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Fragen und Antworten zu TSE bei Schafen und Ziegen

European Commission - MEMO/03/157   24/07/2003

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MEMO/03/157

Brüssel, 24. Juli 2003

Fragen und Antworten zu TSE bei Schafen und Ziegen

Was sind transmissible spongiforme Enzephalopathien (TSE)?

TSE sind eine Familie von Krankheiten, die bei Mensch und Tier auftreten und durch eine Zerstörung des Hirngewebes gekennzeichnet sind, wodurch das Gewebe eine schwammige Konsistenz bekommt. Zur Gruppe gehören Krankheiten wie Creutzfeldt-Jakob (CJD) beim Menschen, bovine spongiforme Enzephalopathie (BSE) beim Rind und Scrapie bei Schaf und Ziege. Während BSE erst seit relativ kurzer Zeit bekannt ist, kennt man Scrapie (die Traberkrankheit) bereits seit Jahrhunderten; aufgrund der verfügbaren Daten wird Scrapie als nicht auf den Menschen übertragbar und damit nicht als Gefahr für den Menschen angesehen. Dennoch gelten die Rechtsvorschriften der EU zum Schutz vor der Verbreitung und Übertragung von BSE auch für Schafe und Ziegen, im Sinne einer Vorsichtsmaßnahme (dazu gehören seit 2000 die Entfernung von spezifischem Risikomaterial wie Hirn und Rückenmark sowie seit 1994 das Verbot der Verfütterung von Säugetier-Fleisch- und Knochenmehl (MBM) an Wiederkäuer).

Gibt es Beweise oder Gründe für den Verdacht, dass Schafe und Ziegen auch mit BSE infiziert werden können?

BSE wurde bei Schafen auf der Weide bislang nicht festgestellt. Es ist jedoch bekannt, dass zum Teil Schafe im Vereinigten Königreich und anderswo in den achtziger und frühen neunziger Jahren mit Futtermitteln gefüttert wurden, die dieselbe Art von kontaminiertem Fleisch- und Knochenmehl enthielten, wie es für die Verbreitung von BSE bei Rindern verantwortlich war. Dies hat Wissenschaftler veranlasst, sich die Frage zu stellen, ob BSE auch kleinere Wiederkäuer befallen haben könnte. Die Verfütterung von MBM an Wiederkäuer ist in der EU seit 1994 verboten ein völliges Verbot der Verfütterung von MBM an Nutztiere ist seit Januar 2001 in Kraft. MBM steht im Verdacht, der Übertragungsweg für BSE zu sein, sofern es aus Material von infizierten Tieren stammt.

Auch ist seit einiger Zeit bekannt, dass BSE-ähnliche Erkrankungen im Experiment auf Schafe übertragen werden können, indem man ihnen Material verfüttert, das vom Hirn BSE-befallener Rinder stammt. Diese im Versuch künstlich erzeugte Krankheit lässt sich durch Untersuchung der klinischen Symptome oder mit den üblichen Schnelltests am Gehirn nicht von Scrapie unterscheiden. Die einzige Methode, mit der eine sichere Unterscheidung von Scrapie möglich ist, ist der Tierversuch an Mäusen, ein Verfahren, das bis zu zwei Jahren beansprucht.

Mit der begrenzten Zahl der bislang durchgeführten Tierversuche an Mäusen bei natürlichen Scrapie-Fällen konnte bislang kein BSE-artiger Stamm nachgewiesen werden, und bislang gibt es keine Anzeichen für BSE bei Schafen und Ziegen unter natürlichen Bedingungen. Alle neuen Erkenntnisse werden von den wissenschaftlichen Ausschüssen der EU ständig überprüft.

    Fakten über tse, schafe und ziegen

Wie lange leben Schafe und Ziegen?

Schafe und Ziegen sind Wiederkäuer, meist mit einer wirtschaftlich bedingten kurzen Lebensdauer. Je nach Markt werden die meisten Lämmer im Alter zwischen drei Monaten und einem Jahr geschlachtet; für Lämmer, die nur wenige Wochen alt sind, besteht eine begrenzte Nachfrage. Im Durchschnitt werden weibliche Schafe und Ziegen im Alter zwischen 6 und 7 Jahren gekeult. Die Tierkörper dieser älteren Tiere werden üblicherweise zu Fleischprodukten für den menschlichen Verzehr oder auch zu Haustierfutter verarbeitet.

