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MEMO/01/196

Brüssel, 28. Mai 2001

Preisunterschiede zwischen EU-Mitgliedstaaten Ergebnisse zweier Erhebungen der Kommission

Preisvergleiche sind ein guter Indikator für die wirtschaftliche Integration und die Marktleistung. Effiziente, wettbewerbsorientierte Märkte, auf denen Güter frei gehandelt werden, üben stetigen Druck auf die Preise aus. Aus diesem Grund haben die Verbraucher großes Interesse an einem gut funktionierenden Binnenmarkt. Im Zusammenhang mit dem Binnenmarktanzeiger, der Binnenmarktstrategie (siehe IP/01/564) und der Überwachung der Leistung der Produktmärkte hat die Europäische Kommission ein Vorhaben zur Kontrolle und Beurteilung der Höhe und der Ursachen von Preisunterschieden in Angriff genommen. Es wurden zwei Erhebungen durchgeführt eine über Unterhaltungselektronik und eine über frische Lebensmittel. Die Ergebnisse zeigen, dass es bei diesen Erzeugnissen nach wie vor große Preisunterschiede zwischen den Mitgliedstaaten gibt. Die Resultate dieser Erhebungen werden in der achten Ausgabe des Binnenmarktanzeigers vorgestellt (siehe IP/01/750 ).

Mögliche Ursachen der Preisstreuung

Bei den Ergebnissen der Erhebungen handelt es sich zwar noch um vorläufige Daten, und es ist daher Vorsicht geboten mit Schlussfolgerungen, aber die Untersuchungen liefern uns bereits Anhaltspunkte für die Ursachen der Preisstreuung. Preisunterschiede sind normalerweise auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Die unterschiedlichen Merkmale der in dieser Erhebung untersuchten Produktgruppen können uns interessante Aufschlüsse über die Gründe der Preisstreuung liefern. So hat die Kommission beispielsweise die Bedeutung von Markennamen untersucht und festgestellt, dass die Verbraucher häufig aufgrund des Markenimages bereit sind, für ein bestimmtes Produkt mehr zu bezahlen. Bei frischen Lebensmitteln sind bekannte Markennamen selten. Im Übringen trägt ihre Verderblichkeit zu ihren relativ hohen Transportkosten bei und macht sie schwerer handelbar. Bei Unterhaltungselektronik hingegen handelt es sich um Markenwaren, deren Erwerb oft eine signifikante, dem Kauf vor- oder nachgeschaltete Dienstleistungskomponente enthält. Für die großen Hersteller von Unterhaltungselektronik ist die Pflege des Markenimages daher äußerst wichtig. Die Untersuchung hat jedoch ergeben, dass das "Branding" die Preisunterschiede nur bis zu ca. 40 % erklären kann.

Unterschiedliche Vorlieben und unterschiedlicher Geschmack der Verbraucher können ebenso eine wichtige Rolle spielen wie die Bedingungen auf lokalen Märkten. Preisunterschiede sind darüber hinaus häufig auf Einschränkungen des freien Waren- und Dienstleistungsverkehrs zurückzuführen. Beschränkungen für europaweite Marketingkampagnen und Werbemaßnahmen, Hindernisse im Vertrieb, vertikale Beschränkungen und aufwendige Lizenzierungs- und Konformitätsbewertungsverfahren können sich allesamt negativ auf die Marktintegration auswirken.

Auch wenn es noch weiterer Untersuchungen bedarf, glaubt die Kommission doch, dass die laufenden Arbeiten zur Umsetzung der umfassenden Strategie für den Dienstleistungsbinnenmarkt (siehe IP/01/31) maßgeblich helfen werden, einige der Schranken zu beseitigen, die für die großen Preisunterschiede mitverantwortlich sind, die die Studien aufgedeckt haben.

