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Fragen und Antworten zur GVO-Regelung in der EU

European Commission - MEMO/04/16   28/01/2004

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MEMO/04/16

Brüssel, den 28 Januar 2004

Fragen und Antworten zur GVO-Regelung in der EU

Was sind GVO und GVM?

Gentechnisch veränderte Organismen (GVO) und Mikroorganismen (GVM) können definiert werden als Organismen bzw. Mikroorganismen, bei denen das gentechnische Material (DNA) in einer Weise verändert wurde, die in der Natur durch Kreuzung oder natürliche Rekombination nicht vorkommt. Diese Technologie wird oft auch als „moderne Biotechnologie" oder „Gentechnologie", manchmal auch als "DNA-Rekombinationstechnik" oder "Gentechnik" bezeichnet. Damit können ausgewählte einzelne Gene von einem Organismus auf einen anderen übertragen werden, auch zwischen nichtverwandten Arten.

Welche Vorschriften gelten in der EU für GVO?

EU-Vorschriften für GVO gibt es seit Beginn der neunziger Jahre. Seitdem wurde der Rechtsrahmen immer wieder erweitert und präzisiert. Die EU hat gezielt Vorschriften zum Schutz von Umwelt und Gesundheit ihrer Bürger erlassen und gleichzeitig das Ziel eines einheitlichen Binnenmarktes für Biotechnologie angestrebt.

Das wichtigste Instrument für die Genehmigung experimenteller Freisetzungen sowie der Vermarktung gentechnisch veränderter Organismen (GVO) in der EU war bis zum 17. Oktober 2002 die Richtlinie 90/220/EWG. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Richtlinie durch eine neue aktualisierte Richtlinie (2001/18/EG) des Europäischen Parlaments und des Rates über die absichtliche Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen ersetzt. (1)

Mit der an die Stelle der Richtlinie 90/220/EWG getretenen Richtlinie 2001/18/EG wird ein abgestuftes Zulassungsverfahren eingeführt, bei dem im Einzelfall vor der Genehmigung der Freisetzung oder Vermarktung eines GVO oder eines Erzeugnisses, das GVO enthält oder aus GVO besteht wie Mais, Tomaten, Insekten oder Mikroorganismen , die Risiken für die menschliche Gesundheit sowie für die Umwelt geprüft werden.

Aus GVO gewonnene Produkte, wie Ketchup oder Mark aus gentechnisch veränderten Tomaten, fallen nicht unter diese horizontale Richtlinie, sondern unter die Verordnung (EG) Nr. 258/97 vom 27. Januar 1997 über neuartige Lebensmittel und neuartige Lebensmittelzutaten. Diese wird ab 18. April 2004 durch die neue Verordnung über GV-Lebens- und Futtermittel ersetzt.

Der bisherige Gesetzesrahmen wird demnächst ergänzt durch zwei neue Verordnungen, die im April 2004 in Kraft treten:

  • Verordnung über genetisch veränderte Futter- und Lebensmittel (1829/2003)

  • Verordnung über Rückverfolgbarkeit und Kennzeichnung von GVOs und die Rückverfolgbarkeit von Lebens- und Futtermitteln, die aus GVOs gewonnen wurden (1830/2003)

Was hat sich mit der neuen Richtlinie über die absichtliche Freisetzung von GVO geändert?

Die überarbeitete Richtlinie 2001/18/EG verschärft die alten geltenden Vorschriften für die Freisetzung von GVO in die Umwelt. Sie führt insbesondere Folgendes ein:

  • Grundsätze für eine Umweltverträglichkeitsprüfung (siehe unten);

  • die Pflicht zur Überwachung von Langzeiteffekten nach dem Inverkehrbringen, unter anderem in Bezug auf die Wechselwirkungen mit anderen GVO und mit der Umwelt;

  • die Pflicht zur Information der Öffentlichkeit;

  • Vorschriften an die Mitgliedstaaten über die Kennzeichnungspflicht und die Rückverfolgbarkeit in allen Stadien der Vermarktung;

  • Befristung der Erstzulassungen für die Freisetzung von GVO auf höchstens zehn Jahre;

  • die Pflicht zur Anhörung des/der Wissenschaftlichen Ausschusses/Ausschüsse;

  • die Pflicht zur Anhörung des Europäische Parlaments zu Entscheidungen über die Genehmigung der Freisetzung von GVO;

  • Möglichkeit des Ministerrats, einen Kommissionsvorschlag zur Zulassung eines GVO mit qualifizierter Mehrheit anzunehmen oder abzulehnen.

Wie funktioniert das Verfahren der Umweltverträglichkeitsprüfung?

Die Sicherheit der GVO hängt von den Merkmalen des eingebrachten Genmaterials, dem entstandenen Organismus, dem Aufnahmemilieu und der Wechselwirkung zwischen dem GVO und der Umwelt ab. Ziel der Umweltverträglichkeitsprüfung ist es, etwaige unerwünschte Wirkungen des bzw. der GVO zu ermitteln und zu bewerten. Dazu zählen direkte oder indirekte, unmittelbare oder spätere Wirkungen, wobei alle kumulativen und langfristigen Auswirkungen der absichtlichen Freisetzung oder der Vermarktung dieser GVO auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt zu berücksichtigen sind. Bei der Umweltverträglichkeitsprüfung wird auch bewertet, wie das gentechnisch veränderte Erzeugnis entwickelt wurde und welche potenziellen Risiken mit den durch GVO (beispielsweise toxische oder allergene Proteine) hergestellten neuen Genprodukten und einem möglichen Gentransfer (beispielsweise von Genen, die Antibiotikaresistenz hervorrufen) verbunden sind.

