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MEMO/03/154

Brüssel, den 23. Juli 2003

Protokoll von Kyoto

Was ist das Protokoll von Kyoto?

Das Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC) und dessen Protokoll von Kyoto sind der einzige internationale Rahmen für die Bekämpfung des Klimawandels1.

Das Übereinkommen über Klimaänderungen, die erste internationale Maßnahme, die sich mit diesem Problem befasste, wurde im Mai 1992 angenommen und trat im März 1994 in Kraft. Nach diesem Übereinkommen sind alle Unterzeichnerstaaten verpflichtet, nationale Programme zur Verringerung der Treibhausgasemissionen auszuarbeiten und regelmäßige Berichte vorzulegen; ferner wird darin gefordert, dass die Unterzeichnerstaaten aus den Industrieländern2 im Gegensatz zu den Entwicklungsländern ihre Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2000 auf dem Niveau von 1990 stabilisieren. Dieses Ziel ist jedoch nicht verbindlich.

Durch die Differenzierung zwischen Industrie- und Entwicklungsländern anerkennt das Übereinkommen über Klimaänderungen, dass die Industrieländer für den Großteil der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich sind und auch über die institutionellen und finanziellen Kapazitäten für deren Verringerung verfügen. Die Vertragsparteien kommen jährlich zu einer Sitzung zusammen, um die Fortschritte zu überprüfen und weitere Maßnahmen zu erörtern; es wurden eine Reihe von weltweiten Überwachungs- und Berichtsmechanismen festgelegt, um die Entwicklung der Treibhausgasemissionen zu verfolgen.

Bereits 1994 war anerkannt worden, dass die ursprünglichen Verpflichtungen im Rahmen des Übereinkommens über Klimaänderungen nicht ausreichen würden, um den weltweiten Anstieg der Treibhausgasemissionen zu stoppen. Am 11. Dezember 1997 gingen die Regierungen einen Schritt weiter und nahmen in der japanischen Stadt Kyoto ein Protokoll zum Rahmenübereinkommen über Klimaänderungen an. Das Protokoll von Kyoto, das auf dem UNFCCC-Übereinkommen aufbaut, legt rechtlich verbindliche Grenzen für die Treibhausgasemissionen in den Industrieländern fest und sieht innovative, marktwirtschaftliche Umsetzungsmechanismen vor, durch die die Kosten der Emissionsreduzierung niedrig gehalten werden sollen.

Nach dem Protokoll von Kyoto müssen Industrieländer während des ersten „Verpflichtungszeitraums" von 2008-2012 die Emissionen von sechs Treibhausgasen (CO2, dem wichtigsten Treibhausgas, Stickoxyd, teilhalogenierte Fluorkohlenwasserstoffe, perfluorierte Kohlenwasserstoffe und Schwefelhexafluorid) im Durchschnitt um 5,2 % unter die Werte von 1990 senken. Für die Entwicklungsländer gibt es keine Emissionsreduzierungsziele.

Man hat sich für einen fünfjährigen Verpflichtungszeitraum statt für ein einziges Zieljahr entschieden, um jährliche Emissionsschwankungen auszugleichen, die auf unkontrollierbare Faktoren wie das Wetter zurückgehen.

Internationale Verhandlungen über einen zweiten Verpflichtungszeitraum nach 2012 im Rahmen des Protokolls von Kyoto sollen im Jahr 2005 beginnen.

