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Europäische Kommission - Pressemitteilung

Fusionskontrolle: Kommission genehmigt Übernahme der außeramerikanischen Deckensparte von Armstrong durch Knauf unter Auflagen

Brüssel, 7. Dezember 2018

Die Europäische Kommission hat die Übernahme der außeramerikanischen Deckensparte von Armstrong World Industries (im Folgenden „Armstrong“) durch Knauf nach der EU-Fusionskontrollverordnung unter Auflagen genehmigt. Beide Unternehmen sind in der Herstellung und Lieferung modularer Zwischendecken tätig.

Knauf und Armstrong sind zwei der größten Lieferanten modularer Zwischendecken in Europa. Modulare Zwischendecken ermöglichen einen flexiblen Zugang zu den Installationen im Deckenhohlraum und werden in ganz Europa häufig beim Bau von Nichtwohngebäuden wie Büros, Krankenhäusern oder Schulen verwendet.

Die Untersuchung der Kommission

Die Kommission hatte Bedenken, dass die geplante Übernahme den Wettbewerb erheblich einschränken würde, und zwar auf den Märkten 

  •   für Mineralfaserplatten für modulare Zwischendecken in Litauen, Österreich, Spanien und im Vereinigten Königreich und
  •   für Unterkonstruktionssysteme für modulare Zwischendecken in Österreich, Spanien und im Vereinigten Königreich. Bei diesen Unterkonstruktionen handelt es sich um Metallstrukturen, auf denen die Deckenplatten einer Zwischendecke angebracht werden. 

Das aus dem Zusammenschluss hervorgehende Unternehmen wäre bei Weitem der größte Lieferant auf jedem dieser Märkte gewesen, wobei nur noch ein geringer Wettbewerbsdruck von anderen Unternehmen ausgegangen wäre. Die Kommission hatte daher Bedenken, dass die geplante Übernahme den Wettbewerb beeinträchtigen und zu höheren Preisen für gewerbliche und öffentliche Kunden führen würde.

Die vorgeschlagenen Abhilfemaßnahmen

Um die wettbewerbsrechtlichen Bedenken der Kommission auszuräumen, hat Knauf die folgenden Verpflichtungen angeboten:

  •   die Veräußerung der Armstrong-Werke für die Herstellung von Mineralfaserplatten und Unterkonstruktionssystemen im Team Valley (Vereinigtes Königreich);
  •   die Übertragung der Vertriebsteams und der Kundenbasis von Armstrong in all den Ländern, bezüglich derer die Kommission anfängliche Bedenken geäußert hatte (Litauen, Österreich, Spanien und das Vereinigte Königreich), sowie in weiteren Ländern (Estland, Deutschland, Irland, Italien, Lettland, Portugal und Türkei), um die Rentabilität und Wettbewerbsfähigkeit des zu veräußernden Geschäfts zu gewährleisten.

Durch diese Verpflichtungszusagen werden die Bedenken der Kommission im Hinblick auf die geplante Übernahme ausgeräumt. So werden die Überschneidungen zwischen den Tätigkeiten der Unternehmen auf den nationalen Märkten, bezüglich derer die Kommission Bedenken geäußert hatte, beseitigt und es wird sichergestellt, dass das veräußerte Geschäft zu einem rentablen Wettbewerber für das aus dem Zusammenschluss hervorgehende Unternehmen wird.

Daher ist die Kommission zu dem Ergebnis gelangt, dass der geplante Zusammenschluss unter Berücksichtigung der gegebenen Zusagen den Wettbewerb in Litauen, Österreich, Spanien und im Vereinigten Königreich nicht gefährdet. Die Genehmigung ist an die Auflage geknüpft, dass die Verpflichtungszusagen in vollem Umfang eingehalten werden.

Unternehmen und Produkte

Das deutsche Unternehmen Knauf produziert und vertreibt Dämmstoffe, Trockenbausysteme, Gips und andere Produkte, einschließlich Unterkonstruktionen und Platten für Zwischendecken.

Armstrong‚ die Deckensparte von Armstrong World Industries außerhalb des amerikanischen Kontinents, produziert und vertreibt Decken für Gewerbe- und Wohnimmobilien sowie Wand- und Unterkonstruktionssysteme.

Verweisungsantrag

Am 15. März 2018 gab die Kommission einem Antrag Deutschlands, Litauens, Österreichs, Spaniens und des Vereinigten Königreichs auf Prüfung der Übernahme von Armstrong durch Knauf nach der EU-Fusionskontrollverordnung statt. Die geplante Übernahme war zunächst in Österreich zur Genehmigung angemeldet worden, da die Transaktion die Umsatzschwellen der EU-Fusionskontrollverordnung nicht erreichte. Am 7. Februar 2018 stellte Österreich bei der Kommission einen Verweisungsantrag nach Artikel 22 Absatz 1 der EU-Fusionskontrollverordnung, dem sich Deutschland, Litauen, Spanien und das Vereinigte Königreich später anschlossen. Vor diesem Hintergrund war die Kommission verpflichtet, nur die Auswirkungen des Zusammenschlusses innerhalb des Hoheitsgebiets der verweisenden Mitgliedstaaten zu untersuchen.

Fusionskontrollvorschriften und -verfahren

Das Vorhaben war zunächst am 20. Juni 2018 bei der Kommission zur Genehmigung angemeldet und anschließend zurückgezogen worden. Am 17. Oktober 2018 wurde es erneut bei der Kommission zur Genehmigung angemeldet.

Die Kommission hat die Aufgabe, Fusionen und Übernahmen von Unternehmen zu prüfen, deren Umsatz bestimmte Schwellenwerte übersteigt (vgl. Artikel 1 der Fusionskontrollverordnung), und Zusammenschlüsse zu untersagen, die den wirksamen Wettbewerb im gesamten oder in einem wesentlichen Teil des EWR erheblich behindern würden.

Der weitaus größte Teil der angemeldeten Zusammenschlüsse ist wettbewerbsrechtlich unbedenklich und wird nach einer Standardprüfung genehmigt. Nach der Anmeldung muss die Kommission in der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen entscheiden, ob sie den Zusammenschluss genehmigt (Phase I) oder ein eingehendes Prüfverfahren einleitet (Phase II). Diese Frist verlängert sich auf 35 Arbeitstage, wenn die beteiligten Unternehmen, wie im vorliegenden Fall, Abhilfemaßnahmen anbieten.

Weitere Informationenzu dieser Wettbewerbssache werden auf der Website der GD Wettbewerb, im öffentlich zugänglichen Register der Kommission unter der Nummer M.8832 veröffentlicht.

IP/18/6731

Kontakt für die Medien:

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail


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