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Europäische Kommission - Pressemitteilung

Fusionskontrolle: Kommission gibt unter Auflagen grünes Licht für Übernahme der Nylonsparte von Solvay durch BASF

Brüssel, 18. Januar 2019

Die Europäische Kommission hat die geplante Übernahme der Nylonsparte von Solvay durch BASF nach der EU‑Fusionskontrollverordnung genehmigt. Die Genehmigung erfolgt unter der Auflage, dass in den Verpflichtungsangeboten vorgeschlagene Unternehmensteile veräußert werden.

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager erklärte: „Nylon wird für viele verschiedene Arten von Produkten verwendet: nicht nur für Textilien und Teppiche, sondern auch für Kfz-Bauteile, die dadurch leichter und umweltfreundlicher werden sollen. Wir haben beschlossen, die Schaffung eines bedeutenden europäischen Akteurs auf diesem Markt zu genehmigen, weil die von BASF und Solvay angebotenen Verpflichtungen gewährleisten, dass der Zusammenschluss nicht zu höheren Preisen oder zu einer geringeren Auswahl für die europäischen Unternehmen und letztlich auch für die Verbraucherinnen und Verbraucher führen wird.

Der heutige Beschluss wurde nach einer eingehenden Prüfung des Übernahmevorhabens erlassen. Er betrifft die Unternehmen Solvay und BASF, die beide in der Nylonindustrie tätig sind und sowohl Nylonverbindungen als auch Nylonfasern herstellen.

Nylonverbindungen kommen aufgrund ihres geringen Gewichts und der guten Wärmebeständigkeit in vielen Bereichen zum Einsatz, insbesondere in der Automobil- und der Elektronikindustrie. Sie gehören zu den fortgeschrittenen Werkstoffen, die für die Entwicklung leichterer und emissionsärmerer Autos verwendet werden. Nylonfasern werden vor allem für Kleidung, insbesondere Sportbekleidung, verwendet. Nylonverbindungen und Nylonfasern werden aus dem Vorprodukt Adiponitril („ADN“), einem Ölderivat, hergestellt.

BASF und Solvay verfügen in der gesamten Nylonwertschöpfungskette, insbesondere jener von Nylon 6.6, über beherrschende bzw. starke Marktpositionen.

 

Die Untersuchung der Kommission

Im Anschluss an ihre eingehende Marktuntersuchung äußerte die Kommission folgende wettbewerbsrechtliche Bedenken zu dem Vorhaben in der ursprünglich angemeldeten Form:

  • Nach Ansicht der Kommission war damit zu rechnen, dass der Zusammenschluss zu einer Verringerung der Zahl geeigneter Lieferanten und wahrscheinlich auch zu einem Anstieg der Preise auf einer Reihe von Märkten führen würde, die mit der Nylonindustrie im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) in Verbindung stehen: den Märkten für Adiponitril (ADN), ein wichtiges Vorprodukt für die Nylon-6.6-Wertschöpfungskette, sowie für Hexamethylendiamin, Adipinsäure, Hexamethylendiaminadipat, Basispolymere für Nylon 6.6, den technischen Kunststoff Nylon 6.6 und 3D-Druckpulver aus Nylon 6.
  • Aufgrund der begrenzten Anzahl der Anbieter von Zwischenprodukten hätte das neu aufgestellte Unternehmen ferner die Möglichkeit und den Anreiz gehabt, den Zugang seiner Wettbewerber zu wesentlichen Vorprodukten wie ADN, Hexamethylendiamin, Adipinsäure, Hexamethylendiaminadipat und Basispolymeren für Nylon 6.6 im EWR zu beschränken.

In Anbetracht der hohen Markteintrittsschranken – insbesondere weil der für einen wirksamen Wettbewerb entscheidende Zugang zu wesentlichen Vorprodukten begrenzt ist – war zudem nicht davon auszugehen, dass die gegenwärtige Wettbewerbsintensität durch neue Marktteilnehmer gewahrt werden könnte.