Bei der Risikobewertung wird folgende Methodik angewandt:

  • Ermittlung etwaiger Merkmale des bzw. der GVO, die unerwünschte Wirkungen haben können,

  • Bewertung der möglichen Folgen der einzelnen unerwünschten Wirkungen,

  • Bewertung der Wahrscheinlichkeit des Auftretens jeder einzelnen als möglich ermittelten unerwünschten Wirkung,

  • Abschätzung des Risikos jedes einzelnen ermittelten Merkmals des bzw. der GVO,

  • Anwendung von Strategien zur Bewältigung der Risiken, die aus der absichtlichen Freisetzung oder dem Inverkehrbringen des bzw. der GVO entstehen

  • Bestimmung des Gesamtrisikos des bzw. der GVO.

Wie sieht das Genehmigungsverfahren für die Freisetzung von GVO in die Umwelt aus?

Gemäß der Richtlinie 2001/18/EG muss ein Unternehmen, das GVO in Verkehr bringen will, zunächst einen Antrag bei der zuständigen Behörde des Mitgliedstaats stellen, in dem das Produkt erstmalig vermarktet werden soll.

Der Antrag muss eine vollständige Umweltverträglichkeitsprüfung enthalten. Befürwortet die einzelstaatliche Behörde das Inverkehrbringen des betreffenden GVO, so setzt dieser Mitgliedstaat die anderen Mitgliedstaaten über die Kommission davon in Kenntnis. Gibt es keine Einwände, stimmt die Behörde, welche die ursprüngliche Bewertung vorgenommen hat, dem Inverkehrbringen des Erzeugnisses zu. Dieses kann dann in der gesamten EU auf den Markt gebracht werden, sofern es in der Genehmigung ggf. vorgesehene Voraussetzungen erfüllt.

Gehen jedoch Einwände ein und wird auf Klärung bestanden, muss eine Entscheidung auf EU-Ebene getroffen werden. Die Kommission bittet zunächst ihre wissenschaftlichen Ausschüsse um Stellungnahme. Die Ausschüsse setzen sich aus hoch qualifizierten unabhängigen Wissenschaftlern aus Fachbereichen wie Medizin, Ernährung, Toxikologie, Biologie, Chemie oder anderen Disziplinen zusammen.

Fällt die Stellungnahme positiv aus, legt die Kommission dem Regelungsausschuss, der sich aus Vertretern der Mitgliedstaaten zusammensetzt, einen Entscheidungsentwurf zur Stellungnahme vor. Wird dieser Entwurf vom Regelungsausschuss befürwortet, nimmt die Kommission die Entscheidung an.

Lehnt der Regelungsausschuss den Entscheidungsentwurf ab, wird dieser an den Ministerrat zur einstimmigen Annahme oder Ablehnung weitergeleitet. Liegt innerhalb von drei Monaten keine Entscheidung des Rates vor, kann diese von der Kommission getroffen werden.

Im Laufe des Anmeldungsverfahrens wird auch die Öffentlichkeit informiert. Sie hat Zugang zu den im Internet veröffentlichten Daten

http://gmoinfo.jrc.it ,

wie beispielsweise einer Zusammenfassung der Anmeldung, den Prüfberichten der zuständigen Behörden und der Stellungnahme der wissenschaftlichen Ausschüsse.

Bei experimentellen Freisetzungen prüfen die zuständigen Behörden des Mitgliedstaats, in dem die Freisetzung erfolgen soll, die Notifizierung und erteilen gegebenenfalls die Genehmigung.

Wie viele GVO sind zur Freisetzung zugelassen worden?

Seit Inkrafttreten der Richtlinie 90/220/EWG im Oktober 1991 wurden 18 Genehmigungen für die Freisetzung von GVO zu kommerziellen Zwecken in der EU erteilt, in der Regel nach Entscheidung der Kommission aufgrund einer Abstimmung des Regelungsausschusses mit qualifizierter Mehrheit.

Seit Oktober 1998 wurde jedoch keine Genehmigung nach der Richtlinie 90/220/EWG mehr erteilt, obwohl zum Zeitpunkt ihrer Aufhebung bei 13 Anträgen die Zulassung noch ausstand. Einige Mitgliedstaaten machten auch Artikel 16, die so genannte Sicherheitsklausel der Richtlinie geltend, um das Inverkehrbringen von Produkten aus gentechnisch verändertem Mais und Raps auf ihrem Hoheitsgebiet vorläufig zu verbieten.

Die derzeit neun anhängigen Fälle betreffen die Länder Österreich, Luxemburg, Frankreich, Griechenland, Deutschland und das Vereinigte Königreich. Diese Fälle wurden dem Wissenschaftlichen Pflanzenausschuss zur Stellungnahme vorgelegt. In allen Fällen kam der Ausschuss zu dem Schluss, dass die von den Mitgliedstaaten vorgelegten Informationen das Verbot nicht rechtfertigten.

Nationale Maßnahmen, die unter Artikel 16 der Richtlinie 90/220/EEG notifiziert wurden, müssen jetzt unter dem Paragraphen für Sicherheitsklauseln der Richtlinie 2001/18/EEG (Artikel 23) behandelt werden. Die Kommission hat daher die Mitgliedstaaten informiert, dass sie ihre nationalen Maßnahmen unter 90/220/EEG zurückziehen sollten und die Verbote aufheben sollten, da die neuen Gesetzesregeln angenommen wurden und in Kürze in Kraft treten.

Bei der Kommission liegen derzeit zweiundzwanzig (22) Notifizierungen nach der Richtlinie 2001/18/EG vor. Sieben (7) betreffen Erzeugnisse, die zur Zeit der Aufhebung der Richtlinie 90/220/EWG noch anhängig waren.

Welche Vorschriften gelten derzeit für die Vermarktung gentechnisch veränderter Lebensmittel?

Die Verordnung (EG) Nr. 258/97 über neuartige Lebensmittel und neuartige Lebensmittelzutaten enthält Vorschriften für die Zulassung und Etikettierung von neuartigen Lebensmitteln, die GVO enthalten, aus GVO bestehen oder gewonnen werden.