    Wie werden Schafe und Ziegen gefüttert?

Schafe und Ziegen, die für die Milchproduktion gehalten werden, füttert man normalerweise mit Konzentratfutter. Auch säugende Mutterschafe erhalten für einige Wochen nach dem Ablammen Konzentratfutter. Die Beifütterung (ein Fütterungssystem, bei dem nur Lämmer, nicht aber die älteren Tiere Zugang zum Konzentratfutter haben) für junge Lämmer mit einem besonders schmackhaften Futter ist ebenfalls üblich. Generell ist jedoch die Verwendung von Konzentratfutter bei Schafen und Ziegen sehr viel weniger üblich als bei Rindern.

    Was wissen wir über Scrapie?

Scrapie ist eine TSE, die Ziegen und Schafe befällt. Die Krankheit ist seit fast drei Jahrhunderten bekannt. Scrapie ist horizontal, also von einem Tier aufs andere, oder über Umweltfaktoren und vertikal, vom Muttertier aufs Lamm, übertragbar. Junge Lämmer von weniger als zwölf Monaten können Scrapie aufweisen, klinische Symptome treten aber überwiegend bei Tieren im Alter zwischen 2 und 5 Jahren auf. Klinische Anzeichen sind häufiges Reiben oder Kratzen des Körpers, Verhaltensänderungen wie Depression, Erregbarkeit oder Aggressivität sowie Haltungs- und Bewegungsänderungen wie Zittern und Stolpern, bis hin zum Tod.

    Sind alle Schafe und Ziegen gleichermaßen empfänglich für TSE?

Nein. Untersuchungen zeigen, dass einige Schafsgenotypen resistent gegen Scrapie sind, andere dagegen eher empfänglich, dazwischen liegt die ganze Bandbreite von Genotypen, die in unterschiedlichem Maße resistent sind. Das Verhältnis resistente / empfängliche Genotypen variiert von Rasse zu Rasse. Nach bisherigen Untersuchungen folgt auch die Resistenz von Schafen gegenüber experimentell erzeugter BSE einem ähnlichen Muster. Derzeit gibt es kaum Erkenntnisse zu Genotypen und Resistenz bei Ziegen.

    In welchen Ländern gibt es derzeit TSE bei Schafen und Ziegen und wie verbreitet sind sie?

Scrapie wurde in zwölf Mitgliedstaaten (Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Niederlande, Österreich, Schweden, Spanien und VK) festgestellt. Dänemark, Luxemburg, und Portugal keine Scrapie-Fälle gemeldet.

Die Krankheit ist in drei Beitritts-/Kandidatenländern gemeldet worden Rumänien, der Slowakei und Zypern. Jahrelang sind klinische Fälle in der EU regelmäßig von Landwirten und Tierärzten diagnostiziert worden.

Allerdings haben die Mitgliedstaaten seit dem 1. Januar 2002 ein umfangreiches Programm für aktives Testen unternommen, um herauszufinden, wie verbreitet Scrapie in der EU ist. Aus den bisherigen Ergebnissen geht hervor, dass Scrapie häufiger bei Schafen und Ziegen auftritt als BSE bei Rindern. Die vollständigen Ergebnisse der in der EU im Jahre 2002 durchgeführten Tests sind verfügbar unter http://ec.europa.eu/food/fs/bse/testing/bse_results_en.html

Scrapie wird aus den USA, Kanada, Brasilien und Japan gemeldet. In Australien und Neuseeland, beide Länder mit einem großen Schafbestand, sind keine Fälle bekannt.

    Wie viele Schafe und Ziegen gibt es in der EU insgesamt und in jedem der Mitgliedstaaten?

