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Europäische Kommission - Pressemitteilung

Herbstprognose 2017: anhaltendes Wachstum in einem sich wandelnden politischen Umfeld

Brüssel, 9. November 2017

Herbstprognose 2017: anhaltendes Wachstum in einem sich wandelnden politischen Umfeld

Die Wirtschaft im Euroraum dürfte in diesem Jahr mit einem realen BIP-Wachstum von voraussichtlich 2,2% ihr stärkstes Wachstum seit zehn Jahren verzeichnen. Damit wird die Prognose vom Frühjahr (1,7%) deutlich übertroffen. Auch in der EU insgesamt dürfte das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr mit 2,3% robuster ausfallen als im Frühjahr erwartet (1,9%).

In ihrer heute vorgelegten Herbstprognose geht die Europäische Kommission davon aus, dass die Wirtschaft in den Jahren 2018 und 2019 im Euroraum wie auch in der gesamten EU mit einer Rate von 2,1% bzw. 1,9% weiter wachsen wird (in der Frühjahrsprognose war für 2018 noch ein Zuwachs von 1,8% im Euroraum und 1,9% in der gesamten EU vorhergesagt worden).

Der für den Euro und den sozialen Dialog zuständige Vizepräsident Valdis Dombrovskis, der außerdem für Finanzstabilität, Finanzdienstleistungen und die Kapitalmarktunion zuständig ist, erklärte: „Die EU-Wirtschaft entwickelt sich insgesamt gut. Wirtschaft und Beschäftigung wachsen robust, die Investitionen ziehen an und die öffentlichen Defizite und Schuldenstände gehen allmählich zurück. Außerdem gibt es Anzeichen für eine erneute Konvergenz der Realeinkommen. Es bestehen jedoch erhebliche Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten, wobei in manchen Ländern nach wie vor eine erhebliche Unterauslastung am Arbeitsmarkt vorliegt. Unsere Politik muss weiterhin entschlossen auf ein nachhaltiges und inklusives Wachstum ausgerichtet sein. Wir brauchen also eine stabilitätsorientierte makroökonomische Politik, Reformen zur Steigerung der Produktivität und Anpassungsfähigkeit an den Wandel. Außerdem müssen wir dafür sorgen, dass das Wachstum überall in der Gesellschaft ankommt.“

Der für Wirtschafts- und Finanzangelegenheiten, Steuern und Zoll zuständige Kommissar Pierre Moscovici fügte hinzu: „Nach fünf Jahren moderater Erholung hat sich das Wachstum in Europa nun beschleunigt. Es gibt an vielen Fronten gute Nachrichten: Die Beschäftigung und die Investitionen ziehen an und die öffentlichen Finanzen werden konsolidiert. Bestimmte Probleme wie die hohe Verschuldung und die verhaltenen Lohnanstiege bestehen aber fort. Die Mitgliedstaaten müssen entschlossen handeln, um dafür zu sorgen, dass die wirtschaftliche Erholung anhält und die Früchte des Aufschwungs gerecht verteilt werden. Außerdem müssen wir strukturell zusammenwachsen und den Euroraum stärken, damit er besser für künftige Schocks gewappnet ist und zu einem echten Motor für geteilten Wohlstand wird. Die nächsten Wochen werden in dieser Hinsicht von entscheidender Bedeutung sein.“

Das Wachstum hat die Erwartungen übertroffen, dürfte jedoch etwas nachlassen

Dank des robusten privaten Konsums, eines höheren Wachstums der Weltwirtschaft und sinkender Arbeitslosigkeit ist die europäische Wirtschaft in diesem Jahr viel stärker gewachsen als erwartet. Vor dem Hintergrund der günstigen Finanzierungsbedingungen und der durch die nachlassende Unsicherheit bedingten deutlichen Aufhellung des Geschäftsklimas ziehen auch die Investitionen an. Die Volkswirtschaften der Mitgliedstaaten wachsen, und die Lage an den Arbeitsmärkten verbessert sich, doch steigen die Löhne und Gehälter bislang nur verhalten.