Weiterhin große Preisunterschiede

Die Preise für frische Lebensmittel in Supermärkten weichen von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat beträchtlich voneinander ab. In den Hochpreisländern für ein bestimmtes Erzeugnis ist dieses oft doppelt so teuer wie in den entsprechenden Niedrigpreisländern, zuweilen ist der Preis sogar viermal so hoch.

Tabelle 1 enthält einige Beispiele für die Preisspanne bei alltäglichen Lebensmitteln. Kein Land ist für alle Lebensmittel das billigste oder das teuerste. So sind in Deutschland z. B. Schweinekoteletts am billigsten, Tomaten hingegen am teuersten. Analog ist in Italien Kabeljau am billigsten, während bestimmte Käsesorten dort am teuersten sind.

    Tabelle 1: Deutliche Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten bei Lebensmittelpreisen

Niedrigster Preis

Höchster Preis
SchweinefleischDeutschland78Schweden131
RindfleischIrland67Belgien117
LachsSpanien61Dänemark133
KabeljauItalien85Frankreich115
ApfelsinenSpanien51Vereinigtes Königreich141
BananenSpanien76Schweden120
TomatenSpanien58Deutschland115
KartoffelnIrland56Dänemark175
KäseNiederlande75Italien125

Anmerkung: Höchste und niedrigste Preise ausgewählter frischer Lebensmittel (100 = EU-Durchschnitt).

    Durchschnittspreise mit Mehrwertsteuer in Supermärkten.

Betrachtet man die Preise für Unterhaltungselektronik in der nachstehenden Tabelle, so stellt man fest, dass auch hier kein Land für alle Erzeugnisse das billigste oder das teuerste ist. In Deutschland sind die Preise relativ niedrig, in Dänemark und Schweden relativ hoch. Aber in Schweden ist beispielsweise ein bestimmter Fernseher am billigsten.

    Tabelle 2: Geringere, aber nach wie vor erhebliche Preisunterschiede bei Unterhaltungselektronik

Niedrigster Preis

Höchster Preis
Camcorder (Panasonic)Österreich86Frankreich116
Tragbarer CD-Player (Philips)Deutschland79Spanien123
14-Zoll-Farbfernseher (Sony)Portugal79Schweden120
25-Zoll-Farbfernseher (Philips)Schweden78Dänemark123
29-Zoll-Farbfernseher (Sony)Portugal82Dänemark122
DVD-Player (Sony)Deutschland84Spanien111
Mini-Hifi-Anlage (Sony)Vereinigtes Königreich83Schweden122
Videorecorder (Panasonic)Italien89Frankreich115
CD-Player (Sony)Italien88Österreich112
Videorecorder (Sony)Deutschland81Dänemark126

Anmerkung: Höchste und niedrigste Preise ausgewählter Unterhaltungselektronikgeräte (100 = EU-Durchschnitt).

    Jahresdurchschnittspreise auf nationaler Ebene im Fachhandel.

Da für die Untersuchungen über Unterhaltungselektronik und Lebensmittel unterschiedliche Methoden verwendet wurden, ist bei Vergleichen Vorsicht geboten. Stellt man jedoch die Zahlen in Tabelle 1 und 2 nebeneinander, so wird deutlich, dass die Preisunterschiede bei frischen Lebensmitteln höher sind als bei Unterhaltungselektronik. Während die größte Preisdifferenz bei Lebensmitteln (Kartoffeln) 119 Prozentpunkte beträgt zwischen 56 % des Durchschnittspreises in Irland und 175 % des Durchschnittspreises in Dänemark beläuft sich der größte Preisunterschied bei Unterhaltungselektronik auf 45 Prozentpunkte ein Videorecorder wird in Dänemark für 126 % des Durchschnittspreises angeboten, während in Deutschland nur 81 % dieses Preises bezahlt werden müssen. Die Unterschiede sind hier geringer als bei frischen Lebensmitteln, aber nach wie vor beträchtlich.