Die Verpflichtungen werden mit dem Inkrafttreten des Protokolls von Kyoto rechtlich verbindlich. Damit das Protokoll in Kraft tritt, müssen mindestens 55 Vertragsparteien des Übereinkommens über Klimaänderungen das Protokoll ratifizieren und müssen dazu die Industrieländer (Anhang-I-Länder) gehören, auf die 1990 mindestens 55 % der CO2-Emissionen entfielen. Bislang haben 111 Länder das Protokoll von Kyoto ratifiziert, so dass die erste Schwelle erreicht wurde. Allerdings entfallen auf die Anhang-I-Länder nur 44,2 % der CO2-Emissionen3. (Der EU-Anteil beträgt 24,2 %). Fünf Anhang-I-Länder haben das Protokoll bisher nicht ratifiziert: Australien, Liechtenstein, Monaco, Russland und die Vereinigten Staaten. Nur die Ratifizierung durch Russland, auf das 17,4 % der weltweiten CO2-Emissionen im Jahr 1990 entfielen, oder durch die USA mit einem Anteil von 36,1 % wird ausschlaggebend sein, da die drei übrigen Länder zusammen nur einen Anteil von 2,1 % ausmachen. Nach dem Rückzug der Vereinigten Staaten vom Kyoto-Protokoll Anfang 2001 hängt das Inkrafttreten des Protokolls von Russland ab, das eine baldige Ratifizierung angekündigt hat.

Nach der Annahme des Protokolls von Kyoto gingen die Verhandlungen über die Details der darin vorgesehenen Mechanismen und über die Umsetzungsregeln weiter. Die abschließenden Verhandlungen gingen mit den Übereinkommen von Marrakesch 2001 zu Ende. Insbesondere nach dem Rückzug der USA kam der EU eine bedeutende Rolle dabei zu, die Verhandlungen über das Protokoll von Kyoto zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen.

Fortschritte bei der Umsetzung des Protokolls von Kyoto in der EU

Im Rahmen des Protokolls von Kyoto verpflichtete sich die EU dazu, ihre Treibhausgasemissionen während des ersten Verpflichtungszeitraums 2008-2012 um 8 % zu senken. Dieses Ziel soll von den Mitgliedstaaten gemäß einer rechtlich verbindlichen Lastenteilungsvereinbarung erreicht werden, in der für jeden einzelnen Mitgliedstaat ein eigenes Emissionsziel festgelegt ist4. Am 31. Mai 2002 ratifizierten die EU und alle ihre Mitgliedstaaten das Protokoll von Kyoto.

Aus ökonomischen Analysen des Protokolls von Kyoto und seiner Auswirkungen auf die EU geht hervor, dass die Gesamtkosten der Einhaltung des Protokolls schwer abzuschätzen sind und in Abhängigkeit von einer Reihe von Faktoren sehr unterschiedlich ausfallen können. Sofern kostengünstigen politischen Maßnahmen konsequent Vorrang eingeräumt wird, werden die Einhaltungskosten für die Wirtschaft der EU im Zeitraum 2008-2012 auf rund 0,06 % des BIP bzw. 3,7 Mrd. € pro Jahr geschätzt.

Die zehn Beitrittsländer, die der EU im Mai 2004 beitreten sollen, haben alle das Protokoll von Kyoto ratifiziert und haben ihre eigenen Kyoto-Ziele in einer Größenordnung von -6 % und -8 %. Das 8 %-Ziel der EU bezieht sich nur auf die derzeitigen 15 Mitgliedstaaten, und dies wird sich nach der Erweiterung nicht ändern.

Die EU hat ihre Verpflichtung aus dem UNFCCC-Rahmenübereinkommen, ihre Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2000 auf dem Stand von 1990 zu stabilisieren, dadurch erreicht, dass sie ihren Emissionsausstoß zwischen 1990 und 2000 um 3,3 % gesenkt hat. Diese Verringerung bedeutet auch, dass die EU auf dem Weg zur Erreichung ihres 8 %igen Emissionsverringerungsziels von Kyoto voran gekommen ist.

Allerdings nahmen die Emissionen zwischen 1999 und 2000 um 0,3 % und zwischen 2000 und 2001 um 1 % zu. Somit ergibt sich für 2001, dem jüngsten Jahr, für das Zahlen vorliegen, dass die Treibhausgasemissionen der EU um 2,3 % unter dem Niveau von 1990 lagen.

