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Europäische Kommission - Pressemitteilung

FinTech: Kommission leitet Maßnahmen für einen wettbewerbsfähigeren und innovativeren Finanzmarkt ein

Brüssel, 8. März 2018

Die Europäische Kommission legt heute einen Aktionsplan vor, mit dem sie die Chancen nutzen will, die sich aus technologiegestützten Innovationen bei Finanzdienstleistungen (FinTech) ergeben.

Europa soll zum globalen FinTech Zentrum werden, das Unternehmen und Anlegern in der EU die Möglichkeit bietet, die Vorteile des Binnenmarkts in diesem schnelllebigen Sektor bestmöglich zu nutzen. Als erste wichtige Maßnahme schlägt die Kommission auch neue Vorschriften vor, um Crowdfunding-Plattformen im gesamten EU-Binnenmarkt Wachstumschancen zu eröffnen.

Der heute vorgestellte Aktionsplan soll es dem Finanzsektor ermöglichen, die raschen Fortschritte bei neuen Technologien wie Blockchain, künstliche Intelligenz und Cloud-Diensten für sich zu nutzen. Gleichzeitig sollen die Märkte sicherer und für neue Marktteilnehmer leichter zugänglich werden. Davon werden sowohl Verbraucher und Anleger als auch Banken und neue Marktteilnehmer profitieren. Darüber hinaus schlägt die Kommission ein europaweites Label für Crowdfunding-Plattformen vor, damit die Lizenz eines Landes genügt, um die Plattform in der gesamten EU zu betreiben.

Der Aktionsplan ist Teil der Arbeit der Kommission zur Schaffung einer Kapitalmarktunion und eines echten Binnenmarkts für Finanzdienstleistungen für Verbraucher. Zudem unterstützt er das Projekt zur Schaffung eines digitalen Binnenmarkts. Die Kommission möchte die EU-Regeln zukunftsorientierter gestalten und sie an die rasanten technologischen Entwicklungen anpassen.

Valdis Dombrovskis, Vizepräsident und EU-Kommissar für Finanzstabilität, Finanzdienstleistungen und die Kapitalmarktunion, erklärte hierzu: „Um im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig zu sein, brauchen die innovativen Unternehmen Europas Zugang zu Kapital, Raum für Experimente und eine gewisse Größe, die ihnen Wachstum ermöglicht. Hier setzt unser FinTech-Aktionsplan an. Eine EU-weite Lizenz würde den Crowdfunding-Plattformen dabei helfen, europaweit zu expandieren. Sie würde dazu beitragen, Anleger und Unternehmen aus der gesamten EU zusammenzubringen, und Firmen und Unternehmern mehr Möglichkeiten geben, ihre Ideen einem breiteren Spektrum an Geldgebern zu präsentieren."

Der für Arbeitsplätze, Wachstum, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit zuständige Vizepräsident der Europäischen Kommission, Jyrki Katainen, ergänzte: „Neue Technologien verändern die Finanzbranche, denn sie revolutionieren die Art und Weise, wie Verbraucher und Unternehmen Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Alternative Finanzierungsformen wie Crowdfunding und Peer-to-Peer-Kredite lenken Ersparnisse direkt in Investitionen um. Sie erleichtern innovativen Unternehmern, Start-ups und kleinen Firmen den Zugang zum Markt. Dies ist eines der Kernziele der Kapitalmarktunion.“

Die für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft zuständige Kommissarin Mariya Gabriel fügte hinzu: „Digitale Technologien beeinflussen die gesamte Volkswirtschaft – unsere Bürgerinnen und Bürger ebenso wie unsere Unternehmen. Technologien wie Blockchain können nicht nur für Finanzdienstleistungen entscheidende Veränderungen bringen. Wir müssen günstige Rahmenbedingungen für Innovationen schaffen und gleichzeitig die Risiken eindämmen und die Verbraucher schützen.“ 

Der FinTech-Aktionsplan 

Der Finanzsektor ist der größte Nutzer digitaler Technologien und eine maßgebliche Triebkraft des digitalen Wandels in der Wirtschaft. Der heutige Aktionsplan sieht 19* Schritte vor, um die Expansion innovativer Geschäftsmodelle zu fördern, den Einsatz neuer Technologien zu unterstützen, die Cybersicherheit zu erhöhen und die Integrität des Finanzsystems zu stärken. Vorgesehen sind unter anderem folgende Maßnahmen: 

  • Die Kommission wird ein EU-FinTech-Labor ausrichten‚ bei dem europäische und nationale Behörden in einem neutralen, gemeinnützigen Rahmen mit Anbietern von Technologielösungen zusammenkommen.

  • Die Kommission hat bereits das „EU Blockchain Observatory and Forum“ aus der Taufe gehoben. Das Forum wird 2018 über die Chancen und Risiken von Kryptoanlagen berichten und arbeitet an einer umfassenden Strategie für Distributed-Ledger-und Blockchain-Technologien, die alle Bereiche der Wirtschaft berücksichtigt. Ein Distributed Ledger ist eine Datenbank, die in einem Netzwerk geteilt wird. Die bekannteste Form des Distributed Ledger ist die Blockchain.