Ein sich wandelndes politisches Umfeld

Wenngleich der konjunkturelle Aufschwung nunmehr schon seit 18 Quartalen andauert, ist er nach wie vor unvollständig, weil beispielsweise immer noch eine starke Unterauslastung am Arbeitsmarkt herrscht und die Löhne ungewöhnlich langsam steigen. BIP-Wachstum und Inflation hängen daher weiterhin von politischer Unterstützung ab. Die Europäische Zentralbank hält an ihrer überaus lockeren Geldpolitik fest, während einige andere Zentralbanken auf der Welt bereits begonnen haben, an der Zinsschraube zu drehen. Wenngleich einige Mitgliedstaaten des Euroraums 2018 vermutlich eine expansive Finanzpolitik verfolgen werden, dürfte der haushaltspolitische Kurs im Euroraum insgesamt doch in etwa neutral bleiben.

Arbeitslosigkeit geht zwar zurück, doch Unterauslastung am Arbeitsmarkt bleibt bestehen

Während bereits eine erhebliche Zahl von Arbeitsplätzen geschaffen worden ist, dürfte sich die Lage am Arbeitsmarkt mit dem durch die einheimische Nachfrage angetriebenen Aufschwung, den gemäßigten Lohnabschlüssen und den in einigen Mitgliedstaaten durchgeführten Strukturreformen weiter verbessern. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote im Euroraum wird in diesem Jahr voraussichtlich bei 9,1 % liegen; das ist der niedrigste Stand seit 2009. Die Zahl der Beschäftigten dürfte unterdessen eine Rekordhöhe erreichen. In den kommenden zwei Jahren dürfte die Arbeitslosigkeit weiter auf 8,5% (2018) bzw. 7,9% (2019) zurückgehen. Für die EU insgesamt wird mit Arbeitslosenquoten von 7,8% in diesem Jahr, 7,3% im Jahr 2018 und 7,0% im Jahr 2019 gerechnet. Sobald die befristeten fiskalischen Anreize in einigen Ländern auslaufen und in anderen Ländern ein Fachkräftemangel entsteht, dürfte das Beschäftigungswachstum aber nachlassen.

Inflationsaussichten wegen des verhaltenen Lohnwachstums gedämpft

Die am Verbraucherpreisanstieg gemessene Inflationsrate unterlag in den ersten neun Monaten des Jahres aufgrund der Basiseffekte der Energiepreise gewissen Schwankungen. Die Kerninflation, bei der die Preise von Energie und unverarbeiteten Nahrungsmitteln ausgeklammert werden, verzeichnete demgegenüber zwar einen Aufwärtstrend, verharrte jedoch vor dem Hintergrund der seit längerer Zeit niedrigen Inflation, des geringen Lohnwachstums und der nach wie vor bestehenden Unterauslastung am Arbeitsmarkt auf moderatem Niveau. Insgesamt dürfte sich die Inflation in diesem Jahr im Euroraum bei durchschnittlich 1,5% einpendeln, 2018 auf 1,4% sinken und 2019 wieder auf 1,6% klettern.

Öffentliche Finanzen verbessern sich dank Belebung der Konjunktur

Die öffentlichen Finanzen im Euroraum dürften sich vor allem aufgrund des anziehenden Wachstums stärker verbessern als im Frühjahr erwartet. Der gesamtstaatliche Haushaltssaldo wird sich voraussichtlich in fast allen Mitgliedstaaten verbessern. Unter der Annahme einer unveränderten Politik dürfte das gesamtstaatliche Defizit im Euroraum in den kommenden Jahren immer weiter zurückgehen: von 1,1% des BIP im Jahr 2017 auf 0,9% im Jahr 2018 und 0,8% im Jahr 2019. Parallel dazu dürfte die Schuldenquote von 89,3% des BIP im Jahr 2017 auf 87,2% im Jahr 2018 und 85,2% im Jahr 2019 fallen.

