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Europäische Kommission - Pressemitteilung

Erste EU-Bürgerinnen und -Bürger nutzen elektronische Verschreibungen in einem anderen EU-Land

Brüssel, 21. Januar 2019

Ab heute können die ersten Patienten in der EU von ihrem Arzt im Heimatland ausgestellte digitale Verschreibungen bei einer Apotheke in einem anderen EU-Land einlösen. Finnische Patienten können nun in Apotheken in Estland Arzneimittel erhalten, die ihnen von ihrem Arzt in Finnland elektronisch verschrieben wurden.

Die Initiative gilt für alle elektronischen Verschreibungen aus Finnland und für die estnischen Apotheken, die die Vereinbarung unterzeichnet haben. Neu an dieser Initiative ist, dass die teilnehmenden Apotheken im Aufenthaltsland die elektronischen Verschreibungen über die neue digitale eHealth-Diensteinfrastruktur einsehen können und die Patienten keine schriftliche Verschreibung vorlegen müssen. Die Initiative ist Teil unserer Strategie für digitale Gesundheitsversorgung und Pflege, die die aufgeklärte Mitwirkung der Patienten verbessern will, indem die Patienten Zugang zu ihren Gesundheitsdaten erhalten und die Kontinuität der Versorgung gewährleistet wird.

Andrus Ansip, Vizepräsident für den digitalen Binnenmarkt, erklärte: „Ich beglückwünsche Finnland und Estland dazu, dass sie uns den Weg zur Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten im Bereich eHealth weisen, und würde mich freuen, wenn andere Länder ihrem Beispiel bald folgen. Patienten sollten ihre elektronischen Verschreibungen grenzüberschreitend einlösen können. Die Freizügigkeit ist eines der Grundprinzipien der EU: Wir müssen es den Menschen so einfach wie möglich machen, eine Behandlung oder Arzneimittel zu erhalten, wenn sie sich im EU-Ausland aufhalten. Der nächste Schritt wird darin bestehen, den Zugang der Patienten zu ihren eigenen Gesundheitsdaten zu vereinfachen, indem wir ein gemeinsames Format für den Austausch elektronischer Patientenakten zwischen den Mitgliedstaaten der EU entwickeln.“

Vytenis Andriukaitis, EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, merkte dazu an: „Ich begrüße den ersten Schritt beim Austausch elektronischer Verschreibungen zwischen Finnland und Estland.Der Austausch von elektronischen Verschreibungen und Patientenkurzakten ist von entscheidender Bedeutung für die Sicherheit der Patienten, da Ärzte so die Krankengeschichte ausländischer Patienten besser verstehen können und das Risiko einer falschen Medikation und die Kosten für doppelte Untersuchungen verringert werden können. Die Kommission wird den Ausbau dieses Austauschs in der EU weiter unterstützen.“

Die für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft zuständige Kommissarin Mariya Gabriel ergänzte: „Dies ist ein hervorragender Ausgangspunkt für eine bessere Versorgung der Bürgerinnen und Bürger – und ein wichtiger Fortschritt. Elektronische Verschreibungen und internationale Patientenkurzakten können in Notfällen Leben retten. Die technischen Lösungen, die diesen Austausch ermöglichen, wurden aus Haushaltsmitteln der EU finanziert, was einmal mehr zeigt, wie wichtig die EU für die Bürgerinnen und Bürger ist und welche Bedeutung sie für ihren Alltag hat.

Im Jahr 2011 wurde die Richtlinie 2011/24/EG angenommen, die die Kontinuität der Behandlung der europäischen Bürgerinnen und Bürger über die Grenzen hinweg sicherstellt. Die Richtlinie räumt den Mitgliedstaaten die Möglichkeit ein, Gesundheitsdaten sicher, effizient und interoperabel auszutauschen. Die folgenden grenzüberschreitenden Gesundheitsdienstleistungen werden nun schrittweise in allen EU-Mitgliedstaaten eingeführt:

1. Die elektronische Verschreibung und elektronische Verabreichung ermöglichen es allen EU-Bürgerinnen und -Bürgern, ihre Arzneimittel in einer Apotheke in einem anderen EU-Mitgliedstaat zu erhalten, da ihre Verschreibungen elektronisch aus ihrem Wohnsitzland in ihr Reiseland übertragen werden. Das Wohnsitzland wird dann darüber informiert, dass das Arzneimittel im besuchten Land abgeholt wurde;

2. Patientenkurzakten liefern Hintergrundinformationen über wichtige Gesundheitsaspekte wie Allergien, derzeitige Medikation, Vorerkrankungen, Operationen usw. und werden bei medizinischen Notfällen im Ausland digital zur Verfügung gestellt. Dabei handelt es sich um eine Zusammenfassung einer umfassenderen europäischen Patientenakte. Im Hinblick darauf wird die Kommission in Kürze eine Empfehlung zum Format für den Austausch der europäischen elektronischen Patientenakte vorlegen.

Die Datenschutzvorschriften werden strikt befolgt und die Patienten müssen ihre Einwilligung erteilen, bevor diese Dienste genutzt werden können.

Beide Dienste wurden durch die von der Fazilität „Connecting Europe“ der Europäischen Kommission finanzierte digitale eHealth-Diensteinfrastruktur ermöglicht, die die nationalen eHealth-Dienste verbindet und über die Gesundheitsdaten ausgetauscht werden können.

Nächste Schritte

22 Mitgliedstaaten sind an der digitalen eHealth-Diensteinfrastruktur beteiligt und werden voraussichtlich ab Ende 2021 elektronische Verschreibungen und Patientenkurzakten austauschen. Zehn Mitgliedstaaten (Finnland, Estland, Tschechien, Luxemburg, Portugal, Kroatien, Malta, Zypern, Griechenland und Belgien) beginnen möglicherweise bereits Ende 2019 mit diesem Austausch.

Das eHealth-Netz (das Netz der eHealth-Behörden in der EU) hat vor Kurzem grünes Licht für den Austausch elektronischer Verschreibungen zwischen Finnland und Estland und den Austausch von Patientenkurzakten zwischen Tschechien und Luxemburg gegeben.

Weitere Informationen:

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