Der erste Schritt des Zulassungsverfahrens besteht in der Prüfung des Antrags auf Vermarktung eines gentechnisch veränderten Lebensmittelerzeugnisses durch den Mitgliedstaat, in dem das Lebensmittel zum ersten Mal in Verkehr gebracht werden soll. Fällt die Prüfung positiv aus, setzt der betreffende Mitgliedstaat die anderen Mitgliedstaaten über die Kommission davon in Kenntnis. Werden gegen den Antrag keine Einwände erhoben, darf der erstgenannte Mitgliedstaat das Erzeugnis für die Vermarktung in der gesamten EU zulassen.

Erheben andere Mitgliedstaaten Einwände, ist eine Entscheidung auf EU-Ebene erforderlich. Die Kommission hört die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zu Fragen, welche die Gesundheit betreffen, und legt bei einem positiven Gutachten von EFSA dem Ständigen Ausschuss für die Lebensmittelkette und Tiergesundheit, der sich aus Vertretern der Mitgliedstaaten zusammensetzt, den Entwurf einer Entscheidung zur Genehmigung vor.

In Abweichung von dem vollständigen Zulassungsverfahren ist in der Verordnung über neuartige Lebensmittel ein vereinfachtes Verfahren für Lebensmittel vorgesehen, die aus GVO gewonnen wurden, aber keine GVO mehr enthalten, und die im Hinblick auf Zusammensetzung, Nährwert, Stoffwechsel, Verwendungszweck und Gehalt an unerwünschten Stoffen herkömmlichen Lebensmitteln "im Wesentlichen gleichwertig" sind.

In solchen Fällen müssen die Hersteller der Kommission nur das Inverkehrbringen des Erzeugnisses unter Vorlage eines wissenschaftlichen Nachweises der wesentlichen Gleichwertigkeit oder einer entsprechenden Erklärung der zuständigen Behörden eines Mitgliedstaates mitteilen.

Wie viele GVO sind zur Verwendung in Lebensmittelerzeugnissen zugelassen worden?

In der EU dürfen Erzeugnisse aus 16 GVO vermarktet werden. Diese umfassen:

  • eine gentechnisch veränderte Sojasorte und eine gentechnisch veränderte Maissorte, die gemäß der Richtlinie 90/200/EG zugelassen wurden, bevor die Verordnung über neuartige Lebensmittel in Kraft trat,

  • verarbeitete Lebensmittel, die unter anderem von 7 gentechnisch veränderten Rapssorten und 4 gentechnisch veränderten Maissorten gewonnen werden und Öl von 2 gentechnisch veränderten Baumwollsaaten. Diese Produkte sind alle als im Wesentlichen gleichwertig im Sinne der Verordnung über neuartige Lebensmittel notifiziert worden.

Acht Anwendungen für gentechnisch veränderte Lebensmittel befinden sich derzeit noch in verschiedenen Stadien des Zulassungsverfahrens; dazu gehören Erzeugnisse aus gentechnisch verändertem Mais, gentechnisch veränderten Zuckerrüben und Sojabohnen.

Welche Vorschriften gelten derzeit für gentechnisch veränderte Futtermittel und welche Futtermittel wurden zugelassen?

Bis die neue Verordnung zu GV-Lebensmittel und Futtermittel in Kraft tritt, gibt es keine EU-Vorschriften für die spezifische Verwendung von aus GVO gewonnenem Material in Futtermitteln. Im Rahmen der Richtlinie 90/220/EWG wurden acht GVO für die Verwendung in Futtermitteln zugelassen (vier Maissorten, drei Rapssorten und eine Sojasorte).

Welche Vorschriften gelten derzeit für gentechnisch verändertes Saatgut?

In den Rechtsvorschriften der EU über Saatgut, insbesondere in der Richtlinie 98/95/EG, ist festgelegt, dass die einzelstaatlichen Behörden, welche die Verwendung von Saatgut in ihrem Hoheitsgebiet genehmigt haben, die Kommission von dieser Genehmigung unterrichten müssen. Die Kommission überprüft die Informationen des betreffenden Mitgliedstaats daraufhin, ob die Genehmigung der EU- Saatgutvorschriften entspricht. Ist dies der Fall, werden die Saatgutsorten in den im Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften veröffentlichten "Gemeinsamen Sortenkatalog für landwirtschaftliche Pflanzen" aufgenommen. Damit können sie in der gesamten EU vermarktet werden. Ferner müssen gemäß den genannten Vorschriften GVO-Saatgutsorten im Rahmen der Richtlinie 2001/18/EEG zugelassen werden, bevor sie in der EU in den Gemeinsamen Sortenkatalog aufgenommen werden und in den Handel kommen. Ist das Saatgut für die Verwendung in Lebensmitteln bestimmt, muss es außerdem gemäß der Verordnung über neuartige Lebensmittel zugelassen werden.

Nach den Rechtsvorschriften über das Inverkehrbringen von forstwirtschaftlichem Vermehrungsgut muss gentechnisch verändertes Material ebenfalls gemäß den Bestimmungen der Richtlinie 2001/18/EWG zugelassen werden. Es sind auch gemeinschaftliche Rechtsvorschriften für das Inverkehrbringen von Vermehrungsmaterial im Weinbau im Einklang mit den Vorschriften der Richtlinie 2001/18/EWG angenommen worden.

Außerdem sollen demnächst weitere Regelungen der Anbaubedingungen und Reinheitsvorschriften hinsichtlich der Verwendung von gentechnisch verändertem Saatgut in herkömmlichen Saatgutsorten sowie ausführliche Kennzeichnungsbestimmungen vorgeschlagen werden.

Welche Vorschriften gelten für Arzneimittel, Arbeitnehmerschutz und Verkehr?

