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Europäische Kommission - Pressemitteilung

Impfungen: Kommission fordert verstärkte EU-weite Zusammenarbeit bei der Bekämpfung vermeidbarer Krankheiten

Brüssel, 26. April 2018

Impfungen: Kommission fordert verstärkte EU-weite Zusammenarbeit bei der Bekämpfung vermeidbarer Krankheiten

Die Kommission legt heute eine Reihe von Empfehlungen vor zur Stärkung der EU-weiten Zusammenarbeit bei der Bekämpfung von durch Impfung vermeidbaren Krankheiten. Ausgangspunkt hierfür war der Appell von Präsident Juncker, der in seiner Rede zur Lage der Union 2017 zum Handeln aufgefordert hatte, um die Durchimpfungsrate zu erhöhen und sicherzustellen, dass alle Menschen in der EU Zugang zu Impfungen haben.

Der EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Vytenis Andriukaitis, erklärte: „Impfungen sind eine der wirksamsten und kostengünstigsten Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit, die im 20. Jahrhundert entwickelt wurden. Als Arzt bin ich sehr bestürzt darüber, dass Kinder sterben, weil das Impfangebot schlecht angenommen wird, weil Impfskepsis herrscht oder weil es an Impfstoffen fehlt. Infektionskrankheiten machen nicht an den Landesgrenzen halt. Wenn die Menschen in einem Mitgliedstaat nicht gut geschützt sind, bedeutet dies eine Gefahr für Gesundheit und Sicherheit aller Bürgerinnen und Bürger in der EU. Es liegt in unser aller Interesse, dass wir in diesem Bereich zusammenarbeiten. Schützen wir unsere Kinder – lassen wir sie impfen!“

Durch Impfungen können jedes Jahr weltweit zwischen 1 und 3 Millionen Leben gerettet werden. Im kommenden Jahrzehnt werden es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation weitere 25 Millionen sein. Dennoch haben laut dem ECDC mehrere EU-Länder mit beispiellosen Masern-Ausbrüchen zu kämpfen; zudem treten aufgrund unzureichender Durchimpfungsraten auch andere durch Impfung vermeidbare Krankheiten wieder auf und fordern in der EU immer noch Todesopfer bei Kindern und Erwachsenen.

Der Vorschlag der Kommission umfasst drei Handlungsschwerpunkte: 1. Bekämpfung der Impfskepsis und Erhöhung der Durchimpfungsraten, 2. nachhaltige Impfstrategien in der EU und 3. EU-weite Koordinierung sowie Beitrag der EU zur globalen Gesundheit.

In dem Vorschlag werden die Kommission und die Mitgliedstaaten zu 20 Maßnahmen aufgerufen, darunter

  • Aufstellung und Umsetzung nationaler und/oder regionaler Impfpläne bis zum Jahr 2020; hierzu gehört auch das Erzielen einer Durchimpfungsrate von mindestens 95 % für Masern;
  • Einführung routinemäßiger Überprüfungen des Impfstatus und regelmäßiger Impfangebote in den verschiedenen Lebensaltern, etwa in der Schule oder am Arbeitsplatz;
  • Erarbeitung von Optionen für einen einheitlichen Impfpass, der einen grenzübergreifenden elektronischen Austausch ermöglicht;
  • Einrichtung eines europäischen Informationsportals zum Thema Impfungen bis 2019, auf dem die aktuellsten Erkenntnisse über Nutzen und Sicherheit von Impfstoffen objektiv und transparent dargelegt werden;
  • Einrichtung eines EU-weiten Data-Warehouse (virtuelles Register) mit Daten zu Impfstoffbeständen und -bedarf zwecks Senkung des Risikos von Versorgungsengpässen; das Register soll den freiwilligen Austausch über die verfügbaren Bestände sowie Engpässe bei den wichtigsten Impfstoffen ermöglichen;
  • adäquate Schulung aller im Gesundheitsbereich Beschäftigten, damit sie fachkundig Impfungen verabreichen und kompetent mit Impfskepsis umgehen können;
  • Bildung einer Impfkoalition aus den europäischen Verbänden der Angehörigen der Gesundheitsberufe und den entsprechenden Studierendenvereinigungen, die die Öffentlichkeit korrekt informiert, irrige Annahmen widerlegt und bewährte Verfahren austauscht;
  • Einrichtung eines europäischen Informationsaustausch-Systems, mit dem Daten erfasst und mit dessen Hilfe bis 2020 Leitlinien für einen von den EU-Mitgliedstaaten vereinbarten EU-weit einheitlichen Kern-Impfkalender mit Angabe von Dosis und Lebensalter aufgestellt werden sollen;
  • Stärkung der einschlägigen Partnerschaften und Zusammenarbeit mit internationalen Partnern.

 

Derzeitiger Stand: die wichtigsten Impflücken in der EU

Nach den jüngsten Datenerhebungen des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) sind die Masern in mehreren EU- und EWR-Ländern weiter auf dem Vormarsch. Im 12-Monats-Zeitraum vom 1. März 2017 bis zum 28. Februar 2018 wurden über das Europäische Überwachungssystem 14 813 Masernfälle gemeldet. In den Fällen, in denen der Impfstatus bekannt war, waren die Personen zu 86 % nicht geimpft. Das ECDC schätzt weiter, dass jedes Jahr mindestens 40 000 Menschen an der Grippe sterben, was sich teilweise auf Impflücken zurückführen lässt.

 

Nächste Schritte

Der Kommissionsvorschlag wird vom Rat erörtert. Ziel ist die Verabschiedung bis Ende 2018 und dann das Inkrafttreten mit sofortiger Wirkung. Ab diesem Zeitpunkt wird die Kommission dann alle drei Jahre über die Fortschritte bei der Umsetzung der Empfehlung Bericht erstatten. Darüber hinaus wird die Kommission im Rahmen des Zyklus Gesundheitszustand in der EU einen Bericht zum Thema Vertrauen in Impfstoffe in der EU vorlegen, in dem die Einstellungen zur Impfung dokumentiert werden.

 

Hintergrund

In seiner Rede zur Lage der Union 2017 erklärte Präsident Juncker: „In einer Union der Gleichberechtigten kann es keine Bürger zweiter Klasse geben. Es ist nicht hinnehmbar, dass auch 2017 noch Kinder an Krankheiten sterben, die in Europa schon längst ausgerottet sein müssten. (…) Ohne Wenn und Aber. (…) Vermeidbare Todesfälle darf es in Europa nicht geben.“

Die Empfehlungen der Kommission zu durch Impfung vermeidbaren Krankheiten stützen sich auf mehrere laufende Maßnahmen und Projekte, der EU in diesem Bereich. Dazu gehören die Empfehlung des Rates zur Impfung gegen die saisonale Grippe von 2009, die Vereinbarung über die gemeinsame Beschaffung, die mit dem Beschluss zu schwerwiegenden grenzüberschreitenden Gesundheitsgefahren (Nr. 1082/2013/EU) getroffen wurde, sowie eine Gemeinsame Aktion zugunsten von Impfungen, die über das Programm „Gesundheit“ (2014-2020) gefördert wird, in den kommenden Monaten anläuft und mit der schwerpunktmäßig die Impfskepsis bekämpft werden soll.

 

Weitere Informationen

Siehe MEMO

Impfung – Überblick

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