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Europäische Kommission - Pressemitteilung

Gesundheitsforschung: Europäische Kommission vergibt Auszeichnung in Höhe von 1 Mio. EUR für bahnbrechenden Test zur Unterscheidung zwischen viralen oder bakteriellen Infektionen

Leuven, 6. Februar 2017

Die heutigen Auszeichnungen für herausragende Forschungsprojekte im Gesundheitsbereich verdeutlichen die Anstrengungen der Kommission, den optimierten Einsatz von Antibiotika zu fördern und die wachsende Antibiotikaresistenz zu bekämpfen.

Sperrfrist bis 17:00 Uhr (Brüsseler Zeit) am 6. Februar 2017

Der EU-Kommissar für Forschung, Wissenschaft und Innovation, Carlos Moedas, hat heute den mit 1 Mio. EUR dotierten Horizont-Preis für den optimierten Einsatz von Antibiotika vergeben; zugleich verlieh Vytenis Andriukaitis, EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, den EU-Gesundheitspreis für NRO zur Bekämpfung der Antibiotikaresistenz. Die Preisverleihung fand im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung auf Einladung der Universität Löwen in Belgien statt.

Der mit 1 Mio. EUR dotierte Horizont-Preis wird für die Entwicklung eines Schnelltests vergeben, mit dem in weniger als zehn Minuten eine bakterielle Infektion festgestellt und entschieden werden kann, ob ein Patient ohne den Einsatz von Antibiotika auf sichere Weise behandelt werden kann. Dieser einfache Test wird ab 2018 für Patienten verfügbar sein. Er wurde von MINICARE HNL entwickelt, einem gemeinsamen Forschungsteam von P&M Venge AB aus Schweden und PHILIPS Electronics aus den Niederlanden.

EU-Kommissar Moedas erklärte: „Überdosierung und Missbrauch von Antibiotika sind ein großes Problem für die öffentliche Gesundheit. Wir werden dafür sorgen, dass dieser Test den Patienten so schnell wie möglich zur Verfügung gestellt wird, so dass Antibiotika nur bei bakteriellen Infektionen und nicht für virale Infektionen eingesetzt werden, wo sie unwirksam bzw. unnötig sind. Dadurch wird der Gefahr einer steigenden Resistenz gegen antimikrobielle Mittel entgegengewirkt.“

Mit dem EU-Gesundheitspreis für NRO zur Bekämpfung der Antibiotikaresistenz werden herausragende Initiativen von NRO gewürdigt, die dazu beitragen, die von der Antibiotikaresistenz für die menschliche Gesundheit ausgehende Bedrohung zu verringern. Der erste Preis in Höhe von 20 000 EUR ging an den Europäischen Verbraucherverband BEUC für seine Kampagne „From Farm to You“, durch die das Bewusstsein für die Ursachen der Antibiotikaresistenz, wie den übermäßigen Einsatz von antimikrobiellen Mitteln bei Tieren und den Missbrauch und übermäßigen Einsatz von Antibiotika in der Humanmedizin, geschärft wird.

Vytenis Andriukaitis, EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, fügte hinzu: „Wir müssen Initiativen, mit denen das Bewusstsein für die zunehmende Bedrohung durch Antibiotikaresistenz geschärft wird, in den Mittelpunkt des Interesses rücken. Diese drohende Gefahr abzuwenden, bevor sie sich in einen Alptraum für die öffentliche Gesundheit verwandelt, ist die dringlichste Priorität meiner Tätigkeit als EU-Kommissar für Gesundheit und als ehemaliger Arzt. Ich zähle weiterhin auf die Unterstützung und das Engagement von Organisationen wie dem BEUC.“ 

Finalisten

Bei dem Preis für einen sachgemäßeren Einsatz von Antibiotika standen zwei weitere Finalisten in engem Wettbewerb zueinander und stellten auf den Patienten ausgerichtete innovative Technologien vor:

— PulmoCheck: Entwicklung eines Produkts, das innerhalb von 2-6 Minuten auf Körperflüssigkeiten reagiert, die sich aus einer bakteriellen Infektion entwickeln;

— ImmunoPoc: Entwicklung eines Schnelltests, mit dem durch einen einfachen Stich in den Finger innerhalb von 15 Minuten zwischen einer bakteriellen oder viralen Infektion unterschieden werden kann.

Der zweite EU-Gesundheitspreis in Höhe von 15 000 EUR ging an die Organisationen „Alliance to Save our Antibiotics“, „Compassion in World Farming“ und „Soil Association“; der dritte Preis in Höhe von 10 000 EUR wurde der „World Alliance Against Antibiotic Resistance“ für ihre Kampagne „Acting to Preserve Antibiotics“ verliehen.

Hintergrundinformationen

Die Resistenz gegen antimikrobielle Wirkstoffe stellt weltweit eine wachsende Bedrohung und eine erhebliche gesellschaftliche und wirtschaftliche Belastung dar. Untätigkeit dürfte dazu führen, dass bis 2050 weltweit jährlich Millionen von Toten zu beklagen sein werden und die Weltwirtschaft einen kumulierten Verlust von 90 Mrd. EUR verzeichnen wird. Antibiotikaresistenz ist daher zu einer politischen Priorität innerhalb der EU geworden.

Aufgrund von Antibiotikaresistenz sterben in der EU jährlich 25 000 Menschen, was jährliche Kosten in Höhe von 1,5 Mrd. EUR in Form von Gesundheitsausgaben und Produktivitätsverlusten verursacht. Die Europäische Kommission setzt sich seit 1999 für die Bekämpfung der Antibiotikaresistenz ein. Dabei verfolgt sie einen „One health“-Ansatz, dem die Erkenntnis zugrunde liegt, dass die Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt untrennbar miteinander verbunden ist. Derzeit wird auf der Grundlage der Bewertung des Aktionsplans 2011 ein neuer Aktionsplan gegen Antibiotikaresistenz entwickelt, der sich auf Tätigkeiten mit klarem EU-Mehrwert und messbaren und konkreten Ergebnissen konzentriert. Diese weitreichende öffentliche Konsultation soll zu dem gemeinsamen Ziel beitragen, die Wirksamkeit von Antibiotika aufrechtzuerhalten, die Infektionsbekämpfung zu verbessern und neue innovative Behandlungsmöglichkeiten zu fördern.

Am 27. Januar 2017 hat die Kommission eine öffentliche Konsultation zu möglichen Tätigkeiten eingeleitet, die in den neuen „One Health“-Aktionsplan gegen Antibiotikaresistenz aufgenommen werden könnten; der Plan soll bis Sommer 2017 angenommen werden. Die Konsultation, die bis zum 28. April 2017 läuft, enthält einen Fragebogen für öffentliche Verwaltungen und Interessengruppen sowie einen Fragebogen für die Bürgerinnen und Bürger.

Horizont-Preise sind Wettbewerbspreise (bzw. Anreizpreise), deren Gewinne den Teilnehmern für die besten Vorschläge zur Lösung festgelegter Herausforderungen in bar ausgezahlt werden. Bei diesen Wettbewerben werden weder die Methodik noch sonstige technische Details vorgeschrieben. Es steht den Teilnehmern frei, die ihrer Ansicht nach erfolgversprechendste und wirksamste Lösung zu entwickeln. Ziel ist es, Anreize für Innovationen und die Entwicklung von Lösungen für Probleme zu bieten, die für die Bürgerinnen und Bürger der EU relevant sind.

Weitere Informationen

Factsheet: How EU research funding contributes to public health and tackles antimicrobial resistance

IP/17/205

Kontakt für die Medien:

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail


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