Die Zulassung von Arzneimitteln für die Human- und die Tiermedizin (auch von Arzneimitteln, die aus gentechnisch veränderten Organismen gewonnen werden) ist durch die Verordnung (EWG) Nr. 2309/93 des Rates zur Festlegung von EU-Verfahren für die Genehmigung und Überwachung von Human- und Tierarzneimitteln geregelt.

Die Richtlinie 90/679/EWG des Rates über den Schutz der Arbeitnehmer gegen Gefährdung durch biologische Arbeitsstoffe bei der Arbeit enthält neben Vorschriften für andere biologische Stoffe auch solche für GVO.

Welche Vorschriften gelten für Kennzeichnung und Etikettierung?

Die EU erkennt die Tatsache an, dass der Verbraucher ein Recht auf Information und Kennzeichnung hat, um eine Kaufentscheidung in Kenntnis der Sachlage treffen zu können.

Seit 1997 besteht für GVO als solche und für deren Verwendung in einem Erzeugnis Kennzeichnungspflicht. Ab dem 17. Oktober 2002 müssen die Mitgliedstaaten gemäß der Richtlinie 2001/18/EG alle nötigen Maßnahmen treffen, um die Kennzeichnung von GVO als Produkte oder in Produkten in allen Stadien des Inverkehrbringens sicherzustellen.

Die Verordnung über neuartige Lebensmittel und neuartige Lebensmittelzutaten sieht eine Kennzeichnungspflicht von Lebensmitteln und Lebensmittelzutaten vor, die GVO enthalten oder aus solchen bestehen, unbeschadet der sonstigen Kennzeichnungsvorschriften des EU-Rechts. Die Kennzeichnungsvorschriften für aus GVO hergestellte Lebensmittel, die aber keine GVO mehr enthalten, beruhen auf dem Konzept der Gleichwertigkeit(2).

Die Verordnung (EG) Nr. 1139/98 enthält Vorschriften für die Etikettierung von Lebensmitteln und Lebensmittelzutaten, die aus einer Mais- und einer Sojasorte(3) gewonnen wurden, nach Maßgabe des Vorhandenseins auf gentechnischer Veränderung beruhender DNA oder Proteine. Dieses Kriterium dient als Muster für die Kennzeichnungsvorschriften für alle aus GVO gewonnenen Lebensmittel und Lebensmittelzutaten.

Im Januar 2000 nahm die Kommission die Verordnung (EG) Nr. 50/2000 an, um sicherzustellen, dass auch Zusatzstoffe und Aromen zu kennzeichnen sind, wenn das Endprodukt auf gentechnischer Veränderung beruhende DNA oder Proteine enthält.

Die Verordnung (EG) Nr. 49/2000 behandelt das Problem des zufälligen Auftretens von gentechnisch verändertem Material in herkömmlichen Lebensmitteln. Sie führt eine untere Schwelle von 1% für zufällig auftretende DNA oder Proteine infolge gentechnischer Veränderung ein, unter der keine Kennzeichnung erforderlich ist. Die Marktbeteiligten müssen nachweisen können, dass sie die nötigen Schritte zum Ausschluss von gentechnisch verändertem Material unternommen haben.

Gentechnisch veränderte Saatgutsorten sind gemäß der Richtlinie 98/95/EWG des Rates zu kennzeichnen. Aus dem Etikett muss deutlich hervorgehen, dass es sich um eine gentechnisch veränderte Sorte handelt.

Neue Vorschriften treten am 18. April in Kraft, die weiter unter erläutert werden.

Neue Rechtsvorschriften ab April 2004

Im Juli 2003 haben der Rat der EU und das Europäische Parlament zwei neue Verordnungen angenommen:

  • Verordnung über die Rückverfolgbarkeit und Kennzeichnung gentechnisch veränderter Organismen und über die Rückverfolgbarkeit von aus gentechnisch veränderten Organismen hergestellten Lebensmitteln und Futtermitteln (Verordnung 1830/2003)

  • Verordnung über gentechnisch veränderte Lebens- und Futtermittel (Verordnung 1829/2003)

Die neuen Verordnungen wurden im Herbst 2003 im Amtsblatt der Gemeinschaft veröffentlicht und treten am 18. April 2004 in Kraft.

Die neuen Verordnungen sehen vor: den Aufbau eines harmonisierten Systems zur Rückverfolgung von GVO, die Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Futtermitteln, eine strengere Fassung der geltenden Regeln für die Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln und die Einführung eines geradlinigen Zulassungsverfahrens für GVO in Lebens- und Futtermitteln und ihre absichtliche Freisetzung in die Umwelt. Sie geben einen strengen rechtlichen Rahmen vor, schließen bestehende Gesetzeslücken und befassen sich mit den berechtigten Anliegen von Bürgern, Verbraucherorganisationen und Unternehmen.

Eine strenge Sicherheitsüberprüfung von GVO wird auch weiterhin ein hohes Niveau des Gesundheits- und Umweltschutzes ermöglichen. Die Kennzeichnung aller gentechnisch veränderten Lebens- und Futtermittelerzeugnisse wird Verbraucher und Landwirte in die Lage versetzen, selbst zu entscheiden, ob sie Lebensmittel oder Futtermittel kaufen wollen, die gentechnisch verändert worden sind.

Warum hat die Kommission spezifische Vorschriften für die Rückverfolgbarkeit von gentechnisch veränderten Organismen vorgeschlagen?

Auf diese Weise lassen sich Erzeugnisse, die GVO enthalten oder aus GVO gewonnen wurden, über die gesamte Produktions- und Vertriebskette zurückverfolgen. Dies erleichtert

  • die Kontrolle und Überprüfung der Angaben auf den Etiketten,

  • die gezielte Beobachtung potenzieller Auswirkungen auf die Umwelt,

  • den Rückruf von Produkten, falls ein unvorhergesehenes Risiko für die menschliche Gesundheit oder die Umwelt festgestellt wird.