Ein Großteil der anfänglichen Fortschritte war durch einen starken Emissionsrückgang in Deutschland (Reduzierung um 18,3 % - die Hälfte davon war Schätzungen zufolge auf die wirtschaftliche Umstrukturierung im ehemaligen Ostdeutschland zurückzuführen), im Vereinigten Königreich (Rückgang um 12 % - ein Teil davon als Folge der Umstellung von Kohle auf Gas) und in Luxemburg (Senkung um 44,2 %, überwiegend infolge der Umstrukturierung der Stahlindustrie) bedingt. Zehn der 15 Mitgliedstaaten sind weit entfernt von dem Kurs, den sie zur Einhaltung ihrer Verpflichtungen aufgrund der EU-Lastenteilungsvereinbarung verfolgen müssten. (Näheres dazu im Anhang).

Branchenbezogen wurden die Emissionen seit 1990 in der verarbeitenden Industrie und in der Energiewirtschaft (Strom- und Wärmegewinnung) sowie die Emissionen aus kleinen Verbrennungsanlagen, einschließlich der Haushalte, gesenkt. Im Gegensatz dazu nahm der CO2-Ausstoß im Verkehrssektor zwischen 1990 und 2000 um 18 % zu und machte 21 % der gesamten Treibhausgasemissionen aus.

Diese Zahlen zeigen, dass die EU und ihre einzelnen Mitgliedstaaten weiter erhebliche Anstrengungen unternehmen müssen, um ihren Verpflichtungen aus dem Protokoll von Kyoto nachzukommen. Das EU-Emissionshandelssystem dürfte eine große Rolle dabei spielen, die weniger erfolgreichen EU-Mitgliedstaaten wieder auf Kurs zu bringen.

Die marktwirtschaftlichen flexiblen Mechanismen des Protokolls von Kyoto

Das Protokoll von Kyoto sieht drei marktwirtschaftliche „flexible Mechanismen" vor: den Emissionshandel, die gemeinsame Umsetzung und den Mechanismus für die umweltverträgliche Entwicklung. Diese sollen den Industrieländern die Möglichkeit geben, ihre Ziele dadurch zu erreichen, dass sie untereinander mit Emissionsrechten handeln und Gutschriften für emissionssenkende Projekte im Ausland erhalten. Die gemeinsame Umsetzung bezieht sich auf Projekte in Ländern, für die ebenfalls Emissionsziele gelten, und der Mechanismus für die umweltverträgliche Entwicklung auf Projekte in Entwicklungsländern ohne Emissionsreduzierungsziele.

Die Überlegung, die hinter diesen drei Mechanismen steht, ist die, dass die Treibhausgasemissionen ein weltweites Problem sind und der Ort, an dem eine Reduzierung erreicht wird, von untergeordneter Bedeutung ist. So können - zumindest in der anfänglichen Phase der Bekämpfung des Klimawandels - die Emissionssenkungen dort erzielt werden, wo die Kosten am niedrigsten sind.

Um sicherzustellen, dass kein Missbrauch mit diesen Mechanismen getrieben wird, wurden ausführliche Regeln ausgearbeitet und Überwachungsstrukturen eingerichtet.

Emissionshandel

Während die Umsetzung der drei flexiblen Mechanismen auf internationaler Ebene erst möglich wird, wenn das Protokoll von Kyoto in Kraft tritt, entwickelt die EU ihr eigenes, internes Emissionshandelssystem. Die entsprechende Richtlinie wurde vom Europäischen Parlament am 2. Juli 2003 und vom Rat am 22. Juli 2003 gebilligt.

Der Handel mit Emissionsrechten wird 2005 beginnen und für die Mitgliedstaaten der erweiterten Europäischen Union gelten. Das EU-System wird das weltweit erste multinationale Emissionshandelssystem sein und gilt als Vorreiter des internationalen Systems für den Handel mit Emissionsrechten im Rahmen des Protokolls von Kyoto.

