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Europäische Kommission - Pressemitteilung

Europäische Batterie-Allianz: Große Fortschritte beim Aufbau einer europäischen Batterieproduktion nach nur einem Jahr

Brüssel, 15. Oktober 2018

Große Fortschritte beim Aufbau einer europäischen Batterieproduktion nach nur einem Jahr

Nur ein Jahr nach Gründung der Europäischen Batterie-Allianz (EBA) liegt ein entsprechender Aktionsplan der Kommission vor, befinden sich die ersten Pilot-Produktionsanlagen im Bau und sind bereits weitere Projekte angekündigt, um die EU als führenden Akteur auf dem strategischen Gebiet der Batterieinnovation und -produktion zu etablieren.

Für die Automobilindustrie des 21. Jahrhunderts werden Batterien denselben Stellenwert haben wie im vorigen Jahrhundert der Verbrennungsmotor. Wenn die EU ihre Führungsposition im Automobilsektor, aber auch im Bereich der sauberen Energiesysteme behaupten will, muss sie über unabhängige Kapazitäten für die Entwicklung und Herstellung von Batterien verfügen. Vizepräsident Šefčovič richtet heute ein hochrangiges Treffen mit den Mitgliedstaaten und führenden Verantwortlichen der Unternehmen aus, um die wichtigsten Ergebnisse vorzustellen und über die nächsten entscheidenden Schritte zu beraten.

Der für die Energieunion zuständige Vizepräsident Maroš Šefčovič erklärte: „Ich bin stolz auf die Zugkraft, die von der Europäischen Batterie-Allianz ausgeht. Zum ersten Jahrestag ihres Bestehens können wir zeigen, wie sich die verschiedenen Teile des Puzzles dank unserer Zusammenarbeit mit der Europäischen Investitionsbank, verschiedenen Regierungen und der Industrie ineinander fügen. Wir sind nun dabei, eine vollständige Wertschöpfungskette in Europa aufzubauen, bei der eine nachhaltige Batterieproduktion im Mittelpunkt steht. Und wir schreiten dabei mit Lichtgeschwindigkeit voran.“

Die für Binnenmarkt, Industrie, Unternehmertum und KMU zuständige Kommissarin Elżbieta Bieńkowska ergänzte: „Diese Allianz ist eine Priorität unserer Industriepolitik. Eine starke Batterieindustrie steht mit unserem Streben nach einer sauberen Mobilität voll im Einklang. Elektroautos sind das Standardbeispiel, aber wir denken auch darüber nach, wie die Batterie-Allianz für Lkw, den Seeverkehr und Fährschiffe von Nutzen sein könnte. Wenn Europa eine führende Rolle spielen und mit anderen Wirtschaftsmächten in der Welt konkurrieren will, müssen wir uns beeilen.“

Die Batterieproduktion ist für Europa eine strategische Voraussetzung für den Übergang zu sauberer Energie und für die Modernisierung und Wettbewerbsfähigkeit der Industrie, einschließlich der Automobilbranche. Sie wird zugleich Arbeitsplätze und Wachstum bringen, Forschung und Innovation fördern und die europäische Industrie auf die Umsetzung der von der EU auch im Rahmen des Übereinkommens von Paris eingegangenen Klimaschutzverpflichtungen vorbereiten. Darüber hinaus verfolgt die Kommission mit der neuen Strategie für die Industriepolitik das Ziel, die globale Führungsrolle der EU in den Bereichen Innovation, Digitalisierung und Verringerung von CO2-Emissionen zu sichern.