Die Richtlinie 2001/18/EG enthält allgemeine Bestimmungen, auf die sich ein Rückverfolgungssystem für GVO stützen könnte, aber sie gibt weder eine Definition der Rückverfolgbarkeit von GVO, noch nennt sie Ziele der Rückverfolgbarkeit oder ein vollständiges Konzept für deren Umsetzung.

Unterschiede und Überschneidungen zwischen einzelstaatlichen Rechts- und Verwaltungsvorschriften über die Rückverfolgbarkeit von GVO und aus gentechnisch veränderten Organismen gewonnenen Lebensmitteln und Futtermitteln können den freien Warenverkehr behindern und damit ungleiche bzw. unfaire Wettbewerbsbedingungen schaffen.

Daher wurde eine Gemeinschaftsverordnung geplant, die sich auf die Anforderungen der Richtlinie 2001/18/EG stützt und einen einheitlichen Rahmen für die Rückverfolgbarkeit solcher Erzeugnisse festlegt, um sowohl Rechtssicherheit herzustellen als auch ein kohärentes Vorgehen zu ermöglichen, und so zum reibungslosen Funktionieren des Binnenmarkts beizutragen.

Ist die Rückverfolgbarkeit nur auf GVO und gentechnisch veränderte Erzeugnisse anwendbar oder auch auf andere Lebensmittelerzeugnisse?

Für bestimmte Erzeugnisse besteht der Grundsatz der Rückverfolgbarkeit bereits seit vielen Jahren. Die neue Verordnung enthält spezifische Vorschriften für die Rückverfolgbarkeit von gentechnisch veränderten Erzeugnissen. Mit der Richtlinie 2001/18/EG wurde der Grundsatz der Rückverfolgbarkeit für GVO in allgemeinen Bestimmungen ins Gemeinschaftsrecht eingeführt. Demzufolge stellen die Mitgliedstaaten die Rückverfolgbarkeit in allen Phasen des Inverkehrbringens von GVO sicher. Allgemeine Bestimmungen über die Rückverfolgbarkeit wurden bereits mit EU-Vorschriften für Lebensmittel, Futtermittel und Saatgut festgelegt. Rechtsvorschriften für die spezifische Rückverfolgbarkeit von Rindfleischerzeugnissen wurden im Zuge der BSE-Krise erlassen (Verordnung Nr. (EG) 1760/2000). Die Verordnung (EG) Nr. 178/2002 des Europäischen Parlaments und des Rates zur Festlegung der allgemeinen Grundsätze und Anforderungen des Lebensmittelrechts sieht ebenfalls den Grundsatz der Rückverfolgbarkeit für alle Stufen der Herstellungs- und Vertriebskette im Lebens- und Futtermittelsektor vor.

Welche neuen Vorschriften gelten für die Rückverfolgbarkeit von GVO?

Die neue Verordnung über die Rückverfolgbarkeit sieht vor, dass die Wirtschaftsbeteiligten auf jeder Stufe des Inverkehrbringens Informationen über Erzeugnisse, die GVO enthalten, übermitteln und aufbewahren. Insbesondere sieht der Vorschlag Folgendes vor:

  • Die Beteiligten müssen über Systeme und Verfahren verfügen, mit denen ermittelt werden kann, wer das betreffende Erzeugnis bereitgestellt hat.

  • Bei GVO, die für die unmittelbare Freisetzung bestimmt sind, müssen die Beteiligten spezifische Angaben darüber machen, um welche Art von GVO es sich jeweils handelt.

  • Bei GVO, die zur Verwendung in Lebensmitteln, Futtermitteln oder zur Verarbeitung bestimmt sind, können die Wirtschaftsbeteiligten zusammen mit der Angabe über die GVO, die für die ursprüngliche Mischung zur Herstellung des Erzeugnisses „benutzt" wurden, entweder die oben genannten Angaben oder eine Erklärung übermitteln, der zufolge das Erzeugnis nur als Lebensmittel, Futtermittel oder zur Verarbeitung verwendet werden darf.

  • Bei aus GVO hergestellten Lebens- und Futtermitteln informieren die Beteiligten den nächsten Beteiligten der Kette darüber, dass das Erzeugnis aus GVO hergestellt ist.

  • Die Beteiligten bewahren die Angaben fünf Jahre lang auf und stellen sie den zuständigen Behörden auf Anfrage zur Verfügung.

Durch Übermittlung und Speicherung dieser Angaben werden weniger Probenahmen und Untersuchungen von Erzeugnissen erforderlich sein.

Wie funktioniert die Rückverfolgbarkeit in der Praxis?

Rückverfolgbarkeit wird definiert als Möglichkeit, GVO und aus GVO hergestellte Erzeugnisse über die gesamte Produktions- und Vertriebskette zurückzuverfolgen. Beginnt beispielsweise die Erzeugung mit einem gentechnisch veränderten Saatgut, müsste das das Saatgut verkaufende Unternehmen jeden Käufer darüber informieren, dass dieses gentechnisch verändert ist, und nähere Angaben machen, welche eine genaue Identifizierung des GVO ermöglichen. Außerdem ist das Unternehmen verpflichtet, Buch darüber zu führen, welche Beteiligten das Saatgut erworben haben. Ebenso müsste der Landwirt jeden Käufer der Ernteerträge über die gentechnische Veränderung informieren und Buch darüber führen, an wen er die Ernteerträge verkauft hat.

Die neue Verordnung gilt für alle gentechnisch veränderten Organismen, deren Inverkehrbringen von der EU zugelassen worden ist, d.h. alle Erzeugnisse, einschließlich Lebens- und Futtermittel, die GVO enthalten oder daraus bestehen. Als Beispiele seien einerseits gentechnisch verändertes Saatgut und andererseits Massengüter oder Sendungen von gentechnisch veränderten Körnern von Sojabohnen oder Mais genannt.

