Navigation path

Left navigation

Additional tools

Europäische Kommission - Pressemitteilung

Eurobarometer Spezial: Wie ist es nach Meinung der Europäerinnen und Europäer um die Gerechtigkeit in der EU bestellt?

Brüssel, 23. April 2018

Aktuelle Umfragen zeigen, dass die meisten Europäerinnen und Europäer der Ansicht sind, dass es im Leben im Allgemeinen gerecht zugeht; besorgt sind sie jedoch in Bezug auf die Justiz, politische Entscheidungen und die Einkommensungleichheit.

Der Präsident der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, machte Fairness in der EU zu einem der Eckpfeiler seiner politischen Prioritäten. Um diese Bemühung durch wissenschaftliche Daten zu untermauern, erstellte der wissenschaftliche Dienst der Kommission, die Gemeinsame Forschungsstelle (JRC), im vergangenen Jahr ihren ersten Bericht über die soziale Gerechtigkeit. Die Ergebnisse des heute veröffentlichten Eurobarometer Spezial leisten einen Beitrag zur Behandlung weitergehender Fragen der empfundenen Ungerechtigkeit in den Bereichen Beschäftigung, Bildung, Gesundheit und in der Gesellschaft insgesamt.

Der heute veröffentlichten Eurobarometer-Umfrage zufolge ist eine Mehrheit der Europäerinnen und Europäer der Auffassung, dass es in ihrem Leben überwiegend gerecht zugeht und dass sie die gleichen Chancen haben, voranzukommen. Indessen sind sie weniger davon überzeugt, dass das Recht und politische Entscheidungen – unabhängig von sozialem Status, Einkommens- und Vermögensverhältnissen und Beziehungen – in ihren Ländern einheitlich und konsequent angewandt werden. Die große Mehrheit ist außerdem der Meinung, dass die Einkommensungleichheit zu groß ist und dass die Regierungen hier tätig werden sollten; weniger als die Hälfte der Befragten glauben, dass sich die Chancengleichheit und ihr sozialer Status im Laufe der Zeit verbessert haben.

Tibor Navracsics, EU-Kommissar für Bildung, Kultur, Jugend und Sport, der auch für die Gemeinsame Forschungsstelle zuständig ist, sagte dazu: „Gerechtigkeit ist ein wesentlicher Bestandteil beim Aufbau eines widerstandsfähigeren, durch Zusammenhalt geprägten Europas. Unsere Initiativen in diesem Bereich müssen sich auf fundierte Erkenntnisse stützen, gleichzeitig aber auch die Werte und Wahrnehmungen der Europäerinnen und Europäer berücksichtigen. Ich bin stolz darauf, dass die Arbeit der JRC unseren Kenntnisstand in diesen beiden Bereichen verbessert und damit einen wichtigen Beitrag zu unseren Bemühungen zur Schaffung eines besseren Europas für die Zukunft leistet.

Die wichtigsten Ergebnisse der Eurobarometer-Umfrage betreffen Bildung, Einkommen, sozialen Status und Intergenerationenmobilität. Weitere Aspekte sind die Wahrnehmungen von Migration und Globalisierung, wobei die Migration als eine der Ursachen zunehmender Ungleichheiten empfunden wird und die Globalisierung für politische Präferenzen steht, die u. a.  die Einstellungen zu Gerechtigkeit und Ungleichheiten beeinflussen:

  • Mehr als die Hälfte der Befragten sind der Meinung, dass alle Menschen die gleichen Chancen haben, voranzukommen (58 %). Hinter dieser Zahl verbergen sich jedoch erhebliche regionale Unterschiede: Der Aussage stimmen in Dänemark 81 %, in Griechenland aber nur 18 % zu. 

  • Die Befragten sind weniger optimistisch, was die Gerechtigkeit in bestimmten Bereichen anbelangt. Nur 39 % sind zuversichtlich, dass die Gerechtigkeit stets die Oberhand über die Ungerechtigkeit gewinnt, ebenso viele sind mit dieser Aussage nicht einverstanden. Noch pessimistischer sieht es bei der Frage aus, ob politische Entscheidungen konsequent bei allen Bürgerinnen und Bürgern angewandt werden: Nur 32 % stimmen dieser Aussage zu, 48 % verneinen dies. Tendenziell haben besser ausgebildete, jüngere und wohlhabendere Menschen eher den Eindruck, dass Gerechtigkeit herrscht. 

