Navigation path

Left navigation

Additional tools

Other available languages: EN FR

Europäische Kommission - Pressemitteilung

Fusionskontrolle: Kommission genehmigt Übernahme von Shazam durch Apple

Brüssel, 6. September 2018

Die Europäische Kommission hat die geplante Übernahme von Shazam durch Apple nach der EU-Fusionskontrollverordnung genehmigt. Sie kam zu dem Ergebnis, dass sich der Zusammenschluss weder im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum noch in einem wesentlichen Teil desselben negativ auf den Wettbewerb auswirken würde.

Die für Wettbewerbspolitik zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager erklärte dazu: „Daten sind von zentraler Bedeutung für die digitale Wirtschaft. Daher müssen wir Unternehmenszusammenschlüsse sorgfältig prüfen, die mit dem Erwerb umfassender Datensätze – einschließlich wirtschaftlich sensibler Daten – einhergehen, um sicherzustellen, dass sie nicht zu einer Einschränkung des Wettbewerbs führen. Nach einer gründlichen Analyse der Nutzer- und Musikdaten von Shazam sind wir zu dem Schluss gelangt, dass die Übernahme durch Apple den Wettbewerb auf dem Markt für digitale Musik-Streamingdienste nicht einschränken würde.“

Dem heutigen Beschluss war eine eingehende Prüfung der von Apple geplanten Übernahme von Shazam vorausgegangen. Apple bietet „Apple Music“ an, den zweitgrößten Musik-Streamingdienst in Europa nach Spotify. Shazam ist mit seiner Musikerkennungs-Anwendung (App) für Mobilgeräte im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) und weltweit führend.

 

Die Untersuchung der Kommission

Apple und Shazam bieten hauptsächlich sich gegenseitig ergänzende Dienstleistungen an und stehen nicht miteinander im Wettbewerb. Die Kommission hat eine eingehende Untersuchung eingeleitet, um herauszufinden,

  • ob Apple Zugang zu wirtschaftlich sensiblen Kundendaten seiner Wettbewerber, die Musik-Streamingdienste im EWR anbieten, erhalten würde und ob diese Daten es Apple ermöglichen könnten, direkt an die Kunden seiner Wettbewerber heranzutreten, um diese von einem Wechsel zu Apple Music zu überzeugen. Daraus könnte sich ein Wettbewerbsnachteil für konkurrierende Musik-Streamingdienste ergeben;
  • ob angesichts der starken Marktstellung von Shazam auf dem Markt für Musikerkennungs-Apps die Wettbewerber von Apple Music benachteiligt würden, wenn Apple nach dem Zusammenschluss unterbinden würde, dass Nutzer über die Shazam-App an diese verwiesen werden.

Die Kommission führte zahlreiche Prüfmaßnahmen durch und erhielt Rückmeldungen von wichtigen Marktteilnehmern der digitalen Musikindustrie, unter anderem von Anbietern von Musik-Streaming- und Musikerkennungsdiensten, sowie von anderen Interessenträgern.

Dabei stellte die Kommission Folgendes fest:

  • Das aus dem Zusammenschluss hervorgehende Unternehmen wäre nicht in der Lage, konkurrierende Anbieter digitaler Musik-Streamingdienste durch den Zugang zu wirtschaftlich sensiblen Kundendaten vom Markt auszuschließen. Insbesondere würde der Zugang zu den Daten von Shazam es Apple nicht wesentlich erleichtern, Musikinteressierte anzusprechen, und jedes Verhalten, das bezwecken würde, die Kunden zu einem Wechsel zu ermutigen, hätte nur vernachlässigbare Auswirkungen. Somit würden konkurrierende Anbieter digitaler Musik-Streamingdienste nicht vom Markt ausgeschlossen.
  • Das aus dem Zusammenschluss hervorgehende Unternehmen wäre nicht in der Lage, konkurrierende Anbieter digitaler Musik-Streamingdienste durch eine Beschränkung des Zugangs zur Shazam-App vom Markt auszuschließen, da die App als Zugangspunkt zu den Musik-Streamingdiensten der Wettbewerber von Apple Music nur von begrenzter Bedeutung ist.
  • Die Integration der nutzerbezogenen Datensätze von Shazam und Apple würde dem zusammengeschlossenen Unternehmen auf den Märkten, auf denen es tätig ist, keinen einzigartigen Vorteil verschaffen. Jegliche diesbezügliche Bedenken wurden ausgeräumt, da die Daten von Shazam nicht einzigartig sind und die Wettbewerber von Apple auch nach dem Zusammenschluss noch die Möglichkeit hätten, auf ähnliche Datenbanken zuzugreifen und diese zu nutzen.