Unter die neue Verordnung fallen auch Lebens- und Futtermittel, die aus gentechnisch veränderten Organismen hergestellt werden. Dazu gehören Tomatenmark und Ketchup aus gentechnisch veränderten Tomaten oder Stärke sowie Öl oder Mehl aus gentechnisch verändertem Mais.

Welche finanziellen Auswirkungen hat die Verordnung auf die Beteiligten?

Es ist schwierig, die genauen Kosten abzuschätzen, welche die Einführung des Grundsatzes der Rückverfolgbarkeit speziell für GVO und aus GVO hergestellte Erzeugnisse verursacht.

Angaben über Lieferanten, Käufer, Preis und Datum der Transaktion sowie Art, Herkunft, Inhalt und Menge des Erzeugnisses sind bei den meisten Transaktionen bereits verfügbar. Diese Angaben müssen die Beteiligten auch nach den einzelstaatlichen Verwaltungsvorschriften aufbewahren, zum Beispiel zu Mehrwertsteuerzwecken. Die Übermittlung und Aufbewahrung der in der Verordnung aufgeführten Angaben könnten in die bestehenden Transaktionssysteme weitgehend einbezogen werden und dürften daher keine erheblichen zusätzlichen Kosten für die Beteiligten mit sich bringen.

Die neuen Kennzeichnungsvorschriften und worin unterscheiden sie sich von den bestehenden?

Nach der neuen Verordnung fallen künftig alle gentechnisch veränderten Lebens- und Futtermittel unter die derzeit geltenden Kennzeichnungsvorschriften, ungeachtet der Tatsache, ob gentechnisch veränderte DNA oder Proteine darin nachweisbar sind oder nicht. Alle Lebens- und Futtermittel, die GVO enthalten, daraus bestehen oder aus diesen hergestellt worden sind, müssten als solche gekennzeichnet werden. Zweck ist, Verbraucher und Landwirte über Natur und Eigenschaften des Lebens- bzw. Futtermittels genau zu informieren, damit sie eine Kaufentscheidung in Kenntnis der Sachlage treffen können.

Das gegenwärtige Kennzeichnungssystem für gentechnisch veränderte Organismen beruht auf der Nachweisbarkeit gentechnisch veränderter DNA oder Proteine im Lebensmittelendprodukt.

In der Praxis bedeutet dies, dass hoch verarbeitete Lebensmittel, die aus gentechnisch verändertem Material hergestellt wurde, wie z.B. hoch raffinierte Öle, nicht gekennzeichnet zu werden brauchen. Die neue Kennzeichnungspflicht erstreckt sich jedoch auf alle Lebensmittel und Zutaten, die aus GVO hergestellt worden sind, um dem Verbraucher die Entscheidungsfreiheit zu gewähren.

Gentechnisch veränderte Futtermittel werden nach den gleichen Grundsätzen gekennzeichnet werden müssen, damit Landwirte genaue Informationen über die Zusammensetzung und Eigenschaften der Futtermittel erhalten. Dies wird dazu führen, dass Futtermittel, die heute nicht der Kennzeichnungspflicht unterliegen, wie gentechnisch verändertes Sojamehl in Futtermitteln oder Mischfuttermitteln und die vier gemäß der Richtlinie 90/220/EWG zugelassenen gentechnisch veränderten Futtermittelpflanzen, künftig gekennzeichnet werden müssen.

Müssen auch Fleisch und Milch von einem mit gentechnisch veränderten Futtermitteln gefütterten Tier als gentechnisch verändert gekennzeichnet werden?

Im Einklang mit den allgemeinen Kennzeichnungsvorschriften der EU verlangt die Verordnung nicht die Kennzeichnung von Erzeugnissen, die keine Lebensmittelzutaten sind, wie zum Beispiel Verarbeitungshilfsstoffe. Erzeugnisse wie Fleisch, Milch oder Eier von Tieren, die mit gentechnisch veränderten Futtermitteln gefüttert oder mit gentechnisch veränderten Arzneimitteln behandelt worden sind, brauchen nicht gekennzeichnet zu werden.

Welches Zulassungsverfahren gilt künftig für gentechnisch veränderte Lebens- und Futtermittel?

Es gibt bereits klare Regeln für die Bewertung und Zulassung von GVO und GV-Lebensmitteln in der EU; die Zuständigkeiten sind jedoch zwischen Mitgliedstaaten und EU aufgeteilt. In der Verordnung wird eine einheitliche Anlaufstelle für die wissenschaftliche Bewertung und die Zulassung von GVO und gentechnisch veränderten Lebens- und Futtermitteln geschaffen und ein gestrafftes, einheitliches und transparentes EU-System für alle Marktanwendungen eingeführt, und zwar für GVO selbst wie auch die daraus hergestellten Lebens- oder Futtermittelerzeugnisse. Dies bedeutet, dass die Marktbeteiligten keine getrennten Zulassungen für die Verwendung von GVO und deren Verwendung in Futter- oder Lebensmitteln beantragen müssen, sondern dass eine einzige Risikobewertung und eine einzige Zulassung für einen GVO und dessen mögliche Verwendung ausreicht. Die Verordnung stellt damit sicher, dass Erfahrungen wie die mit Starlink-Mais in den USA vermieden werden, weil GVO, die wahrscheinlich als Lebens- oder Futtermittel verwendet werden, ausschließlich für beide Verwendungszwecke zugelassen werden können.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit wird für die wissenschaftliche Bewertung zuständig sein, die einerseits Umweltrisiken und andererseits den Gesundheitsschutz für Mensch und Tier umfasst. Die Stellungnahmen werden veröffentlicht, die Öffentlichkeit kann sich dazu äußern. Auf der Grundlage der Stellungnahme der Europäischen Lebensmittelbehörde erstellt die Kommission einen Vorschlag zur Erteilung oder Verweigerung der Zulassung. Der Vorschlag wird, wie dies bereits jetzt geschieht, mit der qualifizierten Mehrheit der Mitgliedstaaten in einem Regelungsausschuss verabschiedet.