Nach dem EU-Emissionshandelssystem werden die EU-Mitgliedstaaten für energieintensive Unternehmen (ungefähr 10 000 Stahlwerke, Kraftwerke, Ölraffinerien, Papierfabriken, Glas- und Zementanlagen) Grenzen für den CO2-Ausstoß dadurch festlegen, dass sie Berechtigungen dafür ausstellen, wie viel CO2 diese Unternehmen emittieren dürfen. Emissionssenkungen, die die Grenzen unterschreiten, können gehandelt werden. Unternehmen, die Emissionssenkungen erzielen, können diese an Unternehmen verkaufen, die Schwierigkeiten haben, im Rahmen der für sie geltenden Grenzen zu bleiben oder für die die Emissionsreduzierungsmaßnahmen gegenüber den Kosten der Berechtigungen zu hoch sind. Jedes Unternehmen kann auch seine Emissionen über den ihm ausgestellten Berechtigungswert hinaus erhöhen, indem es auf dem Markt mehr Berechtigungen erwirbt.

Dieses System wird die Unternehmen dazu anhalten, Emissionssenkungen dort vorzunehmen, wo diese am billigsten sind, wodurch sichergestellt wird, dass die Reduzierungen zu den volkswirtschaftlich niedrigsten Kosten erfolgen und die Innovationstätigkeit gefördert wird.

Schätzungen zufolge entfällt nahezu die Hälfte der gesamten CO2-Emissionen der EU auf die Unternehmen, die derzeit an dem System teilnehmen. Andere Branchen wie die Aluminiumhersteller, die chemische Industrie und der Verkehrssektor könnten später einbezogen werden.

Die EU-Mitgliedstaaten müssen nunmehr ihre einzelstaatlichen Zuteilungspläne mit den Berechtigungen für die einzelnen Branchen und Unternehmen ausarbeiten. Die Pläne sind der Kommission bis April 2004 vorzulegen.

Die EU hat auch ihre Bereitschaft erklärt, das EU-System an Handelssysteme in anderen Ländern, die das Protokoll von Kyoto ratifiziert haben, zu koppeln.

Gemeinsame Umsetzung und Mechanismus für die umweltverträgliche Entwicklung

Nach dem Protokoll von Kyoto werden die gemeinsame Umsetzung und der Mechanismus für die umweltverträgliche Entwicklung es den Industrieländern ermöglichen, einen Teil ihrer Emissionsreduzierungsverpflichtungen dadurch zu erreichen, dass sie emissionsverringernde Projekte im Ausland durchführen und die erzielten Reduzierungen auf ihre eigenen Verpflichtungen anrechnen.

Die gemeinsame Umsetzung wird Projekte in anderen Industrieländern mit Kyoto-Zielen ermöglichen, während der Mechanismus für die umweltverträgliche Entwicklung in Ländern ohne derartige Ziele, d. h. in Entwicklungsländern, greifen wird. Eine Voraussetzung für die Ausstellung von Gutschriften für die erzielten Reduzierungen ist, dass die Projekte zu realen, messbaren und langfristigen Nutzeffekten in puncto Klimawandel führen.

Die Kommission hat auf der Grundlage dieser Bestimmungen und des EU-Emissionshandelssystems am 23. Juli 2003 einen Vorschlag angenommen, der die Gutschriften aus Projekten im Rahmen der gemeinsamen Umsetzung und des Mechanismus für die umweltverträgliche Entwicklung mit dem Emissionshandelssystem verbindet.