Die Zahl der Tiere und ihrer Nachkommenschaft schwankt mit der Jahreszeit (mehr Tiere im Frühjahr nach dem Ablammen), daher ist es schwer, genaue Zahlenangaben zu machen. Nach Eurostat-Zahlen gab es im Jahre 2001 in der EU insgesamt 90 Millionen Schafe und 12 Millionen Ziegen; davon waren rund 65 Millionen Zuchtschafe und 9 Millionen Zuchtziegen.

Zahlen für die einzelnen Mitgliedstaaten soweit verfügbar sind nachstehend zu finden:

Mitgliedstaat

Schafe insgesamtZiegen insgesamt
Belgien153.12522.297
Dänemark111.0000
Deutschland2.115.000160.000
Griechenland9.060.0005.450.000
Spanien23.823.7303.010.012
Frankreich9.244.0001.242.000
Irland4.880.4009.304
Italien10.951.8001.327.400
Luxemburg7.3250.690
Niederlande1.230.000232.000
Österreich320.46757.993
Portugal3.459.350561.102
Finnland66.5006.500
Schweden452.0005.000
Vereinigtes Königreich24.433.62474.784
Insgesamt90.308.32112.159.082

    Wissenschaftliche informationen über tse bei schafen und ziegen

Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse stehen der Kommission derzeit zum Thema BSE bei Schafen zur Verfügung?

Die jüngsten Stellungnahmen des Wissenschaftlichen Lenkungsausschusses (WLA) zum Thema BSE bei Kleinwiederkäuern sind vom April 2002

http://ec.europa.eu/food/fs/sc/ssc/out257_en.pdf und

http://ec.europa.eu/food/fs/sc/ssc/out256_en.pdf

sie aktualisieren frühere Stellungnahmen vom

Oktober 2001 http://ec.europa.eu/food/fs/sc/ssc/out234_en.pdf

Februar 2001 http://ec.europa.eu/food/fs/sc/ssc/out170_en.pdf

und September 1998 http://ec.europa.eu/food/fs/sc/ssc/out24_en.html.

Die Stellungnahmen bekräftigen die Auffassung des WLA, dass keine Nachweise dafür vorliegen, dass BSE bei kleinen Wiederkäuern unter natürlichen Bedingungen auftritt. Es wird eine Reihe von Empfehlungen zu folgenden Punkten ausgegeben: spezifiziertes Risikomaterial, Verwendung von Schnelltests, Einzelkennzeichnung, Zucht resistenter Arten, Herdenregistrierung sowie Ausmerzungsmaßnahmen. Beschrieben wird auch eine mögliche Kombination von Vorgehensweisen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit für den Fall, dass BSE bei kleinen Wiederkäuern unter Feldbedingungen bestätigt wird.

Viele von diesen Empfehlungen des WLA und noch andere sind bereits von der Kommission in Rechtsvorschriften aufgenommen worden (siehe Abschnitt C zu Rechtsvorschriften).

    Welche Forschungsarbeiten zu TSE sind in der EU im Gange?

Eine aktualisierte Fassung der Übersicht über die nationalen Forschungsarbeiten zu TSE in Europa soll demnächst veröffentlicht werden (ursprünglich wurde sie im April 2001 auf Bitten des Rates „Forschung“ vom November 2000 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht). Diese aktualisierte Übersicht enthält detaillierte Angaben zu einer großen Zahl von TSE-bezogenen Forschungsarbeiten, die in der Mehrzahl der Mitgliedstaaten durchgeführt werden, darunter auch acht laufende Forschungsprojekte mit EU-Förderung, die sich unmittelbar mit TSE bei Schafen befassen. Zu diesen Projekten gehört ein Europäisches Netz zur Beobachtung und Bekämpfung von TSE bei kleinen Wiederkäuern (mit Schwerpunkt auf Epidemiologie, Pathologie und Diagnosetests), ein weiteres Projekt zur Beobachtung der Wirkungen von Maßnahmen zur Bekämpfung der Traberkrankheit auf genetischer Grundlage in verschiedenen Ländern sowie ein Projekt, das den zahlreichen Fragen nachgehen soll, die im Zusammenhang mit der Gefahr einer Infektion kleiner Wiederkäuer mit BSE unter Feldbedingungen stehen. Ein anderes Projekt hat zum Ziel, den Test für die Immunokapillar-Elektrophorese zur Feststellung von TSE in leicht zugänglichen Geweben und Körperflüssigkeiten kleiner Wiederkäuer zu entwickeln.

