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Europäische Kommission - Pressemitteilung

Fusionskontrolle: EU-Kommission genehmigt Übernahme von Jardine Lloyd Thompson durch Marsh & McLennan Companies unter Bedingungen

Brüssel, 22. März 2019

Die EU-Kommission hat die Übernahme von Jardine Lloyd Thompson („JLT“) durch Marsh & McLennan Companies („MMC“) gemäß der Fusionskontrollverordnung genehmigt. Die Genehmigung ist an die Bedingung geknüpft, dass die globale Luft- und Raumfahrtsparte von JLT veräußert wird.

Bei Marsh & McLennan Companies und Jardine Lloyd Thompson plc handelt es sich um weltweit tätige Versicherungsvermittler, die ihre Kunden bei der Suche nach passenden Versicherungen für große und komplexe Versicherungsrisiken in spezialisierten Wirtschaftszweigen wie dem Luftverkehr und großen Energievorhaben unterstützen. Beide Unternehmen sind darüber hinaus auch als Rückversicherungsvermittler und als Anbieter von Dienstleistungen im Bereich der Personalfürsorge tätig. Auf beiden Märkten sind MMC und JLT die größten Anbieter im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) und weltweit.

Untersuchung der Kommission

Die Kommission hat insbesondere die Auswirkungen der geplanten Übernahme auf den Wettbewerb auf den Märkten untersucht, auf denen sich die Tätigkeiten der beiden Unternehmen überschneiden:

(i)          Versicherungsvermittlung für spezialisierte Wirtschaftszweige wie Energiewesen, Luftverkehrsgesellschaften, Luft- und Raumfahrtindustrie und Raumfahrt, und

(ii)         Dienstleistungen im Bereich der Personalfürsorge wie die Verwaltung von Rentenleistungen und die treuhänderische Verwaltung von Pensionsfonds.

Im Hinblick auf (i) die Versicherungsvermittlung für spezialisierte Wirtschaftszweige hegte die Kommission Bedenken, dass das Vorhaben in seiner ursprünglich angemeldeten Form den Wettbewerb auf den Märkten für die Versicherungsvermittlung für Luftfahrtunternehmen und die Luft- und Raumfahrtindustrie erheblich eingeschränkt hätte.

  • Die Versicherung von Luftfahrtunternehmen dient in erster Linie der Absicherung gegen Schäden am Flugzeug sowie generell gegenüber Schadenersatzansprüchen von Fluggästen und Dritten beispielsweise bei Unfällen. Hier hätte die Fusion zu einem hochgradig konzentrierten Markt geführt, auf dem die Zahl der großen Anbieter von drei auf zwei (EWR) bzw. von vier auf drei (weltweit) gesunken wäre.
  • Die Versicherungsleistungen für Unternehmen aus der Luft- und Raumfahrtindustrie bestehen aus der Bereitstellung kommerzieller Versicherungen für Risiken aus der Herstellung von Luft- und Raumfahrtprodukten. Hersteller von Luft- und Raumfahrtprodukten sichern sich gegen Schäden und Haftungsansprüche im Zusammenhang mit defekten Produkten ab. In diesem Bereich hätte die Fusion die starke Stellung von MMC weiter zementiert und die Zahl der großen Anbieter sowohl im EWR als auch weltweit von vier auf drei verringert.

Auf beiden Märkten sind die Zutrittsschranken nach den Feststellungen der Kommission hoch: die Anbieter müssen Branchenerfahrung nachweisen, Zugang zu speziellem Fachwissen haben und über eine globale Reichweite verfügen, um wettbewerbsfähig zu sein. Die Kommission hatte deshalb Bedenken, dass das Vorhaben in seiner angemeldeten Form den Wettbewerb beeinträchtigt und auf diesen Märkten zu höheren Preisen, geringerer Auswahl und niedrigerer Dienstleistungsqualität geführt hätte.

Die Kommission hat auch die Märkte für die Vermittlung von Versicherungen für andere Spezialbranchen untersucht, stellte aber keine Wettbewerbsprobleme fest.

