Navigation path

Left navigation

Additional tools

Other available languages: EN FR

MEMO/01/15

Brüssel, 23 Januar 2001

Bankenaufsicht - Fragen und Antworten zur Reform der Eigenkapitalvorschriften

Woraus bestehen die EU-Eigenkapitalvorschriften?

Die derzeitigen EU-Eigenkapitalvorschriften, nach denen sich die Höhe des Eigenkapitals bemisst, das die Aufsichtsbehörden den Kreditinstituten zur angemessenen Risikodeckung vorschreiben, beruhen auf der Basler Eigenkapitalvereinbarung von 1988 und deren nachfolgenden Änderungen. Diese Vereinbarung war von den im Ausschuss für Bankenaufsicht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (kurz "Basler Ausschuss" genannt) vertretenen G-10-Bankaufsichtsbehörden geschlossen worden. Dem Ausschuss gehören Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, Luxemburg, die Niederlande, Schweden, die Schweiz, das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten an. Die Europäische Kommission verfolgt die Arbeiten des Ausschusses als Beobachterin.

Warum müssen diese Vorschriften überarbeitet werden?

Auf internationaler Ebene herrscht Einigkeit darüber, dass die Eigenkapitalanforderungen für das Kreditrisiko (das den mit Abstand größten Anteil am Gesamtrisiko im Bankgeschäft hat) überprüft werden müssen. Auch steht fest, dass die derzeitigen Vorschriften den Risiken von Kreditinstituten und Wertpapierhäusern nicht länger gerecht werden und keinen angemessenen Anreiz für ein umsichtiges Risikomanagement bieten. Im schlimmsten Fall hat die geltende Regelung die Fehlallokation von Ressourcen und Eigenkapitalarbitrage (d.h. die Umgehung von Eigenkapitalanforderungen) zur Folge. Darüber hinaus ist sie nicht flexibel genug, um auf Marktinnovationen reagieren zu können. Die Überarbeitung der EU-Eigenkapitalvorschriften ist eines der zentralen Ziele des Finanzdienstleistungs-Aktionsplans, der bis zum Jahr 2005 einen voll integrierten Finanzdienstleistungsmarkt vorsieht (siehe IP/00/1269).

Was soll durch die Überarbeitung erreicht werden?

Ziel ist es, die Eigenkapitalanforderungen stärker nach den Risiken auszurichten (das Marktrisiko ausgenommen), gleichzeitig eine Mindestkapitalausstattung zu gewährleisten und auch weiterhin die Chancengleichheit konkurrierender Unternehmen zu fördern. Zu diesem Zweck soll zunächst die Behandlung des Kreditrisikos (d.h. des mit Bankausleihungen an Kunden verbundenen Risikos) geändert werden.

Darüber hinaus wird die Einführung neuer Risikokategorien (z.B. des Reputationsrisikos) in Betracht gezogen, mit größerem Nachdruck auf die Rolle der Aufsichtsbehörden bei der Überprüfung der Eigenkapitalstrategien von Kreditinstituten hingewiesen und werden im Interesse der Marktdisziplin Vorschläge in Bezug auf Offenlegung und Transparenz gemacht.

Welche Beziehungen bestehen zwischen der EU und dem Basler Ausschuss?

Wie bereits erwähnt, sind im Basler Ausschuss acht EU-Mitgliedstaaten vertreten. Im Februar wird Spanien hinzukommen. Diese Überschneidung verpflichtet die EU, die weltweit besten Aufsichtsnormen zu erfüllen, an deren Weiterentwicklung mitzuwirken und zu gewährleisten, dass europäische Institute unter gleichen Bedingungen am internationalen Wettbewerb teilnehmen können wie ihre Konkurrenten aus anderen Ländern.

Als Beobachterin kann die Kommission sicherstellen, dass die nicht im Basler Ausschuss vertretenen EU-Mitgliedstaaten umfassend über die dortigen Entwicklungen unterrichtet werden, und die im Ausschuss vertretenen Mitgliedstaaten so weit wie möglich im kollektiven Interesse handeln. Sie vertritt den Standpunkt der EU insgesamt und hat mit Unterstützung der Sachverständigen aus den Mitgliedstaaten wesentlich zu den Vorarbeiten beigetragen, die eine Prüfung und Weiterentwicklung der Basler Grundsätze für die EU ermöglichen.

Sind die beiden Änderungsvorhaben identisch?