In früheren Jahren wurden die Ergebnisse der von der EU finanzierten Projekte der TSE-Ad-hoc-Gruppe zugänglich gemacht, um in die wissenschaftliche Beratung der Kommission einzugehen. Die Ergebnisse der laufenden Arbeiten sollen der neu eingerichteten Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EBLS) zur Verfügung gestellt werden, um diese wichtige Verbindung aufrecht zu erhalten.

    Rechtsvorschriften zum umgang mit tse bei schafen und ziegen

Welche Rechtsvorschriften gibt es in Bezug auf BSE bei Schafen und Ziegen?

Auch wenn es noch keinen Nachweis von BSE bei Schafen unter natürlichen Bedingungen gibt, gelten die meisten Rechtsvorschriften, die sich auf BSE bei Rindern beziehen, auch für Schafe. Dies ist eine Vorsichtsmaßnahme angesichts der noch ausstehenden Antworten auf die Frage nach dem Vorhandensein von BSE bei Schafen.

So bieten Vorschriften wie etwas das Verbot der Verfütterung von MBM, die Beseitigung von spezifiziertem Risikomaterial, Meldepflicht, Überwachungsmaßnahmen und Handelsvorschriften auch Schutz gegen das mögliche Vorhandensein von BSE bei Schafen.

Die wichtigsten Maßnahmen sind:

  • Verbot der Verfütterung von Säugetier-MBM an Wiederkäuer, einschließlich Ziegen und Schafe, 1994; später dann, im Januar 2001, ein völliges Verbot der Verfütterung von MBM an alle Nutztiere.

  • Tierabfälle von Schafen und Ziegen sind nach denselben Bedingungen zu entsorgen, wie sie für andere Tierabfälle gelten (Hitzebehandlung 133° C, 3 bar, 20 Minuten, außer bei Material der Kategorie 3 mit geringem Risiko, das für Haustierfutter bestimmt ist).

  • Entfernung von spezifiziertem Risikomaterial, seit Oktober 2000. Milz von Schafen und Ziegen aller Altersklassen, Schädel (einschließlich Gehirn und Augen), Tonsillen und Rückenmark von Schafen und Ziegen, die über 12 Monate alt sind oder bei denen ein bleibender Schneidezahn das Zahnfleisch durchbrochen hat, sind aus der Lebensmittelkette zu entfernen und als spezifiziertes Risikomaterial zu vernichten. Bei nach dem 1. Oktober 2003 geschlachteten Tieren gehört auch das Ileum zu diesem Risikomaterial.

  • Knochen von Schafen und Ziegen dürfen nicht zur Produktion von Separatorenfleisch verwendet werden.

  • Maßnahmen, die sicherstellen, dass Fleisch und Fleischerzeugnisse aus Einfuhren ebenfalls den einschlägigen Vorschriften der Gemeinschaft entsprechen (z. B. Entfernen von spezifiziertem Risikomaterial)

  • Mit Scrapie infizierte Schafe und Ziegen werden aus der Lebens- und Futtermittelkette ausgeschlossen.

Welche Maßnahmen gibt es derzeit zur Verhütung der Ausbreitung von Scrapie?

Die Verordnung 999/2001 über TSE legt die Regeln für den innergemeinschaftlichen Handel mit Schafen und Ziegen fest. Schafe und Ziegen für die Zucht müssen aus einem Betrieb stammen, der regelmäßig von einem amtlichen Tierarzt kontrolliert wird und in dem zumindest in den letzten drei Jahren kein Fall von Traberkrankheit bestätigt worden ist; außerdem müssen bei zur Schlachtung bestimmten alten weiblichen Tieren Stichprobenuntersuchungen durchgeführt werden. Bei Einfuhren müssen gleichwertige Garantien gelten. Erweiterte Bestimmungen treten am 1. Oktober 2003 in Kraft (siehe „Was geschieht mit den übrigen Tieren in Herden, in denen ein Fall von Traberkrankheit aufgetreten ist?“).