Dieser Vorschlag sieht vor, dass europäische Unternehmen, die unter das EU-System für den Emissionshandel fallen, Gutschriften aus Projekten im Rahmen der gemeinsamen Umsetzung und des Mechanismus für die umweltverträgliche Entwicklung zur Erreichung ihrer Verpflichtungen aus dem Handelssystem umwandeln dürfen. (Die Regierungen werden während des ersten Verpflichtungszeitraums von Kyoto 2008-2012 Gutschriften aus Projekten im Rahmen der gemeinsamen Umsetzung und des Mechanismus für die umweltverträgliche Entwicklung für die Erfüllung ihrer Verpflichtungen aus dem Protokoll von Kyoto verwenden dürfen, sofern das Protokoll in Kraft tritt.)

Die Überlegung, die der gemeinsamen Umsetzung und dem Mechanismus für die umweltverträgliche Entwicklung zugrunde liegt, ähnelt der, die hinter dem Handel mit Emissionsrechten steht: Wo Emissionsreduzierungen erzielt werden, ist weniger wichtig, da der Klimawandel ein globales Problem ist. Wichtig ist, dass sie stattfinden und möglichst kostengünstig erzielt werden. Die Kopplung von Gutschriften aufgrund von Projekten mit dem Emissionshandelssystem dürfte Schätzungen zufolge die jährlichen Kosten für die Erfüllung des Protokolls für Unternehmen, die unter das System fallen - dazu gehören Unternehmen in den zehn Beitrittsländern - um rund ein Viertel senken. Durch die gemeinsame Umsetzung und den Mechanismus für die umweltverträgliche Entwicklung werden auch umweltgerechte Technologien in Schwellenländer (gemeinsame Umsetzung) und Entwicklungsländer (Mechanismus für die umweltverträgliche Entwicklung) transferiert, die diesen dabei helfen, einen nachhaltigen Entwicklungskurs zu verfolgen.

Der Vorschlag der Kommission berücksichtigt die Verpflichtung der Vertragsparteien des Protokolls von Kyoto, ihre Kyoto-Ziele im nennenswerten Umfang durch Emissionsreduzierungen in der Europäischen Union zu erreichen, sodass die Nutzung der flexiblen Kyoto-Mechanismen die inländischen Anstrengungen ergänzt. Daher ist in dem Vorschlag vorgesehen, dass eine Überprüfung ausgelöst wird, sobald die Gutschriften aus Projekten im Rahmen der gemeinsamen Umsetzung und des Mechanismus für die umweltverträgliche Entwicklung 6 % der Gesamtmenge der für den Handelszeitraum 2008-2012 ausgestellten Berechtigungen entsprechen und Eingang in das Emissionshandelssystem finden. Bei Auslösung der Überprüfung wird überlegt werden, ob die Berechtigungen, die während der verbleibenden Handelszeitraums umgewandelt werden können, begrenzt werden sollen.

Der Vorschlag schließt nukleare Projekte im Einklang mit den Regeln des Protokolls von Kyoto sowie „Kohlenstoffsenken" aus. Kohlenstoffsenken - das Anlegen von Wäldern zur Aufnahme von CO2 - waren auf UN-Ebene ein umstrittenes Thema, da diese keinen Technologietransfer mit sich bringen, von ihrem Charakter her temporär sind und rückgängig gemacht werden können, und nach wie vor Ungewissheit hinsichtlich der Auswirkungen der Emissionsaufhebung durch Kohlenstoffsenken besteht. Überdies sind die internationalen Verhandlungen darüber, welche Art von Forstwirtschaftsprojekten die Regierungen akzeptieren könnten, noch nicht abgeschlossen.

Das Protokoll von Kyoto und die EU

Die Bekämpfung des Klimawandels ist eine der Hauptverpflichtungen im Rahmen der vom Europäischen Rat auf seiner Tagung in Göteborg 2001 gebilligten EU-Strategie für die nachhaltige Entwicklung, die dort auch als Hauptverpflichtung der EU zur Erfüllung ihres Kyoto-Ziels bestätigt wurde.

