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Europäische Kommission - Pressemitteilung

Fusionskontrolle: Kommission genehmigt Übernahme von Intrum Justitia durch Nordic Capital unter Bedingungen

Brüssel, 12. Juni 2017

Die Europäische Kommission hat die Übernahme von Intrum Justitia durch Nordic Capital nach der EU-Fusionskontrollverordnung genehmigt. Die Genehmigung ist an die Bedingung geknüpft, einen Teil des Geschäfts der Beitreibung von Schulden und des Kaufs von Schuldtiteln in Dänemark, Estland, Finnland, Norwegen und Schweden zu veräußern, weil sich die Tätigkeiten der beiden Unternehmen auf diesen Märkten überschneiden.

Im Fokus der Untersuchung der Kommission standen die Märkte der Beitreibung von Schulden und des Kaufs von Schuldtiteln, wo sowohl Intrum Justitia als auch Lindorff, ein Unternehmen aus dem Beteiligungsportfolio von Nordic Capital, tätig sind. Die Kommission hatte Bedenken, dass die Übernahme den Wettbewerb auf den betreffenden Märkten in Dänemark, Estland, Finnland, Norwegen und Schweden reduziert hätte.

Was den Markt der Beitreibung von Schulden anbelangt, so stellte die Kommission fest, dass Lindorff und Intrum Justitia dort sehr stark vertreten sind. Beide Unternehmen verfügen aufgrund ihrer Größe, ihres Ansehens und ihrer Fähigkeit zum Bedienen von Großkunden mit einem hohen Aufkommen an Forderungen (wie Banken, Versorgungs- oder Telekommunikationsunternehmen) über eine Ausnahmestellung. Ein Zusammenschluss von Lindorff und Intrum Justitia hätte den Wettbewerb in den betreffenden fünf Ländern so geschwächt, dass niedrigere Leistungsqualität und höhere Preise die Folge gewesen wären.

Der Kauf von Schuldtiteln hat zur Folge, dass die betreffenden Forderungen vom ursprünglichen Gläubiger auf einen Dritten, den Käufer, übergehen. In den meisten Fällen werden die erworbenen Forderungen anschließend vom Käufer selbst beigetrieben. Die Kommission hat festgestellt, dass die Märkte der Beitreibung von Schulden und des Kaufs von Schuldtiteln eng miteinander verbunden sind, da eine starke Stellung auf dem Markt der Beitreibung es einem Unternehmen erleichtert, auch auf dem Markt des Kaufs von Schuldtiteln eine starke Stellung aufzubauen und umgekehrt. Ferner ist nur eine begrenzte Anzahl von Marktteilnehmern in der Lage, bestimmte Schuldtitel und Volumina zu erwerben. In den fünf betroffenen Ländern sind die Unternehmen vor allem im Erwerb unbesicherter Schuldtitel (also von Forderungen, für die es keine Sicherheit als Gegenleistung gibt) tätig, der von großen internationalen Investoren generell gemieden wird. Ein Zusammenschluss von Lindorff und Intrum Justitia in den fünf betroffenen Ländern hätte dazu führen können, dass die ohnehin schon begrenzte Zahl potenzieller Schuldtitel-Käufer weiter zurückgeht und Verkäufer von Schuldtiteln infolgedessen ihre Forderungsbestände nicht verkaufen können. Die Aufrechterhaltung des Wettbewerbs auf diesem Markt wird es den Verkäufern von Schuldtiteln ermöglichen, ihre Bestände und Risiken besser zu steuern und somit zum Nutzen ihrer Kunden effizienter zu wirtschaften.

 

Unterbreitete Verpflichtungsangebote

Um die Wettbewerbsbedenken der Kommission auszuräumen, hat Nordic Capital angeboten, das gesamte Geschäft der Schuldenbeitreibung und des Schuldtitelkaufs von Lindorff in Dänemark, Estland, Finnland und Schweden und die entsprechende Sparte von Intrum Justitia in Norwegen zu verkaufen.

Dadurch würden die Überschneidungen von Lindorff und Intrum Iustitia in den fünf Ländern, denen die Wettbewerbsbedenken der Kommission galten, vollständig beseitigt.

Daher stellte die Kommission fest, dass der geplante Zusammenschluss in der durch die Verpflichtungen geänderten Form nicht länger Anlass zu wettbewerbsrechtlichen Bedenken gibt. Die Genehmigung des Zusammenschlusses erfolgt unter der Bedingung, dass die Verpflichtungen in vollem Umfang eingehalten werden.

 

Unternehmen und Produkte

Nordic Capital ist eine private Kapitalbeteiligungsgesellschaft mit Sitz in Jersey, die vor allem in große und mittelständische Unternehmen in der nordischen Region und in den deutschsprachigen Gebieten Europas investiert.

Das norwegische Unternehmen Lindorff ist eines der Unternehmen, an denen Nordic Capital beteiligt ist. Lindorff ist in der Kreditverwaltung und insbesondere der Beitreibung von Schulden und dem Ankauf von Schuldtiteln tätig. Das Unternehmen ist mit diesem Geschäft in einer Reihe europäischer Staaten vertreten.

Die schwedische Intrum Justizia ist in der Kreditverwaltung und insbesondere der Beitreibung von Schulden und dem Ankauf von Schuldtiteln tätig und in einer Reihe europäischer Länder präsent.

 

Fusionskontrollvorschriften und -verfahren

Das Vorhaben wurde am 12. April 2017 bei der Kommission zur Genehmigung angemeldet.

Die Kommission hat die Aufgabe, Fusionen und Übernahmen von Unternehmen zu prüfen, deren Umsatz bestimmte Schwellenwerte übersteigt (vgl. Artikel 1 der Fusionskontrollverordnung), und Zusammenschlüsse zu untersagen, die den wirksamen Wettbewerb im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) oder in einem wesentlichen Teil desselben erheblich behindern würden.

Der weitaus größte Teil der angemeldeten Zusammenschlüsse ist wettbewerbsrechtlich unbedenklich und wird nach einer Standardprüfung genehmigt. Nach der Anmeldung muss die Kommission in der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen entscheiden, ob sie das Vorhaben im Vorprüfverfahren (Phase I) genehmigt oder ein eingehendes Prüfverfahren (Phase II) einleitet. Diese Frist verlängert sich auf 35 Arbeitstage, wenn die beteiligten Unternehmen, wie im vorliegenden Fall, Abhilfemaßnahmen anbieten.

Weitere Informationen zu dieser Wettbewerbssache werden auf der Website der GD Wettbewerb im öffentlich zugänglichen Register unter der Nummer M.8287 veröffentlicht.

IP/17/1602

Kontakt für die Medien:

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail


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