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Europäische Kommission - Pressemitteilung

Integration von Flüchtlingen: Zusammenarbeit der Kommission mit Wirtschafts- und Sozialpartnern

Brüssel, 20. Dezember 2017

Integration von Flüchtlingen: Zusammenarbeit der Kommission mit Wirtschafts- und Sozialpartnern

Die Europäische Kommission sowie die Wirtschafts- und Sozialpartner der EU[1] werden heute eine Erklärung zur „europäischen Integrationspartnerschaft“ unterzeichnen. Diese enthält wichtige Grundsätze und Verpflichtungen, um Flüchtlinge und Migranten mit legalem Aufenthalt in der EU zu unterstützen und ihre Chancen für die Integration in den europäischen Arbeitsmarkt zu verbessern.

Kommissionsmitglied Dimitris Avramopoulos erklärte im Vorfeld der feierlichen Unterzeichnung: „Für die erfolgreiche Integration von Neuankömmlingen, insbesondere Flüchtlingen, spielt die frühzeitige Teilhabe am Arbeitsmarkt eine entscheidende Rolle. Alle Akteure, ob öffentlich oder privat, müssen ihren Teil zum Gelingen der Integration von Flüchtlingen beitragen, daher wollen wir die Aufgabe mit vereinten Kräften angehen. Wir verpflichten uns heute zur Zusammenarbeit mit den Wirtschafts- und Sozialpartnern, damit unsere Initiative nicht nur auf europäischer, sondern auch auf nationaler Ebene als Vorbild wirkt. Nur so kann die Migration für alle, sowohl für die Flüchtlinge als auch für die europäischen Gesellschaften, zu einer echten Chance werden.“

Kommissarin Marianne Thyssen ergänzte: „Der beste Weg zur Integration in die Gesellschaft führt über den Arbeitsmarkt. Er sollte daher auch der sicherste und kürzeste Weg sein. Wir tun heute einen weiteren Schritt in diese Richtung, indem wir uns mit den Wirtschafts- und Sozialpartnern zusammentun, um die Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen und die Chance zu ergreifen, die Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren.Dies wird zu inklusiveren Arbeitsmärkten und Gesellschaften beitragen, sodass für alle bessere und nachhaltigere Ergebnisse entsprechend den in der europäischen Säule sozialer Rechte festgeschriebenen Grundsätzen erzielt werden können.“

Luca Visentini, Generalsekretär des Europäischen Gewerkschaftsbunds (EGB) bemerkte dazu: „Der EGB tritt der Partnerschaft zur Förderung der Integration von Asylbewerbern und Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt gern bei. Dies ist eine wichtige Errungenschaft. Aus unserer Sicht stellt es die Fortsetzung der Verpflichtung der Sozialpartner und Behörden dar, die Beschäftigungsmöglichkeiten für Migranten zu erhöhen und die Bemühungen um ihre Gleichbehandlung überall in Europa zu verstärken. Wir hoffen, dass die Partnerschaft wirksame Maßnahmen anregen und praktische Unterstützung erschließen wird. Außerdem muss die Asylpolitik der EU sich ändern und der Schwerpunkt von Sicherheit und Grenzkontrollen auf mehr Solidarität und bessere Einhaltung der Menschenrechte verlagert werden.“

Markus J. Beyrer, Generaldirektor von BUSINESSEUROPE äußerte sich wie folgt: „In den letzten Jahren wurde vielen Flüchtlingen ein Aufenthaltsrecht in Europa gewährt. Sie sollten in ihrem Bemühen, so bald wie möglich auf dem Arbeitsmarkt aktiv zu werden, unterstützt werden. Hier Ergebnisse zu erzielen, ist die beste Möglichkeit, unsere sozialen Werte Gestalt annehmen zu lassen. Wir sollten die Arbeitgeber durch Anpassen der rechtlichen Regelungen ermutigen, Flüchtlinge einzustellen. Hierbei ist ein pragmatischer Ansatz vonnöten.“

Veronique Willems, Generalsekretärin der Europäischen Union des Handwerks und der Klein- und Mittelbetriebe (UEAPME) fügte hinzu: „Migration in Europa ist eine Tatsache und Integration eine Notwendigkeit für die Gesellschaft und die Wirtschaft. Hier steht eine Vielzahl von Akteuren in der Verantwortung. KMU und ihre Verbände unternehmen bereits viel für die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt, brauchen aber mehr Unterstützung. Eine engere Zusammenarbeit auf allen Ebenen ist ein Schritt in die richtige Richtung.“