Gemäß Richtlinie 92/102/EWG müssen Schafe und Ziegen vor dem Verlassen des Ursprungsbetriebs mit einer Ohrmarke oder einer Tätowierung versehen werden, die eine Zuordnung zum Ursprungsbetrieb ermöglicht. Diese Vorschrift gilt auch für Verbringungen innerhalb eines Mitgliedstaats. Ein Register mit einer aktuellen Liste aller Tiere im Betrieb sowie ein Nachweis aller Bewegungen in dem und aus dem Betrieb sind ebenfalls vorgeschrieben. Einige Mitgliedstaaten (Frankreich, Irland) gehen über die Gemeinschaftsvorschriften hinaus und haben ein Einzelkennzeichnungssystem für Schafe eingeführt.

Nur bei Versendung eines Tiers aus einem Mitgliedstaat in einen anderen darf die Kennzeichnung geändert werden, in diesem Fall ist jedoch die Umstellung von der alten auf die neue Markierung im Register zu verzeichnen.

Die Kommission hat kürzlich dem Rat einen Vorschlag für eine neue Verordnung zur Kennzeichnung von Schafen und Ziegen unterbreitet. Laut diesem Vorschlag sollen alle Tiere mit zwei Ohrmarken individuell gekennzeichnet werden, wobei die Möglichkeit besteht, dass die Mitgliedstaaten elektronische Identifizierungsvorrichtungen genehmigen. Der Identifizierungscode eines Tieres soll während dessen gesamter Lebensdauer nicht verändert werden. Die übrigen Hauptpunkte dieses Vorschlags sind folgende: 1) zu aktualisierende Bestandsregister in allen Betrieben mit Aufzeichnungen über Geburten, Verbringungen und Todesfälle, 2) Transportbescheinigungen, die Tiergruppen bei allen Verbringungen begleiten, 3) ein zentrales Register sämtlicher Betriebe mit Schafen und Ziegen in einem Mitgliedstaat und 4) eine einzurichtende zentrale Datenbank mit sämtlichen Betrieben mit Schafen und Ziegen und als einen zweiten Schritt die Aufzeichnung über Verbringungen von Tiergruppen (siehe auch die Pressemitteilung IP/02/1915 von Dezember 2002).

    Trifft es zu, dass einige Schafe resistent gegen Scrapie sind und werden Schritte unternommen, um die Resistenz gegen Scrapie bei der Schafpopulation in der EU zu erhöhen?

Seit langem ist bekannt, dass Schafe mit einer bestimmten genetischen Ausstattung resistenter gegenüber Scrapie sind als andere. Der Unterschied ist begründet in der Erbinformation des für das Prion-Protein zuständigen Gens (die degenerierte Form dieses Proteins ist ursächlich für die Entstehung von Scrapie). Bei der Resistenz spielen zahlreiche Faktoren hinein, wie Schafsrasse und Erregerstamm. Generell sind Schafe mit einem ARR-Allel (Halbgen) offenbar resistenter und Schafe mit zwei ARR-Allelen (ARR/ARR-Schafe) sind augenscheinlich gegen die Krankheit hoch resistent; allerdings ist nicht bekannt, ob es sich um eine absolute Resistenz handelt.

Jetzt haben die Experten der Kommission und der Mitgliedstaaten den Entschluss getroffen, dass es an der Zeit sei, die Resistenz beim Schafsbestand der Gemeinschaft zu erhöhen. Ab dem 1. Januar 2004 sollen die Mitgliedstaaten ein Programm einführen, um in ihren häufigsten Schafsrassen nach Scrapie-Resistenz zu selektieren. Als Vorbereitung wird derzeit eine Erhebung über die Genotypenverteilung bei den reinrassigen Schafspopulationen in allen Mitgliedstaaten durchgeführt.

Allgemeines Ziel des Zuchtprogramms ist es, den Anteil des ARR-Allels in der Schafspopulation zu erhöhen und gleichzeitig den Anteil der Allele abzusenken, die zur Anfälligkeit für die Krankheit beitragen. Es sind Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz seltener Rassen und Rassen mit einem niedrigen natürlichen Anteil an ARR-Allelen und zur Verhütung einer ungewollten Selektion nach unerwünschten Merkmalen eingebaut. Mitgliedstaaten, die bestimmte Kriterien erfüllen, können einen Antrag auf Ausnahme von dem Programm stellen.