Zugelassene Produkte werden in ein öffentliches Register von GV-Lebens- und Futtermitteln eingetragen. Die Zulassung wird für einen Zeitraum von zehn Jahren erteilt, gegebenenfalls wird ein Überwachungsplan nach dem Inverkehrbringen vorgeschrieben. Zulassungen sind jeweils um weitere zehn Jahre verlängerbar.

Das vereinfachte Verfahren für das Inverkehrbringen von GV-Lebensmitteln, die als im Wesentlichen gleichartig mit bestehenden Lebensmitteln angesehen werden, wird abgeschafft.

Warum lassen die neuen Verordnungen Spuren von genetisch verändertem Material zu, das nach wissenschaftlichen Erkenntnissen unbedenklich, aber noch nicht zugelassen ist?

Der zufällige oder nicht beabsichtigte Gehalt von GV-Material in Erzeugnissen, die in der Europäischen Union vermarktet werden, ist weitgehend unvermeidbar und kann beim Anbau und Transport, bei der Lagerung oder Verarbeitung der Erzeugnisse entstehen. Dies ist bereits heute sowohl bei Erzeugnissen aus der EU als auch aus Drittländern der Fall.

Das Problem stellt sich nicht nur bei GVO. Bei der Herstellung von Lebensmitteln, Futtermitteln und Saatgut ist es praktisch unmöglich, hundertprozentig reine Produkte zu erzielen.

Die Verordnung trägt dieser Tatsache Rechnung und legt spezifische Bedingungen fest, unter denen das technisch unvermeidbare Vorhandensein noch nicht offiziell zugelassener GVO genehmigt werden kann.

Die die Europäische Kommission beratenden wissenschaftlichen Ausschüsse haben bereits eine Reihe von GVO als für Umwelt und Gesundheit unbedenklich bewertet. Für diese GVO steht jedoch die endgültige Zulassung noch aus. Nach den Verordnungen dürfen diese GVO, für die eine positive Stellungnahme eines wissenschaftlichen Ausschusses der EU vorliegt, mit einem Anteil von höchstens 0,5 % in Lebens- oder Futtermitteln vorhanden sein, ohne dass Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit erforderlich sind. Voraussetzung ist, dass das Vorhandensein dieses Materials zufällig und technisch unvermeidbar ist und dass es in einer wissenschaftlichen Risikobewertung durch den zuständigen wissenschaftlichen Ausschuss oder die Europäische Lebensmittelbehörde als risikolos für die menschliche Gesundheit und die Umwelt eingestuft wurde. Dieser Höchstwert gilt drei Jahre. Die Verordnung verlangt auch, dass ein Feststellungsverfahren öffentlich zugänglich ist.

Mit dieser Ausnahmeregelung soll das Problem derjenigen Beteiligten gelöst werden, die versuchen, GVO zu meiden, aber feststellen müssen, dass ihre Erzeugnisse aufgrund versehentlicher oder technisch unvermeidbarer Kontamination einen geringen Anteil an gentechnisch verändertem Material enthalten. Die geltenden Rechtsvorschriften für gentechnisch veränderte Lebensmittel (Verordnung (EG) Nr. 1139/98, siehe oben) setzen bereits einen Schwellenwert von 1% für die Kennzeichnungspflicht von zugelassenem GV-Material fest.

Was ist unter Koexistenz zu verstehen?

Die Koexistenz gibt dem Landwirt die Möglichkeit, unter Einhaltung der Rechtsvorschriften für Etikettierung und/oder Sortenreinheit zwischen konventionellen und ökologischen Anbaumethoden einerseits und gentechnisch veränderten Kulturen andererseits zu wählen. Die Koexistenz ist also vor allem eine wirtschaftliche Frage.

Es geht um die möglichen wirtschaftlichen Nachteile, die Landwirten des konventionellen und/ oder ökologischen Landbaus erwachsen können, wenn sie wegen zufälliger Spuren von GVO über dem zugelassenen Höchstwert ihre Ernte auf Grund von Sanktionen, die dies verhindern sollen, zu einem niedrigeren Preis verkaufen müssen. In der EU dürfen nur zugelassene GVO angebaut werden, die Umwelt- und Gesundheitsaspekte werden in der Richtlinie 2001/18/EG geregelt.

In ihrer Sitzung vom 5. März 2003 beschloss die Kommission, den Mitgliedstaaten die Ausarbeitung eigener Strategien und Vorgehensweisen für die Koexistenz zu überlassen. Bei der Annahme der Verordnung über genetisch veränderte Lebens- und Futtermittel am 2. Juli 2003 bestätigte das Europäische Parlament in seinem Standpunkt diese Orientierung. Die Verordnung ändert die Verordnung 2001/18/EG, in der ein neuer Artikel 26 a) eingefügt wird, wonach die Mitgliedstaaten entsprechende Maßnahmen zur Verhinderung des zufälligen Vorhandenseins genetisch veränderter Organismen in anderen Erzeugnissen ergreifen können und fordert die Kommission auf, Leitlinien auszuarbeiten.

Was steht in den Leitlinien?

Nach den Leitlinien sollen die einzelstaatlichen Vorgehensweisen transparent sein, sich auf wissenschaftliche Tatsachen stützen und alle Interessengruppen einbeziehen. Sie stützen sich auf bestehende Trennungspraktiken (etwas in der zertifizierten Saaterzeugung) und wollen sicherstellen, dass die Interessen der Landwirte bei allen Anbauformen gleichermaßen berücksichtigt werden.

Die Maßnahmen zur Koexistenz sollen effizient und kostenwirksam sein ohne über das hinaus zu gehen, was zur Einhaltung der Schwellenwerte der Union für die GVO-Kennzeichnung nötig ist. Sie sollen für unterschiedliche Arten von Kulturen gelten, da die Wahrscheinlichkeit der Vermischung unterschiedlich groß ist: bei Kulturen wie Raps ist sie sehr groß, bei Kartoffeln beispielsweise eher gering. Ferner sollen lokale und regionale Aspekte ganz mit einbezogen werden.