Im strategischen Aktionsplan für Batterien werden alle Aktivitäten erfasst, die den Mitgliedstaaten, Regionen und europäischen Unternehmen dabei helfen können, wettbewerbsfähige, innovative und nachhaltige Projekte für die Batterieproduktion in der EU umzusetzen. Dazu gehören Maßnahmen auf den Gebieten Zugang zu Rohstoffen‚ Forschung und Innovation, Kompetenzen sowie Rechtsvorschriften, die sicherstellen, dass die in Verkehr gebrachten Batterien nicht nur wettbewerbsfähig, hochwertig und sicher, sondern auch nachhaltig und wiederverwertbar sind. Der Aktionsplan gründet auf den Gesprächen, die mit wichtigen Akteuren aus der Industrie, interessierten Mitgliedstaaten und der Europäischen Investitionsbank (EIB) geführt wurden.

Auf Seiten der Industrie sind bereits in vielen Bereichen erhebliche Fortschritte zu verzeichnen.

Ökosystem der EU:

In weniger als einem Jahr ist es InnoEnergy, dem Europäischen Institut für Innovation und Technologie (EIT), gelungen, ein Netz von rund 260 Akteuren aus den Bereichen Industrie und Innovation aus allen Segmenten der Batterie-Wertschöpfungskette zu mobilisieren und zu koordinieren. Diese Schlüsselakteure haben sich verpflichtet, in Maßnahmen und Projekte zu investieren, die sie gemeinsam als oberste Priorität eingestuft haben und die sich auf folgende Bereiche erstrecken: Batteriezellen-Produktion, „Second Life“-Verwendungen von Batterien, Umweltzeichen, Verringerung des CO2-Fußabdrucks in der Fertigung, Clearingstelle für das Batterie-Recycling, Vernetzung zwischen Fahrzeugen und Netz und verstärkte Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Unternehmen bei der Aufstellung einschlägiger Ausbildungs- und Lehrprogramme.

Fertigungstechnische Projekte:

Batteriematerialien

  • Im Juni 2018 kündigte Umicore eine beträchtliche Investition in die Herstellung von Kathodenmaterialien im polnischen Nysa an. Die Anlage, in der modernste Technologien zum Einsatz kommen werden, soll Ende 2020 in Betrieb gehen.Außerdem wird in Belgien ein neues Prozesskompetenzzentrum für die Entwicklung und den Ausbau hocheffizienter Produktionstechnologien errichtet.
  • BASF ist ein bedeutender Akteur auf dem Markt für Batteriematerialien. Das Unternehmen erwartet ein rasches Wachstum des Markts für Lithium-Ionen-Batterien und plant eine Ausweitung seiner Produktionskapazitäten in Europa.
  • Solvay arbeitet an der Entwicklung modernster Elektrolyten sowie von Bindern und Separatoren für Elektroden, wie sie für hocheffiziente Batterien benötigt werden. Das Unternehmen erwägt den Bau einer Anlage in Europa.

Batteriezellen

  • Beginn mit dem Bau einer Demonstrationsfertigungsstraße im Rahmen eines Projekts unter Leitung der schwedischen Firma Northvolt (mit einem EIB-Darlehen in Höhe von 52,5 Mio. EUR).
    Die Produktion soll im zweiten Halbjahr 2019 anlaufen. Zudem verfügt Northvolt über die Genehmigung für den Bau einer größeren Anlage im schwedischen Skellefteå. Ziel ist es, die Produktion bis 2023 auf bis zu 32 GWh zu erhöhen.
  • Die BMW Group, Northvolt und Umicore haben ein gemeinsames Technologiekonsortium gegründet, um bei der kontinuierlichen Entwicklung einer durchgehenden und nachhaltigen Wertschöpfungskette für Elektroauto-Batteriezellen in Europa eng zusammenzuarbeiten.
  • Der Batteriehersteller SAFT kündigte im Februar 2018 die Bildung eines Konsortiums mit Solvay, Umicore, Manz und anderen an, um Batteriezellen – zunächst mit fortgeschrittener Li-Ionen-Technik, später Feststoff-Lithium-Ionen-Akkus – zu entwickeln und herzustellen.
  • Siemens arbeitet mit der gesamten Wertschöpfungskette für Batteriezellen an fertigungsbezogenen Herausforderungen und Lösungen und erprobt seit Kurzem die ersten vollautomatisierten und digitalisierten Fertigungsstraßen in Europa.
  • In Deutschland bemühen sich derzeit Unternehmen und Forschungseinrichtungen intensiv um den zeitnahen Aufbau einer Batteriezellen-Produktion.
  • Auch andere Marktteilnehmer in der EU errichten derzeit Anlagen für die Herstellung von Batteriezellen, insbesondere für Energiespeicheranwendungen (FAAM in Italien und MES in der Tschechischen Republik).

