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Europäische Kommission - Pressemitteilung

Fusionskontrolle: Kommission genehmigt geplante Übernahme von Abertis durch ACS und Atlantia

Brüssel, 6. Juli 2018

Die Europäische Kommission hat die geplante Übernahme von Abertis durch ACS (mit seiner Tochtergesellschaft Hochtief) und Atlantia im Rahmen der EU-Fusionskontrollverordnung genehmigt. Die Kommission kam zu dem Schluss, dass die geplante Übernahme keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken im Europäischen Wirtschaftsraum aufwirft.

Atlantia und Abertis managen und betreiben mautpflichtige Autobahnen. ACS widmet sich hauptsächlich dem Bau von Infrastruktur, betreibt aber auch Infrastrukturkonzessionen. Alle drei Unternehmen sind außerdem im Bereich der mit dem Betrieb von mautpflichtigen Autobahnen zusammenhängenden Nebendienstleistungen tätig. Solche Nebendienstleistungen sind etwa die Bereitstellung elektronischer Mautsysteme samt Vertrieb von Bordgeräten oder auch die Bereitstellung intelligenter Verkehrssysteme.

 

Die Untersuchung der Kommission

Bei der Untersuchung der Kommission ging es insbesondere darum, wie sich der geplante Zusammenschluss auf den Markt für Mautautobahn-Konzessionen im Europäischen Wirtschaftsraum auswirken würde, insbesondere in Italien, wo sich die Tätigkeiten von Atlantia und Abertis überschneiden, sowie in Spanien, wo sich die Tätigkeiten von ACS und Abertis überschneiden.

Die Kommission stellte fest, dass der geplante Zusammenschluss auf diesen Märkten keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken aufwirft, zumal die drei Unternehmen nicht die engsten Wettbewerber voneinander sind und andere bedeutende Wettbewerber am Markt präsent sind. Zudem handelt es sich bei dem fraglichen Markt um einen hochgradig regulierten Bietermarkt.

Darüber hinaus wurde untersucht, wie sich der Zusammenschluss auf verschiedene andere, mit dem Betrieb mautpflichtiger Autobahnen zusammenhängende Märkte auswirken würde, und zwar auf

  • die Bereitstellung elektronischer Mautsysteme samt Vertrieb von Bordgeräten, wo sich die Tätigkeiten von Atlantia und Abertis überschneiden;
  • die Bereitstellung von Ausrüstung und Dienstleistungen für intelligente Verkehrssysteme, wo sich die Tätigkeiten von Atlantia und Abertis überschneiden;
  • den Bau von Infrastruktur, bei dem sich die Tätigkeiten von ACS – insbesondere über seine Tochtergesellschaft Hochtief – und Atlantia überschneiden;
  • die Bereitstellung von Gastronomieleistungen, da Edizione – als größter Anteilseigner von Atlantia – gleichzeitig Mehrheitsaktionär des Gastronomiebetreibers Autogrill ist und Abertis eine 50 %ige Beteiligung an Areamed hält, das ebenfalls Gastronomieleistungen anbietet.

Bei keinem dieser Märkte sah die Kommission wettbewerbsrechtliche Bedenken. Grund dafür ist, dass sich die Präsenz der drei Unternehmen durch das Vorhaben in keinem Mitgliedstaat erheblich vergrößern wird und auch weiterhin mehrere starke Wettbewerber auf den Märkten vertreten sein werden. Darüber hinaus hält es die Kommission für unwahrscheinlich, dass ACS, Atlantia und Abertis den Zugang von Wettbewerbern zu ihren Produkten, Dienstleistungen oder Kunden einschränken werden.

Aus diesen Gründen gelangte die Kommission zu dem Schluss, dass die geplante Übernahme den Wettbewerb auf keinem der betroffenen Märkte gefährden würde.

 

Unternehmen und Produkte

Abertis unterhält seinen Sitz in Spanien und betreibt mautpflichtige Autobahnen und Telekommunikationsinfrastruktur. In der EU betreibt Abertis mautpflichtige Autobahnen vor allem in Spanien und Frankreich sowie – in geringerem Maße – in Italien und im Vereinigten Königreich.

Die in Spanien niedergelassene ACS steht als Muttergesellschaft an der Spitze einer Gruppe, die in den Bereichen Bau sowie industrielle und sonstige Dienstleistungen tätig ist, wobei der Baubereich mit Abstand den größten Anteil ausmacht. Über seine Tochtergesellschaften Hochtief und Iridium betreibt ACS außerdem Autobahnkonzessionen. Der in Deutschland ansässige Baukonzern Hochtief wird ausschließlich von ACS kontrolliert und ist im asiatisch-pazifischen Raum, im Nahen Osten, in den Vereinigten Staaten und in Kanada, aber auch in Europa (Tschechische Republik, Deutschland, Griechenland, Niederlande, Polen und Vereinigtes Königreich) tätig.

Die in Italien ansässige Atlantia ist eine Holdinggesellschaft, die hauptsächlich im Bereich Autobahnkonzessionen und Flughafeninfrastruktur tätig ist. In der EU betreibt Atlantia vor allem mautpflichtige Autobahnen in Italien und in geringerem Umfang in Polen. Darüber hinaus betreibt Atlantia über Telepass elektronische Mautdienste und bietet intelligente Verkehrssysteme an. Hauptanteilseigner von Atlantia ist Edizione, das über Autogrill vor allem im Bereich konzessionierte Gastronomieleistungen tätig ist.

 

Verbundene Zusammenschlüsse

Im Oktober 2017 hatte die Kommission die geplante Übernahme von Abertis durch Atlantia (Sache M.8536) ohne Auflagen und im Februar 2018 ein konkurrierendes Angebot von Hochtief zur Übernahme von Abertis (Sache M.8694) ebenfalls ohne Auflagen genehmigt.

Später schlossen ACS, Hochtief und Atlantia dann eine Investitionsvereinbarung, mit der sie von ihren ursprünglichen Übernahmeplänen für Abertis Abstand nahmen und sich stattdessen für eine gemeinsame Investition in Abertis entschieden.

 

Fusionskontrollvorschriften und -verfahren

Das Vorhaben wurde am 1. Juni 2018 bei der Kommission angemeldet.

Die Kommission hat die Aufgabe, Fusionen und Übernahmen von Unternehmen zu prüfen, wenn der Umsatz der Beteiligten bestimmte Schwellenwerte übersteigt (vgl. Artikel 1 der Fusionskontrollverordnung), und Zusammenschlüsse zu untersagen, die den Wettbewerb im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) oder in einem wesentlichen Teil desselben erheblich behindern würden.

Der weitaus größte Teil der Zusammenschlüsse ist wettbewerbsrechtlich unbedenklich und wird nach einer Standardprüfung genehmigt. Nach der Anmeldung muss die Kommission in der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen entscheiden, ob sie den Zusammenschluss im Vorprüfverfahren (Phase I) genehmigt oder ein eingehendes Prüfverfahren (Phase II) einleitet.

Weitere Informationen zu dieser Wettbewerbssache werden auf der Website der GD Wettbewerb im öffentlich zugänglichen Register der Kommission unter der Nummer M.8894 veröffentlicht.

IP/18/4392

Kontakt für die Medien:

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail


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