 

Die Verpflichtungsangebote

Um die wettbewerbsrechtlichen Bedenken der Kommission auszuräumen, haben BASF und Solvay folgende Verpflichtungsangebote unterbreitet:

  • die Veräußerung der Produktionsanlagen von Solvay in Belle-Etoile und Valence (Frankreich), Gorzow (Polen) und Blanes (Spanien) an einen einzigen geeigneten Käufer. In diesen Werken werden Hexamethylendiamin, Hexamethylendiaminadipat, Basispolymere für Nylon 6.6, der technische Kunststoff Nylon 6.6 und 3D-Druckpulver aus Nylon 6 hergestellt;
  • die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens des aus dem Zusammenschluss hervorgehenden Unternehmens und des Käufers der zu veräußernden Vermögenswerte am Standort Chalampé (Frankreich); dieses Gemeinschaftsunternehmen soll Adipinsäure herstellen;
  • langfristige ADN-Lieferverträge zur Deckung des Bedarfs der veräußerten Unternehmensteile.

Durch diese Verpflichtungen werden die Überschneidungen zwischen den Geschäftstätigkeiten von BASF und Solvay auf den Märkten, auf denen die Kommission wettbewerbsrechtliche Bedenken festgestellt hat, vollständig beseitigt.

Daher ist die Kommission zu dem Ergebnis gelangt, dass der geplante Zusammenschluss unter Berücksichtigung der gegebenen Zusagen keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken in Bezug auf den EWR hervorruft. Die Genehmigung der Kommission ist an die Bedingung geknüpft, dass die Zusagen vollständig erfüllt werden.

 

Unternehmen und Produkte

BASF mit Sitz in Deutschland ist ein großes diversifiziertes Chemieunternehmen. Sein breites Portfolio reicht von Chemikalien über Veredelungsprodukte, branchen- und kundenspezifische Materialien und Lösungen sowie Lösungen für die Landwirtschaft bis hin zu Öl und Gas.

Solvay mit Sitz in Belgien ist ein weltweit tätiger Hersteller von Chemikalien und Kunststoffen. Das Unternehmen ist der einzige Hersteller im EWR, der auf allen Stufen der Wertschöpfungskette für Nylon 6.6 vertreten ist.

 

Fusionskontrollvorschriften und -verfahren

Das Vorhaben wurde am 22. Mai 2018 bei der Kommission zur Genehmigung angemeldet.

Die Kommission hat die Aufgabe, Fusionen und Übernahmen von Unternehmen zu prüfen, deren Umsatz bestimmte Schwellenwerte übersteigt (vgl. Artikel 1 der Fusionskontrollverordnung), und Zusammenschlüsse zu untersagen, die den wirksamen Wettbewerb im gesamten oder in einem wesentlichen Teil des Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) erheblich behindern würden.

Der weitaus größte Teil der angemeldeten Zusammenschlüsse ist wettbewerbsrechtlich unbedenklich und wird nach einer Standardprüfung genehmigt. Nach der Anmeldung muss die Kommission in der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen entscheiden, ob sie das Vorhaben im Vorprüfverfahren (Phase I) genehmigt oder ein eingehendes Prüfverfahren (Phase II) einleitet.

Derzeit laufen sechs eingehende Prüfverfahren (Phase II). Sie betreffen die geplante Übernahme des Geschäfts von Liberty Global in Tschechien, Deutschland, Ungarn und Rumänien durch Vodafone, die geplante Übernahme von VDM durch Aperam, die geplante Übernahme der Kühlkompressorensparte von Whirlpool durch Nidec, die geplante Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens durch Tata Steel und ThyssenKrupp, die geplante Übernahme der Walzproduktsparte von Aurubis und des Gemeinschaftsunternehmens Schwermetall durch Wieland und die geplante Übernahme von Alstom durch Siemens.

Weitere Informationen zu dieser Wettbewerbssache werden auf der Website der GD Wettbewerb im öffentlich zugänglichen Register unter der Nummer M.8674 veröffentlicht.

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Kontakt für die Medien:

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail


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