Diese Liste der angekündigten fertigungstechnischen Vorhaben und Investitionen ist bei Weitem nicht erschöpfend.

Die Kommission hat mit der raschen Umsetzung des Strategischen Aktionsplans für Batterien begonnen. Die wichtigsten Maßnahmen sind angelaufen:

  1. Der Rechtsrahmen: Die Arbeiten an einer neuen Ökodesign-Verordnung werden zügig vorangetrieben, um die Leistungs- und Nachhaltigkeitskriterien festzulegen, die Batterien für den EU-Markt erfüllen müssen.Die vorbereitende Studie ist in Arbeit und eine erste öffentliche Konsultation der Interessenträger wird am 20. Dezember in Brüssel stattfinden. Außerdem hat die Gemeinsame Forschungsstelle der Kommission im Zusammenhang mit der umweltgerechten Gestaltung von Batterien heute Ergebnisse einer Umfrage zu batteriebezogenen Normen veröffentlicht. Der Bericht der Kommission über die Bewertung der EU-Batterierichtlinie dürfte ebenfalls noch vor Jahresende veröffentlicht werden. Darin werden u. a. die Sammlung von Altbatterien, die innerhalb der EU erreichten Recyclingquoten und das Kennzeichnungssystem behandelt. Die Ergebnisse der Studie zur Unterstützung der Bewertung werden Ende Oktober vorliegen.
  2. Rohstoffe: Auf einer hochrangigen Konferenz über Rohstoffe, die am 14. November in Brüssel stattfindet, werden Empfehlungen vorgelegt werden, die aus einem von der Kommission angestoßenen Dialog mit den Mitgliedstaaten über Batterie-Rohstoffe hervorgehen, der zur Entwicklung attraktiver Rahmenbedingungen für die Exploration, die Gewinnung und das Recycling von Batterien in Europa beitragen soll. Die Kommission ruft die Industrie auf, außerdem die Rohstoffveredelungskapazität in der EU auszubauen.
  3. Interregionale Partnerschaft für Batterien: Bei einem Workshop am 8. Oktober wurde eine „Interregionale Partnerschaft für Batterien“ ins Leben gerufen. Slowenien hat angeboten, in Zusammenarbeit mit insgesamt 7 Regionen die Federführung im Bereich moderne Werkstoffe zu übernehmen. Diese Partnerschaft wird von der Unterstützung durch Sonderteams innerhalb der Kommission sowie von externen Beratungsdiensten profitieren können, um so den Ausbau und die Vermarktung zu beschleunigen. Eine weitere Partnerschaft unter der Federführung der Lombardei zur Zerlegung und Wiederverwertung von Batterien hat bereits große Fortschritte bei der Schaffung eines Netzes von Pilot-Recyclinganlagen gemacht. Immer mehr Regionen bekunden aufgrund ihrer jeweiligen besonderen Stärken ihr Interesse an einer Beteiligung an diesen Partnerschaften. Unterstützung erhalten sie vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).
  4. Forschung: Am 24. Januar 2019 wird eine Aufforderung zur Einreichung von Vorschlägen mit einem Gesamtbudget von 114 Mio. EUR aus dem EU-Forschungs- und Innovationsprogramm „Horizont 2020“ für den Bereich Batterien veröffentlicht, die auch die Ziele der europäischen Batterie-Allianz unterstützen soll. Im Jahr 2020 werden weitere Themenbereiche für batteriebezogene Projekte mit einem Gesamtbudget von 70 Mio. EUR veröffentlicht werden. Für den nächsten MFR hat die Kommission ferner die Absicht, eine „Partnerschaft“ für Batterien im Rahmen von Horizont Europa vorzuschlagen. Parallel dazu wird derzeit eine neue Europäische Technologie- und Innovationsplattform eingerichtet. Ziel ist es, bei den Forschungsprioritäten im Bereich Batterien voranzukommen, langfristige Visionen zu definieren und einen strategischen Forschungsplan sowie Fahrpläne aufzustellen. Die Leitung dieser Plattform werden die Interessenträger der Branche, die Forschungsgemeinschaft und die Mitgliedstaaten übernehmen.
  5. Kompetenzen: Im Rahmen des Programms Erasmus+ wird Ende Oktober 2018 die nächste Aufforderung zur Einreichung von Vorschlägen für die „Allianzen für branchenspezifische Fertigkeiten“ veröffentlicht, mit dem die „Blaupause zur Branchenzusammenarbeit für Kompetenzen“ umgesetzt wird. Diese neue Aufforderung umfasst sechs Bereiche, darunter auch „Batterien für Elektromobilität“. Die ausgewählten Blueprint-Allianzen werden Kompetenzdefizite sowie den künftig benötigten Kompetenzbedarf in diesem Wirtschaftszweig ermitteln, eine sektorbezogene Kompetenzstrategie entwickeln, europäische „Kernberufsprofile“ und arbeitsmarktrelevante europäische Ausbildungs-Kernlehrpläne ausarbeiten und einen Aktionsplan für die Umsetzung auf nationaler bzw. regionaler Ebene aufstellen.

