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Europäische Kommission - Pressemitteilung

Fusionskontrolle: Kommission leitet eingehende Untersuchung zur geplanten Übernahme von Cristal durch Tronox ein

Brüssel, 20. Dezember 2017

Die Europäische Kommission hat eine eingehende Untersuchung eingeleitet, um zu prüfen, ob die geplante Übernahme von Cristal durch Tronox mit der EU Fusionskontrollverordnung im Einklang steht. Die Kommission befürchtet, dass das Vorhaben den Wettbewerb auf dem Markt für Titandioxidpigmente, die ein wichtiges Vorprodukt für viele Konsumgüter sind, verringern kann.

Die für Wettbewerbspolitik zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager erklärte hierzu: „Titandioxid wird in Produkten des täglichen Bedarfs wie Farben, Kunststoffen und Papier verwendet, und eine Vielzahl von Herstellern muss das Titandioxid von einer geringen Anzahl von Lieferanten beziehen.Wir werden sorgfältig prüfen, ob der geplante Zusammenschluss zwischen Cristal und Tronox den Wettbewerb auf dem Markt für Titandioxid beeinflussen und letztlich zu höheren Preisen für zahlreiche Produkte des täglichen Bedarfs oder zu einer geringeren Auswahl für die Verbraucher führen würde.“

Tronox und Cristal sind beide in der Herstellung von Titandioxidpigmenten tätig. Darüber hinaus sind sie Eigentümer von Titangewinnungsanlagen, aus denen sie den Rohstoff für die Pigmentherstellung beziehen. Titandioxid ist ein Weißpigment, das in zahlreichen Produkten wie Farben, Papier und Kunststoffen verwendet wird. Es kommt aufgrund seines Deck- und Aufhellvermögens und zur Gewährleistung von Farbkonsistenz zum Einsatz.

Aus dem geplanten Zusammenschluss würde der sowohl im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) als auch weltweit größte Anbieter von im Chloridverfahren hergestelltem Titandioxid hervorgehen.

Vorläufige Wettbewerbsbedenken der Kommission

Eine von der Kommission durchgeführte erste Marktuntersuchung warf verschiedene Fragen auf, insbesondere im Hinblick auf eine mögliche Verringerung der Anzahl der Lieferanten von im Chloridverfahren hergestellten Titandioxidpigmenten. Auf dem bereits konzentrierten Markt sind Tronox und Cristal enge Wettbewerber. Die Kommission befürchtet, dass der Zusammenschluss zu einer geringeren Auswahl für die Kunden und zu potenziell höheren Preisen für die betroffenen Produkte führen könnte.

Es gibt verschiedene Arten von Titandioxidpigmenten, die in unterschiedlichen Produkten zum Einsatz kommen. Die Zahl der Lieferanten von einigen Arten von Titandioxidpigmenten, etwa denen, die für Gebäudefarbe und bestimmte Arten von Kunststoffen und Papier verwendet werden, ist besonders begrenzt. Die Kommission hat Bedenken, dass die Zahl der effektiven Wettbewerber auf einigen dieser Märkte aufgrund des Zusammenschlusses von vier auf drei zurückgehen würde.

Daher wird sie nun eine eingehende Untersuchung zu den Auswirkungen dieses Zusammenschlusses durchführen, um ihren anfänglichen Bedenken weiter nachzugehen.

Der Zusammenschluss wurde am 15. November 2017 bei der Kommission zur Genehmigung angemeldet. Die Kommission hat nun 90 Arbeitstage, also bis zum 15. Mai 2018, Zeit, um einen Beschluss zu erlassen. Das eingehende Prüfverfahren wird ergebnisoffen geführt.

Unternehmen und Produkte

Das Unternehmen Tronox, das in Australien eingetragen ist und seinen Hauptsitz in den USA hat, ist im Bergbau und in der Herstellung von Mineralien und Chemikalien, unter anderem auch von Titandioxid, tätig. Das Unternehmen besitzt Bergwerke in Australien und Südafrika und betreibt Produktionsstätten in Europa, den USA und Australien.

Cristal (The National Titanium Dioxide Company Ltd.) hat seinen Hauptsitz in Saudi-Arabien und ist Teil des Industrieunternehmens Tasnee. Cristal ist im Bergbau und in der Herstellung von Titandioxid und anderen Chemikalien auf Titanbasis tätig. Das Unternehmen besitzt Bergwerke in Australien und Brasilien und betreibt Produktionsstätten in Europa, den USA, China, Brasilien und Saudi-Arabien.

Fusionskontrollvorschriften und -verfahren

Im Falle einer Verweisung durch einen EU-Mitgliedstaat (siehe Artikel 4 Absatz 5 der Fusionskontrollverordnung) hat die Kommission die Aufgabe, Fusionen und Übernahmen von Unternehmen zu prüfen und Zusammenschlüsse zu untersagen, die den wirksamen Wettbewerb im EWR oder in einem wesentlichen Teil desselben erheblich behindern würden.

Der weitaus größte Teil der angemeldeten Zusammenschlüsse ist wettbewerbsrechtlich unbedenklich und wird nach einer Standardprüfung genehmigt. Nach der Anmeldung muss die Kommission in der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen entscheiden, ob sie das Vorhaben im Vorprüfverfahren (Phase I) genehmigt oder ein eingehendes Prüfverfahren (Phase II) einleitet.

Neben der hier beschriebenen Untersuchung laufen derzeit fünf weitere eingehende Prüfverfahren (Phase II). Dabei geht es um die geplante Übernahme von Ilva durch ArcelorMittal, den geplanten Zusammenschluss von Essilor und Luxottica, die geplante Übernahme von Monsanto durch Bayer, die geplante Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens von Celanese und Blackstone sowie die geplante Übernahme von NXP von Qualcomm.

Weitere Informationen zu dieser Wettbewerbssache werden auf der Website der Generaldirektion Wettbewerb im öffentlich zugänglichen Register der Kommission unter der Nummer M.8451 veröffentlicht.

IP/17/5386

Kontakt für die Medien:

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail


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