Laut Valeria Ronzitti, Generalsekretärin des CEEP (Europäischer Zentralverband der öffentlichen Wirtschaft) können „die Arbeitgeber und die Erbringer öffentlicher Dienstleistungen entscheidende Beiträge zur Integration von Migranten und Flüchtlingen in Europa leisten.“ Weiter sagte sie dazu: „Sie fungieren als erste Anlaufstellen, die wesentliche Dienstleistungen erbringen, zu einem späteren Zeitpunkt aber auch als Arbeitgeber. Als Teil der Europäischen Partnerschaft für Integration können unsere Mitglieder diesen doppelten Auftrag besser erfüllen, da wir in unserer geteilten Verantwortung besser unterstützt und anerkannt werden.“

René Branders, Vorsitzender des belgischen Handelskammerverbandes und Vertreter von Eurochambres, erinnerte an die Geschichte, welche zeige, „dass Einwanderer den Kulturen, die sie offen aufgenommen haben, immer Wachstum und Wohlstand gebracht haben. Soll Europa von der Einwanderung ähnlichen Nutzen ziehen, müssen wir die Migranten sozial und wirtschaftlich integrieren“, fuhr Branders fort. „Dies ist nicht nur eine Frage der Solidarität oder der Moral, es ist eine Frage der Entwicklung in einer sich verändernden Welt. Es erfordert ein koordiniertes Vorgehen der maßgeblichen Interessenträger, weswegen dieser Partnerschaft eine bedeutende Rolle zukommt.“

Integration kann nur dann erfolgreich sein, wenn alle relevanten Akteure – EU-Organe, nationale und lokale Behörden, die Wirtschafts- und Sozialpartner sowie zivilgesellschaftliche Organisationen – ihre Aufgaben erfüllen. In der Partnerschaft für Integration sind die Grundprinzipien für die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt, einschließlich einer frühestmöglichen Unterstützung festgelegt, um sicherzustellen, dass die Integration sowohl den Flüchtlingen als auch der Wirtschaft und der Gesellschaft insgesamt zugute kommt und möglichst viele Interessenträger an ihr beteiligt sind.

Die Wirtschafts- und Sozialpartner verpflichteten sich unter anderem zum Austausch von bewährten Verfahren für die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. Hierzu zählen etwa die Einrichtung von Mentorenprogrammen am Arbeitsplatz oder eine erleichterte Ermittlung, Bewertung und Dokumentation von Fertigkeiten und Qualifikationen. Die Wirtschafts- und Sozialpartner haben sich ferner verpflichtet, unter ihren Mitgliedern für die Partnerschaft zu werben und die Zusammenarbeit mit den Behörden auf allen geeigneten Ebenen zu verstärken. Die Europäische Kommission wird sich unter anderem bemühen, Synergien mit EU-Fonds zu fördern, für Synergien mit anderen einschlägigen Initiativen auf europäischer Ebene zu sorgen und die Zusammenarbeit mit maßgeblichen Stellen der EU, Gruppen, Ausschüssen und Netzwerken sowie mit den Wirtschafts- und Sozialpartnern zur Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen fortzusetzen.

Die Erklärung zur Partnerschaft wird von Dimitris Avramopoulos, Kommissar für Migration, Inneres und Bürgerschaft, und Marianne Thyssen, Kommissarin für Beschäftigung, Soziales, Qualifikationen und Arbeitskräftemobilität im Namen der Kommission unterzeichnet.

Hintergrund

Sollte es nicht gelingen, das Potenzial von Flüchtlingen in der EU zu erschließen, so wäre dies angesichts des derzeitigen und künftigen Fachkräftemangels sowie der bestehenden und sich abzeichnenden Erfordernisse des Arbeitsmarkts nicht nur aus Sicht der Betroffenen, sondern auch für unsere Wirtschaft und Gesellschaft als Ganzes eine enorme Verschwendung von Ressourcen. Es sollte zwar weiter in die Qualifizierung und volle Aktivierung der vorhandenen Arbeitskräfte investiert werden, doch können auch Flüchtlinge – wenn sie gut integriert sind – den Arbeitsmarkt der EU bereichern und zur Bewältigung der demografischen Herausforderungen beitragen.