  • Die Kommission wird Stellungnahmen dazu einholen, wie sich die Digitalisierung der von börsennotierten Unternehmen in Europa veröffentlichten Informationen am besten fördern lässt, unter anderem durch den Einsatz innovativer Technologien zur Vernetzung nationaler Datenbanken. Damit werden Anleger sehr viel einfacher auf wesentliche Informationen zugreifen können, auf deren Grundlage sie ihre Investmententscheidungen treffen.

  • Die Kommission wird Workshops veranstalten, um den Informationsaustausch im Bereich der Cybersicherheit zu verbessern.

  • Die Kommission wird auf der Grundlage von Leitlinien der Europäischen Aufsichtsbehörden ein Konzept mit empfehlenswerten Praktiken bei regulatorischen „Sandkästen“ vorlegen. Ein regulatorischer „Sandkasten“ ist ein von Regulierungsbehörden errichteter Rahmen, der es FinTech-Startups und anderen Innovatoren ermöglicht, unter Aufsicht einer Regulierungsbehörde lebensechte Experimente unter kontrollierten Bedingungen durchzuführen. Regulatorische „Sandkästen“ gewinnen zunehmend an Beliebtheit, vor allem auf entwickelten Finanzmärkten.

 

Die Crowdfunding-Verordnung

Crowdfunding verbessert den Zugang zu Finanzmitteln insbesondere für Start-ups und andere Kleinunternehmen. Ein Start-up kann sein Projekt auf einer Online-Plattform präsentieren und um Unterstützung in Form eines Darlehens („Peer-to-Peer-Kredite“) oder in Form von Eigenkapital bitten. Anleger erhalten eine finanzielle Rendite für ihre Investitionen. Derzeit ist es für viele Plattformen schwierig, in andere EU-Länder zu expandieren. Daher ist Crowdfunding in der EU im Vergleich zu anderen großen Volkswirtschaften der Welt unterentwickelt, und der EU-Markt ist zersplittert. Eine der größten Hürden ist das Fehlen gemeinsamer EU-weiter Vorschriften. Dies führt zu erheblichen Befolgungs- und Betriebskosten und verhindert, dass Crowdfunding-Plattformen grenzüberschreitend expandieren.

Mit dem heutigen Vorschlag wird es für Crowdfundung-Plattformen einfacher, ihre Dienstleistungen EU-weit anzubieten und den Zugang zu dieser innovativen Finanzierungsform für Unternehmen mit Finanzierungsbedarf zu verbessern. Nach ihrer Verabschiedung durch das Europäische Parlament und den Rat wird die vorgeschlagene Verordnung dafür sorgen, dass die Plattformen auf der Grundlage eines einheitlichen Regelwerks ein EU-Label beantragen können. Damit werden sie ihre Dienstleistungen in der gesamten EU anbieten dürfen. Anleger auf Crowdfunding-Plattformen werden durch klare Regeln für die Offenlegung von Informationen, für die Governance und für das Risikomanagement und durch eine kohärente Beaufsichtigung geschützt.

Hintergrund

In der Halbzeitüberprüfung des Aktionsplans zur Kapitalmarktunion vom Juni 2017 wurde das Potenzial der Finanztechnologien hervorgehoben, die Kapitalmärkte zu verändern, indem sie neue Marktteilnehmer und effizientere Lösungen hervorbringen, den Wettbewerb stärken und die Kosten für Unternehmen und Investoren senken. Zudem wurde angekündigt, dass die Kommission ein umfassendes Konzept entwickeln würde, um Finanztechnologien zu fördern und die EU-Kapitalmärkte zu vertiefen und zu verbreitern, indem das Potenzial der Digitalisierung integriert wird.

Zur Vorbereitung des FinTech-Aktionsplans führte die Kommission im März 2017 eine öffentliche Konsultation durch, um die Meinungen der Interessenträger über die Auswirkungen der neuen Technologien auf Finanzdienstleistungen einzuholen. In ihren Rückmeldungen betonten viele Konsultationsteilnehmer, dass FinTech und technologische Innovationen im Allgemeinen Antriebskräfte für die Entwicklung des Finanzsektors seien und enorme Möglichkeiten in Bezug auf den Zugang zu Finanzmitteln, operative Effizienz, Kosteneinsparungen und Wettbewerb böten.

Input für den Vorschlag über Crowdfunding lieferten die einschlägigen Vorarbeiten, insbesondere die Umsetzung des Aktionsplans zur Kapitalmarktunion aus dem Jahr 2015‚ die öffentliche Konsultation zur Halbzeitüberprüfung der Kapitalmarktunion und die FinTech-Konsultation vom März 2017.

For more information

Question and Answer on FinTech

Question and Answer on Crowdfunding

Factsheet

More information

*[Figure corrected on 19/03/2018 at 16:50]

IP/18/1403

Kontakt für die Medien:

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail


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