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Europäische Kommission - Pressemitteilung

Kommission will 1 Mrd. EUR in europäische Weltklasse-Supercomputer investieren

Brüssel, 11. Januar 2018

Die Europäische Kommission gab heute ihren Plan bekannt, gemeinsam mit den Mitgliedstaaten in den Aufbau einer europäischen Supercomputer-Infrastruktur zu investieren.

Supercomputer werden benötigt, um die immer größeren Datenmengen zu verarbeiten und entfalten ihren Nutzen für die Gesellschaft in vielen verschiedenen Bereichen, von der Gesundheitsversorgung und erneuerbaren Energien über die Fahrzeugsicherheit bis hin zur Cybersicherheit.

Der heutige Schritt ist entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit der EU und ihre Unabhängigkeit in der Datenwirtschaft. Zurzeit verarbeiten europäische Wissenschaftler und Unternehmen ihre Daten außerhalb der EU, weil die verfügbaren Rechenzeiten in der EU für ihre Bedürfnisse nicht ausreichen. Dieser Mangel an Unabhängigkeit ist ein Risiko für die Privatsphäre, den Datenschutz, Geschäftsgeheimnisse und das Dateneigentum, insbesondere bei sensiblen Anwendungen.

Ein neuer Rechts- und Finanzierungsrahmen in Form des Gemeinsamen Unternehmens EuroHPC soll den Erwerb, den Aufbau und die Einrichtung einer europaweiten Hochleistungsrecheninfrastruktur von Weltrang ermöglichen. Dieser Rahmen wird auch ein Forschungs- und Innovationsprogramm für die Entwicklung der Technologien und Hardware sowie der Anwendungen (Software) für diese Supercomputer umfassen.

Der Beitrag der EU zum Gemeinsamen Unternehmen EuroHPC wird etwa 486 Mio. EUR betragen und innerhalb des laufenden mehrjährigen Finanzrahmens finanziert werden; ein ähnlicher Betrag ist von den Mitgliedstaaten und den assoziierten Ländern zu erwarten. Insgesamt sollen bis 2020 öffentliche Mittel in Höhe von etwa 1 Mrd. EUR investiert werden; private Mitglieder der Initiative werden voraussichtlich auch Sachbeiträge leisten.

Andrus Ansip, Vizepräsident der Europäischen Kommission und zuständig für den digitalen Binnenmarkt, äußerte sich in diesem Zusammenhang wie folgt: „Supercomputer sind der Motor der digitalen Wirtschaft. Die EU muss in diesem harten Rennen aufholen, denn wir haben noch keine Supercomputer in der weltweiten Top-Ten-Liste. Mit der EuroHPC-Initiative wollen wir den europäischen Forschern und Unternehmen bis 2020 erstklassige Superrechner-Kapazitäten zur Verfügung stellen, um Technologien wie künstliche Intelligenz zu entwickeln und die künftigen Alltagsanwendungen in Bereichen wie Gesundheitswesen, Sicherheit oder Ingenieurwesen zu erstellen.“

Die für digitale Wirtschaft und Gesellschaft zuständige Kommissarin Mariya Gabriel ergänzte: „Supercomputer sind bereits die treibende Kraft bei bahnbrechenden Fortschritten und Innovationen in vielen Bereichen, die das Leben der europäischen Bürger unmittelbar betreffen. Sie ermöglichen uns ein effizienteres Vorgehen bei der Entwicklung der personalisierten Medizin, beim Energiesparen und beim Kampf gegen den Klimawandel. Eine bessere europäische Supercomputer-Infrastruktur bietet enormes Potenzial für die Schaffung von Arbeitsplätzen und ist von zentraler Bedeutung für die Digitalisierung der Industrie sowie die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft.“

Das Potenzial der Supercomputer

Das Hochleistungsrechnen (HPC – High-Performance Computing) ist ein unverzichtbares Werkzeug für das Verständnis der großen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen und ihre Bewältigung, z. B. die frühe Erkennung und Behandlung von Krankheiten oder die Entwicklung neuer Therapien mittels personalisierter Medizin und Präzisionsmedizin. HPC wird auch zur Verhütung und Bewältigung großer Naturkatastrophen eingesetzt, insbesondere bei der Vorhersage der Zugbahnen von Wirbelstürmen oder bei Erdbebensimulationen.

