 wurden Auswahlverfahren zur Einstellung von sieben Übersetzerinnen und Übersetzern pro Sprache durchgeführt. So arbeiten derzeit in Luxemburg bereits 35 Übersetzerinnen und Übersetzer als Bedienstete auf Zeit in den neuen Sprachabteilungen. Die Zielvorgabe von 63 Übersetzern (9 x 7) wird bis zum 1. Mai erreicht sein.

    Ebenfalls 2003 fand ein interinstitutionelles Auswahlverfahren zur Besetzung von Beamtenplanstellen statt. Die erste Phase (Vorauswahltest) dieses Auswahlverfahrens wurde unlängst abgeschlossen.

    Es wird angestrebt, eine den EU-Organen gemeinsame Reserveliste von 135 Übersetzerinnen und Übersetzern zu erstellen. Aus dieser Liste werden die Organe ihre zu verbeamtenden Übersetzerinnen und Übersetzer aussuchen. Um dieses Ziel zu erreichen, sollte ursprünglich ein Pool von 300 Bewerbern pro Sprache in der ersten Auswahlphase erstellt werden.

    Dieses Ziel wurde für Tschechisch, Ungarisch, Polnisch und Slowakisch erreicht, nicht aber für Estnisch, Litauisch, Lettisch, Maltesisch und Slowenisch (Aufschlüsselung der Bewerber, die an der schriftlichen Prüfung des Auswahlverfahrens teilgenommen haben, und derjenigen, die diese Prüfung bestanden haben: CS: 691/301; ET: 207/118; HU: 1212/301; LT: 278/123; LV: 125/67; MT: 94/37; PL: 2155/306; SL: 318/155; SK: 769/301).

    Sobald die Reserveliste mit den erfolgreichen Bewerbern vorliegt, wird mit der Einstellung der zu verbeamtenden Übersetzer begonnen. Bis 2006 sollen pro Sprache jährlich 20 Übersetzer eingestellt werden, so dass 2006 je Sprache 60 Übersetzer und insgesamt 540 Übersetzer in der Kommission arbeiten werden. Hinzu kommen pro Sprache 15 Sekretariatskräfte (insgesamt 135), die auf der Grundlage der derzeit laufenden nicht sprachbezogenen Auswahlverfahren eingestellt werden.

    Externe Übersetzung

    Anfang 2003 veröffentlichte die Kommission eine Ausschreibung für freiberufliche Übersetzerinnen und Übersetzer. Für jede Sprache gingen zwischen 13 und 97 Angebote ein, die derzeit geprüft werden. Bis Mai 2004 dürften pro Sprache zwischen sechs und fünfzig Verträge mit freiberuflichen Übersetzern bzw. Übersetzungsbüros geschlossen sein.

    Ebenfalls Anfang 2003 wurde eine interinstitutionelle Ausschreibung organisiert. Nach der Bewertung der eingegangenen Angebote hat die Kommission 67 Verträge geschlossen.

    Von den 1,4 Millionen Seiten, die 2003 in der Generaldirektion Übersetzung der Kommission eingegangen sind, wurden 21 % außer Haus übersetzt. Die Kommission hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil der externen Übersetzungen in den Jahren 2004-2006 zu erhöhen und bis 2006 die Zielvorgabe von 30 % zu erreichen.

Zuständigkeiten

    Für die Übersetzung des geltenden EU-Rechts (EU-Vertrag, EG-Vertrag und EAG-Vertrag sowie das bis zum 30. April 2004 erlassene Sekundärrecht) in die Sprachen der künftigen Mitgliedstaaten ist nicht die EU, sondern die jeweilige Regierung zuständig. Die Übersetzung des so genannten „gemeinschaftlichen Besitzstands", der sich auf etwa 85 000 Seiten beläuft, sowie die Überprüfung und Qualitätskontrolle der Übersetzungen werden von den Koordinierungsbüros für die Übersetzung vorgenommen.

    Aufgabe der Gemeinschaftsorgane, namentlich des Rates und der Kommission, ist die endgültige Fertigstellung der übersetzten Texte und ihre Veröffentlichung in der Sonderausgabe des Amtsblatts der Europäischen Union.

