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Europäische Kommission - Pressemitteilung

Fusionskontrolle: Kommission gibt unter Auflagen grünes Licht für Übernahme von Embraco durch Nidec

Brüssel, 12. April 2019

Die Kommission hat nach der EU-Fusionskontrollverordnung die geplante Übernahme von Embraco, der Kühlkompressorensparte von Whirlpool, durch Nidec genehmigt. Die Genehmigung wurde mit der Auflage erteilt, dass Nidec seine Verpflichtungen vollständig erfüllt.

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager erklärte hierzu: „Die meisten Menschen haben – in Kühl- oder Gefrierschränken – mindestens einen Kühlkompressor bei sich zu Hause. Auch in Restaurants und Geschäften findet man Kühlkompressoren in Getränkekühlschränken oder Speiseeistruhen. Die Bedingungen, unter denen wir die Übernahme von Embraco durch Nidec genehmigen, stellen sicher, dass in dieser Branche auch weiterhin echter Wettbewerb herrscht. Industriekunden und Endverbrauchern entsteht somit kein Nachteil durch höhere Preise oder geringere Auswahl. Außerdem haben wir uns dafür eingesetzt, dass die bestehenden Werke, die Nidec veräußern wird, erhalten bleiben können.

Dieser Beschluss wurde nach einer eingehenden Prüfung des Übernahmevorhabens erlassen. Er betrifft die Übernahme von Embraco durch Nidec, mit der zwei weltweit agierende führende Hersteller von Kühlkompressoren für Haushalts- und leichte gewerbliche Anwendungen fusionieren.

Kühlkompressoren sind elektromechanische Geräte, die die Temperatur in einem abgeschlossenen Raum (beispielsweise in Kühl- oder Gefrierschränken) absenken, indem gasförmiges Kühlmittel komprimiert wird. Sie werden sowohl in Haushalts- als auch in leichten gewerblichen Anwendungen verwendet.

Kühlkompressoren werden entweder mit einer festen Geschwindigkeit betrieben (die Temperatur wird durch Ein- und Ausschalten wie benötigt reguliert), oder mit einer variablen Geschwindigkeit (die Geschwindigkeit wird dem Kühlbedarf angepasst, um die gewünschte Temperatur zu halten).

 

Untersuchung der Kommission

Nach ihrer gründlichen Marktuntersuchung hatte die Kommission Bedenken, dass das Geschäft in der gemeldeten Form den Wettbewerb beeinträchtigen und zu höheren Preisen und geringerer Auswahl führen würde. Davon betroffen wäre die Märkte für:

  • Kühlkompressoren mit fester Geschwindigkeit für leichte gewerbliche Anwendungen, bei denen Nidec und Embraco sowohl in Europa als auch weltweit die führenden Hersteller sind. Die Übernahme hätte die marktbeherrschende Stellung auf der Ebene des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) verstärkt und weltweit konsolidiert;
  • Kühlkompressoren mit variabler Geschwindigkeit für leichte gewerbliche Anwendungen, bei denen Nidec und Embraco die einzigen Anbieter sind, die sowohl im EWR als auch weltweit aktiv sind. Daher wäre durch die Übernahme ein Monopol entstanden;
  • Kühlkompressoren mit variabler Geschwindigkeit für Haushaltsgeräte, bei denen Embraco Weltmarktführer ist und die Übernahme durch Nidec die marktbeherrschende Stellung von Embraco im EWR gestärkt und den Wettbewerb weltweit erheblich beeinträchtigt hätte. Die Kommission stellte Folgendes fest:

o   Nidec und Embraco stehen in engem Wettbewerb. Dieser hätte sich in der Zukunft angesichts der Pläne von Nidec, sein Angebot für Kühlkompressoren mit variabler Geschwindigkeit für Haushaltsgeräte zu verbessern, voraussichtlich weiter verschärft.

o   Den Erkenntnissen der Kommission zufolge wird die Nachfrage nach Kühlkompressoren mit variabler Geschwindigkeit für Haushaltsgeräte voraussichtlich stark zunehmen, da die Gerätehersteller bestrebt sind, energieeffizientere und umweltfreundlichere Geräte anzubieten. In den nächsten Jahren werden voraussichtlich – selbst aus China – nur wenige neue Marktteilnehmer im EWR hinzukommen.

Die Kommission stellte keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken bei Kühlkompressoren mit fester Geschwindigkeit für Haushaltsgeräte fest, bei denen der gemeinsame Marktanteil von Nidec und Embraco geringer ausfällt und wesentlich mehr Wettbewerber auf dem Markt sind.