Risiken halten sich in etwa die Waage

Die Aufwärts- und Abwärtsrisiken in Bezug auf die wirtschaftlichen Entwicklungen halten sich im Großen und Ganzen die Waage. Die größten Abwärtsrisiken sind externer Natur: Sie ergeben sich aus erhöhten geopolitischen Spannungen (z. B. auf der koreanischen Halbinsel), einer möglichen Anspannung der weltweiten Finanzierungsbedingungen (z. B. wegen wachsender Risikoaversion), der wirtschaftlichen Anpassung in China und der Ausweitung protektionistischer Maßnahmen. Als EU-interne Abwärtsrisiken wären der Ausgang der Brexit-Verhandlungen, eine stärkere Aufwertung des Euro und ein Anstieg der langfristigen Zinssätze zu nennen. Demgegenüber könnten schwindende Unsicherheit und eine Aufhellung des Geschäftsklimas in Europa ebenso wie ein kräftigeres Wachstum der Weltwirtschaft dazu führen, dass der Aufschwung hierzulande kräftiger ausfällt.

Beim Vereinigten Königreich beruhen die Prognosen für 2019 auf rein theoretischen Annahmen

In Anbetracht der laufenden Verhandlungen über die Bedingungen des EU-Austritts des Vereinigten Königreichs beruhen die Prognosen für 2019 auf der rein theoretischen Annahme, dass die Handelsbeziehungen zwischen der EU-27 und dem Vereinigtes Königreich unverändert bleiben. Dieser Ansatz wird lediglich für die Erstellung der Prognosen verwendet. Er hat keinerlei Auswirkungen auf die laufenden Gespräche im Rahmen des Verfahrens nach Artikel 50.

Hintergrund

Diese Prognose basiert auf einer Reihe technischer Annahmen in Bezug auf Wechselkurse, Zinssätze und Rohstoffpreise mit Stichtag 23. Oktober 2017. Bei allen anderen herangezogenen Daten, auch den Annahmen zu staatlichen Maßnahmen, wurden in dieser Prognose Informationen bis einschließlich 23. Oktober 2017 berücksichtigt. Den Projektionen liegt die Annahme einer unveränderten Politik zugrunde, außer wenn politische Maßnahmen angekündigt wurden, die hinreichend detailliert und glaubwürdig sind.

Von 2018 an wird die Europäische Kommission anstelle der drei umfassenden Prognosen, die sie seit 2012 jeweils im Frühling, im Herbst und im Winter veröffentlicht hat, wie zuvor alljährlich zwei umfassende Prognosen (jeweils im Frühjahr und im Herbst) und zwei Zwischenprognosen (im Winter und Sommer) vorlegen. Die Zwischenprognosen werden jährliche und vierteljährliche Zahlen zum BIP und zur Inflation im laufenden Jahr und in den darauf folgenden Jahren für alle Mitgliedstaaten und den Euroraum sowie die aggregierten Zahlen für die gesamte Europäische Union enthalten. Durch die Rückkehr zum alten Prognose-Rhytmus werden sich die Prognosen der Kommission zeitlich künftig wieder mit denen anderer Einrichtungen (wie der Europäischen Zentralbank, dem Internationalen Währungsfonds oder der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) decken.

Weitere Informationen

Vollständiges Dokument: Herbstprognose 2017

Vizepräsident Dombrovskis auf Twitter: @VDombrovskis

Kommissar Moscovici auf Twitter: @pierremoscovici

GD ECFIN auf Twitter: @ecfin

Pressemitteilung: Frühjahrsprognose 2017: stetiges Wachstum in Sicht

Vollständiges Dokument: Frühjahrsprognose 2017

IP/17/4362

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