Navigation path

Left navigation

Additional tools

Other available languages: EN FR

Europäische Kommission - Pressemitteilung

Fusionskontrolle: Kommission leitet eingehende Prüfung der geplanten Übernahme von Aleris durch Novelis ein

Brüssel, 25. März 2019

Die Europäische Kommission hat ein Verfahren eingeleitet, um die geplante Übernahme von Aleris durch Novelis nach der EU-Fusionskontrollverordnung eingehend zu prüfen. Die Kommission hat Bedenken, dass die geplante Übernahme den Wettbewerb bei der Lieferung verschiedener Aluminiumhalbzeuge beeinträchtigen könnte.

Die für Wettbewerbspolitik zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager erklärte: „Europäische Industrieunternehmen sollten Aluminiumprodukte zu fairen Preisen beziehen können, um global konkurrenzfähig zu sein. Durch unser eingehendes Prüfverfahren wollen wir sicherstellen, dass die Übernahme von Aleris durch Novelis den wirksamen Wettbewerb auf den Aluminiummärkten nicht beeinträchtigt. Für europäische Industrieunternehmen dürfen sich durch die Übernahme die Auswahlmöglichkeiten nicht verringern und es dürfen keine Preiserhöhungen entstehen.“

Die Unternehmen Novelis und Aleris sind weltweit tätige Hersteller von Flacherzeugnissen aus Aluminium mit umfangreichen Produktionsanlagen im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR), insbesondere in Belgien, Deutschland, Italien und dem Vereinigten Königreich. Novelis würde durch die geplante Übernahme seine starke Marktposition als Anbieter verschiedener Flacherzeugnisse weiter ausbauen.

Die wettbewerbsrechtlichen Bedenken der Kommission

Das von der Kommission durchgeführte Vorprüfverfahren ergab, dass die Zusammenführung des Angebots von Karosserieblechen aus Aluminium der beiden Unternehmen in mehrerer Hinsicht Bedenken aufwirft. Aus Karosserieblechen werden Fahrzeugaufbau und Anbauteile gefertigt.

Beim derzeitigen Stand hat die Kommission Bedenken, dass sich für die Kunden durch die Übernahme die Zahl der Anbieter verringern könnte und evtl. die Preise für Karosseriebleche aus Aluminium steigen würden.

Zu den Abnehmern solcher Karosseriebleche zählen verschiedene europäische Unternehmen der Automobilindustrie, wie beispielsweise Automobilhersteller und -zulieferer. Durch den Einsatz von Leichtmaterialien wie Aluminium können Automobilhersteller den Kraftstoffverbrauch und die Emissionen ihrer Fahrzeugmodelle senken. Europäische Industrieunternehmen müssen in der Lage sein, Karosseriebleche aus Aluminium zu wettbewerbsfähigen Preisen zu beziehen, da sich viele von ihnen im EWR gegen Importerzeugnisse durchsetzen müssen oder ihre Produkte in Länder außerhalb Europas exportieren und weltweit konkurrieren.

Die Kommission wird ferner genauer prüfen, ob sich die Übernahme auf das Angebot und die Preise für bestimmte in anderen Wirtschaftszweigen, so z. B. im Hoch- und Tiefbau oder auch im Bereich der Fußbodenheizungen, eingesetzte Flacherzeugnisse aus Aluminium auswirken könnte, wo sich die Geschäftstätigkeiten der Unternehmen ebenfalls überschneiden.

Der Zusammenschluss wurde am 18. Februar 2019 bei der Kommission angemeldet. Novelis und Aleris haben sich dazu entschieden, während des Vorprüfverfahrens keine Verpflichtungen anzubieten, mit denen die derzeitigen Bedenken der Kommission ausgeräumt werden könnten. Die Kommission muss nun innerhalb von 90 Arbeitstagen, d. h. bis zum 8. August 2019, einen Beschluss erlassen. Das eingehende Prüfverfahren wird ergebnisoffen geführt.

Unternehmen und Produkte

Novelis mit Sitz in den USA ist weltweit in der Herstellung von Aluminiumhalbzeugen und im Aluminiumrecycling tätig. Das Unternehmen verfügt über Fertigungsstätten in Nordamerika, Südamerika, Europa und Asien und ist eine Tochtergesellschaft von Hindalco Industries Limited, einem in Indien ansässigen Aluminium- und Kupferanbieter.

Aleris mit Sitz in den USA ist weltweit in der Herstellung von Aluminiumhalbzeugen tätig. Das Unternehmen verfügt über Fertigungsstätten in Nordamerika, Europa und Asien.

Fusionskontrollvorschriften und -verfahren

Die Kommission hat die Aufgabe, Fusionen und Übernahmen von Unternehmen zu prüfen, deren Umsatz bestimmte Schwellenwerte übersteigt (vgl. Artikel 1 der Fusionskontrollverordnung), und Zusammenschlüsse zu untersagen, die den wirksamen Wettbewerb im gesamten oder in einem wesentlichen Teil des EWR erheblich behindern würden.

Der weitaus größte Teil der angemeldeten Zusammenschlüsse ist wettbewerbsrechtlich unbedenklich und wird nach einer Standardprüfung genehmigt. Nach der Anmeldung muss die Kommission in der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen entscheiden, ob sie den Zusammenschluss im Vorprüfverfahren (Phase I) genehmigt oder ein eingehendes Prüfverfahren (Phase II) einleitet.

Neben dem Verfahren zum vorliegenden Zusammenschluss laufen derzeit vier weitere eingehende Prüfverfahren (Phase II). Diese betreffen die geplante Übernahme von Innogy durch E.ON, die geplante Übernahme des Geschäfts von Liberty Global in Tschechien, Deutschland, Ungarn und Rumänien durch Vodafone, die geplante Übernahme der Kühlkompressorensparte von Whirlpool durch Nidec und die geplante Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens durch Tata Steel und ThyssenKrupp.

Weitere Informationen zu dieser Wettbewerbssache werden auf der Website der GD Wettbewerb im öffentlich zugänglichen Register der Kommission unter der Nummer M.9076 veröffentlicht.

 

IP/19/1835

Kontakt für die Medien:

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail


Side Bar