Der Europäische Rat hat auf seiner Tagung vom 20./21. März 2003 die Mitgliedstaaten aufgefordert, die Fortschritte auf dem Weg zur Erreichung der Ziele des Kyoto-Protokolls zu beschleunigen. Der Klimawandel ist auch einer der vier vorrangigen Bereiche des sechsten Umweltaktionsprogramms der Gemeinschaft, in dem die vollständige Umsetzung des Protokolls von Kyoto als erster Schritt hin zur Erreichung des langfristigen Ziels einer 70 %igen Emissionsreduzierung gefordert wird5.

Die Basis der Anstrengungen der Kommission zur Umsetzung des Kyoto-Protokolls ist das Europäische Programm zur Klimaänderung (ECCP), das im März 2000 auf den Weg gebracht wurde. Im Wege des Programms sollen ergänzend zu den Anstrengungen der Mitgliedstaaten mit allen maßgeblichen Interessengruppen kostengünstige Maßnahmen ermittelt und entwickelt werden, die einen Beitrag dazu leisten, dass die EU ihr Kyoto-Ziel von 8 % erreicht. Seit dem Beginn des Programms haben mehr als 200 Interessengruppen in elf verschiedenen Arbeitsgruppen daran mitgewirkt.

Die Ergebnisse des zweiten Fortschrittsberichts zum ECCP vom April 2003 deuten darauf hin, dass es eine Vielzahl kostengünstiger Maßnahmen zur Erreichung des Kyoto-Ziels der EU gibt6. Es wurden zweiundvierzig mögliche Maßnahmen zur Emissionsverringerung mit einem Emissionsreduzierungspotenzial von insgesamt bis zu 700 Mio. t CO2-Äquivalent ermittelt, die pro Tonne CO2-Äquivalent weniger als 20 € kosten. Die für die Erreichung des Kyoto-Ziels der EU erforderliche Emissionsreduzierung wird auf rund 340 Mio. t CO2-Äquivalent geschätzt.

Wenngleich das Emissionshandelssystem die vielversprechendste Maßnahme ist, haben der Rat und das Europäische Parlament eine Reihe anderer Initiativen verabschiedet, etwa Rechtsvorschriften zur Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen und zur Förderung von Biokraftstoffen im Straßenverkehr sowie Rechtsvorschriften über die Energieeffizienz von Gebäuden. Weitere Maßnahmen wurden von der Kommission vorgeschlagen, wie die Richtlinie, die die gemeinsame Umsetzung und den Mechanismus für die umweltverträgliche Entwicklung mit dem EU-Emissionshandelssystem verbindet, und eine Richtlinie zur Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung.

An weiteren Vorschlägen wird derzeit gearbeitet, etwa an Rechtsvorschriften zu fluorierten Gasen. Ferner hat die Europäische Kommission eine Vereinbarung mit allen europäischen, japanischen und koreanischen Kraftfahrzeugherstellern ausgehandelt mit dem Ziel, die durchschnittlichen CO2-Emissionen von Neuwagen bis 2008/2009 um 25 % unter die Werte von 1995 zu senken.

Doch auch die bereits erlassenen Maßnahmen müssen erst noch umgesetzt werden, weshalb abzuwarten bleibt, inwieweit sie dazu beitragen werden, die Emissionen in der Praxis zu senken. Folgenabschätzungen beruhen immer auf einer Vielzahl von Annahmen und Variabeln, und ob das volle Potenzial einer Maßnahme ausgeschöpft wird, hängt von einer Reihe unterschiedlichster Faktoren ab.

Auswirkungen des Klimawandels

Nach dem dritten Bewertungsbericht der zwischenstaatlichen Sachverständigengruppe für Klimaveränderungen (IPPC), in der die weltweit führenden Experten in diesem Bereich vertreten sind, ist - sofern man weiter macht wie bisher - damit zu rechnen, dass die durchschnittliche Erdoberflächentemperatur zwischen 1990 und 2100 um 1,4 bis 5,8°C und die Meereshöhe im gleichen Zeitraum um 9 bis 88 Zentimeter steigt. Wird nichts unternommen, um diese Änderungen abzuschwächen, werden sie erhebliche Folgen für das Ökosystem und unsere Wirtschaft haben.