Hintergrund

Die europäische Batterie-Allianz wurde im Oktober 2017 von Vizepräsident Šefčovič gemeinsam mit den Mitgliedstaaten und der Industrie ins Leben gerufen. Inzwischen kommen auf dieser Kooperationsplattform die Europäische Kommission, interessierte EU-Länder, die Europäische Investitionsbank und mehr als 260 Akteure aus Industrie und Innovation zusammen. Ziel ist die Schaffung einer wettbewerbsfähigen, innovativen und nachhaltigen Wertschöpfungskette in Europa mit nachhaltigen Batteriezellen in ihrem Mittelpunkt. Um eine technologische Abhängigkeit von unseren Wettbewerbern zu verhindern und das Arbeitsplatz-, Wachstums- und Investitionspotenzial von Batterien voll zu nutzen, muss Europa im globalen Wettlauf schnell handeln. Laut Prognosen könnte sich der Wert des Batteriemarkts ab 2025 auf 250 Mrd. EUR pro Jahr belaufen. Um allein die Nachfrage in der EU zu decken, werden selbst bei konservativer Schätzung mindestens 20 „Giga-Fabriken“ (Großanlagen für die Batteriezellfertigung) in Europa benötigt. Um so schnell wie möglich das erforderliche Investitionsvolumen in dieser Branche zu erreichen, müssen gemeinsame Anstrengungen unternommen werden.

Wichtigstes Ergebnis der europäischen Batterie-Allianz waren bisher der Strategische Aktionsplan für Batterien (angenommen im Mai 2018) und die im Bereich der Batterierohstoffe und Batteriezellen angekündigten Investitionen der Industrie. Der Aktionsplan – der zum dritten Paket „Europa in Bewegung“ gehört und den Abschluss der ehrgeizigen Agenda der Juncker-Kommission zur Modernisierung der Mobilität bildet – umfasst eine Reihe entschiedener Maßnahmen in den Bereichen kritische Rohstoffe, Forschung und Innovation in der EU und Vorschriften zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen.

Weitere Informationen

MEMO/18/6113

Website der Europäischen Batterie-Allianz 

Website „Europa in Bewegung“

 

 

 

 

IP/18/6114

Kontakt für die Medien:

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail


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