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Europäische Kommission - Pressemitteilung

Nachhaltiges Finanzwesen: Hochrangige Expertengruppe legt Fahrplan für grünere und sauberere Wirtschaft vor

Brüssel, 31. Januar 2018

Die Kommission begrüßt den Abschlussbericht der hochrangigen Expertengruppe für ein nachhaltiges Finanzwesen. Er enthält strategische Empfehlungen für ein Finanzsystem, das nachhaltige Investitionen fördert.

Auf der Grundlage dieser Empfehlungen wird die Kommission nun ihre Strategie für ein nachhaltiges Finanzwesen fertig stellen. Die Erarbeitung einer EU-Strategie für ein nachhaltiges Finanzwesen ist eine vorrangige Maßnahme des Aktionsplans zur Schaffung einer Kapitalmarktunion der Kommission und ein wesentlicher Schritt hin zur Umsetzung des historischen Übereinkommens von Paris und der EU-Agenda für nachhaltige Entwicklung. Um die in Paris vereinbarten EU-Ziele für 2030 zu erreichen, etwa die Senkung der Treibhausgasemissionen um 40 %, sind jährlich rund 180 Mrd. EUR an zusätzlichen Investitionen nötig. Dabei spielt der Finanzsektor eine Schlüsselrolle, denn es können große Summen an privatem Kapital für solche nachhaltigen Investitionen mobilisiert werden. Die Kommission ist fest entschlossen, in diesem Bereich eine weltweite Vorreiterrolle einzunehmen und Anleger, denen Nachhaltigkeit wichtig ist, bei der Wahl geeigneter Projekte und Unternehmen zu unterstützen.

Valdis Dombrovskis, der für Finanzstabilität, Finanzdienstleistungen und die Kapitalmarktunion zuständige Vizepräsident der Kommission, erklärte: „Die Unterzeichnung des Übereinkommens von Paris im Jahr 2015 war ein Meilenstein für die Welt und für die globale Wirtschaft. Wir bewegen uns hin zu einer emissionsarmen Gesellschaft, in der erneuerbare Energien und intelligente Technologien unsere Lebensqualität verbessern und das Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen ankurbeln, ohne unserem Planeten zu schaden. Die Finanzwirtschaft spielt bei der Finanzierung einer nachhaltigen Zukunft eine wesentliche Rolle. Ich bin sehr erfreut über die ausgezeichnete Arbeit der hochrangigen Expertengruppe, die einen wesentlichen Beitrag zu unserer zukünftigen Strategie liefert.“

Jyrki Katainen, der für Arbeitsplätze, Wachstum, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit zuständige Vizepräsident der Kommission, fügte hinzu: „Bei Investitionen in Ressourceneffizienz und soziale Infrastruktur ist die EU schon jetzt führend, nicht zuletzt dank des Europäischen Fonds für strategische Investitionen und des stärkeren Schwerpunkts auf der Klimapolitik. Gleichzeitig müssen wir privaten Investoren günstige Rahmenbedingungen bieten, damit der Übergang zu einer umweltfreundlicheren, ressourceneffizienteren Kreislaufwirtschaft gelingt. Genau dafür gibt der Abschlussbericht der hochrangigen Expertengruppe den Fahrplan vor, und wir begrüßen ihren wertvollen Beitrag zu diesem wichtigen Thema.“

Der heutige Abschlussbericht der Experten legt die Herausforderungen und Chancen dar, denen die EU bei der Entwicklung einer nachhaltigen Finanzpolitik gegenübersteht. Er zeigt auf, wie der Finanzsektor wieder an die Realwirtschaft anknüpfen kann, um den Übergang zu einer ressourcenschonenderen, kreislauforientierten Wirtschaft zu schaffen. Die Expertengruppe geht davon aus, dass eine Neuausrichtung der Investitionsströme hin zu langfristigen, nachhaltigen Projekten auch die Stabilität des Finanzsystems verbessern wird.

In dem Bericht wird vorgeschlagen:

  • ein System zur Klassifizierung („Taxonomie“) einzuführen, um auf dem Markt für Klarheit darüber zu sorgen, was „nachhaltig“ ist;

  • die Pflichten von Investoren bei der Schaffung eines nachhaltigeren Finanzsystems zu klären;

  • Finanzinstitute und Unternehmen anzuhalten, besser offenzulegen, wie Nachhaltigkeit in die Entscheidungsprozesse einfließt;

  • ein EU-weites Gütesiegel für grüne Anlagefonds zu schaffen;

  • Nachhaltigkeit in die Mandate der europäischen Aufsichtsbehörden (ESA) aufzunehmen;

  • einen europäischen Standard für grüne Anleihen einzuführen.

Der Bericht der Gruppe dient der Kommission als Grundlage für einen umfassenden Aktionsplan über ein nachhaltiges Finanzwesen, den sie in den kommenden Wochen vorlegen wird. Die Ergebnisse des Berichts und der Aktionsplan der Kommission stehen auf der Tagesordnung einer hochrangigen Konferenz am 22. März 2018 in Brüssel.

Hintergrund

Die Europäische Union nimmt beim Aufbau eines Finanzsystems, das nachhaltiges Wachstum fördert, eine Vorreiterrolle ein. Im Jahr 2015 wurden mit der Annahme der Agenda 2030 und der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen sowie mit dem Pariser Klimaschutzübereinkommen wegweisende völkerrechtliche Übereinkünfte geschlossen. Die EU hat sich selbst durch ihren Rahmen für die Klima- und Energiepolitik bis 2030, die Energieunion und ihren Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft ehrgeizige Klima-, Umweltschutz- und Nachhaltigkeitsziele gesetzt.

Diese Selbstverpflichtungen und das zunehmende Bewusstsein dafür, wie dringend die ökologischen Herausforderungen und Tragfähigkeitsrisiken bewältigt werden müssen, erfordern eine wirksame EU-Strategie für ein nachhaltiges Finanzwesen. Die Kommission hatte die hochrangige Expertengruppe im Dezember 2016 eingesetzt. Sie besteht aus 20 führenden Experten aus Zivilgesellschaft, Finanzwirtschaft und Wissenschaft sowie Beobachtern aus europäischen und internationalen Institutionen. Vorsitzender ist Christian Thimann.

Die Arbeiten an einer Reihe zentraler Empfehlungen des Berichts, die im Zwischenbericht vom 13. Juli 2017 enthalten waren, sind bereits weit fortgeschritten. Die Kommission hat vorgeschlagen, die Faktoren Umwelt, Soziales und Governance („ESG-Faktoren“) in die Mandate der europäischen Aufsichtsbehörden aufzunehmen. Zwischen 13. November 2017 und 22. Januar 2018 hat die Kommission außerdem eine öffentliche Konsultation über die Pflichten institutioneller Anleger und Vermögensverwalter im Hinblick auf Nachhaltigkeit durchgeführt.

Die hochrangige Expertengruppe hat einschlägige Arbeiten zu Klima- und Umweltschutz sowie Nachhaltigkeit im Finanzwesen berücksichtigt. Dazu zählen die am 26. Juni 2017 von der Europäischen Kommission angenommenen Leitlinien zur nichtfinanziellen Berichterstattung und der am 29. Juni 2017 von der Task-Force „Klimabezogene Finanzinformationen“ (TCFD) unter Federführung der Wirtschaft veröffentlichte Abschlussempfehlungsbericht. Auch die Expertengruppe hat eine öffentliche Konsultation durchgeführt, um die Standpunkte wichtiger Interessenvertreter einzuholen und diese in ihren Abschlussempfehlungen zu berücksichtigen.

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