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Europäische Kommission - Pressemitteilung

Kapitalmarktunion: Kleinere Unternehmen sollen sich leichter am Kapitalmarkt finanzieren können

Brüssel, 24. Mai 2018

Die Kommission hat heute Vorschläge vorgelegt, die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) den Zugang zu Marktfinanzierungen erleichtern sollen.

Die heutige Initiative, die Teil der EU-Kapitalmarktunion-Agenda ist, dürfte dazu beitragen, dass die Unternehmen in der EU sich künftig leichter und günstiger am Markt finanzieren und so weiter wachsen können.

Trotz der Vorteile einer Börsennotierung haben die auf KMU spezialisierten öffentlichen Märkte in der EU mitunter Schwierigkeiten, neue Emittenten zu finden. Aus diesem Grund will die Kommission die bestehenden EU-Vorschriften für den Zugang zu öffentlichen Märkten ändern, wie sie es im Juni 2017 in der Halbzeitbilanz des Aktionsplans zur Kapitalmarktunion angekündigt hatte. Sie will damit die umfassenden Maßnahmen ergänzen, die sie seit Anlaufen der Kapitalmarktunion-Initiative auf den Weg gebracht hat, um für kleine und mittlere Unternehmen den Zugang zu marktbasierten Finanzierungen zu verbessern.

Sie verfolgt dabei das Ziel, für kleine und mittlere Unternehmen, die eine Notierung und Wertpapieremission an einem „KMU-Wachstumsmarkt“ (einer neuen, für kleine Emittenten bestimmten Kategorie von Handelsplatz) anstreben, Bürokratie abzubauen und bei den an öffentlichen Märkten notierten KMU-Titeln für größere Liquidität zu sorgen. Damit wird bei der Förderung von KMU-Börsengängen ein verhältnismäßigerer Ansatz als bisher verfolgt und zugleich der Fortbestand von Anlegerschutz und Marktintegrität gewährleistet.

Hierzu der für Finanzstabilität, Finanzdienstleistungen und die Kapitalmarktunion zuständige Vizepräsident Valdis Dombrovskis: „Eines der Hauptziele, die wir mit dem Projekt zur Schaffung einer Kapitalmarktunion verfolgen, besteht darin, unseren kleinen und mittleren Unternehmen ein breiteres Spektrum an Kapitalmarktfinanzierungen zu eröffnen. Von den 20 Mio. KMU in Europa sind derzeit nur 3 000 an einer Börse notiert. Das möchten wir ändern. Aus diesem Grund schlagen wir heute Vorschriften vor, die es KMU ermöglichen werden, in jedem Stadium ihrer Unternehmensentwicklung auf vielfältige Finanzierungsmöglichkeiten zurückzugreifen und Kapital an öffentlichen Märkten aufzunehmen.

Der für Arbeitsplätze, Wachstum, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit zuständige Vizepräsident Jyrki Katainen erklärte: „Angesichts der zentralen Rolle, die aufstrebende KMU für Wachstum und Beschäftigung spielen, müssen unbedingt die richtigen Anreize gesetzt werden, um diese Unternehmen zu weiterem Wachstum zu ermutigen. Nachdem wir u. a. mit den Vorschlägen zu Crowdfunding und Risikokapitalfinanzierung bereits wichtige Initiativen für KMU auf den Weg gebracht haben, wollen wir diesen Unternehmen nun den Zugang zu öffentlichen Märkten weiter erleichtern.“

Die heutige Initiative dürfte die Zahl der KMU-Börsengänge erhöhen und die notierten Unternehmen in die Lage versetzen, bei einem größeren Kreis von Anlegern Interesse zu wecken. Ein liquiderer Markt mit zahlreichen Käufern und Verkäufern wird den Handel mit KMU-Aktien erleichtern und KMU die Kapitalaufnahme erleichtern. Zugleich könnten die Anleger ihre Investitionen in KMU leichter wieder zu Geld machen und somit letztlich zur Schaffung von Arbeitsplätzen und zur Generierung von Wachstum in der EU beitragen.

Die wichtigsten Vorschläge auf einen Blick:

  • Die derzeitige Pflicht zur Führung von Listen aller Personen, die auf preissensible Informationen zugreifen können, soll gelockert werden, um kleinen und mittleren Unternehmen übermäßigen Verwaltungsaufwand zu ersparen und gleichzeitig sicherzustellen, dass die zuständigen Behörden bei Insidergeschäften weiterhin Ermittlungen durchführen können.
  • Emittenten, die seit mindestens drei Jahren an einem KMU-Wachstumsmarkt notiert sind, sollen beim Wechsel an einen geregelten Markt einen weniger umfangreichen Prospekt erstellen dürfen. Der Prospekt ist gesetzlich vorgeschrieben und enthält alle Informationen, die ein Anleger vor einer Anlageentscheidung über ein Unternehmen benötigt. Mit den heutigen Vorschlägen werden die bereits überarbeiteten und vereinfachten Prospektvorschriften noch weiter angepasst, um den Unternehmen die Erschließung der europäischen Kapitalmärkte zu erleichtern.
  • Auf die Emission von Schuldtiteln spezialisierte Handelsplätze sollen sich leichter als KMU-Wachstumsmarkt registrieren lassen können. Zu diesem Zweck wird eine neue Emittentenkategorie eingeführt (Emittenten, die ausschließlich Schuldtitel ausgeben). Dabei soll es sich um Unternehmen handeln, die im Laufe eines Zwölfmonatszeitraums Anleihen im Wert von weniger als 50 Mio. EUR begeben.
  • Es soll ein in allen Mitgliedstaaten geltendes gemeinsames Regelwerk für Liquiditätsverträge an KMU-Wachstumsmärkten geschaffen werden, das die nationalen Bestimmungen nicht ersetzt, sondern parallel zu diesen besteht. Hierunter sind Vereinbarungen zwischen einem Emittenten und einem Finanzintermediär (einer Bank oder Wertpapierfirma) über den An- und Verkauf von Aktien des Emittenten in dessen Namen zu verstehen. Der Finanzmittler erhöht auf diese Weise die Liquidität der Aktien.

Die vorliegende Initiative besteht aus einem Legislativvorschlag mit technischen Änderungen an der Marktmissbrauchsverordnung und der Prospektverordnung und einer delegierten Verordnung zur Änderung delegierter Rechtsakte, die im Rahmen der Finanzmarktrichtlinie (MiFID II) erlassen wurden. Die vorgeschlagenen Änderungen dürften die Zahl der Notierungen an KMU-Wachstumsmärkten erhöhen, ohne die zentralen EU-Vorschriften, die nach der Finanzkrise zur Wiederherstellung des Vertrauens in die Finanzmärkte erlassen wurden, anzutasten.

Der Verordnungsvorschlag zur Änderung der Marktmissbrauchsverordnung und der Prospektverordnung wird nun vom Europäischen Parlament und vom Rat erörtert. Die Änderungen an der delegierten Verordnung zu MiFID II werden im Internet veröffentlicht und vier Wochen lang öffentlich zur Konsultation gestellt. Nach ihrer Annahme durch die Kommission werden sie zur Prüfung an das Europäische Parlament und den Rat übermittelt.

Hintergrund

Kleinen und mittleren Unternehmen in jedem Stadium ihrer Unternehmensentwicklung den Zugang zu Finanzierungsquellen zu erleichtern, ist ein zentrales Anliegen der von der Kommission angestrebten Kapitalmarktunion. Die Finanzierungsmöglichkeiten für KMU wurden bereits erheblich verbessert, wobei insbesondere die vereinfachten Prospektvorschriften zu nennen sind. Im Januar 2018 traten darüber hinaus neue Bestimmungen für KMU-Wachstumsmärkte in Kraft, die kleineren Unternehmen die Aufnahme von Eigenkapital und die Begebung von Schuldtiteln (Anleihen) ermöglichen. Doch bleibt noch Einiges zu tun, denn die Zahl der Börsengänge von KMU hat sich im Vergleich zum Zeitraum 2006 bis 2007 halbiert.

An KMU-Wachstumsmärkten notierte Unternehmen müssen verschiedene EU-Vorschriften einhalten wie die Marktmissbrauchsverordnung, die Prospektverordnung oder die MiFID II. Doch wird darin in vielerlei Hinsicht nicht zwischen größeren und kleineren Unternehmen unterschieden. So gilt beispielsweise die Marktmissbrauchsverordnung für Aktienemittenten jeder Größe. Mit den heutigen Vorschlägen will die Kommission ein verhältnismäßigeres Regulierungsumfeld schaffen, das Börsengänge von KMU fördert und dabei gleichzeitig Anlegerschutz und Marktintegrität wahrt.

Die heutigen Vorschläge waren bereits im Juni 2017 in der Halbzeitbilanz des Aktionsplans zur Kapitalmarktunion angekündigt worden. Vorausgegangen sind umfangreiche Arbeiten an der Basis, einschließlich einer zwischen Dezember und Februar 2018 durchgeführten öffentlichen Konsultation. Ebenfalls herangezogen wurden die Ergebnisse der Sondierung zum EU-Regulierungsrahmen für Finanzdienstleistungen. Die Vorschläge sind die ersten eines Maßnahmenpakets (‘SME Listing Package'), das in der EU zu einer Wiederbelebung der Börsengänge von KMU beitragen soll. In diesem Rahmen sollen insbesondere eine Studie über die Bereitstellung von KMU-Analysen in Auftrag gegeben und Überlegungen dazu angestellt werden, welche Rolle eine Förderung aus öffentlichen Mitteln spielen könnte.

Für weitere Informationen siehe:

MEMO

Aktionsplan Kapitalmarktunion

Halbzeitbilanz des Aktionsplans zur Kapitalmarktunion

IP/18/3727

Kontakt für die Medien:

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail


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