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Europäische Kommission - Pressemitteilung

Fusionskontrolle: Kommission leitet eingehende Untersuchung der geplanten Übernahme von Gemalto durch Thales ein

Brüssel, 23. Juli 2018

Die Europäische Kommission wird die geplante Übernahme von Gemalto durch Thales einer eingehenden Prüfung nach der EU‑Fusionskontrollverordnung unterziehen. Die Kommission hat Bedenken, dass der Zusammenschluss für Abnehmer von Hardware-Sicherheitsmodulen höhere Preise, geringere Auswahlmöglichkeiten und einen Innovationsrückgang zur Folge haben könnte.

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager erklärte hierzu: „Unsere Gesellschaft ist immer stärker auf Datensicherheitslösungen angewiesen, um Informationen sozialer, wirtschaftlicher oder persönlicher Art zu sichern.Wir leiten dieses eingehende Prüfverfahren ein, um sicherzustellen, dass die geplante Übernahme von Gemalto durch Thales für Kunden, die ihre Daten sicher verschlüsseln möchten, nicht zu höheren Preisen oder einer geringeren Auswahl an Hardware-Sicherheitsmodulen führt.“

Durch das Vorhaben würden die beiden Unternehmen zusammengeführt, die im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) und weltweit Marktführer bei Hardware-Sicherheitsmodulen für Schlüsselmanagement-Lösungen in Unternehmen sind–. Hardware-Sicherheitsmodule (HSM) sind mit Verschlüsselungssoftware betriebene Geräte zur Erzeugung, zum Schutz und zur Verwaltung von Verschlüsselungscodes, die dem Schutz von Daten in einem fälschungssicheren Modul dienen. Das entstehende Unternehmen wäre auf dem Markt für HSM in Europa und auch weltweit mit Abstand der größte Anbieter.

Die wettbewerbsrechtlichen Bedenken der Kommission

Thales und Gemalto sind derzeit auf dem Markt für Hardware-Sicherheitsmodule sowohl auf europäischer als auch auf globaler Ebene enge Konkurrenten. Die Kommission hat beim derzeitigen Stand Bedenken, dass der Wettbewerbsdruck, den Thales und Gemalto aufeinander und auf die wenigen verbleibenden Marktteilnehmer ausüben, durch das Vorhaben wegfallen würde und auf europäischer wie auch globaler Ebene ein marktbeherrschendes Unternehmen entstehen könnte.

Wenn weniger Unternehmen auf dem Markt konkurrieren und das neu entstehende Unternehmen geringere Anreize hätte, wirksam am Wettbewerb teilzunehmen, könnte das Vorhaben höhere Preise und einen Innovationsrückgang zur Folge haben.

Die Kommission wird die Auswirkungen des Vorhabens nun eingehend prüfen, um festzustellen, ob sich die wettbewerbsrechtlichen Bedenken bestätigen. Insbesondere soll eingehender untersucht werden, (i) in welchem Ausmaß die beteiligten Unternehmen enge Wettbewerber sind, (ii) wie die Wettbewerber von Thales und Gemalto auf die Übernahme reagieren würden und (iii) inwieweit softwaregestützte Lösungen ein ebenso hohes Sicherheitsniveau wie Hardware-Sicherheitsmodule erreichen und folglich mit diesen konkurrieren können.

Das Vorhaben wurde am 18. Juni 2018 bei der Kommission zur Genehmigung angemeldet. Die Kommission muss nun innerhalb von 90 Arbeitstagen, also spätestens am 29. November 2018, einen Beschluss erlassen. Das eingehende Prüfverfahren wird ergebnisoffen geführt.

Unternehmen und Produkte

Die Unternehmensgruppe Thales mit Sitz in Frankreich ist weltweit in den Bereichen Luft- und Raumfahrt, Landverkehr, Verteidigung und Sicherheit tätig.

Gemalto mit Sitz in den Niederlanden ist ein internationales Unternehmen für digitale Sicherheit mit den Tätigkeitsbereichen mobile Plattformen und verbundene Dienste, eingebettete Software & Produkte, Chipkarten, Identitätsdokumente, Regierungsprogramme, M2M-Lösungen (Internet der Dinge) und Unternehmenssicherheit.

Fusionskontrollvorschriften und -verfahren

Die Kommission hat die Aufgabe, Fusionen und Übernahmen von Unternehmen zu prüfen, deren Umsatz bestimmte Schwellenwerte übersteigt (vgl. Artikel 1 der Fusionskontrollverordnung), und Zusammenschlüsse zu untersagen, die den wirksamen Wettbewerb im gesamten oder in einem wesentlichen Teil des EWR erheblich behindern würden.

Der weitaus größte Teil der angemeldeten Zusammenschlüsse ist wettbewerbsrechtlich unbedenklich und wird nach einer Standardprüfung genehmigt. Nach der Anmeldung muss die Kommission in der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen entscheiden, ob sie ein Vorhaben im Vorprüfverfahren (Phase I) genehmigt oder ein eingehendes Prüfverfahren (Phase II) einleitet.

Derzeit laufen fünf weitere eingehende Prüfverfahren (Phase II): Die geplante von MKM durch KME, die geplante Übernahme von Alstom durch Siemens‚ die geplante Übernahme des Nylongeschäfts von Solvay durch BASF‚ die geplante Übernahme von Tele2 NL durch T-Mobile NL‚ die geplante Übernahme von Shazam durch Apple sowie der geplante Zusammenschluss von Praxair und Linde.

Weitere Informationen werden auf der Website der GD Wettbewerb der Kommission im öffentlich zugänglichen Register unter der Nummer der Wettbewerbssache M.8797 veröffentlicht.

 

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Kontakt für die Medien:

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail


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