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MEMO/00/122

Brüssel, 19. Dezember 2000

Häufig gestellte Fragen zu BSE-Tests

Was soll ein BSE-Test nachweisen?

Es kann als gesichert gelten, dass BSE von einem deformierten Protein, dem sogenannten Prionprotein (PrP (sc)), verursacht wird. Das deformierte Protein zwingt weitere normale Proteine in die Deformation. Die deformierten Proteine ballen sich zusammen und bilden flächige Ablagerungen. Es gibt andere Theorien zur Entstehung von BSE und einige Varianten zu der vorgenannten Theorie. Das Vorhandensein von PrP(sc) gilt als Marker für die Krankheit.

Mit den BSE-Tests wird ermittelt, ob eine nachweisbare Menge von PrP(sc) (Ursache von BSE oder Marker für die Krankheit) sich im untersuchten Gewebe abgelagert hat.

Wie viele Tests hat die Europäische Kommission zugelassen?

Bisher hat die Europäische Kommission drei Schnelltests zugelassen. Sie wurden entwickelt von:

  • CEA (Bezeichnung des Tests: Biorad)

  • Prionics AG (Bezeichnung des Tests: Prionic check)

  • Enfer Technology Ltd. (Enfer test system)

Fünf weitere Schnelltests werden gegenwärtig geprüft.

Wie laufen die Tests in der Praxis ab?

In allen drei Tests wird der Erreger oder PrP(sc)-Marker im Zentralnervensystem nachgewiesen. Nach der Schlachtung des Tieres wird mit einem Spezialinstrument eine Probe des Gehirns oder des Rückenmarks entnommen. Dieses Gewebe wird im Labor auf das Vorhandensein von PrP(sc) getestet. Schnelltests sind zuverlässig und erlauben es, eine Vielzahl von Proben in kurzer Zeit zu testen.

Welche andere Methoden der BSE-Diagnose gibt es?

Andere Laborverfahren der BSE-Diagnose sind z. B.: histophathologische Untersuchung (Nachweis der spongiformen Enzephalopathie), Untersuchung von BSE-Fibrillen (entsprechen den Scrapie-Fibrillen), immunhistochemische Untersuchung.

Welchem Zweck dienen die Tests?

Die Tests dienen der Überwachung und auch als zusätzliche Maßnahme zum Schutz der Verbraucher.

    1. Überwachung

Die Tests dienen dem Nachweis von BSE in einer Rinderpopulation und als Indikator für die Inzidenz. Über einen längeren Zeitraum lassen sich mit den Tests Veränderungen in der Entwicklung der Krankheit erkennen. Zu diesem Zweck können Risikogruppen von Tieren getestet werden, zum Beispiel Rinder, die in landwirtschaftlichen Betrieben verendet sind oder notgeschlachtet werden. Wenn BSE auftritt, dann am ehesten in derartigen Populationen, d. h. die Probenahme ist effektiver. Durch ein derartiges aktives Aufspüren wird die Krankheit in der Regel in einer Population eher entdeckt als durch passive Überwachung. Passive Überwachung bedeutet zum Beispiel, darauf zu warten, dass Landwirte Verdachtsfälle melden.

Die Europäische Union wird ein entsprechendes Testprogramm für Risikopopulationen an mehr als 30 Monate alten Tieren ab dem 1. Januar 2001 durchführen.

    2. Zusätzlicher Gesundheitsschutz

BSE ist eine relativ seltene Krankheit. Durch Routinetests an Schlachttieren können befallene Tiere ermittelt werden, die unbemerkte BSE-Symptome aufweisen, und auch befallene symptomfreie Tiere. Die Ermittlung und Beseitigung dieser Tiere ist ein zusätzlicher Schutz für den Verbraucher. Die wichtigste Maßnahme zum Schutz der Verbraucher bleibt jedoch die Beseitigung des spezifizierten Risikomaterials, wie z.B. des Gehirns und des Rückenmarks, aus allen Schlachtkörpern. Bei befallenen Tieren sind nahezu ausschließlich die entsprechenden Gewebe infektiös. Die Beseitigung des spezifizierten Risikomaterials ist in der EU seit dem 1.10.2000 vorgeschrieben.

PrP(sc) findet sich stets im Gehirn- und Zentralnervengewebe von Tieren mit klinischen Krankheitssymptomen und von symptomfreien Tieren in den Monaten vor Ausbruch der Krankheit. Der Befall des Rindergewebes verläuft offenbar parallel zur Entwicklung der Infektiosität.

In der EU werden ab den 1.7.2001 alle mehr als 30 Monate alten Rinder entsprechend getestet. Bis dahin wird es nicht zu vermeiden sein, alle mehr als 30 Jahre alten Tiere, die nicht getestet werden können, zu töten und zu beseitigen.