Daher ist die Kommission zu dem Schluss gelangt, dass der Zusammenschluss weder im gesamten EWR noch in einem wesentlichen Teil desselben Anlass zu wettbewerbsrechtlichen Bedenken geben würde. Ein Fusionskontrollbeschluss entbindet das betroffene Unternehmen nicht von der Pflicht, alle einschlägigen Datenschutzvorschriften einzuhalten.

 

Unternehmen und Produkte

Apple ist ein weltweit tätiger Technologiekonzern mit Sitz in den USA, der mobile Kommunikations- und Mediengeräte, tragbare digitale Musikabspielgeräte und PCs entwickelt, produziert und vertreibt. Darüber hinaus verkauft Apple digitale Inhalte online und betreibt den Musik- und Video-Streamingdienst „Apple Music“.

Shazam ist ein Unternehmen mit Sitz im Vereinigten Königreich, das Musikerkennungs-Apps für Smartphones, Tablets und PCs entwickelt und vertreibt. Seine Einnahmen erzielt das Unternehmen hauptsächlich mit Online-Werbung und aus mit dem Verweis der Nutzer an digitale Musik-Streaming- und Downloaddienste wie Apple Music, Spotify und Deezer erzielten Provisionen.

 

Verweisungsantrag

Am 6. Februar 2018 gab die Kommission einem Antrag von Frankreich, Island, Italien, Norwegen, Österreich, Schweden und Spanien auf Prüfung der Übernahme von Shazam durch Apple auf der Grundlage der EU-Fusionskontrollverordnung statt. Die geplante Übernahme war zunächst in Österreich zur Genehmigung angemeldet worden, da die Transaktion die Umsatzschwellen der EU‑Fusionskontrollverordnung nicht überstieg. Am 21. Dezember 2017 stellte Österreich bei der Kommission einen Verweisungsantrag nach Artikel 22 Absatz 1 der EU-Fusionskontrollverordnung.

 

Fusionskontrollvorschriften und -verfahren

Die Kommission hat die Aufgabe, Fusionen und Übernahmen von Unternehmen zu prüfen, deren Umsatz bestimmte Schwellenwerte übersteigt (vgl. Artikel 1 der Fusionskontrollverordnung), und Zusammenschlüsse zu untersagen, die den wirksamen Wettbewerb im gesamten EWR oder in einem wesentlichen Teil desselben erheblich behindern würden.

Der weitaus größte Teil der angemeldeten Zusammenschlüsse ist wettbewerbsrechtlich unbedenklich und wird nach einer Standardprüfung genehmigt. Nach der Anmeldung muss die Kommission in der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen entscheiden, ob sie das Vorhaben im Vorprüfverfahren (Phase I) genehmigt oder ein eingehendes Prüfverfahren (Phase II) einleitet.

Derzeit laufen sechs eingehende Prüfverfahren: Die geplante Übernahme der Walzproduktsparte von Aurubis und des Gemeinschaftsunternehmens Schwermetall durch Wieland‚ die geplante Übernahme von MKM durch KME‚ die geplante Übernahme von Gemalto durch Thales‚ die geplante Übernahme von Alstom durch Siemens‚ die geplante Übernahme des Nylongeschäfts von Solvay durch BASF und die geplante Übernahme von Tele2 NL durch T-Mobile NL.

Weitere Informationen zu dieser Wettbewerbssache werden auf der Website der GD Wettbewerb im öffentlich zugänglichen Register unter der Nummer M.8788 veröffentlicht.

IP/18/5662

Kontakt für die Medien:

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail


Side Bar