Studien zufolge sind Flüchtlinge mit erheblichen Hindernissen beim Zugang zu Beschäftigung konfrontiert; sie gehören zu den anfälligsten Gruppen unter den Nicht-EU-Bürgern auf dem Arbeitsmarkt. Im Jahr 2014 lag die Beschäftigungsquote von Flüchtlingen um 15-20 % niedriger als bei Einheimischen, und bei den Frauen ist diese Quote besonders gering. Hinzu kommt, dass Flüchtlinge für die Tätigkeiten, die sie ausführen, häufig überqualifiziert sind. Dies ist teilweise darauf zurückzuführen, dass sie die Sprache des Aufnahmelands weniger gut sprechen, und zum Teil darauf, dass ihre Qualifikationen offiziell oder seitens des Arbeitgebers nicht anerkannt werden.

Zur Unterstützung der Integrationsbemühungen der Mitgliedstaaten nahm die Kommission am 7. Juni 2016 einen Aktionsplan für die Integration von Drittstaatsangehörigen an. Mit der von der Kommission am 10. Juni 2016 verabschiedeten neuen europäischen Agenda für Kompetenzen wurden zehn Maßnahmen eingeleitet, um den Menschen in der EU die richtige Ausbildung, geeignete Kompetenzen und die nötige Unterstützung zur Verfügung zu stellen; dazu gehören auch Profilbewertungen für Migranten und Flüchtlinge, die zur Verbesserung der Kompetenzen dieser Personen beitragen sollen. Insbesondere soll das im November dieses Jahres eingeführte EU-Instrument zur Erstellung von Kompetenzprofilen für Drittstaatsangehörige die nationalen Behörden wie die öffentlichen Arbeitsverwaltungen oder Integrationszentren dabei unterstützen, die Fähigkeiten und die Arbeitserfahrung von Drittstaatsangehörigen auszuloten und damit einen schnelleren Zugang zu Beschäftigung oder Ausbildung zu erleichtern. In einigen Fällen könnten Flüchtlinge schließlich die Möglichkeit zur Rückkehr haben und mit den in der EU erworbenen Qualifikationen eine wichtige Rolle bei der Weiterentwicklung oder dem Wiederaufbau ihres Landes spielen.

Arbeitgeber und Sozialpartner sind bemüht, die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt zu erleichtern. Beim Dreigliedrigen Sozialgipfel vom 16. März 2016 wurde eine gemeinsame Erklärung der europäischen Sozial- und Wirtschaftspartner zur Flüchtlingskrise vorgelegt. Am 23. Mai 2017 diskutierten Arbeitgeber und Vertreter der Sozial- und Wirtschaftspartner beim zweiten Treffen des Europäischen Dialogs über Kompetenzen und Migranten über die Herausforderungen und Vorteile, die mit der Integration Drittstaatsangehöriger in den Arbeitsmarkt verbunden sind, und tauschten sich über bewährte Verfahren aus.Am selben Tag wurde die Initiative „Arbeitgeber gemeinsam für Integration“ auf den Weg gebracht.

Das wichtigste Instrument zur Förderung der Arbeitsmarktintegration, auch von Migranten, ist der Europäische Sozialfonds (ESF). Zudem können über den Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) Mittel für vorbereitende Maßnahmen, die den Zugang zum Arbeitsmarkt ermöglichen sollen, bereitgestellt werden. Im November 2017 wurde eine Aufforderung zur Einreichung von Vorschlägen im Rahmen des AMIF mit Frist zum 1. März 2018 veröffentlicht, um Initiativen von Arbeitgebern sowie Wirtschafts- und Sozialpartnern zur Förderung der Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen und anderen Migranten zu unterstützen.

Weitere Informationen

Wortlaut der Erklärung „Eine europäische Integrationspartnerschaft“

Beitritt zur Initiative „Arbeitgeber zusammen für Integration“

Aktionsplan der Kommission für die Integration von Drittstaatsangehörigen

EU-Website zur Integration

Vielversprechende Verfahren für die Arbeitsmarktintegration und soziale Eingliederung von Asylbewerbern und Flüchtlingen in den EU-Mitgliedstaaten

Instrument zur Erstellung von Kompetenzprofilen für Drittstaatsangehörige

Europäische Ausbildungsallianz

Beschäftigungs- und Sozialbericht „Employment and Social Development in Europe“, Jahresbericht 2016 (nur auf Englisch verfügbar), Kapitel 3

Die europäische Säule sozialer Rechte

 

 

[1]EGB, BusinessEurope, UAPME, CEEP und Eurochambres

IP/17/5352

Kontakt für die Medien:

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail


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