Nach welchem Verfahren hat die Europäische Kommission BSE-Tests bewertet?

Die Entwickler von Tests, die in der letzten Phase der Testentwicklung standen, wurden aufgefordert, ihren jeweiligen Test zur Bewertung einzureichen. Insgesamt gingen zehn Prüfungsanträge ein. Nach einer Vorauswahl durch eine Sachverständigengruppe wurden die vier vielversprechendsten Tests wie folgt bewertet:

In Prüflabors wurden unter Überwachung 1.400 Proben von gesunden und kranken Tieren entnommen. Die Proben waren kodiert, d. h. das Laborpersonal wusste nicht, von welchem Tier die Proben stammten (Blindtest). Von den 1.400 Proben stammten 1.064 Proben von 1.000 verschiedenen gesunden Tieren und 336 Proben von 300 nachweislich an BSE erkrankten Tieren.

Die Bewertung wurde nach den Leitlinien des internationalen Tierseuchenamtes (OIE) vorgenommen.

Auch die Nachweisgrenze der Tests wurden ermittelt: zu diesem Zweck wurde BSE-positive Gehirnsubstanz in negativer Gehirnsubstanz seriell verdünnt.

Wie konnten Sie sicher sein, dass die positiv getesteten Tiere BSE hatten und die negativ getesteten Tiere gesund waren?

Voraussetzung für die zuverlässige Bewertung eines Tests ist, dass die beprobten kranken Tiere tatsächlich BSE haben und die beprobten gesunden Tiere nicht infiziert sind. Andernfalls wird das Ergebnis der Bewertung verfälscht. Bei der Bewertung des Tests stammten die Proben von erkrankten Tiere von britischen Rindern, die BSE-Symptome zeigten und deren Erkrankung durch mikroskopische Untersuchung des Gehirns bestätigt wurde. Die Proben von gesunden Tiere stammten von neuseeländischen Rindern. Neuseeland gilt allgemein als das Land, das am wahrscheinlichsten BSE-frei ist. Auch die Gehirne dieser gesunden Rinder wurden mikroskopisch untersucht.

Was waren die Ergebnisse der Bewertung?

Drei der vier überprüften Tests analysierten jede einzelne der Proben korrekt. Der vierte Test erkannte 70% der Proben von befallenen Tieren und 90% der Proben von gesunden Tieren. Der Bewertungsbericht findet sich auf der Website der Kommission:

http://ec.europa.eu/food/fs/bse/bse12_en.html

Wie sind diese Ergebnisse zu werten im Vergleich mit Tests auf andere Krankheiten?

Die Ergebnisse stehen den Ergebnissen von Tests auf andere Krankheiten in nichts nach. Tests auf andere Tierkrankheiten, wie z. B. Tuberkulose und Brucellose, sind selbst im Endstadium dieser Krankheiten vergleichsweise weniger exakt.

Was kann der Test aussagen im Frühstadium der Infektion?

Kein Test kann BSE im Frühstadium der Infektion erkennen. BSE hat eine durchschnittliche Inkubationszeit von 4 bis 6 Jahren. Deswegen zielen die EU-Testprogramme auf mehr als 30 Monate alte Tiere. PrP(sc) konnte nicht in Rindergehirngewebe oder anderem Nervengewebe im Frühstadium der Krankheit nachgewiesen werden, genauso wenig wie die Infektiosität. Bei experimenteller Infektion mit Verabreichung sehr hoher Dosen erwies sich das Ileum (Darmabschnitt) als infektiös. Bei natürlichen Infektionen konnte Entsprechendes nicht nachgewiesen werden.

Was sagt die serielle Verdünnung aus?

In den Verdünnungstestreihen wurde BSE-infiziertes Rindergehirngewebe mit bekanntem Infektionstiter in gesundem Gehirngewebe seriell verdünnt. Auf diese Weise wurde das Frühstadium der Infektion nachgestellt, in dem das PrP(sc)-Niveau im Gehirngewebe relativ niedrig ist.

Es handelt sich hier um einen nützlichen Näherungstest, der allerdings sehr vorsichtig zu interpretieren ist: bei bestimmten Testverfahren kann eine Verdünnungsreihe andere Ergebnisse liefern als Material von Rindern im vorklinischen Stadium.

Warum wird nicht Gewebe von Rindern im vorklinischen Stadium verwendet?

Derartiges Gewebe ist für Routinetests nicht verfügbar. Es lässt sich nur gewinnen durch experimentelle Infektion von Rindern, die etwa drei Jahre nach der Infektion geschlachtet werden, bevor sie Symptome entwickeln.

Haben die Tests Tiere im vorklinischen Stadium erkannt?