In Kombination mit diesem Programm müssen die Mitgliedstaaten ebenfalls ab dem 1. Januar 2004 ein Programm für die Anerkennung von bestimmten Schafherden als TSE-resistent einführen. Als Herden des Niveaus I sind die Herden anzusehen, die ausschließlich aus ARR/ARR-Schafen bestehen. Bei Herden des Niveaus II haben die Lämmer ausschließlich ARR/ARR-Widder als Vatertiere somit ist Gewähr geleistet, dass die Lämmer mindestens ein ARR-Allel aufweisen. Mit diesem Programm will man die Landwirte ermutigen, auf Scrapie-Resistenz zu züchten und einen bekannten Pool resistenter Tiere aufzubauen.

    Ist es nicht denkbar, dass das Zuchtprogramm bei der Schafspopulation auch nach unerwünschten Merkmalen selektiert?

Bisher liegen keine Anzeichen dafür vor, dass Züchten auf Scrapie-Resistenz bei der Population schwerwiegende negative Auswirkungen hervorruft; dieser Möglichkeit müssen die Kommission und die Mitgliedstaaten jedoch eingedenk seien, was ihnen auch durchaus klar ist. Die Vorschriften enthalten Bestimmungen, die eine Überprüfung des Programms zulassen, sollte ein schwerwiegender negativer Effekt nachgewiesen werden.

Desgleichen wird bei der Überprüfung des Programms auch der Stand der wissenschaftlichen Forschung berücksichtigt. Die Kommission hat bereits angedeutet, dass sie die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EBLS) zu bitten gedenkt, die Ergebnisse eines Experiments im Vereinigten Königreich zu bewerten; dabei wurde BSE bei einem ARR/ARR-Schaf dadurch hervorgerufen, dass man infiziertes Material in das Hirn des Tieres injizierte. Ebenso soll ein vor kurzem aufgetretener Scrapie-Verdachtsfall bei einem ARR/ARR-Schaf in Deutschland untersucht werden. Die Behörde soll gebeten werden, sich dazu zu äußern, ob diese Ergebnisse eine Überprüfung der Zucht- und Tilgungsmaßnahmen rechtfertigen.

    Was geschieht mit Schafen und Ziegen, die von Scrapie befallen sind?

Nach EU-Recht dürfen Schafe und Ziegen, die von Scrapie befallen sind, nicht in die Lebens- und Futtermittelkette gelangen. Die Körper von Tieren, bei denen ein Scrapie-Ausbruch bestätigt wurde, sind zu verbrennen bzw. nach Hochtemperaturbehandlung zur Abtötung von Krankheitserregern auf Deponien zu entsorgen.

    Was geschieht mit den übrigen Tieren in Herden, in denen ein Fall von Traberkrankheit aufgetreten ist?

Bisher blieb es den Mitgliedstaaten überlassen zu beschließen, wie sie mit den übrigen Tieren in infizierten Herden verfahren wollten. Ab dem 1. Oktober 2003 treten jedoch neue EU-Regelungen in Kraft. Alle Tiere in infizierten Ziegenherden müssen vernichtet werden. Bei Schafen haben die Mitgliedstaaten die Wahl, alle Tiere im Betrieb zu vernichten oder eine Genotypisierung der Schafe vorzunehmen und nur die krankheitsempfänglichsten zu vernichten. Es bestehen auch Regeln für die Wiedereinführung von Tieren in die befallenen Betriebe.

In Verbindung mit diesen neuen Bestimmungen für das Keulen ist es dann zulässig, mit Zuchtschafen des ARR/ARR-Genotyps (die als Scrapie-resistent angesehen werden) ohne Einschränkungen zu handeln.