    Die Kommission steht den Beitrittsländern mit fachlicher Beratung und technischer Unterstützung zur Seite: Sie stellt Praktikanten aus den Beitrittsländern ein, berät die Beitrittsländer in Fragen der Übersetzerausbildung und hilft ihnen beim Aufbau einer EU-Terminologie.

Aktueller Stand der Vorbereitungen

    Interne Fortbildung der Übersetzer

    Die Kommission bietet ihren Übersetzerinnen und Übersetzern seit 1998 an, die neuen Sprachen zu erwerben, damit sie sich auf die Übersetzung aus diesen Sprachen in die derzeitigen EU-Sprachen vorbereiten können.

    Im Januar 2004 waren 211 Übersetzer der verschiedenen Sprachabteilungen in derartigen Kursen eingeschrieben. 69 Übersetzer haben bereits einen hohen Kompetenzgrad erreicht (CS: 13, ET: 1, HU 15, LT: 1, LV: 1, MT: 0, PL: 29, SK: 1, SL: 8).

    Aufbau terminologischer Ressourcen

    Die Kommission legt derzeit Übersetzungsspeicher und eine EU-Terminologie sowie Datenbanken in den neuen Sprachen an. Seit dem Abschluss von Verträgen mit externen Auftragnehmern Anfang 2004 sind hier große Fortschritte zu verzeichnen.

    Übergangsregelungen

    Ab dem 1. Mai 2004 müssen alle Rechtsvorschriften auch in die neuen Amtssprachen übersetzt werden. Da für die Einstellung der neuen Mitarbeiter ein Zeitraum von mehreren Jahren vorgesehen ist, werden bis zum Erreichen der vollen Kapazität Übergangsregelungen vonnöten sein. Die Kommission wird die Übersetzungsnachfrage steuern müssen, indem sie Prioritäten festlegt und zwischen vorrangig zu bearbeitenden und weniger wichtigen Dokumenten unterscheidet. Vorrangig zu übersetzen sind selbstverständlich Rechtsvorschriften, aber auch Anmeldungen staatlicher Beihilfen, offizielle Mitteilungen an Rat und Parlament usw. Dasselbe gilt natürlich auch für den Schriftwechsel mit EU-Bürgerinnen und Bürger aufgrund deren Rechts, sich in ihrer Sprache an die EU-Organe zu wenden und eine Antwort in ihrer Sprache zu erhalten.

Rechtsgrundlage für die Mehrsprachigkeit und EU-interne Regeln

    Rechtsgrundlage für die Mehrsprachigkeit in der EU ist zum einen Artikel 21 EG-Vertrag, zum anderen die Verordnung Nr. 1 von 1958. Letztere sieht vor, dass alle Rechtsvorschriften in allen Amtssprachen abgefasst werden. Sowohl der Vertrag als auch die Verordnung schreiben fest, dass die Unionsbürger sich in einer beliebigen Amtssprache an die Organe der Gemeinschaft richten können und dass diese ihnen in der gleichen Sprache antworten müssen.

    Nach Artikel 6 der Verordnung Nr. 1 von 1958 können die Organe der Gemeinschaft in ihren Geschäftsordnungen festlegen, wie sie die Sprachenfrage im Einzelnen regeln.

Die Generaldirektion Übersetzung

    Die Generaldirektion Übersetzung der Europäischen Kommission (im internen Sprachgebrauch „DGT") ist der weltweit größte Übersetzungsdienst. An ihren Dienstorten Brüssel und Luxemburg beschäftigt sie etwa 1.300 Übersetzerinnen und Übersetzer und 500 Sekretariatskräfte im Beamtenverhältnis. Darüber hinaus arbeitet sie mit freiberuflichen Übersetzern aus aller Welt zusammen. Sie übersetzt für die Europäische Kommission Dokumente in die und aus den derzeit elf Amtssprachen der EU. Kommen Tschechisch, Estnisch, Ungarisch, Lettisch, Litauisch, Maltesisch, Polnisch, Slowakisch und Slowenisch hinzu, wird sie ab dem 1. Mai 2004 in und aus insgesamt 20 Sprachen übersetzen. Die für die neuen Sprachen eingestellten Übersetzer und Sekretariatskräfte werden in Luxemburg tätig sein.


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