  • Die große Mehrheit ist der Ansicht, dass die Einkommensunterschiede zu groß sind (84 %): Die Spanne reicht von 96 % in Portugal und 92 % in Deutschland bis zu 59 % in den Niederlanden. In allen Ländern außer Dänemark sind mehr als 60 % der Menschen der Meinung, dass die Regierungen Maßnahmen zur Verringerung der Unterschiede ergreifen sollten. 

  • 98 % bzw. 93 % der Befragten zufolge sind gute Gesundheit und hochwertige Bildung entscheidend oder wichtig, um im Leben voranzukommen. Mehr als 90 % sind der Meinung, dass harte Arbeit und die richtigen Beziehungen ebenfalls entscheidend oder wichtig sind. Ein wohlhabendes Elternhaus, politische Kontakte, die ethnische Herkunft oder das Geschlecht werden als weniger ausschlaggebend angesehen.

  • Weniger als die Hälfte der Befragten (46 %) glauben, dass sich die Chancengleichheit im Vergleich zu vor 30 Jahren verbessert hat (mehr als 70 % in Malta, Finnland und Irland, aber weniger als 25 % in Kroatien, Frankreich und Griechenland).

  • Insgesamt halten 47 % der Europäerinnen und Europäer die Globalisierung für eine gute Sache, 21 % sind anderer Meinung. 39 % stehen der Einwanderung in ihrem Land positiv gegenüber, 33 % lehnen sie dagegen ab.

Die JRC wird auf der Grundlage der Umfragedaten und der neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse die Wissensbasis ausbauen, um die EU-Maßnahmen zur Schaffung einer gerechteren Gesellschaft zu unterstützen. 2019 wird sie eine Reihe von Kurzberichten sowie die zweite Ausgabe des Berichts über die soziale Gerechtigkeit veröffentlichen.

Hintergrund

Der Eurobarometer Spezial 471 „Gerechtigkeit, Ungleichheit und Intergenerationenmobilität“ wurde in Form persönlicher Befragungen vom 2. bis 11. Dezember 2017 durchgeführt. Insgesamt wurden 28 031 Personen in den 28 Mitgliedstaaten der EU befragt.

Im ersten Bericht der JRC wurden Daten und Statistiken daraufhin untersucht, welche Auswirkungen Einkommensungleichheit, familiärer Hintergrund und Wohnort auf die Chancengleichheit in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Arbeitsmarkt sowie auf die Wahrnehmungen und Einstellungen der Menschen haben. Die JRC hat auch eine praxisorientierte Gemeinschaft (Community of Practice) zum Thema Gerechtigkeit eingerichtet, die politische Entscheidungsträger der EU mit Wissenschaftlern und Forschern, die sich mit Fragen der Gerechtigkeit befassen, zusammenführt.

Im Rahmen der Europäischen Säule sozialer Rechte hat die Kommission einige legislative und politische Initiativen zu diesem Thema vorgelegt, wie einen Vorschlag zur Verbesserung der Gleichstellung von Frauen und Männern durch Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben für erwerbstätige Eltern, sowie Vorschläge zur Schaffung transparenterer und verlässlicherer Arbeitsbedingungen und zum Zugang zum Sozialschutz für alle.

Um das volle Potenzial von Bildung und Kultur als Antriebskräfte für soziale Gerechtigkeit, Teilhabe und Beschäftigung zu nutzen, arbeitet die Kommission mit einer Reihe von Initiativen in den Bereichen Bildung, Jugend und Kultur darauf hin, bis 2025 einen Europäischen Bildungsraum zu schaffen. Ihr im Januar vorgelegtes erstes Maßnahmenpaket umfasste einen Vorschlag zur Stärkung der inklusiven Bildung, um eine hochwertige Bildung für alle Schülerinnen und Schüler zu fördern.

 

Weitere Informationen

Eurobarometer, Bericht und länderspezifische Datenblätter

Factsheet Gemeinsame Forschungsstelle

Bericht der Gemeinsamen Forschungsstelle über soziale Gerechtigkeit (2017)

IP/18/3427

Kontakt für die Medien:

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail


Side Bar