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Europäische Kommission - Pressemitteilung

Fusionskontrolle: Kommission leitet eingehende Prüfung der geplanten Übernahme der Kühlkompressorensparte von Whirlpool durch Nidec ein

Brüssel, 28. November 2018

Die Europäische Kommission hat ein Verfahren eingeleitet, um die geplante Übernahme von Embraco, der Kühlkompressorensparte von Whirlpool, durch Nidec nach der EU‑Fusionskontrollverordnung eingehend zu prüfen. Die Kommission hat Bedenken, dass die Übernahme den Wettbewerb bei der Lieferung von Kühlkompressoren beeinträchtigen könnte.

Die für Wettbewerbspolitik zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager erklärte dazu: „Kühlkompressoren kommen nicht nur in gewerblichen Anwendungen zum Einsatz, sondern auch in unseren Wohnungen, etwa in Kühl- und Gefrierschränken. Die Branche ist bereits stark konzentriert. Deshalb wird die Kommission die Auswirkungen der geplanten Übernahme von Embraco durch Nidec auf den Wettbewerb eingehend prüfen, damit ihre Kunden und die Endverbraucher nicht durch höhere Preise oder eine geringere Auswahl geschädigt werden.“

 

Nidec und Embraco, die Kühlkompressorensparte von Whirlpool, produzieren beide Kompressoren, die in Kältegeräten für den Haushalt (z. B. in Kühl- und Gefrierschränken für die Küche) und für leichte gewerbliche Anwendungen (z. B. in Getränkekühlschränken, gewerblichen Kühl- und Gefrierschränken sowie Kühlvitrinen) zum Einsatz kommen.

Die Kompressoren werden entweder mit einer festen Geschwindigkeit betrieben, wobei die Temperatur durch Ein- und Ausschalten reguliert wird, oder mit einer variablen Geschwindigkeit, wobei die Geschwindigkeit dem Kühlbedarf angepasst wird, um die gewünschte Temperatur zu halten. Bei gleicher Kühlleistung sind Kompressoren mit variabler Geschwindigkeit im Allgemeinen energieeffizienter, leiser und teurer als Kompressoren mit fester Geschwindigkeit. Da die Energieeffizienznormen in der Kältegerätebranche schrittweise verschärft werden, dürfte die Nachfrage nach Kompressoren mit variabler Geschwindigkeit zulasten der Kompressoren mit fester Geschwindigkeit steigen.

Nidec und Embraco zählen weltweit und im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) zu den führenden Anbietern von Kompressoren mit variabler Geschwindigkeit für Haushaltsgeräte. Ferner sind sie die beiden weltweit und im EWR führenden Anbieter von Kompressoren mit fester und mit variabler Geschwindigkeit für leichte gewerbliche Anwendungen.

Die wettbewerbsrechtlichen Bedenken der Kommission

Eine erste Marktuntersuchung der Kommission hat folgende Bedenken ergeben:

  • Bei Kompressoren mit variabler Geschwindigkeit für Haushaltsgeräte könnte der Wegfall des Wettbewerbs zwischen Nidec und Embraco zu höheren Preisen und einer geringeren Auswahl führen.
  • Bei Kompressoren mit fester und mit variabler Geschwindigkeit für leichte gewerbliche Anwendungen könnte der Wegfall des Wettbewerbs zwischen Nidec und Embraco höhere Preisen und eine geringere Auswahl zur Folge haben.

Nidec legte Verpflichtungsangebote vor, um die wettbewerbsrechtlichen Bedenken der Kommission auszuräumen. Nach einer Befragung der Marktteilnehmer zu diesen Verpflichtungsangeboten ist die Kommission zu dem Schluss gekommen, dass diese nicht ausreichen, um die Bedenken zu beseitigen.

Der Zusammenschluss wurde am 8. Oktober 2018 bei der Kommission angemeldet. Die Kommission muss nun innerhalb von 90 Arbeitstagen, d. h. bis zum 15. April 2019, einen Beschluss erlassen. Das eingehende Prüfverfahren wird ergebnisoffen geführt.

 

Unternehmen und Produkte

Nidec‚ ein Unternehmen mit Sitz in Japan, entwickelt, fertigt und vertreibt eine Reihe von Elektromotoren und Produkten mit Motor. Seit der Übernahme der Secop GmbH im Jahr 2017 produziert und verkauft Nidec auch Kompressoren für Kältegeräte. Nidec baut seine Kompressoren in Österreich, der Slowakei und China.

Das brasilianische Unternehmen Embraco fertigt und verkauft Kompressoren für Kältegeräte. Embraco produziert seine Kompressoren in der Slowakei, Brasilien, Mexiko und China. Embraco steht im Eigentum und unter der Kontrolle von Whirlpool, eines US-amerikanischen Unternehmens, das eine umfassende Palette von Haushaltsgeräten und zugehörigen Produkten herstellt, darunter auch Kältegeräte.

 

Fusionskontrollvorschriften und -verfahren

Die Kommission hat die Aufgabe, Fusionen und Übernahmen von Unternehmen zu prüfen, deren Umsatz bestimmte Schwellenwerte übersteigt (vgl. Artikel 1 der Fusionskontrollverordnung), und Zusammenschlüsse zu untersagen, die den wirksamen Wettbewerb im gesamten oder in einem wesentlichen Teil des EWR erheblich behindern würden.

Der weitaus größte Teil der angemeldeten Zusammenschlüsse ist wettbewerbsrechtlich unbedenklich und wird nach einer Standardprüfung genehmigt. Nach der Anmeldung muss die Kommission in der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen entscheiden, ob sie den Zusammenschluss im Vorprüfverfahren (Phase I) genehmigt oder ein eingehendes Prüfverfahren (Phase II) einleitet.

Neben dem Verfahren zum vorliegenden Zusammenschluss laufen derzeit sechs weitere eingehende Prüfverfahren (Phase II). Diese betreffen die geplante Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens von Tata Steel und ThyssenKrupp, die geplante Übernahme der Walzproduktsparte von Aurubis und des Gemeinschaftsunternehmens Schwermetall durch Wieland, die geplante Übernahme von MKM durch KME, die geplante Übernahme von Gemalto durch Thales, die geplante Übernahme von Alstom durch Siemens und die geplante Übernahme des Nylon-Geschäfts von Solvay durch BASF.

Weitere Informationen zu dieser Wettbewerbssache werden auf der Website der Generaldirektion Wettbewerb im öffentlich zugänglichen Register der Kommission unter der Nummer M.8947 veröffentlicht.

 

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Kontakt für die Medien:

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail


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