Vergleicht man die Preise eines Warenkorbes frischer Lebensmittel und eines Warenkorbes mit Unterhaltungselektronikgeräten in verschiedenen Ländern und stellt eine Rangfolge nach den Gesamtkosten dieses Warenkorbes auf (mit und ohne Mehrwertsteuer), so zeigt sich, dass die Preise in Mitgliedstaaten mit höherem Einkommensniveau nicht zwangsläufig höher sind. Auch unterschiedliche Mehrwertsteuersätze sind nicht die Ursache für die Preisstreuung. Selbst bei den Preisen ohne Mehrwertsteuer sind noch erhebliche Abweichungen zwischen den Mitgliedstaaten festzustellen.

Mehr Marktintegration würde sich in beträchtlichen Einsparungen für die Verbraucher niederschlagen

Selbst auf vollständig integrierten Märkten wäre eine gewisse Preisstreuung, z. B. aufgrund von Transportkosten, zu erwarten. Um zu ermitteln, wie weit der Binnenmarkt von einer vollständigen Integration entfernt ist, hat die Kommission die Preisunterschiede zwischen Mitgliedstaaten mit Preisunterschieden zwischen einzelnen Regionen innerhalb der Mitgliedstaaten verglichen.

Die maximalen Preisunterschiede zwischen Mitgliedstaaten bewegen sich bei Unterhaltungselektronik in der Regel zwischen 30 % und 50 %, während regionale Preisunterschiede hier normalerweise zwischen 10 % und 30 % liegen. Mit anderen Worten, die Preisunterschiede zwischen Mitgliedstaaten sind normalerweise dreimal so hoch wie regionale Preisabweichungen innerhalb eines Landes. Nur für einige wenige Produkte der Unterhaltungselektronik sind die Preisabweichungen in etwa gleich (so beträgt z. B. für einen bestimmten Fernseher die maximale regionale Preisabweichung 24 %, die maximale Abweichung zwischen Mitgliedstaaten 25 %). Es scheint daher nach wie vor mehr Preiskonvergenz möglich zu sein, auch bei den Produkten mit geringerer Preisstreuung, wie z. B. der Unterhaltungselektronik.

Eine andere Art, das Einsparpotenzial zu ermitteln, besteht darin, den Gesamtpreis, den die Verbraucher zahlen würden, wenn sie die Waren einzeln zum niedrigsten Preis in der Union erwerben würden, mit dem Preis zu vergleichen, den sie zu zahlen hätten, wenn sie den Warenkorb im eigenen Land kaufen würden. Der Niedrigstpreis-Korb wird ermittelt, indem für jedes einzelne Produkt der niedrigste Preis in der Union ohne Mehrwertsteuer ermittelt und dann für jedes Erzeugnis der Mehrwertsteuersatz des jeweiligen Landes hinzugerechnet wird. Die Untersuchung zeigt, dass spanische Verbraucher bei Unterhaltungselektronik 20 % sparen könnten, wenn sie jedes einzelne Produkt zum niedrigsten EU-Preis einkaufen könnten. Durchschnittlich könnten die Verbraucher in der EU etwa 12 % sparen.

Das ist natürlich eine rein theoretische Rechnung, da es keine „perfekten Märkte" gibt, auf denen man stets jedes Produkt unionsweit ohne Zusatzkosten erwerben kann. Dennoch ist das Beispiel nützlich, denn es liefert Anhaltspunkte dafür, welches Potenzial im Binnenmarkt noch freigesetzt werden kann, wenn wir weiter Fortschritte beim Abbau der Handelsschranken erzielen, die eine vollständige Integration verhindern.

Die Erhebung über Unterhaltungselektronik wurde zwischen März 1999 und März 2000 in 11 Mitgliedstaaten durchgeführt, die Erhebung über frische Lebensmittel zwischen August 1999 und August 2000 in 10 Mitgliedstaaten.

Eine ausführlichere Darstellung der Erhebungen und ihrer Ergebnisse finden Sie unter: http://ec.europa.eu/internal_market


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