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Vorschlag für EU-Vorschriften über den Zusatz von Vitaminen und Mineralien zu Lebensmitteln häufig gestellte Fragen

European Commission - MEMO/03/224   10/11/2003

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MEMO/03/224

Brüssel, 10. November 2003

Vorschlag für EU-Vorschriften über den Zusatz von Vitaminen und Mineralien zu Lebensmitteln häufig gestellte Fragen

(siehe auch IP/03/1516)

Warum werden Lebensmitteln Vitamine und Mineralien zugesetzt?

Vitamine und Mineralien werden Lebensmitteln gewöhnlich aus dreierlei Gründen zugesetzt: Sie können einen Teil des Nährwerts, der bei der Herstellung oder Lagerung des Lebensmittels verloren geht, ersetzen. Beispielsweise wird Weizenmehl nach der Verarbeitung Eisen und mehrere Vitamin B-Arten zugesetzt. In diesem Fall spricht man von Wiederherstellung.

Außerdem können sie Lebensmittelersatz zugesetzt werden, der herkömmlichen Lebensmitteln ähnelt. Das bekannteste Beispiel dafür ist Margarine. Bei der Herstellung von Margarine werden die Vitamine A und D zugesetzt, so dass ihr Vitamingehalt dem von Butter entspricht.

Des Weiteren können Lebensmittel mit Nährstoffen angereichert werden, obwohl die Vitamine und Mineralien normalerweise nicht in diesen Lebensmitteln enthalten sind. Häufig wird Obstsäften Calcium zugesetzt, was für Menschen, die keine Milcherzeugnisse zu sich nehmen, eine wichtige Calciumquelle darstellen kann.

In vielen Studien wurde belegt, dass nicht alle EU-Bürger sich auf eine Weise ernähren, die ihnen alle notwendigen Nährstoffe liefert. Die zunehmende Beliebtheit von vorverarbeiteten Lebensmitteln weist darauf hin, dass die Menschen weniger Zeit haben, einkaufen zu gehen und eine Mahlzeit zuzubereiten, die eine große Abwechslung an Nährstoffen bieten würde. Auch der Ernährungsbedarf hat sich geändert. Beispielsweise hat eine nationale Erhebung zu Lebensmitteln im Vereinigten Königreich 1998 ergeben, dass sich die durchschnittliche Energiezufuhr Erwachsener in den britischen Haushalten von 2 700 Kalorien im Jahr 1960 auf 1 800 Kalorien im Jahr 1998 um 30 % verringert hat. Wenn die Menschen weniger essen, nehmen sie möglicherweise auch weniger Vitamine und Mineralien zu sich, die sie andererseits aber benötigen, um gesund zu bleiben.

In Ländern, in denen die Hersteller Margarine und Streichfetten freiwillig Vitamin A und D zusetzen, trägt dies in großen Bevölkerungsgruppen schätzungsweise etwa 20 % zur empfohlenen Aufnahme(1) an Vitamin A und etwa 30 % zur Aufnahme an Vitamin D bei.

Mit Eisen angereicherte Frühstücksgetreideerzeugnisse sind in den 90er Jahren im Vereinigten Königreich zur Hauptquelle für die Eisenaufnahme bei kleinen Kindern geworden und treten somit an die Stelle von Fleisch, das in den 50er Jahren die Hauptquelle darstellte. So können also mit Vitaminen und Mineralien angereicherte Lebensmittel einen wesentlichen Beitrag zur Nährstoffzufuhr leisten.

Worum geht es in der vorgeschlagenen Verordnung?

Mit der vorgeschlagenen Verordnung sollen harmonisierte EU-Vorschriften für den Zusatz von Vitaminen und Mineralien festgelegt werden. Es ist vorgesehen, dass eine Liste der Vitamine und Mineralien erstellt wird, die Lebensmitteln zugesetzt werden dürfen, und dass die Kriterien für die Festlegung von Mindest- und Höchstmengen an derartigen, Lebensmitteln zugesetzten Nährstoffen auf der Grundlage wissenschaftlicher Gutachten definiert werden. Alle Lebensmittel, denen Nährstoffe zugesetzt wurden, müssten danach entsprechende Angaben auf der Etikettierung enthalten, mit denen die Verbraucher über den Nährwert informiert werden.