Im Hinblick auf (ii) Dienstleistungen im Bereich der Personalfürsorge stellte die Kommission fest, dass der geplante Zusammenschluss keine Wettbewerbsbedenken aufwirft, da eine ausreichende Anzahl alternativer Anbieter vorhanden ist und die Unternehmen keine engen Wettbewerber sind.

Vorgeschlagene Abhilfemaßnahmen

Um die Wettbewerbsbedenken der Kommission auszuräumen, haben die beiden Unternehmen angeboten, das Luft- und Raumfahrtgeschäft von JLT an einen geeigneten Käufer abzutreten. Der zu veräußernde Geschäftsbereich würde sämtliche Tätigkeiten von JLT in Bezug auf Luftfahrtunternehmen, das produzierende Gewerbe in der Luft- und Raumfahrtindustrie, Raumfahrtunternehmen und eine eigenständige Luftfahrt-Abteilung (Hayward Aviation) umfassen.

Mit diesen Zusagen werden die Wettbewerbsbedenken der Kommission zur Gänze ausgeräumt, da die Überschneidungen der Tätigkeiten der beiden Unternehmen im Versicherungsvermittlungsgeschäft mit Luftfahrtunternehmen und der Luft- und Raumfahrtindustrie vollständig beseitigt werden.

Die Kommission ist deshalb zu dem Ergebnis gelangt, dass der geplante Zusammenschluss angesichts der Zusagen keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken in Bezug auf den EWR mehr aufwirft. Der Beschluss wurde an die Bedingung geknüpft, dass die Verpflichtungen vollständig erfüllt werden.

Unternehmen und Produkte

Das in den USA ansässige Unternehmen Marsh & McLennan Companies ist ein weltweit tätiger Anbieter von Beratungsleistungen und Lösungen in den Bereichen Risiko, Strategie und Personal. Seine vier Geschäftsbereiche sind den folgenden Unternehmen zugeordnet: i) Marsh: Versicherungsvermittlung und Risikomanagement, ii) Guy Carpenter: Rückversicherung und Kapitalstrategien, iii) Mercer: Beratung in den Bereichen Gesundheit, Vermögen und Karriere und iv) Oliver Wyman: Strategie-, Wirtschafts- und Markenberatung.

Die im Vereinigten Königreich ansässige Aktiengesellschaft Jardine Lloyd Thompson plc ist vor allem in folgenden zwei Geschäftsbereichen vertreten: i) Risikomanagement und Versicherungen, bestehend aus Versicherungs- und Rückversicherungs-Vermittlung, ii) Vorsorgeleistungen für Beschäftigte – bestehend aus Beratungs- und Unterstützungsdienstleistungen für Unternehmen, Pensionsfonds und Einzelpersonen einschließlich Altersversorgung –, Beratung zu Vorsorgefragen, Vermögens- und Anlageverwaltung sowie Software-Lösungen. 

Fusionskontrollvorschriften

Das Vorhaben war am 1. Februar 2019 bei der Kommission zur Genehmigung angemeldet worden.

Die Kommission hat die Aufgabe, Fusionen und Übernahmen von Unternehmen zu prüfen, deren Umsatz bestimmte Schwellenwerte übersteigt (vgl. Artikel 1 der Fusionskontrollverordnung), und Zusammenschlüsse zu untersagen, die den wirksamen Wettbewerb im gesamten oder in einem wesentlichen Teil des Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) erheblich behindern würden.

Der weitaus größte Teil der angemeldeten Zusammenschlüsse ist wettbewerbsrechtlich unbedenklich und wird nach einer Standardprüfung genehmigt. Nach der Anmeldung muss die Kommission in der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen entscheiden, ob sie den Zusammenschluss genehmigt (Phase I) oder ein eingehendes Prüfverfahren einleitet (Phase II).

Weitere Informationen werden auf der Website der GD Wettbewerb im öffentlich zugänglichen Register unter der Nummer M.9196 veröffentlicht.

IP/19/1808

Kontakt für die Medien:

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail


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