Die EuroHPC-Infrastruktur wird der europäischen Industrie und insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) einen besseren Zugang zu Supercomputern ermöglichen, damit sie innovative Produkte entwickeln können. Das Hochleistungsrechnen wirkt sich zunehmend auf viele Wirtschaftszweige und Unternehmen aus, denn es gestattet eine erhebliche Verkürzung der Entwurfs- und Produktionszyklen, eine Beschleunigung der Konzeption neuer Werkstoffe, Kostensenkungen, die Steigerung der Ressourceneffizienz und die Verkürzung und Optimierung von Entscheidungsprozessen. Zum Beispiel lassen sich die Produktionszyklen beim Fahrzeugbau mit Supercomputern von 60 Monaten auf 24 Monate reduzieren.

Auch für die nationale Sicherheit und Verteidigung ist das Hochleistungsrechnen von allergrößter Bedeutung, z. B. für die Entwicklung komplexer Verschlüsselungstechnik, die Rückverfolgung von Cyberangriffen und entsprechende Abwehrmaßnahmen, den Aufbau einer effizienten Forensik oder für kerntechnische Simulationen.

Forschung und Innovation mit passender Infrastruktur

Im Rahmen der heutigen Initiative sollen Investitionen gebündelt werden, um erstklassige europäische Supercomputer und Infrastrukturen für die Massendatenverarbeitung (Big Data) bereitzustellen. Ziel des Gemeinsamen Unternehmens EuroHPC ist der Erwerb von Systemen mit einer Rechenleistung im Vor-Exa-Bereich (hundert Billiarden bzw. 1017 Rechenoperationen pro Sekunde) sowie die Unterstützung der Entwicklung von Systemen mit einer Rechenleistung im Exa-Bereich (eine Trillion bzw. 1018 Rechenoperationen pro Sekunde) auf der Grundlage von EU-Technologie bis 2022–2023.

Für das Gemeinsame Unternehmen sind folgende Tätigkeiten geplant:

  1. Erwerb und Betrieb von zwei Weltklasse-Supercomputern im Vor-Exa-Maßstab und mindestens zwei Mittelklasse-Supercomputern (etwa 1016 Rechenoperationen pro Sekunde) sowie Bereitstellung und Verwaltung des Zugangs zu diesen Supercomputern für ein breites Spektrum öffentlicher und privater Nutzer ab 2020.
  2. Forschungs- und Innovationsprogramm für HPC: Unterstützung der Entwicklung einer europäischen Hochleistungsrechentechnik, einschließlich der ersten europäischen Mikroprozessorgeneration mit geringem Stromverbrauch; ferner Beteiligung am Entwurf europäischer Exa-Rechner und Förderung von Anwendungen und Qualifikationen sowie einer breiteren Anwendung des Hochleistungsrechnens.

Für die Tätigkeit des Gemeinsamen Unternehmens EuroHPC ist der Zeitraum 2019–2026 vorgesehen. Die geplante Infrastruktur wird im gemeinsamen Eigentum ihrer Mitglieder stehen und von ihnen gemeinsam betrieben werden. Bei diesen Mitgliedern handelt es sich zunächst um die Unterzeichnerländer der EuroHPC-Erklärung (siehe nachstehende Liste) sowie um private Mitglieder aus Wissenschaft und Industrie. Der Beitritt weiterer Mitglieder zu dieser Zusammenarbeit ist jederzeit möglich, soweit sie einen entsprechenden Finanzbeitrag leisten.

Hintergrund

Die Kommission ist seit 2012 federführend bei Initiativen der EU in diesem Bereich:

  • Europäische Cloud-Initiative vom 19. April 2016 im Rahmen ihrer Strategie zur Digitalisierung der europäischen Industrie; darin wird die Schaffung eines führenden europäischen Ökosystems für die Massendatenverarbeitung (Big Data) auf der Grundlage erstklassiger Hochleistungsrechner-, Daten- und Netzinfrastrukturen gefordert;
  • EuroHPC-Erklärung, unterzeichnet am 23. März 2017 anlässlich des Digitalen Tags in Rom von sieben Mitgliedstaaten – Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg, Niederlande, Portugal und Spanien. Im Jahr 2017 folgten Belgien, Slowenien, Bulgarien, die Schweiz, Griechenland und Kroatien. Diese Länder vereinbarten den Aufbau einer europaweiten integrierten Supercomputer-Infrastruktur auf Exa-Niveau. Die anderen Mitgliedstaaten und die assoziierten Länder werden ermutigt, die EuroHPC-Erklärung ebenfalls zu unterzeichnen.

Weitere Informationen

Fragen und Antworten

Factsheet mit Beispielen für die Anwendung von Hochleistungsrechnen und andere relevante Dokumente

 

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Kontakt für die Medien:

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail


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