Nein, es gibt lediglich Überschneidungen (unsere Rechtsvorschriften beruhen bereits auf der Eigenkapitalvereinbarung von 1988 und deren Änderung von 1996 zur Einbeziehung des Marktrisikos). Auch sind die Änderungen auf EU-Ebene im Gegensatz zu Basel legislativer Art. Die EU-Vorschriften gelten für alle Kreditinstitute und Wertpapierfirmen und gehen damit über den Anwendungsbereich der Basler Vereinbarung hinaus. So sieht die Kapitaladäquanzrichtlinie (1993/6/EWG) zur Deckung des Marktrisikos Eigenkapitalvorschriften für Banken und Wertpapierfirmen gleichermaßen vor und trägt so der Notwendigkeit Rechnung, für diese beiden unmittelbar konkurrierenden Bereiche gleiche Wettbewerbsbedingungen zu gewährleisten. Doch sind die Kommission, die Branche und die Mitgliedstaaten entschlossen, für Komplementarität zwischen EU und Basel zu sorgen und Widersprüche auszuschließen. Unterschiede könnte es lediglich bei der Schwerpunktsetzung und im Detail geben, da die geänderten EU-Vorschriften (was Größe und Komplexität angeht) dem gesamten Branchenspektrum in der EU angemessen Rechnung tragen müssen.

Warum bedarf es einer weiteren Konsultationsrunde?

Nachdem sich die technischen Einzelheiten nun klarer abzeichnen, müssen wir sicherstellen, dass unser Konzept den Gegebenheiten der EU voll und ganz Rechnung trägt. So könnte es sich als notwendig erweisen, insbesondere die Bestimmungen über Wertpapierfirmen weiter zu verfeinern. Das Papier, das Ende Januar oder Anfang Februar veröffentlicht werden soll, wird das Verhältnis zwischen beiden Konsultationsrunden deutlich machen es ist zusammen mit dem Basler Papier zu lesen. Wir haben nicht die Absicht, der Branche ein weiteres 500-Seiten-Dokument aufzubürden.

Was will die Kommission vorschlagen?

Die Änderungen der EU-Eigenkapitalvorschriften und der Basler Vereinbarung betreffen die Punkte Kreditrisiko (einschließlich Kreditrisikominderung), Betriebsrisiko, Überprüfung der Eigenkapitalausstattung durch die zuständigen Behörden und Marktdisziplin. Auch in Bezug auf die Konsolidierung sind gewisse Anpassungen vorgesehen. Die Einzelheiten werden bei Veröffentlichung des zweiten Konsultationspapiers bekanntgegeben.

Ist diese Überarbeitung in Anbetracht der großen Zahl kleinerer Institute in der EU nicht zu komplex?

Nein, es ist die alte Standardmethode, die nicht mehr funktioniert. Wir versuchen einen Rahmen zu schaffen, der dem breiten europäischen Spektrum Rechnung trägt, das global wie lokal tätige Unternehmen und solche mit eingeschränktem Tätigkeitsbereich umfasst. Es ist ganz bestimmt nicht unsere Absicht, eine Flut komplexer, drückender neuer Vorschriften zu erlassen. Für kleine und mittlere Unternehmen, die ganz besonders auf den Zugang zu Finanzmitteln angewiesen sind und sehr sensibel auf die Kosten dieser Finanzierung reagieren, wird das neue Konzept unserer Auffassung nach Verbesserungen mit sich bringen, z.B. durch die Anerkennung einer Reihe in diesem Bereich üblicher Risikominderungstechniken.

Was passiert nun?

Der Basler Ausschuss hat sein zweites Konsultationspapier veröffentlicht (siehe Website der BIZ unter http://www.bis.org) und zur Stellungnahme bis zum 31. Mai aufgerufen. Wir werden unser zweites Konsultationspapier Ende Januar/Anfang Februar veröffentlichen und zum gleichen Termin um Stellungnahme bitten. Die eingehenden Reaktionen werden in die Schlussfassung der neuen Legislativvorschläge eingehen, die im Herbst etwa zeitgleich mit der Veröffentlichung der endgültigen Basler Vereinbarung veröffentlicht werden sollen. Natürlich müssen die Vorschläge der Kommission von den Mitgliedstaaten und vom Europäischen Parlament gebilligt werden. Der Finanzdienstleistungs-Aktionsplan sieht vor, dass die neuen Vorschriften bis zum Jahr 2004 zeitgleich mit der neuen Basler Vereinbarung in Kraft treten.


Side Bar

My account

Manage your searches and email notifications


Help us improve our website