Dazu gehören geographische Verlagerungen des Auftretens verschiedener Spezies und/oder das Artensterben. Veränderte Regenmuster werden sich in vielen Regionen belastend auf die Wasserressourcen auswirken, was wiederum die Trinkwasserversorgung und die Bewässerung beeinträchtigen wird. Extreme Witterungsverhältnisse und Hochwasser, die mit den bekannten Kosten für die Wirtschaft und mit menschlichem Leid verbunden sind, werden häufiger vorkommen. Die warmen Jahreszeiten werden in den meisten kontinentalen Inlandsgebieten mittlerer Breitengrade trockener werden, was die Häufigkeit von Dürren und der Bodendegradation erhöht. Besonders gravierend wird dies in Gegenden sein, in denen Bodendegradation, Wüstenbildung und Dürren bereits jetzt ausgeprägt sind. Die Entwicklungsländer werden im besonderen Maße darunter leiden, und Tropenkrankheiten werden sich ausbreiten. Global betrachtet waren die neunziger Jahre das wärmste Jahrzehnt seit 1861.

    1 Umfassende Informationen zum UNFCCC und dem Protokoll von Kyoto können unter folgender Internet-Adresse abgerufen werden:

     http://unfccc.int.

    2 Das Übereinkommen über die Klimaänderungen teilt die Länder in zwei Hauptgruppen: Zum 1. Juli 2002 waren 186 Länder Vertragsparteien des Übereinkommens, von denen 40 Industrieländer im Anhang I des Übereinkommens aufgeführt und die übrigen 146 als Nicht-Anhang-I-Länder bekannt sind. Zu den Anhang-I-Ländern gehören die 24 relativ wohlhabenden Industrieländer, die 1992 Mitglieder der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) waren, die 15 Mitgliedstaaten der EU und 11 Schwellenländer, einschließlich Russland.

    3 Siehe http://unfccc.int/resource/kpthermo_if.html.

    4 Entscheidung des Rates 2002/358/EG vom 25. April 2002.

    5 Beschluss 1600/2002/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. Juli 2002.

    6 Zweiter Fortschrittsbericht zum ECCP - „Can we meet our Kyoto targets?" (Können wir unsere Ziele von Kyoto erreichen?", April 2003.

Anhang

Die folgenden Zahlen und Tabellen enthalten Detailangaben zu den Emissionen der sechs Treibhausgase bis 2001 für die einzelnen Mitgliedstaaten und für die EU insgesamt. Emissionen aus der internationalen Luft- und Seefahrt sowie Emissionen/Emissionsaufhebungen aufgrund einer geänderten land- und forstwirtschaftlichen Nutzung sind hier nicht erfasst.

Abbildung 1: EU-Treibhausgasemissionen insgesamt gegenüber dem Kyoto-Ziel

[Graphic in PDF & Word format]

Abbildung 1: Treibhausgas-Emissionstrends und Ziele des Kyoto-Protokolls für 2008-2012

[Graphic in PDF & Word format]

    1) Das Referenzjahr für CO2, CH4 und N2O ist 1990; für fluorierte Gase wird, wie nach dem Kyoto-Protokoll zulässig, 1995 als Referenzjahr herangezogen. Dies spiegelt die Präferenz der meisten Mitgliedstaaten wider.

    2) Für Dänemark sind die Daten für die 1990 erfolgten Anpassungen in Bezug auf den Stromhandel (Ein- und Ausfuhr) und Temperaturschwankungen in Klammern angegeben. Dänemark verwendet diese Methode, um die Fortschritte bei der Erreichung seines nationalen Ziels im Rahmen der EU-Lastenteilungsvereinbarung zu beobachten. Für die EU-Emissionen wurden nichtbereinigte dänische Gesamtdaten verwendet.


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