Die vorgeschlagene Verordnung würde nicht für Lebensmittel gelten, die für besondere Ernährungszwecke bestimmt sind, wie etwa Lebensmittel für Säuglinge und Kleinkinder, Lebensmittel für Gewichtsreduzierungsdiäten oder Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke. Diese fallen in den Anwendungsbereich gesonderter EU-Vorschriften(2). Außerdem gibt es EU-Vorschriften(3) über Nahrungsergänzungen, wie z. B. Vitamintabletten, die eindeutig als konzentrierte Nährstoffquellen verkauft werden.

Und wie steht es mit anderen Stoffen, die Lebensmitteln zugesetzt werden?

In den letzten Jahren wurden Lebensmitteln zunehmend andere Stoffe, wie z. B. Kräuterauszüge oder Aminosäuren, zugesetzt. Diese Stoffe kommen häufig natürlich in Lebensmitteln vor, werden diesen gelegentlich jedoch in hohen Konzentrationen zugesetzt. Dabei wird in der Regel behauptet, dass der Stoff und das Erzeugnis sich günstig auf die Verbrauchergesundheit auswirken können.

Derzeit liegen kaum wissenschaftliche Erkenntnisse darüber vor, ob diese Stoffe sicher sind, wenn sie großen Mengen verzehrt werden. Mit der vorgeschlagenen Verordnung soll ein Verfahren festgelegt werden, anhand dessen unter Einbeziehung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) erstmals die Untersuchung dieser Stoffe auf ein mögliches Risiko für die menschliche Gesundheit ermöglicht würde. Die EFSA ist eine unabhängige Agentur, die die Europäische Kommission in Fragen der Lebensmittelsicherheit berät.

Hätte die vorgeschlagene Verordnung Auswirkungen auf die in einigen Mitgliedstaaten obligatorische Anreicherung?

Nein. Die Hersteller setzen Lebensmitteln häufig freiwillig Nährstoffe zu, in einigen Mitgliedstaaten ist jedoch der Zusatz bestimmter Vitamine oder Mineralien zu bestimmten Lebensmitteln obligatorisch, wie z. B. der Zusatz von Jod zu Salz zur Verhinderung von Jodmangelerkrankungen. Die EU-Verordnung betrifft den obligatorischen Zusatz von Nährstoffen nicht.

Würde der Zusatz von Vitaminen und Mineralien zu bestimmten Lebensmitteln eingeschränkt?

Vitamine, Mineralien und sonstige Stoffe könnten Lebensmitteln zugesetzt werden, solange das Erzeugnis kein Risiko für die Gesundheit der Verbraucher birgt. Eine wichtige Ausnahme davon bilden frische Lebensmittel, wie z. B. Obst, Gemüse oder Fleisch, die in ihrem natürlichen Zustand belassen werden sollten. Der Zusatz von Vitaminen oder Mineralien zu alkoholischen Getränken würde danach auf Grund der Bemühungen zur Bekämpfung des Alkoholsmissbrauchs nicht erlaubt.

Die Verbraucherverbände und einige Mitgliedstaaten sprechen sich gegen den Zusatz von Nährstoffen zu stark salz-, zucker- oder fetthaltigen Lebensmitteln aus, die kein „erwünschtes“ Nährstoffprofil besitzen. Sie fürchten, dass der Zusatz von Vitaminen oder Mineralien diese Lebensmittel attraktiver machen würde. EU-Vorschriften, die zu einem früheren Zeitpunkt in diesem Jahr vorgeschlagen wurden, tragen diesen Befürchtungen in den vorgeschlagenen Bestimmungen über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben auf Lebensmitteln(4) Rechnung und sehen die Erstellung eines Nährstoffprofils für Lebensmittel vor, bei dem deren Salz-, Fett- oder Zuckergehalt berücksichtigt wird. Nach den vorgeschlagenen Bestimmungen müssten Lebensmittel mit Vitamin- und Mineralienzusatz die Etikettierungsbestimmungen des Vorschlags über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben erfüllen. Dies würde bedeuten, dass Lebensmittel, die kein „erwünschtes“ Nährstoffprofil besitzen, solche Angaben nicht auf ihrer Etikettierung enthalten dürfen.

(1)Damit ist die Bevölkerungsreferenzaufnahme (PRI) gemeint.

(2)Für diätetische Lebensmittel gelten die Bestimmungen der Richtlinie 89/398/EWG des Rates, die durch die Richtlinien 96/84/EG und 1999/41/EG geändert wurde.

(3)Nahrungsergänzungen sind mit der Richtlinie 2000/46/EG geregelt.

(4)Die vorgeschlagene Verordnung 2003/0165 (COD) über gesundheitsbezogene Angaben wurde am 16. Juli 2003 veröffentlicht.


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