 

Vorgeschlagene Abhilfemaßnahmen

Nidec beschloss die wettbewerbsrechtlichen Bedenken der Kommission mit einer Reihe von Verpflichtungen auszuräumen. Insbesondere wurde Folgendes vorgeschlagen:

  • Nidec hat angeboten, sein Kühlkompressorengeschäft sowohl für Haushalts- als auch für leichte gewerbliche Anwendungen zu veräußern.Das betrifft unter anderem Werke in Österreich, der Slowakei und China. Dadurch würden die Überschneidungen zwischen Nidec und Embraco auf den Märkten, für die die Kommission Bedenken angemeldet hatte, vollständig beseitigt.
  • Ferner verpflichtete sich Nidec, dem Käufer der veräußerten Unternehmensteile erhebliche Kapitalunterstützung für künftige Investitionen in die Anlagen bereitzustellen.Die Mittel sind für Investitionen in Produktionslinien in den Nidec-Anlagen in Österreich und der Slowakei bestimmt. Der bereitgestellte Betrag entspricht den Kapitalausgaben, die Nidec für die beiden Werke getätigt hätte, wenn die Übernahme nicht erfolgt wäre. Die Kommission ist der Auffassung, dass damit das Weiterbestehen und die Wettbewerbsfähigkeit der Werke in Österreich und der Slowakei gewährleistet sind

Die Kommission ist deshalb zu dem Ergebnis gelangt, dass der geplante Zusammenschluss angesichts der Zusagen keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken in Bezug auf den EWR und den Weltmarkt mehr aufwirft. Die Genehmigung der Kommission ist an die Bedingung geknüpft, dass die Zusagen vollständig erfüllt werden.

 

Unternehmen und Produkte

Nidec‚ ein Unternehmen mit Sitz in Japan, entwickelt, fertigt und vertreibt eine Reihe von Elektromotoren und Produkten mit Motor. Seit der Übernahme der Secop GmbH im Jahr 2017 produziert und verkauft Nidec auch Kompressoren für Kältegeräte. Nidec baut seine Kühlkompressoren in Österreich, der Slowakei und China.

Das brasilianische Unternehmen Embraco fertigt und verkauft Kühlkompressoren für Kältegeräte. Embraco produziert seine Kompressoren in der Slowakei, Brasilien, Mexiko und China. Embraco steht im Eigentum und unter der Kontrolle von Whirlpool, einem US-amerikanischen Unternehmen, das eine umfassende Palette von Haushaltsgeräten und zugehörigen Produkten herstellt, darunter auch Kältegeräte.

Kühlkompressoren für Haushaltsanwendungen kommen in Kältegeräten für den privaten Gebrauch (z. B. Kühl- und Gefrierschränke für die Küche) zum Einsatz.

Kühlkompressoren für leichte gewerbliche Anwendungen werden unter anderem im Einzelhandel und in der Gastronomie eingesetzt (z. B. in Getränkekühlschränken, Speiseeistruhen, gewerblichen Kühl- und Gefrierschränken sowie Kühlvitrinen).

 

Fusionskontrollvorschriften und -verfahren

Die Übernahme wurde am 8. Oktober 2018 bei der Kommission angemeldet, woraufhin diese am 28. November 2018 eine eingehende Prüfung einleitete. Da die Parteien in einem frühen Stadium der eingehenden Untersuchung angemessene Abhilfe vorgeschlagen haben, gab die Kommission in diesem Fall keine Mitteilung der Beschwerdepunkte heraus.

Die Kommission hat die Aufgabe, Fusionen und Übernahmen von Unternehmen zu prüfen, deren Umsatz bestimmte Schwellenwerte übersteigt (vgl. Artikel 1 der Fusionskontrollverordnung), und Zusammenschlüsse zu untersagen, die den wirksamen Wettbewerb im gesamten oder in einem wesentlichen Teil des EWR erheblich behindern würden.

Der weitaus größte Teil der angemeldeten Zusammenschlüsse ist wettbewerbsrechtlich unbedenklich und wird nach einer Standardprüfung genehmigt. Nach der Anmeldung muss die Kommission in der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen entscheiden, ob sie den Zusammenschluss genehmigt (Phase I) oder ein eingehendes Prüfverfahren (Phase II) einleitet.

Neben dem hier beschriebenen Fall laufen vier weitere eingehende Prüfverfahren (Phase II): die geplante Übernahme von Innogy durch E.ON, die geplante Übernahme der Unternehmenstätigkeiten von Liberty Global in Tschechien, Deutschland, Ungarn und Rumänien durch Vodafone, das gelplante Gemeinschaftsunternehmen von Tata Steel und ThyssenKrupp und die geplante Übernahme von Aleris durch Novelis.

Weitere Informationen werden auf der Website der GD Wettbewerb der Kommission im öffentlich zugänglichen Register unter der Nummer der Wettbewerbssache M.8947 veröffentlicht.

 

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Kontakt für die Medien:

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail


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