Die Landwirte müssen unter den verschiedenen Erzeugungsformen wählen können, ohne dass sie gezwungen sind, in ihrer Umgebung bereits etablierte Anbaustrukturen aufzugeben. Grundsätzlich sollten die Landwirte in der Phase der Einführung einer neuen Erzeugungsform in einer Region die Verantwortung für die Durchführung der Maßnahmen zur Kontrolle der Vermischung tragen. Eine kontinuierliche Überwachung und Bewertung sowie der Austausch bewährter Verfahren sind unabdingbar für eine ständige Verbesserung der Maßnahmen.

Vorrang sollen betriebliche Maßnahmen und Maßnahmen zur Koordinierung benachbarter Betriebe haben. Sollte mit diesen die Koexistenz nicht gewährleistet werden können wären regionale Maßnahmen zu erwägen, beispielsweise Beschränkungen beim Anbau einer bestimmten Art von GVO in einer Region. Diese sollten nur für bestimmte Kulturpflanzen gelten, deren Anbau sich mit der Sicherstellung der Koexistenz in der Region nicht vereinbaren ließe, wobei der betreffende geografische Geltungsbereich soweit wie möglich eingegrenzt werden sollte. Regional geltende Maßnahmen müssen für jede Kultur und jede Erzeugnisart (wie z. B. Saaten oder Pflanzen) einzeln begründet werden.

Entsprechen die neuen Kennzeichnungsvorschriften den internationalen Handelsbestimmungen?

Die Verordnungen tragen den internationalen Handelsverpflichtungen der Gemeinschaft und den Erfordernissen des Protokolls von Cartagena über die biologische Sicherheit hinsichtlich den Pflichten der Importeure Rechnung.

Wie wird das Problem des GVO-Handels mit Drittländern geregelt?

Am 29. Januar 2000 wurde das UNEP-Protokoll von Cartagena über die biologische Sicherheit im Rahmen des Übereinkommens über die biologische Vielfalt angenommen. Allgemeiner Zweck dieses Übereinkommens der Vereinten Nationen ist es, gemeinsame Regelungen für die grenzüberschreitende Verbringung von GVO festzulegen, um weltweit den Schutz der Artenvielfalt und der menschlichen Gesundheit sicherzustellen.

Die Europäische Union ratifizierte das Protokoll am 27. August 2002. Sie muss jetzt ihre internationalen Verpflichtungen erfüllen und die Bestimmungen des Protokolls über die biologische Sicherheit in eigenes Recht umsetzen.

Die Umsetzung des Cartagena-Protokolls in EU-Recht kann sich auf zahlreiche Biotechnologie- Bestimmungen für die Verwendung von GVO in der Europäischen Union (auch bei Einfuhren) stützen. Zentrales Element dieses Rechtsrahmens ist die Richtlinie 2001/18/EG über die absichtliche Freisetzung genetisch veränderter Organismen in die Umwelt.

Im Hinblick auf die Ausfuhr von GVO aus der Europäischen Union wird das Protokollverfahren der vorherigen Zustimmung in Kenntnis der Sachlage (Advanced Informed Agreement) durch die Verordnung über grenzüberschreitende Verbringungen umgesetzt, die am 13. Juni 2003 verabschiedet wurde. Die wichtigsten Bestandteile der Verordnung sind:

  • die Pflicht, Ausfuhren von GVO, die zur absichtlichen Freisetzung in die Umwelt bestimmt sind, zu melden und die ausdrückliche vorherige Zustimmung vor der grenzüberschreitenden Verbringung einzuholen,

  • die Pflicht, die Öffentlichkeit und unsere internationalen Partner über die Praxis, die Rechtsvorschriften und die Entscheidungen der EU über GVO sowie über die unbeabsichtigte Freisetzung von GVO zu informieren;

  • eine Reihe von Vorschriften für die Ausfuhr von GVO, die als Lebensmittel, Futtermittel oder in der Verarbeitung Verwendung finden sollen,

  • Bestimmungen zur Ermittlung von zur Ausfuhr bestimmten GVO.

Der aktuelle Verordnung sieht keine spezifischen EU-Vorschriften für Einfuhren oder die Verbringung von GVO zwischen den Mitgliedstaaten vor. Hierfür gelten weiterhin die bestehenden Vorschriften der EU.

Mit der endgültigen Verabschiedung der Verordnung über die grenzüberschreitende Verbringung von GVO am 13. Juni 2003 ist der gemeinschaftliche Rechtsrahmen für die Umsetzung vollständig, und das Cartagena-Protokolls kann somit rechtzeitig in Kraft treten.

Die geforderte Zahl von 50 Ratifizierungsinstrumenten war am 13. Juni 2003 erreicht. Im Einklang mit seinem Artikel 37 trat das Protokoll am 11. September 2003 in Kraft.

(1)ABl. L 106 vom 17.4.2001, S. 1.

(2) D.h. wenn ein Merkmal oder eine Eigenschaft (Zusammensetzung, Nährwert oder nutritive Wirkungen oder Verwendungszweck) dazu führen, dass ein neuartiges Lebensmittel oder eine neuartige Lebensmittelzutat einem bestehenden Lebensmittel oder einer bestehenden Lebensmittelzutat nicht mehr gleichwertig ist, muss auf dem Etikett die Methode angegeben werden, durch die dieses Merkmal oder diese Eigenschaft hervorgerufen wurden (d.h. die gentechnische Veränderung).

(3) Diese Sorten wurden vor dem Inkrafttreten der Verordnung über neuartige Lebensmittel gemäß der Richtlinie 90/220/EWG über die absichtliche Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen zugelassen.


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