Alle drei zugelassenen Tests haben Tiere im vorklinischen Stadium positiv getestet. Dabei handelt es sich um Tiere, die noch keine klinischen Symptome zeigen. Der CEA/Biorad-Test erkannte Tiere im vorklinischen Stadium in einem Experiment. Mit dem Enfer-Test wurden mehrere Tiere im vorklinischen Stadium positiv getestet, insbesondere in Beständen, die nach Entdeckung eines BSE-Falles getötet wurden. Mit dem Prionics-Test wurden Tiere im vorklinischen Stadium positiv getestet, die aus nach der Entdeckung von BSE getöteten Beständen stammten, sowie auch normale Schlachttiere in der Schweiz und jetzt auch in Deutschland. Bei den beiden jetzt in Deutschland erkannten Fällen handelte es sich um normale Schlachttiere.

Im Falle positiv getesteter Schlachttiere können wir davon ausgehen, dass keine BSE-Symptome vorhanden waren, aber wir können nicht wissen, wie fortgeschritten die Krankheit war.

BSE wurde in mehreren Fällen auch bei notgeschlachteten Tieren erkannt. Dabei handelt es sich nicht um Tiere im vorklinischen Stadium. Sie wiesen Krankheitssymptome auf, die jedoch nicht als BSE-Verdacht interpretiert wurden.

In welchem Umfang wurden Tests zur Entdeckung von Tieren im vorklinischen Stadium bisher ausgeführt?

Die Tests sind in der Schweiz seit drei Jahren Routine. Sie wurden auch in Irland an Tieren ausgeführt, die aus nach erkanntem BSE-Befall getöteten Beständen stammten. In den letzten Monaten wurden sie auch in anderen Mitgliedstaaten durchgeführt, insbesondere in Frankreich, mit der Folge, dass die Zahl der entdeckten Krankheitsfälle zunahm. Die ersten in Deutschland nachgewiesenen Fälle wurden durch einen derartigen Test entdeckt.

Mit wie vielen entdeckten BSE-Fällen ist zu rechnen?

Wie bereits gesagt: BSE ist eine relativ seltene Krankheit. Die BSE-Nachweisquote in der Gesamtpopulation (d. h. normalen Schlachtrindern) wird voraussichtlich um ein Vielfaches niedriger sein als in den Risikogruppen von Tieren, die in einem landwirtschaftlichen Betrieb verendet sind oder aufgrund von Gesundheitsproblemen notgeschlachtet werden. In der Schweiz ist Berechnungen zufolge damit zu rechnen, dass auf 186 Fälle in der Risikopopulation nur ein Fall in der normalen Population kommt.

Welche Kriterien können in der Auswahl eines Tests angelegt werden?

Die drei Testverfahren beruhen auf unterschiedlichen methodologischen Ansätzen und sind deshalb für bestimmte Laborbedingungen mehr oder weniger gut geeignet. Zu berücksichtigende Faktoren hierbei sind das gegenwärtige Know-how des Labors, die Vertrautheit mit der Testtechnologie, der gewünschte Automatisierungsgrad, usw.

Was kosten die Tests?

Die Mitgliedstaaten kaufen die Tests nach Ausschreibungen. Die Kosten sind demnach abhängig von diesem Faktor sowie auch von anderen Faktoren, zum Beispiel den Orderumfang und der Tatsache, ob Schulungsmaßnahmen usw. eingeschlossen sind. Die Kosten der Tests an sich betragen gegenwärtig €15-€20; darin nicht enthalten sind die Laborarbeiten und z. B. der Transport der Proben, usw.

Wie anfällig sind Menschen für BSE?

Das wissen wir nicht. Experimente lassen sich nicht durchführen, denn dies würde erfordern, dass man Menschen mit dem Erreger infiziert.

Eine Prognose muss doch aber möglich sein?

Aufgrund der Artenschranke ist anzunehmen, dass die Infektion eines Menschen eine höhere BSE-Dosis erfordert als die Infektion eines Rindes.

Betrachtet man den Aspekt des Ansteckungsweges, so ist davon auszugehen, dass zur oralen Infektion eines Menschen eine höhere BSE-Dosis erforderlich ist als zur Infektion von Mäusen durch Injektion des Erregers in das Gehirn.

Andere Faktoren wie die genetische Disposition des Wirtes können eine wichtige Rolle spielen und ihn mehr oder weniger anfällig machen.

Gibt es so etwas wie eine unbedenkliche Dosis?

Versuche am Menschen sind, wie gesagt, nicht möglich. Versuche an Tieren haben jedoch gezeigt, dass unterhalb einer bestimmten Mindestdosis ein Ausbruch der Krankheit unwahrscheinlich ist.


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