Aus Drittländern importierte Schafe und Ziegen müssen strengeren Anforderungen entsprechen als vorher. Sie müssen aus Herden stammen, bei denen niemals ein Scrapie-Fall gemeldet worden ist, es sei denn, es handelt sich um ARR/ARR-Schafe. Aber auch diese müssen aus einem Betrieb stammen, in dem in den vorangegangenen sechs Monaten kein Fall von Traberkrankheit aufgetreten ist.

    Beteiligt sich die EU an der Finanzierung der Scrapietilgung?

Programme zur Tilgung von Scrapie in den Mitgliedstaaten können von der EU gemäß der Entscheidung 90/424/EWG des Rates kofinanziert werden. Die ersten nationalen Tilgungsprogramme wurden 1998 kofinanziert. Für 2002 übernimmt die Kommission einen Beitrag von über 4 Mio. Euro zu den Kosten für Überwachungs-, Genotypisierungs- und Vernichtungsmaßnahmen in der Gemeinschaft.

    Überwachung und tests auf tse bei schafen und ziegen

Gibt es eine systematische Überwachung auf TSE bei Schafen und Ziegen?

Ja. Beobachtung und passive Überwachung der Schaf- und Ziegenbestände auf das Vorhandensein von Scrapie sind seit 1998 seitens der Gemeinschaft vorgeschrieben. Scrapie ist seit 1993 eine meldepflichtige Tierkrankheit. Die Landwirte müssen alle TSE-Verdachtsfälle bei Tieren den Behörden ihres Mitgliedstaates melden. Gewebe von Schafen und Ziegen, bei denen der Verdacht auf Scrapie oder eine andere TSE besteht, müssen im Labor untersucht werden. Die TSE-Verordnung verpflichtet die Mitgliedstaaten auch dazu sicherzustellen, dass Tierärzte, Landwirte und einschlägiges Personal mit den klinischen Symptomen von TSE vertraut sind und Laborpersonal, das die Prüfungen vornimmt, für die Interpretation der Laborergebnisse im Hinblick auf TSE qualifiziert ist. Alle Schafe sind außerdem vor der Schlachtung einer Schlachttieruntersuchung durch einen Tierarzt zu unterziehen.

Die aktive Überwachung einer Probe von gesunden Schlachttieren und von Tieren mit erhöhtem Risiko, die über 18 Monate alt sind, mit BSE-Schnelltests wurde im Januar 2002 eingeführt. Es werden dieselben Testverfahren wie auf BSE bei Rindern angewandt, da die Verfahren so ausgelegt sind, dass sie TSE (also auch Scrapie) erkennen. Ab dem 1. April 2002 ist der Umfang der Tests erheblich erweitert worden. Während des Jahres 2002 hat man mehr als 370 000 Tiere untersucht.

Die Ergebnisse der Überwachung auf Scrapie bei Schafen und Ziegen in der EU seit Januar 2002 finden sich auf der Website http://ec.europa.eu/food/fs/bse/testing/bse_results_en.html.

    Gibt es einen Test, der eine Unterscheidung zwischen Scrapie und BSE erlaubt?

Es gibt derzeit keinen validierten Schnelltest, der eine Unterscheidung zwischen BSE bei Schafen und Ziegen einerseits und Scrapie andererseits erlaubt. Bislang ist der Tierversuch an Mäusen die einzige Möglichkeit, zwischen den beiden zu unterscheiden; diese Untersuchung nimmt bis zu zwei Jahre in Anspruch.

Allerdings entwickelt man derzeit einer Reihe biochemischer Tests, die offenbar in der Lage sind, eine Unterscheidung zwischen den beiden Krankheiten vorzunehmen. Auf Empfehlung des Wissenschaftlichen Lenkungsausschusses (WLA) hat die Kommission das Gemeinschaftliche Referenzlabor für TSE gebeten, ein System aufzubauen, mit dem routinemäßig festgestellte positive Scrapie-Fälle, die sich bei einer Überwachung in den Mitgliedstaaten ergeben, für eine Diffentialdiagnose vorgelegt werden können, wobei diese Tests in Kombination eingesetzt werden. Etwaige BSE-ähnliche Ergebnisse würden anschließend von einer durch das Referenzlabor koordinierten Expertengruppe bewertet werden.


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